Der Alte Mensch

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Die gute Nachricht zuerst: es gibt überhaupt keinen Alten Menschen mehr, der zu bekämpfen wäre. Christen haben keine Doppelnatur aus Altem und Neuem Menschen.

Diese These (von der Doppelnatur des Christen) ist für das gesetzliche Denken eine mindestens ebenso große Stütze wie die These vom Segen, der nicht umsonst zu haben sei. Eine andere ist die von der Sünde, die uns angeblich von Gott trennt.

… es gibt nur einen Neuen Menschen. Was wäre das auch für eine Erlösung, bei der wir noch eine Art Zombie mit uns rum schleppen?

… viel hängt daran, daß unser Fleisch oft mit dem Alten Menschen gleichgesetzt wird (die entsprechende Literatur strotzt nur so von gelehrter Verwirrung an dieser Stelle). Unser Fleisch ist aber einfach nur unser Fleisch: es ist daran gewöhnt, die Dinge mit den Mitteln dieser Welt zu lösen. Und dazu gehören nicht nur sündige Taten in allen Varianten und Schweregraden, sondern vor allem viele religiöse Bemühungen (also auch Sünden).

… das sofortige und lückenlose Bekennen von Sünden ist eine dieser religiösen Bemühungen. Als hinge Gottes Vergebung daran, daß wir jede Sünde bemerken und sie dann auch gefälligst zeitnah bekennen! Was für ein Stress! Und das soll ERLÖSUNG sein?

Und es bleibt auch ausgemachter Unsinn, daß durch unsere Sünden eine Distanz zwischen uns und Gott entsteht. Wie soll das denn gehen? Er ist in uns und wir sind in ihm. Diesen Status würden wir ja mindestens minütlich verlieren, wenn die Sünde diese Wirkung hätte.

Viele Christen mögen das mit der Einen Neuen Natur nicht, weil sie plötzlich nicht mehr wüßten, was sie dann tun sollen. Der Kampf gegen den vermeintlichen Alten Adam ist doch zu schön und produziert ständig Dramen aller Art – meist zwar die von der qualvollen Sorte, aber das sorgt wenigstens für Intensität; und damit für das GEFÜHL, lebendig zu sein.

… unser natürliches Wesen bildet nicht mehr den Mittelpunkt unserer Person. Wir haben andere Lösungsmöglichkeiten dadurch, daß wir einen direkten Draht zu Gott haben. In dieser Welt gibt es nur begrenzt echte bedingungslose Annahme, Wertschätzung, Zugehörigkeit etc. Das alles haben wir plötzlich, wenn wir Gott kennen und das mit der Erlösung durch Jesus kapiert haben. Aber unsere Gewöhnung, unsere Prägung legt uns andere Dinge nahe, um unser Bedürfnis nach Annahme etc. zu erfüllen.

… großes Thema. Aber diese Gewöhnung, diese Prägung, in natürlichen Dingen Lösungen zu suchen für tiefliegende Defizite – das ist das, was viele Christen zum Alten Menschen hochdramatisieren. Prägungen und Gewöhnungen kann man ändern – einen Zombie bekämpfen ist letztlich ein sinnloses Unterfangen. Aber etwas, das gar nicht existiert, kann man auch nicht töten oder tot halten oder ihm das Futter entziehen (indem man das Gesetz befolgt). Man kann es noch nicht mal ignorieren, weil es gar nicht da ist.

… das öffnet Perspektiven für eine ganz andere Art von Leben: Sündigen ist dann etwas, daß mir nicht mehr meine doppelte (und letztlich unerlöste) Natur beweist; sondern ich kann mich fragen, warum ich das tue und ob ich denn Alternativen dazu kenne. Kenne ich sie nicht, muß ich weitermachen – etwas, daß für den Gesetzlichen nie in Frage käme, obwohl er selbst in der Praxis nichts anderes macht. Das Gesetz fordert immer das sofortige Ende des Mißstandes. Aber ich habe die Perspektive einer echten Veränderung, die von innen kommt, durch das NEUE LEBEN in mir. Das braucht zwar oft Zeit, ist aber wesentlich stabiler, entspannter, gesünder …

Nachteil dabei: man kann sich nicht so mit Ruhm bekleckern. Und der Stolz auf die eigene Hingabe und Konsequenz ist nun mal bei den Vertretern dieser Richtung unübersehbar. Sorry, Jungs und Mädels!

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