Zerbruch – was soll das eigentlich sein?

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Sowohl in einigen evangelikalen wie auch charismatischen Kreisen wird eine Menge Aufhebens von dem gemacht, was man mit dem Begriff „Zerbruch“ bezeichnet.

Eine genaue Definition, was das denn sei, bleibt man meist schuldig. Auch der Frage, was denn da genau zerbrochen werden soll, bleibt oft unbeantwortet: unser neugeborener Geist? Unser Hang zum Sündigen? … wie auch immer: die Folgen seien besondere Gottesnähe, Heiligkeit, Hingabe, weniger Neigung zum Sündigen … gerne wird aber vor allem das Quälende und Schmerzhafte des Zerbruchsprozesses hervorgehoben.

Bleibt nur ein winziges Problem: es gibt außer im Alten Testament keine Belege für die ganze Lehre vom Zerbruch. Eine Konkordanzsuche nach „Zerbruch“ fördert keinerlei Fundstellen zu Tage; bei „zerbrechen“ und „zerbrochen“ findet sich auch nichts eindeutiges bzw. eher entlastendes.

Ps 34,19 Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er.

Ps 51,19 Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

Mit diesen Versen ist noch nicht gesagt, daß es sich dabei um einen Zustand handelt, den man als Gläubiger bewußt anstreben soll. Dagegen spricht auch sehr, daß Gott diesen Zustand heilen will:

Ps 147,3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden.

Jes 61,1 Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen

Das Neue Testament lehrt keinen Zerbruch. Und das wundert auch nicht: denn es lehrt Veränderung durch die Gnade Gottes, durch seine Geschenke an uns, durch einen inneren Prozeß.

Hinter der Lehre vom Zerbruch steht im besten Fall unser Wunsch nach echter Veränderung – im schlimmsten Fall die Sehnsucht nach besonderen religiösen Erlebnissen, mit denen man das eigene Leben ein wenig intensivieren will.

Für die, die von Kindesbeinen an an Schmerz und Qual in ihrem Leben gewöhnt sind (und sie leider oft unbewußt suchen, weil sie vertraut sind) ist diese Lehre ein gefährliches Angebot: sie „heiligt“ Gefühlslagen, die oft völlig überflüssig sind (weil vermeidbar). Destruktive Verhaltensmuster werden also nicht verändert, sondern mit einem frommen Anstrich versehen.

Echte innere Veränderung wird durch den Heiligen Geist in uns bewirkt. Wir müssen dazu keine schmerzhaften Situationen suchen oder bewußt aushalten.

Wenn etwas weh tut, will der Mensch dem entkommen – das ist normal. Und es ist entscheidend, ob Gott dabei unser Fluchthelfer ist oder nicht. Wäre er der, der sagt „Halte aus!“, wäre unser Wunsch nach Wohlergehen eigentlich was, dem Gott ablehnend gegenüber steht. Wir wären dann allein mit unserem Wunsch und Gott wäre unser Gegner.

Natürlich gibt es kein schmerzfreies Leben – diese Tatsache ist aber umso mehr ein Grund, allen überflüssigen Schmerz zu vermeiden.

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