Eine neue Art von Gehorsam

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Natürlich ist es möglich, die Qualität seines Christ-Seins am eigenen Tun festzumachen. Wie das allerdings NICHT in Selbstverdammnis enden soll, bleibt rätselhaft.

Aber wer von Herzen gehorsam worden ist, hat die Wahl. Aber ihm fällt es eher schwer, sich für das Schlechte, Kranke, Üble, Gemeine etc. zu entscheiden. Denn der Geist Gottes hat das Innenleben dieses Menschen nachhaltig verändert. Vom so oft geschilderten (und leider auch erlebten) qualvollen „Kampf zwischen Geist und Fleisch“ keine Spur. Seine Neigung geht einfach in eine andere Richtung – aber unter Wahrung der Willensfreiheit. Auch dort gibt es keinen Automatismus.

… natürlich ist es selten die Frage, ob Christen das Gute tun wollen (nicht zu verwechseln mit den (frei)kirchlich Regelkatalogen). Sie wollen es, weil sie ein Neues Herz haben. Aber sie tun es meist als Mangelleidende, in vielen ihrer Bedürfnisse zu kurz Gekommene. Das Gute zu tun, ist dann aber eine zusätzliche Belastung in einem sowieso schon strapaziösen Alltag. Und die gute Tat und die eigenen Bedürfnisse geraten dadurch in einen ständigen (überflüssigen) Konflikt. Man versucht zu geben – aber das Nehmen wäre viel nötiger.

Das erklärt aber nur EINE Ursache des vermeintlichen Konfliktes zwischen Geist und Fleisch. Eine andere ist der vorauseilende Gehorsam (der dann noch als notwendig und richtig gepriesen wird, weil man die Alternativen fürchtet: wer nicht gehorsam sein kann, wird nun mal sündigen); es wird nicht gewartet, bis die innere Veränderung stattgefunden hat. Dies mag in Einzelfällen auch nicht gehen (berechtigte Angst vor den Folgen kann ein Motiv sein), muß aber kein Lebensstil auf breiter Front sein.

In einer Mangelsituation ist es normal, das (oft nur angeblich) Böse oft attraktiver erscheint; schon weil es verboten ist … womit wir schon beim nächsten Punkt wären: für den, der mit und unter Gesetz lebt, ist das Verbotene – verboten. Für den, der sich vom Gesetz fern hält, ist das nicht so: er hat also nicht mit der Faszination für das Verbotene zu kämpfen.

Eine weitere Erleichterung für ihn besteht darin, daß er sein „Fleisch“ nicht mehr für seinen Alten Menschen hält – also nicht mit einem Zombie in sich herumläuft. Das Fleisch ist für ihn das Natürliche, daß darauf geprägt, ausschließlich von dem, was man sehen, fühlen, schmecken, riechen etc kann, Lösungen zu zu erwarten. Pizzas, Freunde, Autos, Brav-Sein,Strandurlaube, lange Bücherreihen, religiöse Anstrengungen, Partner, Ballermann-Lokationen usw. können aber nun mal keine Lösungen sein für unsere grundlegenden Probleme … wie Jesus sagte: „Die Sünde ist, daß sie nicht an mich glauben“ (Joh 16,9) – nicht von ihm „Gnade um Gnade“ (Joh 1,16) nehmen, also im Natürlichen stecken bleiben; auch in den natürlichen Formen von Religion, die auf eigener Anstrengung beruhen.

Das was von vielen Christen als oft schmerzhafter „Kampf zwischen Geist und Fleisch“ (oder sogar noch unzutreffender als „Konflikt zwischen Altem und Neuem Menschen“) – hat also seine nachvollziehbaren Ursachen. Aber dieser Kampf ist letztlich überflüssig. Geht aber selbstverständlich nur, wenn man die Lizenz zum Sündigen hat – ohne sie geht das nicht. Wobei noch die große Frage ist, ob die lizenzlosen Gesetzis nicht locker mithalten können beim Sündigen: der Druck, unter dem sie stehen, verlangt ein Ventil. Und die vielen Schuldgefühle tun ein übriges, die Dinge anzuheizen.

… diesen Kampflebensstil aufzugeben – das geschieht meist nicht aus innerer Einsicht, sondern weil einem die Kraft ausgeht. Schade, denn bei manchen, die gut im Anstrengen sind, reicht die Kraft bis ans Lebensende … und je mehr man in diesen Lebensstil investiert hat, desto mehr investiert man, über die Investionen der Vergangenheit zu rechtfertigen … und der unvermeidbare Stolz (typische Gesetzes“frucht“) auf die eigenen „Überwinder“-Qualitäten ist auch nicht zu unterschätzen.

Es hilft also alles nichts: dieser vorauseilende Gehorsam ist Gesetzlichkeit. Der WUNSCH nach einer eigenen Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist allerdings ein Ergebnis des Neuen Herzens in uns. Das ist EINE Ursache für unsere Anfälligkeit für ein Leben unter Gesetz: es ist eine verführerische Abkürzung – und endet aber in lauter schmerzhaften Sackgassen.

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