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Unfähig zu sündigen? (1.Joh 3)

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1.Johannes 3 ist immer noch eine für viele rätselhafte Passage im Neuen Testament. Scheint es doch, als würden dort Dinge stehen wie „ein Christ kann und wird nicht sündigen“ oder „wer sündigt, ist ein Kind des Teufels“ … und noch so manches andere, dass auch Christen irritieren kann, die an sich von der bedingungslosen Rettung Gottes überzeugt sind  Weiterlesen…

Regeln bringen kein Leben hervor

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Jesus hat uns lebendig gemacht. Durch ihn haben wir Leben. Ohne ihn waren wir -tot. Dieses Leben ist in uns und wirkt. Wenn wir es wirken lassen (was oft Zeit braucht), werden wir seine Wirkungen erfahren und geniessen. Oft fühlen wir uns vielleicht nicht lebendig – aber wir sind es.

Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten … (Johannes 7,38.39)

In uns ist sozusagen eine Quelle, die sprudelt. Die Kunst besteht eigentlich nur daran, sie einfach weiter sprudeln zu lassen – und alle Versuchungen zu widerstehen, sie durch etwas anderes ersetzen zu wollen. Oder ihre Fließgeschwindigkeit zu erhöhen. Oder die Masse an Wasser, die aus ihr hervorkommt.

Das alles ist einfach so. Wir können nichts dafür. So was nennt man Erlösung.

Ganz anders der Prinzipienreiter (wenn wir ihn mal nicht Gesetzi oder Gesetzeslehrer nennen wollen). Er sucht nach Regeln, Gesetzen, Prinzipien – auch in den Texten des Neuen Testamentes. Und natürlich wird er fündig – es gibt auch dort Regeln.

Aber es sind ganz oft Regeln, die dazu dienen, unser Neues Leben mit seinen Auswirkungen in bestimmte Bahnen zu lenken. Eine vorhandene Lebendigkeit wird quasi kanalisiert.

Oder es sind Regeln, die uns helfen sollen, unser Neues Leben in Jesus nicht aus den Augen zu verlieren („Bleibt in mir!“). Sie sagen uns: konzentrier dich auf dein Neues Leben, auf das, was Gott dir geschenkt hat.

Was diese Regeln aber nie bewirken: sie geben uns kein Leben. Sie machen uns nicht lebendig. Und in dem Moment, wo wir Regeln als Lebensbringer oder „lebensfördernd“ präsentieren, lenken wir den Blick bereits vom Wesentlichen ab: unserem Neuen Leben in Jesus.

Es bleibt dabei „… wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das lebendig machen könnte, dann wäre wirklich die Gerechtigkeit aus dem Gesetz. “ (Galater 3,21). Das gilt nicht nur für das Gesetz des Alten Bundes, sondern für alle Regelwerke, die uns offen oder unausgesprochen verheißen, wir würden durch sie lebendig.

Also auch die, die sich aufgeklärte Gesetzeslehrer halten, haben nur ein paar Regeln abgeschafft – nicht aber den Glauben, Regeln bzw. ihre Befolgung könnten uns lebendig machen.

… und wenn man so will, ist damit auch das Programm dieser Seite umrissen.

 

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Trennt Sünde uns von Gott?

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Die beliebte These, Sünde trenne uns von Gott oder vom Segen, wird durch oftmalige Wiederholung nicht besser – und nicht wahrer. Es gibt keine Belege dafür im Neuen Testament. Im Gegenteil:

Epheser 1,3: … Gott HAT uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus.
Eph 2,13 Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden.
Eph 2,6 Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus

Und daß uns nichts von Liebe Gottes trennen kann, wissen wir alle. Wir sind ihm nahe, wir sind mit ihm versetzt an himmlische Orte, der Heilige Geist lebt in uns etc. pp. – solche Menschen sind Gott und seinem Segen IMMER nahe.

Diese Lehre gründet sich ausschließlich auf eine Stelle aus dem Alten Testament:

Jes 59,2 sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört.

Dazu kommt natürlich noch die Überlegung „Gott ist heilig, die Sünde ist es nicht. Logisch, dann habe ich ein Problem, wenn ich sündige“. Aber damit unterschätzen wir die Auswirkungen der Erlösung: unsere Sünden sind alle vergeben und ausgelöscht. Jesus hat dafür gelitten und sein Blut vergossen.

Aber es gibt eine Stelle, die von einer Trennung von Gott spricht:

Gal 5,4: Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.

Aha: da haben wir sie endlich: die (von manchen sehr gewünschte) Trennung von Christus   Grin Und komischweise wird die nie zitiert, wenn Gesetzeslehrer mit tiefem Ernst über die „Trennung von Gott“ reden. Und vermutlich geben sie bei diesen Predigten nur ihrem eigenen Lebensgefühl Ausdruck: sie sind vor dem Angesicht Gottes gerade so geduldet. Denn unter dem Gesetz macht es natürlich durchaus Sinn, daß Sünde uns von Gott trennt.

 

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Schwachheit (oder: im Tante-Emma-Laden der Erlösung)

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In punkto „Schwachheit“ der Gläubigen gibt es einige Mißverständnisse und Fragen. Wie verträgt sich Schwachheit mit erlebter Fülle? mit Vollmacht? mit Sieg und Herrschen? mit Wohlstand und Erfolg?

Wir beobachten etwa:

  • gerade die Christen, die sich mit ihrer wirklichen Erlösung beschäftigen (und nicht mit einer Verkürzung oder Übertreibung derselben) erkennen über kurz oder lang, wie abhängig sie davon sind, dass Gott ihnen hilft und sie beschenkt
  • wer erkannt hat, dass die eigenen Bedürfnisse nicht länger ignoriert werden sollten und sie sich eingesteht – sieht sich plötzlich damit konfrontiert, dass er unfähig ist, sie selbst zu erfüllen (etwa weil er dafür andere Menschen braucht); er erkennt sich als „schwach“
  • starke und gleichzeitig unerfüllte Bedürfnisse (auch jenseits von Hunger, Durst, Kleidung, Wohnung) bereiten Schmerz: Wertschätzung, Zugehörigkeit, Bestimmung, Familie, Liebe, Leichtigkeit usw. Die Versuchung, ihnen über falsche Strategien wie Sündigen oder Gesetz beizukommen, ist naheliegend und meist Realität (und auch alternativlos, bis wir echte Alternativen haben)
  • oftmals sind Menschen, die Christen werden, unfähig oder nicht daran gewöhnt, Spaß zu haben und auf gesunde Weise für sich selbst zu sorgen; sie sind „schwach“ darin, für ihre eigenen Bedürfnisse zu sorgen
  • die Beschreibung dessen, was wir in Christus alles sind und haben, weckt den Wunsch, das auch real zu erleben (schon weil es einige unserer Bedürfnisse erfüllen würde); aber schnell merken wir, dass keinen Knopf gibt, auf den man drücken kann, um sich etwa umgehend geliebt zu fühlen

Die Fülle der Erlösung scheint also kein geistliches Kaufhaus zu sein, bei dem wir souverän und autonom und „stark“ durch die Regale gehen und uns nehmen, was wir brauchen (obwohl manche das behaupten). Eher scheint es so zu sein, dass Jesus wie im Tante-Emma-Laden (den wir etwas „schwächelnd“ betreten haben) hinter der Theke steht und uns freundlich fragt: „Was darf es denn heute sein?“ und uns in ein Gespräch verwickeln will.

Das Neue Testament sagt mehrmals, dass unser Fleisch, unsere Natürlichkeit schwach ist:

Mk 14,38 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.

Röm 6,19a Ich rede menschlich wegen der Schwachheit eures Fleisches …

Es gibt Schwachheit in Bezug auf Gebet ( Röm 8,26 ) oder auf einen „geistlichen“ Dienst ( 1Kor 2,3 2Kor 10,10 Gal 4,13 )

Paulus geht sogar so weit und rühmt sich seiner Schwachheit:

2Kor 12,5 Über diesen will ich mich rühmen; über mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, nur der Schwachheiten.

Diese Schwachheit unserer Natürlichkeit, unseres Fleisches ist nicht beendet durch unser Erlöst-Sein. Aber wir können anfangen, sie anders einzuordnen.

Schwachheit scheint gleichbedeutend mit Abhängigkeit (von Gott – aber auch von anderen!) und Bedürftigkeit zu sein. Wir sehen uns nicht gerne als abhängig und bedürftig. Oft verachten wir uns dafür. Dabei sind Kinder es lange Jahre – aber wer käme auf die Idee, sie dafür zu verachten. Unsere Kultur möchte uns stark, kompetent, fähig, vital, attraktiv etc. sehen (und auf dem einen oder anderen Gebiet sind wir das sogar öfter mal) – nur dann sind wir ok. Aber wer ist das schon (wenn er oder sie mal ehrlich ist)?

Gott hat kein Problem damit, wenn wir uns so fühlen (aber auch nicht, wenn wir uns gerade voller Saft und Kraft fühlen). Seine Geschenke sind nicht davon abhängig, wie uns gerade zumute ist. Er will uns immer beschenken. So machen auch Sätze wie dieser Sinn:

2Kor 12,9 Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. 2Kor 12,10 Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.

Das ist keine schräge Sicht auf das Leben – sondern die Einsicht, dass unsere sowieso unvermeidbare Schwachheit kein Hindernis für Gott ist, uns zu beschenken und sogar durch uns zu wirken. Allerdings sollten wir beachten, dass wir nicht in einem apostolischen Dienst stehen wie Paulus (dieser Teil gilt also nicht für uns).

Vermutlich war das auch ein „Geheimnis“ der ersten Gemeinden: sie waren sich ihrer Schwäche und Bedürftigkeit oft bewußt – aber es erschien ihnen nicht länger verachtenswert. Es war ihnen nicht peinlich. Sie wollten nicht kompetent werden (und es fehlten ihnen dazu auch Dinge wie Bildung, Geld, Aussehen usw.). Vielmehr lernten sie immer mehr, dass ihre Schwachheit (auch in Bezug auf das Sündigen) kein Hindernis darstellt für Gottes Geschenke und Gottes Wirken (auch in großer Vollmacht).

Jesus kannte dieses Gefühl übrigens auch:

Hebr 4,15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.

Darum ist er auch der überaus qualifizierte Mann hinter der Theke des Tante-Emma-Ladens der Erlösung 😉 Er kennt seine Kunden. Er weiß, wie sehr uns unsere Schwachheit oft dazu verleitet, mit den falschen Lösungen zu liebäugeln.

 

Den Artikel gibt es dauerhaft unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/schwachheit/ . Dort können auch Kommentare und Anmerkungen gemacht werden.

Einfach tun, was Jesus sagt?

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Es wird wenig beachtet, dass Jesus noch unter dem Alten Bund des Gesetzes lebte und seinen Dienst tat. Gleichzeitig redete er bereits oft über den Neuen Bund, der kommen würde – und nach Ostern auch kam.

Deshalb ist es wichtig zu sehen, wem Jesus jeweils diente. Wird das nicht beachtet, dann versuchen Menschen, die Jesus gehorsam sein wollen, Dinge zu befolgen, die gar nicht ihnen gesagt wurden.

Denen, die gerne und “erfolgreich” unter dem Gesetz waren, diente er mit dem Gesetz – indem er es verschärfte oder ihnen noch mehr davon gab:

  • für die Gesetzestreuen verschärfte er in der Bergpredigt das Gesetz: Mord und Ehebruch beginnen bereits im Herzen, die andere Wange ist hinzuhalten, Augen sind auszureißen und Hände abzuhacken (wenn Sünde ein äußeres Problem ist)
  • der reiche Jüngling bekam gesagt: du hast noch nicht genug getan, um das ewige Leben zu erhalten – ich gebe dir mehr zu tun
  • die Pharisäer wurden von Jesus konfrontiert mit der “Frucht”, die die Befolgung des Gesetzes für sie hatte: ihre Heuchelei

Sinn und Zweck dieser Vorgehensweise war, die stolzen Gesetzesbefolger zu “brechen”, sie zum Nachdenken zu bewegen. So weit, so gut!

ABER: viele Christen nehmen diese Stellen und beziehen sie auf sich und andere Christen. Das tun sie, obwohl sie nicht unter dem Gesetz sind. Dadurch geraten sie aber unter das Gesetz. Und es scheint ihnen, als wolle Jesus das.  Was sie nicht sehen: dass Jesus gar nicht zu ihnen spricht.

Viele von uns sind mit der Über-Vereinfachung “Tun, was Jesus sagt” in ihr Christenleben gegangen. Wie wir hier sehen, können wir das so nicht aufrecht erhalten.

Andererseits gibt es viele Dinge, die uns (und nur uns!) gesagt worden sind:

  • Joh 15,4 Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir
  • Joh 10,28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
  • Mt 5,4 Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.
  • Mt 6,33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.
  • Mt 7,15 Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen! Inwendig aber sind sie reißende Wölfe.
  • Mt 9,38 Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte!
  • Mt 16,6 … Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

Jesus erklärt oft, wie das Reich Gottes funktioniert, welche Regeln dort gelten, wie dort gelebt werden wird.

Wir dürfen also sehr wohl fragen: “wem sagt Jesus dies und das? Sind wirklich wir gemeint?”

Manchmal ist es nicht einfach, die gemeinte Zielgruppe zu unterscheiden. Aber oft hilft die Frage weiter: “Passt das wirklich zu der Erlösung, für die Jesus so teuer bezahlt hat?”. Oder verschärft Jesus das Gesetz, um denen zu helfen, die unter dem Gesetz sind.

Und du darfst Jesus nachfolgen, wenn du merkst, dass Menschen unter dem Gesetz sind oder sein wollen: gib ihnen mehr Gesetz! So wie Jesus es tat!

Permanant findet sich der Artikel unter https://konsequentegnade.wordpress.com/bibelstellen/tun-was-jesus-sagt/ .  Falls Bedarf besteht, kann dort auch kommentiert werden.

Wie Bedürfnisse zu Begierden werden

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Im Neuen Testament gibt es (wenn man so will) eine Lehre über Begierden. Was sind diese „Begierden“? Sind es unsere Bedürfnisse? Oder steckt etwas anderes dahinter?

Schönerweise bekommen wir eine Definition, worin denn die Begierden bestehen.

Eph 2,3 Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen.

Unser natürlicher Anteil ist daran gewöhnt, für sich selbst zu sorgen. Er ist pseudo-autonom. Ohne Gott und an Gott vorbei versucht er alles, um auf seine Kosten zu kommen. Ein Teil dessen ist noch nicht mal schlimm (eine Pizza, ein Fußballspiel, ein Abend mit Freunden u.a.), ein anderer sehr wohl (Mord, brutale Ausbeutung, Grausamkeit u.a.). Die Quelle des Fleisches, um für die Bedürfnisse des Menschen zu sorgen, ist das Natürliche, das ihn umgibt, alles was man sehen, schmecken, fühlen kann. Denn der Mensch ohne Jesus hat nichts anderes als das. Darin besteht der „Wille des Fleisches“, das ist das gedankliche Konzept, dem unser Fleisch folgt. Anders gesagt: nichts Gutes wohnt in ihm.

Pseudo-autonom ist unser natürlicher Anteil deshalb, weil er sich ja nur an dem bedienen kann, worin er sich wiederfindet. Und das hat er nicht selbst geschaffen, sondern es wir ihm zuteil.

Röm 6,12 So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorche

Die Sünde herrscht nicht mehr über uns, das wissen wir ( Röm 6,14 ). Sie kann aber in unserem sterblichen Leib herrschen. Woran merken wir das? Er gehorcht seinen Begierden. „Ha, seht ihr“, sagt der Hardcore-Heiligungsfachmann natürlich sofort, „genau deshalb sollen wir ja die Handlungen des Leibes töten, uns selbstverleugnen, unseren alten Menschen kreuzigen …“ Von der Aussage kurz danach bleibt bei dieser Sichtweise nicht mehr viel übrig als eine verbale Zustimmung zur Gnade:

Röm 6,14 Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.

Sünde und Begierden, das gehört zusammen. Sünde und Gesetz – das gehört auch zusammen. Gnade und Freiheit von der Macht der Sünde aber auch. Wer unter Gnade ist, über den wird die Sünde nicht mehr herrschen – egal, wie sehr sie auch in seinem oder ihren sterblichen Leib herrscht.

Und wir erfahren, wie es überhaupt zur Begierde kommen kann:

Röm 7,7 … auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: „Du sollst nicht begehren!“ Röm 7,8 Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.

Klarer geht es eigentlich kaum: begib dich unter das Gesetz – und es wird jede Begierde in dir bewirken. Ohne Gesetz aber – ist die Sünde tot. Warum ist das so, dass das gute Gesetz „jede Begierde in mir“ bewirkt? Zu einem weil es plötzlich verboten ist und Verbotenes ist nun mal interessanter als Erlaubtes. Zum anderen weil das Gesetz plötzlich einer ganzen Reihe von gewohnten Bedürfnisbefriedigungen im Wege steht. Unsere Bedürfnisse werden plötzlich nicht mal mehr notdürftig befriedigt, sie gehen leer aus. Sie wuchern und werden zu Begierden. Und im Gegensatz zur Gnade Gottes hat das Gesetz nur die Früchte harter Arbeit zu bieten: erst wer alles getan hat, was das Gesetz fordert, wird leben. Und ob dabei immer eine Befriedigung wichtiger menschlicher Bedürfnisse am Ende herauskommt, ist noch fraglich.

Röm 13,14 sondern zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, dass Begierden wach werden!

Hier hängt natürlich alles davon ab, was denn „Vorsorge für das Fleisch“ meint. Aber wenn wir auch nur schon mal in Rechnung stellen, dass durch das Gesetz die Begierden geweckt werden, dann meint „Vorsorge für das Fleisch“ offensichtlich nicht das, was der Hardcore-Heiligungsfachmann darunter versteht: hemmungsloses Drauf-los-sündigen.

Gal 5,16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.

Wer im Geist wandelt, wird nicht in Begierden landen. Es ist kein Verbot hier formuliert, sondern der „Mechanismus“, wie dieses Resultat erreicht wird. Ein Verbieten macht nach dem, was wir bisher wissen, auch überhaupt keinen Sinn. Der Wandel im Geist hat diverse Folgen: eine davon ist die, dass unsere Bedürfnisse auf gute und angemessene Weise befriedigt werden. Werden sie es nicht, dann werden Begierden wach (und wir wissen dann: unser Wandel im Geist ist noch deutlich ausbaufähig). Ungestillte Bedürfnisse melden sich machtvoll zu Wort. Deshalb sieht auch das „Töten“ von Begierden ganz anders aus, als es sich der Harcore-Heiligungsfachmann vorstellt:

Kol 3,5 Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist!

Manche würden dann gerne das Tötungsinstrument „Kreuz“ anwenden – und übersehen dabei, dass das längst passiert ist:

Gal 5,24 Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.

Das ist die Grundlage dafür, dass wir überhaupt anders mit unserem natürlichen Teil umgehen können. Die Sünde im Fleisch wurde entmachtet. Das Fleisch, unser Natürliches ist kein gemütlicher-warmer Ort mehr für die Sünde. Das Fleisch ist einer andauernden Umprägung durch den Geist ausgesetzt (jedenfalls dann, wenn wir uns vom Gesetz fern halten).

Noch eine Variante benennt Paulus explizit, mit der „Vorsorge für das Fleisch“ betrieben wird und die die Begierden weckt:

1Tim 6,9 Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken.

Leben Christen abseits all dieser Erkenntnisse der „gesunden Lehre“, dann sind sie anfällig für Lehren, die ihren alten Begierden entgegen kommen. Und das sind Lehren, die fromm klingen – weil sie Gottes heiliges Gesetz betonen und unser (religiöses) Fleisch wieder ins Spiel bringen:

2Tim 4,3 Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt;

Aus einem Teil unserer Person, der Veränderung durch den Geist ausgesetzt ist, wird durch „ungesunde“ Lehren wieder ein Akteuer durch solche Lehren. Er darf wieder etwas tun. Das kitzelt in den Ohren, das schmeichelt der menschlichen Selbstautonomie. Warum nicht selbst verdienen, was man umsonst längst hat? So dachte schon Eva (denn die Schlange versprach ihr nur, was sie längst hatte – aber dieses Mal würde sie es an Gott vorbei bekommen). Das Gesetz ist ein Weg des Selbstverdienens. So war es zwar von Gott nicht gemeint, aber so wird es benutzt. In diesen „ungesunden“ Lehren klingt alles ganz fromm, aber sie sind pure Gottlosigkeit: ohne Gott und an Gott vorbei soll verdient werden.

Tit 2,12 [Die Gnade Gottes, Vers 11] unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf

Die Gnade Gottes – das ist die „gesunde Lehre“!

Aber: „endlich ein wenig Verleugnung?“ wird der Hardcore-Heiligungsfachmann nun denken. Und wie er es gerne macht, soll nun mit einem Bibelvers alles schon bekannte erledigt sein und in seinem Sinne gedeutet werden. Dabei weiß er noch nicht mal so recht, was es mit der Selbstverleugnung eigentlich auf sich hat (https://konsequentegnade.wordpress.com/bibelstellen/selbstverleugnung/). Aber das hindert ihn nicht, munter mit diesem Wort um sich zu werfen. Wir werden ihn auch nicht darin hindern. Nur so viel: verleugnen? Aber zu gunsten von was?

Nun können wir nach all dem hier auch einen Vers wie diesen hier präziser einordnen und hören nicht gleich wieder Askese, Zerknirschung und Selbstkreuzigung:

1Joh 2,16 denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt.

Kontext ist die Aussage „Liebt nicht die Welt!“ (Vers 15). Und wie passend ist das! Wenn wir etwas oder jemand lieben, dann erwarten wir ganz viel davon. Und wie unvernünftig ist das im Falle der „Welt“: was sie uns zu bieten hat, befriedigt unsere Bedürfnisse in gewissen Grenzen ganz gut – aber sobald wir sie „lieben“, überreizen wir, was sie uns zu bieten hat. Geboten wird uns nur die Verheißung der Welt – und die wurde bekanntlich noch nie erfüllt (außer in unehrlichen Filmen und Romanen).

Aus all diesen Gründen ist auch der oft übliche christliche Moralismus so schlimm. Denn er sagt: „Handle anders, gemäß den christlichen Moralstandards. Folge nicht deinen Begierden, sondern sei dem Gesetz gehorsam und tue Gutes“. Das hat aber mit Jesus und seiner Erlösung wenig zu tun – schon daran erkennbar, dass so einige Menschen dieser Aufforderung folgen und in der falschen Gewißheit leben, sie seien Christen.

Jesus sagt etwas ganz anderes:  „Komm zu mir und lass dir Leben schenken. Lerne, dass und wie deine Bedürfnisse ganz anders erfüllt werden können. Wenn du das erlebst, wirst du auch ganz anders handeln können. Du wirst immer weniger Mangel erleben und das, was du für andere tust, wird nicht mehr (nur) dazu dienen, deine eigene Not zu erfüllen.“

Wir vertreten hier also kurz gesagt die Auffassung, dass ein Bedürfnis erst mal zur Begierde werden muss. Wäre die „Begierden“ unsere Bedürfnisse, so wären all die Aufforderungen, dass wir uns um die Bedürfnisse anderer Menschen kümmern sollen, ja eine Aufforderung, ihre „Begierden“ zu erfüllen.

Es ist nur scheinbar paradox, dass die, die im Namen des Gesetzes (und im Namen von Entbehrung, Askese, Selbst- bzw. Bedürfnisverleugnung, Kreuztragen) die Begierden bekämpfen wollen, sie erst recht fördern. Noch der begierigste Christ, der verstanden hat, dass er nicht mehr unter Gesetz ist, sondern unter Gnade und von Gott empfängt – kann nicht konkurrieren mit einem Christen, der sich freiwillig unter das Gesetz begibt. Jedenfalls dann nicht, wenn wir uns von frommen Worten und Gesten nicht irreführen lassen: das Außen erscheint geputzt und sauber – aber das Innere …

Der Artikel ist dauerhaft unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/wie-bedurfnisse-zu-begierden-werden/ zu finden. Dort kann bei Bedarf auch gerne kommentiert werden.

Sündigen in den ersten Gemeinden

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Von verschiedener Seite hören wir die These, dass Christen nicht sündigen müßten. Schauen wir uns einfach mal einige Stellen aus den Briefen an die ersten Gemeinden an und die daraus möglichen oder klaren Schlußfolgerungen. Die Stellen, in denen von konkretem Sündigen die Rede ist, lassen wir beiseite; denn diese beweisen ja nicht, dass die Briefeschreiber fest davon ausgehen, dass Christen sündigen werden.

Vorab sei gesagt, dass wir Heiligung (also unsere Veränderung nach unserer Errettung und Neugeburt) für einen Prozess halten – und für uns deshalb auch das Sündigen unvermeidbar ist, weil eben nicht sofort alles anders ist (und so einiges auch nicht nach Jahren und Jahrzehnten).

1Joh 2,1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand sündigt – wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten.

Johannes hält es für notwendig, Christen bestimmte Dinge zu schreiben, damit sie nicht sündigen. Worin auch immer diese Dinge bestehen (siehe Kapitel 1 des Briefes) – wer sie nicht weiß oder falsch versteht, wird zwangläufig sündigen. Nicht-Sündigen wird nicht durch mangelnde Willenskraft verursacht, sondern weil etwa Informationen über bestimmte (unsichtbare) Realitäten fehlen.

1Joh 1,8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.

Hier sehen wir, das Johannes gar nicht davon ausgeht, dass wir nicht sündigen. Dass alles mit uns in Ordnung sei. Dass Gott unser Verhalten jederzeit gut fände und beifällig nickt. Er nennt das Selbstbetrug.

Hebr 12,1 Deshalb lasst nun auch uns … die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen …

Der Schreiber des Hebräerbriefes geht ebenfalls davon aus, dass wir Dinge abzulegen haben. Dinge, die dank unserer Neuen Geburt nun nicht mehr fest mit uns verwachsen sind, sondern ablegbar sind. Darin stimmt er überein mit Stellen bei Jakobus, Paulus und Petrus, die ebenfalls vom “Ablegen” reden (1Petr 2,1, Jak 1,21, Kol 3,8). Wie immer das Ablegen genau funktionieren mag – es gibt im Leben eines Christen immer etwas zum “Ablegen”. Also gibt es auch Sündigen in seinem Leben.

Hebr 3,13 sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es “heute” heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der Sünde!

Hier werden Gläubige aufgefordert, einander zu helfen, damit es keine Verhärtung durch den Betrug der Sünde gibt. Wieso diese Anweisung, wenn es keine sündigenden Christen gibt? Worin der die Verhärtung und der Betrug der Sünde besteht, ist eine andere Frage. Wie soll ein solches “einander” möglich sein, wenn auch damals auf das Sündigen von Christen mit Verurteilung reagiert wurde? … es war auch deshalb möglich, weil alle in einem Boot saßen. So wie alle Kinder Gottes waren, so hatten sie alle mit dem Sündigen zu tun.

1Tim 5,20 [Älteste] Die da sündigen, weise vor allen zurecht, damit auch die Übrigen Furcht haben!

Selbst bei Ältesten rechnet Paulus damit, dass sie sündigen. Warum nicht auch bei “normalen” Christen?

Röm 14,23b  … Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde

Diese Definition von Sünde sollte noch den Selbstgerechtesten unter uns überführen – und auch den Vertreter jeder “Heiligung mit aller Kraft und Hingabe und unter Schmerz und Entbehrung”-Lehre. Den offenen Gesetzesbruch mag der eine oder andere Gesetzesbefürworter noch für vermeidbar halten – hieran scheitert er in jedem Falle. Und ist dabei in bester Gesellschaft: in deiner und meiner, in der der Kinder Gottes.

Selbst wenn wir die Frage nach dem Sündigen-Müssen auf sich beruhen lassen – die Frage nach dem Sündigen-Werden haben wir positiv beantwortet. Es wird einfach passieren.

Viel interessanter ist die Frage, warum Gemeinden, in denen das Sündigen keineswegs ausgerottet war, solch eine Wirkung auf ihre Umgebung haben konnten. Vielleicht deshalb, weil man sich nicht viel mit unkonkreten Aufforderungen a la “Auf keinen Fall sündigen!” aufgehalten hat, sondern diesen Christen sagen konnte, in welcher Weise ihre überschüssigen Energien in praktisch tätiger Liebe umsetzbar waren. Was wiederum möglich war, weil diese Christen nicht ständig ihr Neues Leben anzweifelten wegen ihres konkreten Sündigens. Weil es in ihrem Leben tatsächlich ein Nebeneinander von Tollem und nicht so Tollem gab. Weil ihr Sündigen sie nicht irritiert hat ( https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/sundigen-unter-der-gnade-2/ ). Das alles ist weitaus wahrscheinlicher als das der eine oder andere Heiligungsbefürworter auch nur zu denken wagt.

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Was sind „fleischliche“ Christen?

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Ein Begriff, der von manchen Christen für andere Christen verwendet wird, ist „fleischlich“. Fleischliche Christen sind für diese Christen Menschen, die nicht „geistlich“ sind. Meist klingt deutlich an: ein fleischlicher Christ ist ein sündigender Christ ohne christlichen Lebenswandel.

Wenn das die Definition ausmacht – gut. Wie man dann damit umgeht, steht auf einem anderen Blatt.

Aber stimmt die Grundlage der Definition? Hilft uns die Bibel dabei, zu bestimmen, was ein „fleischlicher“ Christ überhaupt ist?

Zu Beruhigung erst mal ein paar klare Aussagen:

Röm 8,8 Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen.

Röm 8,9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.

Paulus nimmt alle Einwände gleich vorweg und am Ende bleibt nur die klare Schlußfolgerung übrig: wir SIND im Geist und nicht mehr im Fleisch. Sonst wären wir gar keine Christen.
Nun aber zu der Stelle, auf die sich die Steller der Diagnose „fleischlicher Christ“ beziehen:

1Kor 3,1 Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus.

1Kor 3,3 denn ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?

In diesen „fleischlich“-Versen haben wir schon unsere ersten Merkmale zusammen:
  • Unmündige in Christus (dazu gibt es eine ganze Lehre im Neuen Testament!)
  • wandeln nach Menschenweise

Von den Gesetzeslehrern wird gesagt, dass sie „Lehrer der Unmündigen“ sind (Röm 2,20 ). In Galater 4 sind die Menschen unmündig ( Gal 4,1 ), bis sie vom Gesetz losgekauft werden. Wenn sie nicht erkennen, was ihnen gehört in Christus, unterscheiden sie sich nicht von einem Sklaven. Und es gibt noch mehr Stellen dazu. Fast könnte man so weit gehen und sagen „Die Fleischlichen sind die Unmündigen“. Und die wiederum sind die, die unter dem Gesetz bleiben oder dorthin zurückkehren – obwohl sie Jesus und seine Gnade erkannt haben.

Nun zum „Wandel nach Menschenweise“: eigentlich eine Variante des oben Gesagten – nur ohne Gesetz. Das ist ein Leben, indem Gott und seine Gnade nicht vorkommen. In dem der Mensch alles selbst tun muß, in dem ihm nichts geschenkt wird. Wo es nur das Natürliche (=Fleisch!) gibt, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Dieser Wandel kann einen frommen Anstrich bekommen, wenn das Halten des Gesetzes dazu kommt. Denn auch das Gesetz appelliert an die natürliche Kraft des Menschen und verspricht ihm „Befolge mich und du wirst leben! … deine Bedürfnisse werden erfüllt werden, wenn du dich genug anstrengst.“

Wenn wir dann noch den ganzen Abschnitt lesen, sehen wir, dass die Christen in Korinth so ihre christlichen Superstars hatten, auf die sie sich gerne bezogen (http://www.bibleserver.com/text/ELB/1.Korinther3). Das wiederum führt zu Streit und Eifersucht und Neid und Rivalität unter ihnen. Das aber kennen wir aus den Werken des Fleisches in Galater 5 – der Gruppe von Gemeinden, die durch das Halten des Gesetzes den Wandel im Geist hinter sich ließ. Wie so oft bei den Bibelstellen, die die Droher und Rauner gerne verwenden (und niemals auf sich beziehen!), zeigt sich wieder einmal: auch in Korinth hat die religiöse Seite des Fleisches eine Rolle gespielt.

1Kor 2,12 Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind.

Im Kapitel vorher (http://www.bibleserver.com/text/ELB/1.Korinther2) redet Paulus über das Werk des Geistes in unseren Leben (quasi das „Geistliche“) und sagt einen entscheidenden Satz: „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind. “ (Vers 12) Damit bekommen wir ein weiteres Kriterium an die Hand, mit der wir sehen können, was fleischlich in Bezug auf Christen überhaupt meint. Wo das Gesetz gelehrt wird, geraten die Dinge, die uns von Gott geschenkt sind, in Vergessenheit. Die Christen in Korinth werteten sich gerne auf, indem sie Dinge sagten wie „mein Mann ist ja Paulus. Wie der lehrt!“ oder „Apollos ist echt cool! Der kanns erklären. Und seine Wunder immer!“. Dabei waren sie in Christus schon unendlich wertvoll. Sie holten sich „fleischlich“-natürlich das, was sie „geistlich“-unsichtbar längst hatten.

Es gäbe sicher noch viel dazu zu sagen, aber …

… nun ist hoffentlich klar geworden, dass die Bezeichnung „fleischlich“ auf Christen gemünzt ist, die sich auf das Natürliche stützen und / oder unter dem Gesetz bleiben. Es sind nicht zwangsläufig (und vor allem nicht vornehmlich!!) die, die als Christen einen Lebenswandel an den Tag legen, der „unchristlich“ aussieht – sondern die, die in ihrem Tun und Lassen besonders fromm rüber kommen können. Und dabei sich doch letztlich nur auf das Natürliche, das Fleisch stützen.

Nun erwarten wir natürlich nicht, dass die Gesetzeslehrer sich an die Brust klopfen und sagen „Die unordentliche Schwester und ich – wir sitzen im selben Boot!“ 😉 … das wäre sehr naiv.

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Glückseliges Tun – Werke aus Glauben (nur geben, was man hat)

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Ausgerechnet Jakobus (der Mann mit dem Glauben und den Werken) beschreibt uns, wie in unserem Leben mit Jesus ein Tun entsteht, das man mit Fug und Recht glückselig nennen kann:

“Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.” (1,25)

Dies ist ein sehr dichter Vers – einer der Verse, der zeigt, dass die Briefschreiber ihren Lesern und Zuhörern nur ein paar Stichworte liefern mussten; und die erinnerten sich daran, wie sie zu diesen Themen gelehrt worden waren. (Zum Kontext siehe https://konsequentegnade.wordpress.com/bibelstellen/jakobus-1-17-27/ )

Jakobus setzt bei ihnen mehreres voraus:

  • sie wissen, was mit dem “vollkommenen Gesetz der Freiheit” gemeint ist
  • man kann in diese Freiheit hineinschauen, aber muss nicht dabei bleiben
  • das Gesetz der Freiheit muss nicht zu Werken führen – auf jeden Fall dann nicht, wenn wir die Inhalte des Gesetzes der Freiheit wieder vergessen
  • nur das Gesetz der Freiheit führt zu einem glückseligen Tun
  • es gibt offensichtlich auch ein “unglückseliges Tun”, das nicht auf der Grundlage des Gesetzes der Freiheit entstanden ist

Natürlich ist das vollkommene Gesetz der Freiheit nicht das mosaische Gesetz oder ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern. Denn der Gläubige ist befreit von diesem Gesetz ( https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/freiheit-vom-gesetz/ ).

Was meint dann der Begriff “Gesetz der Freiheit”? Da es um unser Tun geht bzw. um Werke, ist es sehr wahrscheinlich, dass mit dieser Formulierung der Teil unserer Erlösung beschrieben wird, da sich direkt oder indirekt auf die Handlungsebene bezieht. Paulus nennt das den “Wandel im Geist” (Galater 5,16), Petrus sehr ähnlich “Wandel in Christus” (1.Petrus 3,16). Dafür spricht auch, dass bei Jakobus direkt zuvor steht „Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war.“ (1,24)

Dabei geht es nicht um irgendwelche guten Werke, wie sie auch jeder Nicht-Christ hervorbringen kann. Werke, für die man keine Erlösung braucht. Werke, die auch ohne das verändernde Werk des Geistes in uns möglich sind. Werke, wie sie leider viel zu oft auch unter Christen und in Gemeinden zu beobachten sind.

Die ersten Gemeinden haben die Grundlagen für ein “glückseliges Tun” ausführlich erklärt bekommen – wir müssen dieses rekonstruieren aus den Aussagen, die wir dazu haben. Und leider war es für lange Zeit üblich, die Dinge nach der Art des mosaischen Gesetzes zu rekonstruieren: alles ist wie dort – nur die Motivation ist eine andere (Liebe zu Jesus, Liebe zum anderen, Dankbarkeit für die Erlösung). Und offensichtlich ist dieses Tun nicht “glückselig” – denn sonst würden es ja nicht so viele Christen auf das Nötigste reduzieren oder ganz aufgeben.

Unsere Regel ist aber “Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm” (Kolosser 2,6). Empfangen haben wir ihn als Geschenk, wir wollten es nur – entsprechend sollen wir auch in ihm “wandeln”. Das muss für uns spürbar sein. Unter der Härte des Gesetzes zu “wandeln” und dann einen Aufkleber “nur aus Gnade” oder “Wandel im Geist” drauf zu machen, erfüllt das Kriterium “so” aus Kolosser 2,6 nicht

Versuchen wir also, den Prozess, der zum glückseligen Tun führt, ohne den Rückgriff auf das mosaische Gesetz zu rekonstruieren (und ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern). Man könnte jeweils noch viel mehr zu den Punkten sagen (aber das führt zu weit im Moment):

  • erst einmal ist es ein Prozess – es gibt seltener ein “sofort”. Das “Sofortige” ist die Domäne des mosaischen Gesetzes (und verwandter Regelwerke). Wären wir sofort und spürbar überall anders im Denken, Fühlen und Wollen, in unserer Motivation, wäre auch unser Handeln sofort ein anderes: “Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr ja von uns Weisung empfangen habt, wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt – wie ihr auch wandelt -, dass ihr darin noch reichlicher zunehmt” (1.Thess 4,1)
  • Warum ist es ein Prozess? Weil wir zwar geistlich neu geboren wurden, aber unser natürlicher Anteil (Fleisch) anfangs relativ unverändert ist. Es gibt also Teile unserer Person, die noch nicht anders geworden sind. Unser natürlicher Anteil, unser Fleisch ist schwach (Markus 4,38 / Römer 6,19) und es wohnt (noch) nichts Gutes in ihm (Römer 7,18). Dort aber sind eben Denken, Fühlen und Wollen angesiedelt.
  • Christen merken anfangs eine hohe allgemeine Willigkeit, anders zu handeln – sie stossen aber an so einigen Punkten schnell an ihre Grenzen. Die Prägung des alten Lebens auf der natürlichen Ebene erweist sich als hartnäckig. Es mangelt an wirklicher Motivation. Anders zu handeln ist zäh bis unmöglich (Römer 7,18): “Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, [noch?] nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht
  • An dieser Stelle wird es kritisch. Denn Frustration macht sich breit, vielleicht sogar Verzweiflung über das eigene Tun und Lassen. Und das ist leider der Punkt, an dem die Gesetzeslehre (direkt oder in einer ihrer Verkleidungen) den Gläubigen leicht für sich gewinnen kann. Sie sagt “du strengst dich nicht genug an. Streng dich mehr an. Setz deine Willenskraft ein. Lerne, mit Schmerz und Qual und Entbehrung zu leben – denn du mußt lernen zu tun, was du eigentlich nicht willst.” Hier kann ein jahre- und jahrzehntelanger Kreislauf von Scheitern und neuer Anstrengung entstehen (der die Willensschwachen mehr quält als die Willensstarken)
  • in einer glücklicheren Situation hört der Gläubige etwas darüber, wer er in Christus ist und was ihm alles durch Christus gehört und zugänglich ist. Allerdings führt das noch nicht automatisch zu einem anderen Handeln: die Betrachtung unseres Neu- und Anders-Seins als Erlöste ersetzt die innere Veränderung nicht (ein Fehler vieler Bibellehrer, die über unsere “Neue Identität” bzw. Neue Natur in Christus viele richtige Dinge sagen)
  • in einer noch glücklicheren Situation hört er etwas darüber, dass ihm auch die innere Veränderung geschenkt wird: “Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.” (Philipper 2,13) oder “Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt / lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Sinnes / Denkens / Wollens” (Römer 12,2)
  • in unserem natürlichen Anteil (das Fleisch) entsteht nach und nach Neues (ein neues Denken, Fühlen, Wollen) und wir können (irgendwann) anders handeln (vorteilhaft für uns und andere); in der Zwischenzeit können wir natürlich nicht einfach nichts tun, sondern werden so lange sündigen, bis das Neue spürbar da ist: “Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand sündigt – wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten” (1.Joh 2,1)
  • wir bekämpfen das Sündigen nicht mit dem Gesetz, weil wir ansonsten unsere echte Veränderung bremsen oder blockieren: “Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das [religiöse] Fleisch [das sich so gern selbst anstrengt und etwas beitragen will], sondern dient einander durch die Liebe!” (Galater 5,13). Und vor allem: “Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.” (Galater 5,4)
  • wir halten tapfer fest an dem, was wir sind und haben und was an uns (unsichtbar) verändert wurde (Römer 8); auch daran, dass wir “Sklaven der Sünde waren” (Römer 6,17) und es nicht mehr sind (gemäß unserer neuen Natur – egal was unser Handeln sagt).
  • wir müssen nicht leugnen, dass wir sündigen: “Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns” (1.Joh 1,8)
  • wir können überlegen, wie wir unser Sündigen so gestalten, dass es möglichst wenig Schaden anrichtet (was unter dem Gesetz nicht geht, da dort Sündigen strikt verboten ist)
  • wir lieben weiterhin und tun das Gute, das bereits in uns gewachsen ist; unser Tun wird glückselig:  “Denn wenn die Bereitwilligkeit da ist, so ist sie willkommen nach dem, was sie hat, und nicht nach dem, was sie nicht hat.” (2.Korintherbrief 8,12). Das, was wir nicht haben, hindert uns nicht daran, das zu geben, was wir haben.

Eine noch kürzere Fassung der Kurzfassung wäre in etwa:

Neue Geburt > Neues Leben und Neuer Geist > Willigkeit zum Guten > trifft auf natürliche Prägung (Fleisch) > Frustration, Verzweiflung (Römer 7) > Entdeckung: Veränderung als Geschenk und Prozess (Rö 2,12, Phil 2,13) > neues Denken, Fühlen, Wollen führt zu neuem Handeln (braucht Zeit) > in der Zwischenzeit (wie lange diese auch immer ist) ist Sündigen unvermeidbar, das bereits vorhandene glückselige Tun aber auch

Falls jemand den Prozess noch präziser beschreiben kann (oder Lücken findet) – nur zu. Aber bitte ohne durch die Hintertür wieder das Gesetz einzuschmuggeln!

Und natürlich wäre noch viel mehr darüber zu sagen. Vielleicht wird es auf dieser Seite irgendwann mal eine eigene Abteilung unter dem Titel “Wie werden wir verändert?” geben.

Übrigens hat das Zusammensein von Christen folgende Wirkung:

Hebr 10,24 und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen,

Hebr 10,25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!

Wenn es diese Wirkung nicht hat, dann liegt es vermutlich daran, dass ein ganz anderer Weg der „Veränderung“ hin zu „guten“ Werken gelehrt und gelebt wird.

Dauerhaft findet der Artikel sich unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/gluckseliges-tun-werke-aus-glauben/ und sollte dort auch bitte kommentiert werden (falls Bedarf besteht).

Das „Gesetz“ des Geistes des Lebens

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Röm 8,2 Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Wir  leben mit einem neuen Gesetz. Und es ist ein Gesetz voller Kraft (ähnlich wie das Gravitationsgesetz) – und das muss es auch sein, denn es befreit uns vom „Gesetz der Sünde und des Todes“ (ein Gesetz, das ebenfalls viel Kraft hat). Es geht hier also nicht direkt um die Befreiung vom Mosaischen Gesetz (oder ähnlichen Regelkatalogen).

Es geht eher um Gesetze im Sinne von Naturgesetzen. Dort werden Kräfte beschrieben, die wirken: Magnetismus, Schwerkraft u.a. Insofern ist die Gegenüberstellung der beiden Gesetze naheliegend, denn beide Gesetze wirken auf den Menschen. Das eine beschreibt die Wirkung von Sünde und Tod auf Menschen – das andere die Wirkung des Geistes des Leben in Christus Jesus. Dass der Begriff des Gesetzes so benutzt wird, zeigt auch die Formulierung „Gesetz des Glaubens“ in Römer 3,27 oder das „vollkommene Gesetz der Freiheit“ (Jakobus 1,25) oder das „andere Gesetz in meinen Gliedern“ aus Römer 7,23.

So erläutert es auch ein Kommentar: „Das [Wort] Gesetz wird für ein Prinzip, eine Kraft oder einen Einfluss angewandt, der eine Person zu einer Aktion oder einem Verhalten nötigt.“

Das Mosaische Gesetz und seine Varianten wirken dagegen nicht im Sinne von Naturgesetzen. Es sind Vorschriften, moralische Regeln. Hinter ihnen steht keine Kraft. Seine Kraft hat dieses Gesetz nicht aus sich selbst.

Aber das Gesetz (im mosaischen Sinne) verbindet sich zwangsläufig mit der natürlichen Seite des Menschen (auch „Fleisch“ genannt). Denn dieses „Fleisch“ hat eine religiöse Seite, einen Zug, sich beweisen zu wollen an moralischen Regeln.  Das verschafft ihm seine fatale Wirkung – weil es sich zwangsläufig auch mit dem „Gesetz der Sünde und des Todes“ verbindet. Deshalb muss es als positives Anliegen scheitern. Negativ dagegen kann es dem Menschen zeigen, wie es wirklich um ihn steht – nämlich dann, wenn er versucht, sich an das Gesetz zu halten.

Reden wir aber wieder über das, was für uns erfreulich ist … das „Gesetz des Geistes des Lebens“ hat Merkmale, die deutlich zeigen, dass es sich in seiner ganzen Art auch vom Mosaischen Gesetz und vom „Gesetz der Sünde und des Todes“ unterscheidet:

  • es übt keinen Zwang aus
  • wir können auch anders
  • es verändert unser Inneres
  • es ist krafvoll (weil es nicht mehr durch das Fleisch „kraftlos“ gemacht werden kann) … weil:
  • es appelliert nicht mehr an unseren natürlichen Anteil
  • es fordert kein korrektes Verhalten von uns (und schon gar nicht „sofort!“)
  • wir können spüren, dass es uns verändert … weil:
  • es bringt (teilweise schlagartig, teilweise langfristig) neue Gefühle, neue Motivationen, ein neues Wollen in uns hervor
  • es tut etwas für uns
  • man kann ihm entkommen (etwa indem man sich unter das Mosaische Gesetz oder eine seiner Varianten stellt)
  • es ist für den Menschen da

Damit ist es das genaue Gegenteil des Mosaischen Gesetzes und jedes anderen kirchlichen oder religiösen oder moralischen Regelkatalogs – auch wenn es einen moralischen Inhalt hat. Vor allem aber macht es uns lebendig! Und das ist viel wichtiger als „richtig und falsch“.

Dieses neue „Gesetz“ des Geistes des Lebens wirkt immer auf uns als Gläubige – selbst wenn wir der Aufforderung von Jesus „Bleibt in mir!“ nicht folgen. Wir können dieses Gesetz begünstigen, aber wir können es nicht völlig neutralisieren.

Lassen wir es auf uns wirken, können wir Dinge nun (immer öfter) „von Herzen“ (Römer 6,17) tun. Unser Tun wird zunehmend „glückselig“ (Jakobus 1,25).

Die Kraft unseres Neuen Lebens ist durch nichts zu ersetzen – schon gar nicht durch ein Leben unter dem Gesetz. Auch nicht, wenn sich das Gesetz als „Wandel im Geist“ tarnt (https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/der-wandel-im-geist-nach-dem-gesetz/)

Der Artikel findet sich permanent unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/das-gesetz-des-geistes-des-lebens/ und kann dort auch kommentiert werden.

Das willkürliche (=selektive) Lehren des Gesetzes

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Als hätte Jesus geahnt (und vielleicht hat er das auch), daß Christen hingehen werden und das Gesetz zusammenstreichen auf ein bequemes, halbwegs erfüllbares Maß – wendet er sich ausdrücklich dagegen, daß jemand das selbst geringere Gebote des Gesetzes auflöst.

Matthäus 5,17-19
17 Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. 19 Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel.

Warum sagt Jesus das? Weil er will, daß das Gesetz weiterhin schwer auf dem Menschen lastet – und auch auf den Christen, die mit und unter Gesetz leben wollen.

In dem Sinne können wir das Gesetz lehren, wenn wir merken, daß wir Christen vor uns haben, die das Gesetz befolgen wollen (weil sie denken, Jesus habe das gewollt). Wir lehren es in aller Schärfe.

Denn die christlichen Gesetzeslehrer streichen das Gesetz einfach willkürlich zusammen:

  • sie lehren keine Steinigung mehr, obwohl sie nicht aufgehoben ist (etwa für ungehorsame Kinder, Ehebrecher, verlorene Jungfrauenschaft u.a.)
  • sie verbieten nicht das gleichzeitige Tragen von Kleidung aus verschiedenen Stoffen (5.Mose 22,11)
  • sie weisen nicht darauf hin, daß ein Vergewaltiger die Vergewaltigte heiraten soll
  • sie erwähnen nicht, daß Männer mit zerstoßenen Hoden nicht in den Gottesdienst gehen dürfen
  • sie lehren das Zinsverbot nicht
  • sie weisen nicht darauf hin, daß wir in Weinbergen nach Herzenslust Trauben essen können; es ist in diesem Falle kein Diebstahl
  • sie verbieten nicht den Verzehr von Schweinefleisch
  • sie lehren nicht, das aus Not verkauftes Eigentum nach 50 Jahren wieder zurückgegeben werden muß
  • sie erwähnen nicht, daß wir uns Sklaven kaufen können – wenn es keine Christen oder Juden sind und das in unserem Land nicht verboten wäre
  • sie lehren nicht konsequent die Beschneidung – so wie es ihre Vorgänger in den Gemeinden von Galatien getan haben

Diese Dinge müssen gelehrt werden, wo das Gesetz gilt. Es ist reine Willkür, diese Dinge wegzulassen. Die Argumente dafür sind mehr als zweifelhaft:

  • durch Apostelgeschichte 15 seien die Speisegebote des Gesetzes aufgehoben: die sind sowieso nur für Christen aufgehoben, die wissen, daß sie nicht mehr unter dem Gesetz sind und es nicht mehr befolgen müssen
  • es gehe um den ethischen Kern des Gesetzes: welcher Bibelvers sagt das bitteschön?
  • wir seien unter Gnade: das ist so, aber wenn du gleichzeitig auch unter Gesetz sein willst, vergibt Gott dir deine Übertretung des Gesetzes – die zeitlichen Strafen sind damit keineswegs aufgehoben (Steinigung, Züchtigung, Geldstrafen u.a.)
  • der Heilige Geist habe einen geführt und gezeigt, welche Gebote relevant seien: das kann nicht der Heilige Geist gewesen sein, sondern höchstens die eigene Bequemlichkeit – der Heilige Geist würde jemanden lehren, daß das Gesetz für ihn nicht mehr gilt
  • für Christen gälten vor allem die 10 Gebote: das ist humanistisches Gefasel, es gilt für sie das ganze Gesetz
  • die Liebe sei wichtiger als das Gesetz: wenn du das Gesetz ohne Liebe umsetzt, etwa beim Steinigen, machst du dich zusätzlich schuldig – aber du bist auch schuldig, wenn du dich nicht an der Steinigung beteiligst und anderen die Drecksarbeit überläßt
  • Jesus und das, was er wolle, stehe über dem Gesetz: laut Gesetzeslehrern drückt sich aber der Wille Jesu durch die Gebote des Gesetzes aus; was Jesus zusätzlich zum Gesetz gebietet, das müssen Gesetzesbefolger natürlich auch halten (und sie sind nicht frei, es zu lassen)
  • man dürfe sich vom Halten des Gesetzes auch mal ausruhen: nein, das darf man nicht – das Gesetz kennt keine müden Menschen

Die Gesetzeslehrer streichen also willkürlich das Heilige Gesetz Gottes zusammen und vermitteln ihren Zuhörer ein falsches Bild vom Gesetz. Damit tragen sie wesentlich dazu bei, daß Christen weiterhin das Gesetz halten wollen und sich nicht von ihm verabschieden (wozu sie ja berechtigt sind, weil Jesus sie von der Herrschaft des Gesetzes befreit hat).

Ihre Zuhörer würden ja sonst auch ganz schnell das Gefühl bekommen, daß das Gesetz ein Fluch ist (Galater 3,10) “Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: “Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!”“

Das Gesetz als einen Segen zu bezeichnen – das kann nur der, der es nicht in vollem Umfang lehrt.

Es ist wichtig, daß das Gesetz weiterhin in vollem Umfang gilt: für alle Christen, die unter Gesetz sein wollen.

Die Christen, die erkannt haben, daß sie vom Gesetz befreit sind, sind in vollem Umfang davon befreit – auch von den 10 Geboten. Denn sie wissen, daß kein noch so gutes und hilfreiches Gebot irgendwas in ihrem Inneren verändern wird. Das wird nur Jesus – und der tut es völlig abseits des Gesetzes und ohne das Gesetz.

Galater 5,2-4: 2 Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden lasst. 3 Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. 4 Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.

Nur zu Klarstellung: wer das Gesetz absichtlich befolgt, wird automatisch zu denen gerechnet, die im Gesetz gerechtigt werden wollen. Es gibt nämlich nicht ein wenig Gesetz – weder damals noch heute.

Und wenn du das Gesetz unbedingt als Ergänzung zu Jesus und seiner Erlösung lehren willst (und wer kann dich daran hindern?) – dann tue es konsequent! In vollem Umfang! Mach keine Abstriche! Denn damit tust du etwas Gutes im Schlechtem: unter einer konsequenten Form von Gesetz werden Menschen viel schneller müde und damit offen für das Evangelium ohne Gesetz (also das einzig echte!).

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Geistliche Elternschaft?

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[Polemik-Warnung: die folgenden Zeilen könnten für manchen Leser etwas heftig werden.]

Seit Jahr und Tag gibt es in einigen christlichen Kreisen Artikel und Ausführungen zum Thema „geistliche Elternschaft“, „geistliche Vaterschaft“, „Mutter in Christo“ u.ä. An denen mangelt es angeblich – und es scheint, daß so einige dies oder jenes werden wollen.

In der Tat benutzt der Apostel Paulus Vergleiche aus  diesem Lebensbereich.

1.Thessalonicher 2,7b+8+11: …wir sind in eurer Mitte zart gewesen, wie eine stillende Mutter ihre Kinder pflegt … So, in Liebe zu euch hingezogen, waren wir willig, euch nicht allein am Evangelium Gottes, sondern auch an unserem eigenen Leben Anteil zu geben, weil ihr uns lieb geworden wart … wie ihr ja wisst, dass wir euch, und zwar jeden Einzelnen von euch, wie ein Vater seine Kinder ermahnt und getröstet und beschworen haben, des Gottes würdig zu wandeln, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft.

Schön daran ist, daß Paulus und seine Mitarbeiter offensichtlich mit viel Gefühl bei der Sache waren. Sie haben ihre Brüder und Schwestern geliebt – und die konnten das offensichtlich auch merken. Da können wir uns was abgucken (und vielleicht merken, daß es mit unserer Liebe nicht so weit her ist, wenn wir ehrlich sind?). Aber wie in allem geht es nicht darum, das Verhalten von Paulus oder sonst jemand nachzuäffen – sondern herauszufinden, wie so ein Verhalten entsteht (sicher nicht durch gute Vorsätze oder ein „jetzt streng ich mich mal an und hab alle lieb!“), aus welcher Quelle es letztlich entspringt.

Wäre aber trotzdem nicht schlecht, wenn wir Menschen wie Paulus unter uns hätten, die uns lieben und uns helfen, „des Gottes würdig zu wandeln, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft“.

Da beginnen aber leider die Probleme:

  • wie viele dieser geistlichen Möchtegern-Väter und -Mütter „wandeln“ unter dem Gesetz? Was werden sie wohl denen beibringen, die sie unter ihre Fittiche nehmen können? Oder manchmal sogar quasi zwangsadoptieren? Wird deren Wandel „Gottes würdig sein“?
  • wie viele von ihnen haben nicht mal gelernt, ehrliche Brüder und Schwestern zu werden, die anderen ihren Bedarf nach der Gnade Gottes eingestanden haben? Deren Schwächen für andere sichtbar waren? Die keine Schauspieler „um Jesu Willen“ waren? Und dann wollen sie Väter oder Mütter für irgendjemand in geistlichen Fragen sein?
  • und wie viele dieser Christen wollen sich klammheimlich mit Ehre und Ruhm bekleckern, während sie nach „geistlicher Elternschaft“ streben? Und zeigen damit, wie wenig von der bedingungslosen Liebe und Annahme Gottes bei ihnen angekommen gekommen ist?
  • und sie zeigen so wenig von dem, was der Apostel Johannes über die „geistlichen Väter“ schreibt: „weil ihr den erkannt habt, der von Anfang an ist“  (1.Johannes 2,13 – was immer das übrigens heißen mag)

Fazit: Das Anliegen mag richtig sein – aber jedes Anliegen im Kontexts eines Lebens unter Gesetz wird verdorben. Umso fataler, wenn dann noch Christen gesagt wird: „Du mußt geistliche Elternschaft erleben. Das brauchst du!“. Denn woher soll sie kommen? Von ein Haufen Leuten, die sich unter dem Gesetz abmühen und das „Leben mit Jesus“ nennen? Wohl kaum! Aber Gott sei Dank wirkt die Gnade Gottes auch ohne solche Begleitung in uns. Und auch in Gemeinschaft mit denen, die das Leben mit und unter Gnade ebenfalls erst mal lernen (weil es so anders ist als alle anderen Modelle).

… das Neue Testament beschreibt uns einiges, war wir dringend nötig hätten oder das erstrebenswert wäre. Aber wir können es nicht einfach durch ein entsprechendes Verhalten hervorbringen. Es muss in uns wachsen. Und dieses Wachstum kann nur die Gnade Gottes hervorbringen, unser Neues Leben in Christus. Versuchen wir es in eigener Anstrengung, dann bringen wir uns unter Gesetz – und behindern oder bremsen oder blockieren manchmal sogar die Wachstumsprozesses des Geistes Gottes in uns.

Kurz und gut: lassen wir doch die Gnade Gottes in uns wirken. Falls dann einige von uns väterliches oder mütterliches Verhalten (in einem geistlichen Sinne) entwickeln, dem sich andere Christen gerne aussetzen, können wir uns freuen. Und die komischen Spielchen in einigen Gemeinden und christlichen Gruppen, bei denen die einen die „Eltern“ sind und die anderen die „Kinder“ hätten sich erübrigt.

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Zerbruch – was soll das eigentlich sein?

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Sowohl in einigen evangelikalen wie auch charismatischen Kreisen wird eine Menge Aufhebens von dem gemacht, was man mit dem Begriff „Zerbruch“ bezeichnet.

Eine genaue Definition, was das denn sei, bleibt man meist schuldig. Auch der Frage, was denn da genau zerbrochen werden soll, bleibt oft unbeantwortet: unser neugeborener Geist? Unser Hang zum Sündigen? … wie auch immer: die Folgen seien besondere Gottesnähe, Heiligkeit, Hingabe, weniger Neigung zum Sündigen … gerne wird aber vor allem das Quälende und Schmerzhafte des Zerbruchsprozesses hervorgehoben.

Bleibt nur ein winziges Problem: es gibt außer im Alten Testament keine Belege für die ganze Lehre vom Zerbruch. Eine Konkordanzsuche nach „Zerbruch“ fördert keinerlei Fundstellen zu Tage; bei „zerbrechen“ und „zerbrochen“ findet sich auch nichts eindeutiges bzw. eher entlastendes.

Ps 34,19 Nahe ist der HERR denen, die zerbrochenen Herzens sind, und die zerschlagenen Geistes sind, rettet er.

Ps 51,19 Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

Mit diesen Versen ist noch nicht gesagt, daß es sich dabei um einen Zustand handelt, den man als Gläubiger bewußt anstreben soll. Dagegen spricht auch sehr, daß Gott diesen Zustand heilen will:

Ps 147,3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden.

Jes 61,1 Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen

Das Neue Testament lehrt keinen Zerbruch. Und das wundert auch nicht: denn es lehrt Veränderung durch die Gnade Gottes, durch seine Geschenke an uns, durch einen inneren Prozeß.

Hinter der Lehre vom Zerbruch steht im besten Fall unser Wunsch nach echter Veränderung – im schlimmsten Fall die Sehnsucht nach besonderen religiösen Erlebnissen, mit denen man das eigene Leben ein wenig intensivieren will.

Für die, die von Kindesbeinen an an Schmerz und Qual in ihrem Leben gewöhnt sind (und sie leider oft unbewußt suchen, weil sie vertraut sind) ist diese Lehre ein gefährliches Angebot: sie „heiligt“ Gefühlslagen, die oft völlig überflüssig sind (weil vermeidbar). Destruktive Verhaltensmuster werden also nicht verändert, sondern mit einem frommen Anstrich versehen.

Echte innere Veränderung wird durch den Heiligen Geist in uns bewirkt. Wir müssen dazu keine schmerzhaften Situationen suchen oder bewußt aushalten.

Wenn etwas weh tut, will der Mensch dem entkommen – das ist normal. Und es ist entscheidend, ob Gott dabei unser Fluchthelfer ist oder nicht. Wäre er der, der sagt „Halte aus!“, wäre unser Wunsch nach Wohlergehen eigentlich was, dem Gott ablehnend gegenüber steht. Wir wären dann allein mit unserem Wunsch und Gott wäre unser Gegner.

Natürlich gibt es kein schmerzfreies Leben – diese Tatsache ist aber umso mehr ein Grund, allen überflüssigen Schmerz zu vermeiden.

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Enterbte Erben? (1.Korinther 6)

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Folgende Passage aus dem 1.Korintherbrief (Kapitel 6) wird immer wieder gerne herangezogen, um zu „beweisen“, daß wir unsere Erlösung sehr wohl wieder verlieren können:

9 Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige [Hurer]  noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben [wörtlich: Weichlinge]  noch Knabenschänder

10 noch Diebe noch Habsüchtige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes erben.

11 Und das sind manche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.

Obwohl Vers 11 eindeutig sagt, daß wir nicht mehr solche Menschen sind, hindert das den typischen Gesetzeslehrer  und -befolger nicht, Christen mit dieser Stelle zu drohen und zu beunruhigen. Damit wäre die Diskussion eigentlich schon erledigt.

Schauen wir trotzdem genauer hin. Nach dem Gesetz gehören wir alle zu mindestens einer dieser Gruppen, die in Vers 10 und 11 aufgezählt werden. Wer hier gleich empört verneint, zeigt aller Wahrscheinlichkeit nach, daß er sich noch einige Illusionen über sich selbst macht. Das Gesetz definiert uns gnadenlos über das, was wir tun und lassen. Die Gnade löscht nicht nur (Gott gegenüber) aus, was wir Schlechtes tun, sondern sorgt auch dafür, daß wir anders geworden sind – und das, bevor wir noch irgendwas gemacht haben, das darauf hinweisen könnte, daß wir andere sind.

Wer aber Christen dazu ermutigt, sich durch das zu definieren, was sie tun und lassen, untergräbt ihren Glauben. Mit dieser Haltung wird es schwer zu erleben, daß das Reich Gottes z.B. „Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist“ ist (Römer 14,17).  Diese Dinge sind Teil unseres Erbes, unserer Erlösung. Wir bekommen sie geschenkt – wir müssen sie uns nicht verdienen. Wer aber gelehrt wird, daß er von Gott für sein Tun belohnt oder bestraft wird, verliert automatisch seinen Glauben an die Geschenke Gottes, die wir so notwendig zum Leben brauchen.

Wer unter Gesetz lebt, erlebt das Sündigen in allen Facetten besonders stark und intensiv: Die Kraft der Sünde ist das Gesetz (1.Korinther 15,56) Das liegt in der Natur des Gesetzes – denn das Gesetz soll das Sündigen verstärken (und nicht uns davon abhalten). Römer 7,5 reden von den Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz erregt wurden , Römer 7,9 sagt es nochmal: als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf.

So erklärt sich auch die Stelle aus Offenbarung 21 (Vers 8):

Aber den Feigen und Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mördern und Unzüchtigen und Zauberern und Götzendienern und allen Lügnern ist ihr Teil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod

Wir sind eben nicht mit die Gräueln Befleckten – selbst wenn wir sie tun. Gott reinigt uns von allen Sünden. Aus seiner Sicht fallen diese Dinge nicht mehr ins Gewicht.

Konkrete Sünden mögen uns und anderen schaden. Aber sie schaden nicht Gott – wie oft behauptet wird. Gott hat die Sache mit der Sünde quasi unter sich geklärt: das Lamm Gottes hat die Sünden der Welt getragen. Punkt!!!

Weggeworfene Reben (Johannes 15)

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Viele Christen erfreuen sich an den Worten von Jesus (Johannes 15), in der er sich als der Weinstock bezeichnet und uns als Reben an diesem Weinstock.
1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.
2 Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg [oder: hebt er hoch]; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. [Das Wort Gottes reinigt uns also – und nicht irgendein Heiligungskrampf und -schmerz]
4 Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht [Feststellung, kein Sollen!], denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.
Allerdings kommt dann ein Satz, der viele Christen verunsichert:
6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Galater 5,4 äußert einen ähnlichen Gedanken:
Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.
Es ist nicht schwer, an Jesus und seiner Liebe und Annahme dran zu bleiben. Schwer wird es nur, wenn wir gleichzeitig die Forderungen des Gesetzes auch erfüllen wollen – weil man uns eben erzählt, die Liebe zu Jesus zeige sich im Einhalten des Gesetzes. Das Gesetz treibt uns von Jesus weg – durch seine Forderungen. Jesus hat an uns keine Forderungen – er erklärt uns nur, wie Wachstum funktioniert und wie Frucht entsteht. Er sagt nicht: Bring Frucht! Sondern er sagt: Bleibt in mir und ich in euch! (Vers 4).  Jesus sagt auch nicht, daß diese Frucht automatisch grandios und unübersehbar ist. Schon das Bild legt nahe:  die Rebe bringt Trauben und mehr Trauben hervor, nicht aber Aprikosen oder Birnen. Erst mal geht es um Quantität.
Wer im Gesetz sein will, wird sich sehr schwer tun, in Jesus zu bleiben: das Gesetz verurteilt und verdammt ihn laufend – da kann ihn Jesus noch so viel annehmen und lieben und gerettet haben. Es sind und bleiben zwei total gegensätzliche Stimmen in seinem Leben.
Wie so oft bei Bibelstellen, die von „wegwerfen“, „abfallen“, „nicht erben“, „richten“   reden, sind es leider nicht die Gesetzeslehrer und (von sich selbst überzeugten) Gesetzesbefolger, die sich angesprochen fühlen. Im Gegenteil: es sind die, die am Gesetz (offensichtlich) versagen – aber denken, sie müßten es halten.
Die meisten Probleme mit scheinbar „verdammenden“ Bibelstellen, die sich angeblich auf  alle Christen beziehen, erledigen sich zudem durch die Überlegung, daß sie eben nicht alle im Fokus haben, sondern die, die das Gesetz halten und halten wollen.
Aber auch die Christen, die das Gesetz halten wollen und deshalb keine Frucht bringen, müssen das Feuer in Johannes 15 nicht für das Höllenfeuer halten.
Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. (Johannes 10,28)
„Feuer“ in der Bibel kann auch noch andere Bedeutungen haben. Wer gleich annimmt, es handle sich um das Höllenfeuer zeigt vor allem eines: er geht davon aus, daß Christen die Auswirkungen ihrer Neugeburt, die Veränderung ihrer Natur, ihre Kindschaft wieder verlieren können. Sie glauben also eigentlich nur, daß wir von Gott adoptiert sind – nicht neu geschaffen als seine Kinder.
Der Vollständigkeit halber noch die beiden letzten Verse des Abschnitts:
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
8 Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Arbeit am Charakter, um von Gott zu empfangen?

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Viele Christen haben die Vorstellung, daß sie sich erst einige Charaktereigenschaften erarbeiten müssen, um den Segen für unser Leben hier und jetzt von Gott zu empfangen.

Mit diesem Verständnis ist beispielsweise ein so schöner Vers wie dieser keine Verheißung mehr:

Die Reihenfolge wird umgedreht: man erfahre die Liebe Gottes nicht, weil man sich noch zu sehr fürchte.

Tatsache ist und bleibt aber: das einzige Mittel gegen die Furcht (vor Strafe) ist die Liebe Gottes zu uns. Und damit auch die völlig bedingungslose Erlösung, die er uns schenken will. Wer sich fürchtet, soll nicht lernen, sich nicht mehr zu fürchten – sondern die vollkommene Liebe Gottes empfangen.

Beliebt für diese Umkehrung der Reihenfolge ist natürlich auch die Stelle über die Frucht des Geistes:

Galater 5, 22-23: Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,  Sanftmut, Enthaltsamkeit. Gegen diese ist das Gesetz nicht gerichtet

Obwohl auch hier ganz klar herausgestellt wird, daß es sich um eine Frucht des GEISTES handelt, wimmelt es von Anleitungen, wie WIR diese Frucht erarbeiten können – um uns eben dann an der Frucht des Geistes zu erfreuen. Oder vielleicht nur das Gefühl zu haben, daß Gott sich über diese Frucht freut.

Wenn es den Gesetzeslehrern schon nicht gelingt, die Existenz der Gnade Gottes völlig zu leugnen – so machen sie das Empfangen dieser Gnade eben zu einer Frage unserer Charaktereigenschaften.

Es ist und bleibt aber dabei: Gnade empfängt, der sie haben will und nötig hat. Und Bedürftigkeit zählen wir normalerweise nicht zu den (edlen) Charaktereigenschaften eines Menschen. Bedürftigkeit ist ein menschliches Grundmerkmal. Kinder sind übrigens bedürftig ohne sich dafür zu schämen. Sie lernen erst später, dies sei eine verachtenswerte Eigenschaften.

Alter und Neuer Mensch – in Bildern

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So stellen sich viele Christen leider den neuen Menschen vor, zu dem wir in Christus geworden sind:

Und das ist kein Wunder: so ist er ihnen gelehrt und vor Augen gemalt worden.

Er hat nur den klitzekleinen Fehler, daß er mit einer ganzen Reihe von Bibelstellen, die den Neuen Menschen in Christus beschreiben, nicht übereinstimmt.

Das nächste Bild trifft die Dinge wesentlich besser. Hier gibt es keinen Alten Menschen mehr, den wir mit uns rumschleppen – sondern nur noch Wille, Verstand und Gefühle, die durch das Neue Leben in uns umgeprägt werden. Das Gesetz ist bei alledem überflüssig (und schädlich):

TOTE Menschen sündigen

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Die Reihenfolge Sünde -> Tod ist genau umgekehrt: tote Menschen sündigen – und bleiben tot. Wenn Menschen, die das Neue Leben von Christus bekommen haben, sündigen, dann geschieht das auf einem ganz anderen Hintergrund. Denn dann sündigen lebendige Menschen; und das Sündigen zerstört dieses Neue Leben nicht mehr; und es zeigt nicht mehr, was sie sind.

… das Problem aller Nichtchristen ist, daß sie kein Leben haben:

Joh 5,40 und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.
Joh 10,10b … Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben.
Joh 14,6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin … das Leben.
Röm 5,12 Darum, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben
Eph 2,1 Auch euch hat er auferweckt, die ihr tot WART in euren Vergehungen und Sünden
Eph 2,5 (Gott hat) auch uns, die wir in den Vergehungen tot WAREN, mit dem Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr gerettet!
Kol 2,13 Und euch, die ihr tot WART in den Vergehungen und in dem Unbeschnittensein eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat.

Vorschnell könnte man aus diesen Aussagen schlußfolgern, ein Christ schwanke ständig zwischen Tot-Sein und Lebendig-Sein (sowie er nach Ansicht mancher zwischen Alten und Neuem Menschen ständig hin- und herspringt; oder eben auch „in Jesus“ ist und dann wieder nicht, dann wäre er sogar „vom Teufel“, wenn man 1.Joh 3,8 so verstehen will, obwohl er eigentlich „von Gott“ ist). Aber er ist lebendig gemacht worden, er hat sein Leben aus Gott – ob es ihm nun bewußt ist oder nicht. Seine Sünden beweisen nun NICHT mehr, daß er ein toter Sünder ist, der gar nicht anders kann als sündigen. JETZT kann man von ihm erwarten, daß sein Handeln sich von innen her verändert, manchmal schnell, manchmal langsam.

… die Sünde herrscht über tote Menschen. Was immer sie tun, endet letztlich in Sünde. Denn sie suchen Leben, Lebendigkeit, Wert etc. an Gott vorbei, ohne ihn. Und was nicht aus Glauben (an Gott und seine Erlösung) geschieht, ist nun mal Sünde.

In diesem Sinne herrscht die Sünde nicht mehr über uns – wir sind aus ihrem Herrschaftsbereich „herausgeboren“ worden. Also LEBEN wir nun – völlig unabhängig von der Tatsache, wie wir gerade handeln, denken oder fühlen. Leben ist KEINE Folge von Sündenvermeidung. Erst wo Leben ist, wird totes Verhalten überflüssig. Jemand, der unter seinem Verhalten und dessen Folgen leidet, muß immer zuerst daran erinnert werden, wer er IST: lebendig, erlöst, gereinigt, heilig, angenommen, geliebt und gemocht, besonders, berufen.

… dass Christen notwendig sündigen müssen, heißt ja nicht, daß sie es sollen. Es gibt kein Gebot „Sündige!“ Aber es gibt auch kein Gebot, das in etwa lautet „Sündige nicht – und zwar um jeden Preis! Auch wenn es nicht aus Glauben geschieht – es zählt allein das Ergebnis!“ So ein Lebensstil stärkt das Vertrauen in unsere Willensstärke, aber nicht an die verändernde Kraft Gottes.

Diesen Aussagen widerspricht auch Jakobus nicht, wenn er sagt:

Jak 1,15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.

Denn wir wissen nicht, worauf sich dieses „gebiert den Tod“ bezieht; mit Sicherheit aber nicht auf unseren lebendigen Neuen Menschen: denn sonst würde der ja ständig sterben und wieder neu lebendig werden. Und damit wäre auch unser Erlöst-Sein wieder von unserem Tun und Lassen abhängig.

„Es gibt keine perfekte Gemeinde“ (heißt was?)

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Jeder, der dazu beiträgt, daß wir uns über den Zustand unserer Kirchengemeinden Illusionen machen, ist ein Mißstandsbegünstiger.

Wer folgende Verhaltensweise in seiner Gemeinde an den Tag legt, begünstigt unter Umständen schlimme und schlimmste Zustände:

  • völlig unangebrachtes Erdulden von seltsamen und krankem Verhalten
  • Wohlwollen und der Glaube, es werde sich bessern
  • Ignorieren von üblen Verhaltensweisen und Predigtinhalten
  • Geldgeben
  • Hingehen, also Bestätigung durch bloße Anwesenheit
  • Schönfärben von miesen Zuständen
  • Herunterschrauben biblischer Gemeindestandards (auf das vermeintlich Machbare)

Vielen seltsame Gemeinden könnten einfach durch die Abstimmung mit den Füßen der Garaus gemacht werden. Gemeinden ohne Besucher und ohne Geld haben ganz schnell ein Problem.

In diesem Sinne hat jeder von uns eine Mitverantwortung.

Wer sich von solch dysfunktionalen Gruppen (fälschlich „Gemeinde“ genannt) fernhalten möchte, tut damit nichts Unrechtes.

Wer in ihnen verbleibt, tut es auf eigenes Risiko. Und / oder er tut es in dem vollen Bewußtsein, was er da tut (Schönfärberei hilft ihm also nicht). Und er oder sie sollte es tun in dem Bewußtsein, daß er dort oft nicht das empfängt, was Gott vorgesehen hat (und er es sich anderswo holen muß oder gar nicht bekommt): das Verhältnis von Geben und Nehmen wird für ihn (oder sie) also hinten und vorne nicht stimmen. Wer sagt „Dafür fehlt mir die Kraft“ hat mein vollstes Verständnis.

Mit dem beliebten Satz „es gibt keine perfekte Gemeinde“ sind die Verhältnisse in vielen Gemeinden nicht zu rechtfertigen … das erinnert an einen Bergarbeiter in Peru, dem man erzählt, wenn er über seine Arbeitsbedingungen klagt, daß es nun mal keine perfekte Firma gäbe.

Wo sind die Grenzen christlicher Duldsamkeit erreicht?

  • Veruntreuung von Spendengeldern?
  • Mißbrauch Schutzbefohlener?
  • eindeutig gesetzliche Lehren?
  • verbale Erzwingung des „Zehnten“?
  • Unterdrückung der Meinungsfreiheit?
  • sektenähnliche „Wir drinnen – die draußen“?
  • Hosenverbot für Frauen?
  • Kontaktverbote mit Ehemaligen?
  • Befürwortung von Gewalt gegen Kinder?
  • Scheidungsverbot auch bei Ehebruch und Gewalttätigkeit?

Sonst bleibt das „es gibt keine perfekte Gemeinde“-Argument ein argumentative Waffe der Schönfärber, Besitzstandswahrer und Mini-Päpste.

Und so sehr Christen auch gerne ihre Gemeinde verteidigen: die Person gewordenen Ergebnisse realen Gemeindelebens wollen sie um keinen Preis heiraten. Das spricht eigentlich für sich.

Gott sei Dank gibt es aber christliche Partnerbörsen: da trifft man auf die Person gewordenen Ergebnisse anderen Gemeindelebens – und will dieses Ergebnis auch nicht heiraten.