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Wir müssen evangelisieren! Müssen wir?

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Auch wenn die Gebote des Alten Testamentes nicht mehr für uns gelten – wir haben Gebote direkt von Jesus. Dazu gehören nicht nur so schöne Aussagen wie „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer“ (Mt 16,6) oder „Bleibt in mir!“ (Joh 15,4), sondern auch der sogenannte Missionsbefehl.

Markus 16,15: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung!

oder ausführlicher

Matthäus 28,19-20: Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe!

Offensichtlich hatten die ersten Gemeinden kein Problem damit, diese Anweisung zu befolgen. Das hat natürlich Ursachen. Sicherlich lag es aber nicht daran, daß die Christen damals von Natur aus viel hingegebener waren oder eifriger oder opferbereiter. Oder wenn sie es waren, dann lag es nicht daran, daß sie andere Menschen als wir waren oder bereit waren, sich mehr anzustrengen.

Diese Christen hatten etwas, von dem sie begeistert waren. Sie erlebten kollektive Gnade. Sie bekamen noch ein gesetzesfreies Evangelium zu hören. Sie schmeckten die Kräfte des zukünftigen Zeitalters (Hebräer 6,5).

Diesen Leuten konnte Petrus schreiben

1.Petrus 3,15-16: … Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert,16 aber mit Sanftmut und Ehrerbietung!

und damit voraussetzen, daß andere Menschen von einem Christen fordern, daß er doch bitte mal endlich sagen soll, was denn mit ihm los ist und woher das kommt, was sie da bei ihm spüren.

Es ist mit dem „Missionsbefehl“ so wie mit allen anderen Geboten des Neuen Bundes: wir müssen sie nicht befolgen, wie man das Mosaische Gesetz befolgen mußte (wegen der drohenden Konsequenzen) – sondern

  • sie dienen zu einem dazu, uns daran zu erinnern, daß wir etwas nehmen müssen, bevor wir geben können („Bleibt in mir!)
  • und daß wir unsere Betätigungsfelder kennen, wenn wir etwas zu geben haben und es auch geben wollen

Und es geht eben nicht darum, daß Menschen aus einem leeren Herzen geben und dann dafür belohnt werden – denn das ist der Mechanismus des Gesetzes.

Wenn ein gesetzestreuer Christ den Missionsbefehl liest, dann liest er ein Gebot aus dem Gesetz: er muß das befolgen, was Jesus gesagt hat, er hat keine Wahl. Wenn er es nicht tut, verleugnet er Jesus – und der wird dann ihn verleugnen.

Matthäus 10,33: Wer aber mich vor den Menschen verleugnen wird, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater, der in den Himmeln ist.

Das Beispiel für Verleugnung ist wohl Petrus – der offensichtlich nicht sein Heil verlor, weil er das getan hat. Und es wäre ja auch seltsam, wenn wir plötzlich doch bewirken können, daß wir unser Heil wieder verlieren – weil wir nicht missionieren. „Verleugnen“ bedeutet also etwas anderes als „Erlösung verlieren“.

Andere Beispiele für Verleugner sind die Gesetzeslehrer in der Gemeinde. Von ihnen sagt Petrus, daß sie „den Gebieter, der sie erkauft hat, verleugnen“ (2.Petrus 2,1). Trotzdem verlieren gesetzestreue Christen ihr Heil nicht, wenn sie Jesus kennen (und nicht nur das Gesetz). Aber er wird ihnen in diesem Leben nicht mehr viel nützen, weil sie ihren Glauben auf die Erfüllung von Regeln stützen.

Und was hilft es uns und Jesus, wenn wir tatsächlich aus Angst vor dem Verloren-Gehen irgendjemand „missionieren“! Oder aus dieser Angst heraus nach einer „positiven“ Motivation für das Evangelisieren suchen!

Was tun? (in unserer jetzigen Lage)

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Dein Pastor, deine Ältesten, viele deiner Geschwister, deine christlichen Freunde – sie alle haben nicht auf die Botschaft gewartet, die du auf diesen Seiten hier lesen kannst. Also stellt sich für dich die Frage: Was tun? – jedenfalls dann, wenn du sagst: das hier ist es, das beantwortet meine Frage, jetzt verstehe ich, worunter ich die ganze Zeit leide.

  • welche deiner christlichen Freunde sind auch erschöpft? Wer kann nicht mehr?
  • wie geht es dir jetzt, wenn du jede Woche eine Predigt hörst, die nicht kompatibel ist mit dem, was du jetzt über deine Freiheit in Christus weißt?
  • vielleicht möchtest du erst zum nachgottesdienstlichen Kaffeetrinken auftauchen – das ist legitim
  • wie kannst du Kontakt finden zu anderen Christen, denen es ähnlich geht wie dir?
  • wie stark sind die Mißstände in deiner Gemeinde? Ärgerst du dich darüber? Willst du ein wenig klugen Rabbatz machen, bevor eure Wege sich trennen?
  • willst du im Untergrund arbeiten und gezielt einzelne Leute beeinflußen?
  • Möchtest du deinen Hauskreis mit der wirklich guten Botschaft infiltrieren?
  • oder ist das Heimliche nicht so dein Metier? Willst du deine Leiterschaft mit ihren Irrtümern direkt konfrontieren?

Du wirst jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit heftigen Gegenwind bekommen, wenn du bleibst und kämpfst. Alles andere wäre ein Wunder.

Was, wenn du ein Leiter bist? Ein Ältester?

  • so traurig es ist: nicht mal die Hälfte deiner Gemeinde wartet auf die wirklich gute Botschaft
  • viele Menschen in deiner Gemeinde wollen unter Gesetz sein und Leistung erbringen
  • sie wollen keine Freiheit, sie wollen die gesetzliche Zwangsjacke für ihr Inneres, weil sie genau wissen, was da alles schlummert
  • sie dulden eher deine mehr oder minder sanfte Dikatur als deine Herausforderung, wenn du ihnen Freiheit und echte Veränderung predigst
  • wenn du von deiner Gemeinde finanziert wirst, suche dir schnell einen alternativen Spenderkreis: über kurz oder lang werden die Leute deinen Weg finanziell bestrafen
  • und / oder such dir ergänzend eine normale Arbeit; ganz besonders dann, wenn du normales Arbeitsleben gar nicht kennst

Was kannst du tun, wenn du sagst: aber es geht doch nicht nur um mich persönlich! Viele Menschen sollen die wirklich gute Botschaft kennenlernen!

  • es gibt viele christliche Online-Foren: da kannst du deine Argumentationssicherheit austesten und erlebst in einem relativ geschützten Rahmen deine ersten Konfrontationen mit Gesetzis
  • manche gute christliche Bücher sind leider längst vergriffen; vielleicht möchtest du einen Verlag gründen, der sie neu herausbringt – und vor allem als Longseller!
  • du kannst einfach Beiträge dieser Seite kopieren und die Quelle angeben
  • vielleicht möchtest du Freizeiten für Gleichgesinnte organisieren
  • wenn du es schaffst, ein paar Boykotte zu unterlaufen, und wenn du ein wenig Geld übrig hast, könntest du auch Seminare mit explosiven Gastsprechern organisieren (wir geben da gerne Tipps)
  • vielleicht machst du dir Gedanken über gezielte Unterwanderungsstrategien von Gemeinden, um dort die herauszulösen, die schon lange auf die wirklich gute Botschaft warten

Dieser Artikel findet sich permanent auch unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/was-tun-in-unserer-jetzigen-lage/

Kommentare am besten dort machen, weil sie dauerhafter wahrgenommen werden.

Pseudo-Entschuldigungen – eine fromme Unsitte

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Eine häufige fromme Unsitte: Pseudo-Entschuldigungen! Man entschuldigt sich, wenn man etwas falsch gemacht hat und das einsieht. Das ist normal.

Nicht normal ist es, sich zu entschuldigen, nur weil das Gegenüber eine heftigere emotionale Reaktion zeigt auf etwas, was man sagt oder tut oder nicht tut.

Wer also aus seiner Sicht nichts falsch gemacht hat, soll sich nicht entschuldigen. Das wäre einfach gelogen.

Man kann natürlich aber den anderen fragen, ob man was falsch gemacht habe. Wird das verneint, hat der andere entweder gelogen – oder es ist tatsächlich so.

Vielleicht kann der andere aber auch erklären, was so verletzend war – und vielleicht stellt sich dann heraus, was am eigenen Verhalten nicht ok war.

Beispiel: Mama ist verletzt, weil wir ihr sagen, daß uns ihr Essen nicht schmeckt. Haben wir es so formuliert „was für ein Frass ist das denn?“, ist es verständlich, daß Mama verletzt ist – durch die Art, wie wir es gesagt haben. Haben wir aber einfach nur gesagt „es schmeckt mir nicht“, dann ist eigentlich alles ok. Eigentlich – aber Mama macht ihren Wert leider an ihren Kochkünsten fest. Sie kann nicht begreifen, daß sie auch wertvoll ist, sollte ihr Essen mal nicht schmecken. Deshalb ist sie verletzt.

Soll man sich jetzt entschuldigen? Schließlich war es die Wahrheit zu sagen, es schmecke einem nicht. Nein, denn eine Entschuldigung wäre gelogen.

Aber man kann sagen „Mama, mir schmeckt es heute nicht – aber ich habe dich trotzdem lieb“.

Kampf den Bitteren!

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Laut Hebr 12,15 („und achtet darauf, dass nicht jemand an der Gnade Gottes Mangel leide, dass nicht irgendeine Wurzel der Bitterkeit aufsprosse und euch zur Last werde und durch sie viele verunreinigt werden“) ist es eine KOLLEKTIVE Aufgabe, daß die Gnade Gottes fließt und niemand daran Mangel leidet. Und die Gnade Gottes fließt nun mal AUCH durch andere Menschen.

… weil viele spüren, wie dysfunktional „Gemeinden“ sind, haben sie die Verantwortung für die Bitterkeit auf die Opfer des „Mangels an Gnade“ verlagert – natürlich unter Benutzung bzw. Mißbrauchs dieses biblischen Aussage (etwa als „Tu was gegen deine Bitterkeit. Du verunreinigst die anderen“). Der Vers macht aber die Gemeinschaft verantwortlich, nicht den Einzelnen. Dieser Infragestellung „christlicher Gemeinschaft“ will man sich aus verständlichen Gründen aber nicht stellen. Also attackiert man die Opfer, „die Bitteren“ – und macht man sie damit ein weiteres Mal zum Opfer.

Bitterkeit ist ganz simpel eine Folge davon, daß jemand zu kurz kommt. Und es ist nicht damit getan, daß wir jemand dazu auffordern „dann nimm doch einfach mehr von Gott“. Wir sind auch füreinander als Geber geschaffen worden. Das ist schon im normalen zwischenmenschlichen Miteinander so – und erst recht in etwas, was sich „Gemeinde“ nennt.

Die Bitteren zu bekämpfen, gleicht dem Versuch, die Armut zu beseitigen – indem man die Armen bekämpft.

Sondersegen „Geistliche Waffenrüstung“?

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Viele Christen, insbesondere charismatisch ausgerichtete, machen viel Aufhebens um die geistliche Waffenrüstung aus Epheser 6. Die müsse man täglich neu anziehen, sonst fehle es einem an Schutz gegen den Teufel und seine Angriffe.

Diese sogenannte Waffenrüstung beschreibt mit Hilfe einer anderen Metapher unsere Identität in Jesus. Sehr deutlich wird das am „Brustpanzer der Gerechtigkeit“ (Vers 14) oder am „Helm des Heils“ (Vers 17).

Aber es hängt natürlich alles davon ab, wie wir die Rüstungsbestandteile definieren. Und ob wir überhaupt davon ausgehen, daß wir sehr erlöst in Jesus sind. Sonst ist die Waffenrüstung etwas, was eine Art ausgehungerten geistlichen Bettler bekleidet.

Der grundsätzliche Zweck der Waffenrüstung wird in Vers 11 genannt:

„Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt!“

Schon hier teilt sich der Weg: worin bestehen denn die Listen des Teufels? Für den, der seine Identität in Jesus ausleben und genießen will, sind sie eine simple Angelegenheit: Vertrauen auf das eigene Fleisch, auf die eigene religiöse Leistungsfähigkeit, also Leben mit und unter Gesetz. Jeder Christ, der so lebt, kann sich jedes rituelle Anziehen der Waffenrüstung sparen – er hat schon verloren, was sein alltägliches Leben angeht.

Die Listen des Teufels bestehen also darin, daß er uns davon ablenken will, wer wir in Jesus sind und was wir durch ihn haben. Wer sich darauf fokusiert, der wandelt im Geist.

Man kann natürlich auch die „Listen des Teufels“ ganz anders definieren und darunter lauter Dinge verstehen, die einen vom „schweren Weg des Gehorsams“ abbringen sollen. Man ist etwa am Ende seiner Kraft und würde am liebsten aufgeben – aber man sieht das als „Verführung durch den Satan“. Dabei steht Gott da und sagt „ja, bitte: gib endlich auf! Was machst du da eigentlich?“ oder der angebliche Mensch fürs Leben erweist sich schon in der Kennenlern-Phase als Alptraum – aber Gott hat ja angeblich gesprochen, daß er oder sie es wäre; also bleibt man dran und heiratet (mit vorhersehbaren Folgen).

Eph 6,12: Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen / geistlichen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt.

Wir sind nicht mehr im Alten Bund und kämpfen gegen Fleisch und Blut. Israel konnte in den Krieg ziehen und Leute umbringen. Unsere Gegner sind nicht mehr Menschen, sondern geistige bzw. geistliche Mächte, die über bestimmte Weltsichten, Ideologien, Gedankengebäude, Mentalitäten etc. Einfluß auf das Denken und damit auf das Handeln von Menschen nehmen.

Diese Gedankengebäude haben eine grundsätzlich andere Struktur als die Gnade Gottes. Denn in ihrer Logik wird der Mensch nach seiner Leistung und nach seinem Tun bewertet. Jesus dagegen hat uns befreit von dieser Be- und Abwertung unserer Person durch unser Handeln. Man stelle sich nur mal kurz vor, was die Ideologien zur Zeit der ersten Gemeinden so bereit hielten: „Du bist sehr ok, wenn du Römer bist“ oder „du bist nur ein rechtloser, wertloser Sklave“ oder „ich bin nicht nur Christ, ich bin auch Jude von Geburt“ oder „du bist nur eine Frau“.

Dadurch stehen wir in einem ständigen Kampf. Die „feurigen Pfeile des Bösens“ (Vers 16) sind unter anderem solche Botschaften – und wir heben den Schild des Glaubens. Und sagen (hätten wir damals gelebt): „nein, das bin ich nicht. Durch Jesus habe ich Wert und Besonderheit. Und meine Geschwister in der Gemeinde bestätigen mir das auch – und das, obwohl ich nur ein Sklave bin“. Oder auch „ich bin zwar Römer und dazu auch noch reich. Aber das macht mich nicht besonders und wertvoll. Das ist alles Dreck (Philipper 3,8) im Vergleich dazu, daß ich jetzt Jesus kenne und von ihm geliebt bin“.

Oft werden solche Botschaften nicht laut ausgesprochen. Das wäre sogar schön – denn dann wären sie leichter zu erkennen. Sie sind atmosphärisch da. Da ist etwa die Clique in der örtlichen Freikirche: „Tja, wärst du mal so cool und lässig wie wir. Dann könntest du auch zu uns gehören. Aber sorry, jemand wie du? Das geht gar nicht“. Ein Beispiel das zeigt, daß auch das, was wir „Gemeinde“ nennen, oft nicht der Ort ist, wo uns eine wirklich gute Botschaft vermittelt wird.

Waren wir vom Thema abgewichen? Eigentlich nicht – die Pfeile des Bösen schwirren den ganzen Tag über heran.

Die Aufforderung aus Vers 13 „Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes“ sagt nichts anderes als „Nutze alle Möglichkeiten der Erlösung, deines Neuen Lebens, deiner Neuen Identität“, also „Wandle im Geist! (Galater 5,16)“

Der Gürtel der Wahrheit steht und fällt mit der Definition, was wir für die Wahrheit halten. Wenn unsere „Wahrheit“ etwa ist „Segen ist eine Folge von Gehorsam“, dann wäre das kein Teil einer Waffenrüstung, sondern eher ein Messer, daß wir uns ständig selbst an die Kehle halten. Und der Brustpanzer der Gerechtigkeit löst sich quasi sofort in seine Bestandteile auf, wenn wir Gerechtigkeit bwz. Ok-Sein vor Gott für etwas halten, daß unser Tun und Lassen hervorbringt. Aber Gott sei Dank ist Gerechtigkeit etwas, das Gott uns schenkt.

Wenn der Leser bis hierher eifrig nickt, dann sind auch diese komischen Schuhe in der Waffenrüstung kein Problem mehr:

Epheser 6,15: beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens!

Denn wir haben gerade die ganze Zeit das Evangelim des Friedens verkündet: „Ok-Sein ist ein Geschenk von Gott. Jesus hat dafür gelitten. Du mußt nicht mehr leben, als hättest du keine Lizenz zum Leben und wärst illegal auf dem Planeten.“

Der Helm des Heils steht für die absolute Unerschütterlichkeit unserer Errettung. Wir sind und bleiben gerettet. Nichts, was wir tun und lassen, kann daran etwas ändern. Der Zweifel an unserer Erlösung und ihrer Dauerhaftigkeit ist eine der schlimmsten Waffen des Feindes. Und in vielen christlichen Kreisen ist dieser teuflische Gedankengang eine gängige Lehre!

Was diese schlimme Tatsache bedeutet, das überlasse ich der Phantasie des Lesers.

Identität in Christus – PLUS Gesetz

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Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die entdeckt haben, daß Paulus, Petrus und Johannes über etwas sprechen, was wir heute oft „Identität in Jesus“ nennen. Es wäre interessant zu wissen, welche Autoren erstmalig diese Entdeckung publiziert haben.

Im Werk von Andrew Murray (1828-1917) aus Südafrika finden sich viele Aussagen darüber, wer wir in Christus sind. Mag sein, daß auch er wiederum Vorgänger gehabt hat.

Leider kombinieren diese Autoren und Bibellehrer ihre Erkenntnis darüber, wer wir in Jesus sind, mit einer Reihe von anderen Lehren, die die befreiende Wirkung unserer Neuen Natur im Grunde wieder aufheben

  • Christen müssen von Dämonisierung befreit werden
  • sie müssen gegen ihren alten Menschen kämpfen (wenn auch im Namen des Neuen Menschen)
  • Christen müssen das Gesetz befolgen
  • Sünde muß um jeden Preis verhindert werden
  • Beziehungen sind nicht wichtig
  • Christen müssen vergeben
  • Gefühle sollten ignoriert werden, wenn sie dem „Wort Gottes“ widersprechen
  • Christen müssen „siegreich“ sein

Wie auch immer die genauen Ergänzungen lauten: wenn sie zur Folge haben, daß wir unsere Neue Identität nicht mehr genießen können, wissen wir, daß etwas nicht stimmt.

Wie berühmt der Autor auch sein mag und wie viele Bücher er auch geschrieben haben mag: folgen Sie ihm besser nicht.

Aber was immer er oder sie sagt, wer wir in Christus sind und was wir in ihm haben – das kann man meistens glauben.

Wenn es einfach ist, ist es nicht von Gott?

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Je einfacher, desto „ungöttlicher“? Je schmerzloser, desto ferner von Gott? Je mehr Schmerz, desto mehr im Willen Gottes? In der Qual bleiben, ist „an Gott festhalten“? Probleme aushalten ist mehr jesus-like als sie zu lösen? Probleme lösen ist „davonlaufen“? Je leidensbereiter jemand ist, desto mehr ist er oder sie ein Segen für andere?

Viel Spaß mit dieser Theologie! Oder vielmehr: viel Schmerz! Hätte Gott diese Theologie, hätte er Jesus drei Monate statt drei Tage leiden lassen!

Eigentlich logisch, daß diese „Erkenntnisse“ jenseits aller Logik und Nachvollziehbarkeit nur durch eine besondere Offenbarung des „Geistes“ gewonnen werden können … aber wer Qual und Schmerz von früh auf als „normal“ erlebt hat, tut sich schwer, mit einer wesentlich kleineren Portion davon zu leben (aber beten hilft: „Jesus, hilf mir, Glück auszuhalten!“). Die Begründungen für ein solches Verhalten entsprechen eher diesem Bedürfnis, das Gewohnte weiter zu erleben und der Angst vor dem ungewohnten „Gesunden“ als einer biblisch begründeten Argumentation.

… kein Weg führt am Schmerz vorbei : es ist nur die Frage, ob der Schmerz Folge einer guten, gesunden Entscheidung ist (und damit begrenzt und sinnvoll) oder die Konsequenz einer schlechten (sinnlos, weil nicht Teil einer Problemlösung und vor allem leider viel intensiver und krankmachend, zeitverschwendend, oftmals sündefördernd etc. pp.)

Selbstverdienerei

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Das Angebot der Schlange „ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses“ war ja nicht wirklich eines – das war, was Adam und Eva schon hatten. Aber sie hatten es als GESCHENK. Und die Schlange stellt ihnen in Aussicht, daß sie es durch eigenes TUN haben könnten. Das geschah zwar nicht, war aber verlockend.

Und Selbstverdientes statt Geschenktes ist bis heute für Menschen sehr attraktiv. Das ist leider bei vielen Christen nicht anders als bei Menschen, die Jesus nicht kennen oder nicht näher mit ihm zu tun haben wollen.

… eine der Thesen, die Selbstverdiener-Christen gerne vertreten, ist die vom Segen, der angeblich nicht ohne einen Preis, nicht ohne Wohlverhalten, nicht ohne Einhaltung der Gebote zu haben sei … eine gute Definition von Gesetzlichkeit ist, daß sie uns das (noch einmal) verdienen läßt, was uns längst geschenkt ist. Und mal ein hartes Geschütz aufzufahren: für mich sind das die Menschen, über die Hebräer 10,29 redet, die den Sohn Gottes mit Füßen treten … paradoxerweise ist das eine der Bibelstellen, mit denen sie gerne arbeiten, um andere Christen unter Druck zu setzen … und einen Jünger Jesu definieren sie als einen Gebote-Halter (statt als jemand, der sein Leben, seine Wertschätzung, seine Identität von Jesus bekommen will) …

Ist aber der Segen umsonst, ist aller Selbstverdienerei der Boden entzogen. Und eine völlig neue Welt tut sich auf …

… natürlich gibt es genug Bibelstellen im Neuen Testament (und noch mehr im Alten), die SCHEINBAR die Selbstverdienerei und eine Art göttliches Belohnungssystems zu begründen scheinen. Aber es hängt eben alles sehr davon ab, welche Brille man beim Bibellesen aufhat … wer die Brille „Ich bin zwar umsonst erlöst, aber jetzt muß ich den Preis für die Erlösung zahlen“ (und nicht mal den Widerspruch innerhalb dieses Satzes bemerkt) aufhat, wird vieles entdecken, was ihn bestätigt in seiner Auffassung.

… ist es nicht sehr naheliegend, daß wir nur anders werden können, wenn wir immer aufs Neue beschenkt werden – sowohl mit unsichtbaren (aber wirkungsvollen) Dingen wie Liebe, Annahme, Wertschätzung wie auch mit notwendigen sichtbaren Dingen? Veränderung geschieht nicht in der Atmosphäre, in der Heiligungsfreaks leben und die sich um sich herum verbreiten. Ich bin sicher, daß sie wirklich niemanden verurteilen wollen – aber sie können gar nicht anders, denn es ist eine Frucht des Gesetzes und damit des (religiösen) Fleisches und seiner Selbstverdienerei …

… ja, Gott findet unser Verhalten öfter mal nicht gut. Aber auch unser falsches Verhalten hat Jesus am Kreuz und durch die Auferstehung geklärt. Deswegen hat er auch keinen Grund, uns seinen Segen zu entziehen aufgrund von Fehlverhalten. Wenn ich allerdings als Selbstverdiener-Christ GLAUBE, es sei so, dann sieht die Welt für mich leider anders aus … u.a. qualvoller. Und Qual wird umso erträglicher, je mehr Menschen sie mit mir teilen und als Normalität anerkennen. Vielleicht daher auch der stark missionarische Zug dieser Menschen.

… die göttliche Reihenfolge wird von Gesetzis umgedreht: Wohlverhalten, dann Segen … SPÜRBAR beschenkt zu sein führt aber viel eher zu Verhalten, über das sich andere Leute auch freuen; oder das einem selbst gut tut … und auch die eine oder andere Sünde wird überflüssig, weil ich sie nicht mehr brauche, um mich wertvoll, lebendig, interessant, zugehörig etc. zu fühlen … denn wer sündigt schon, um Böses zu tun? Wir sündigen, weil wir hoffen, daß es uns dadurch besser geht … wer aufhören will zu sündigen, BEVOR er echte und spürbare Alternativen dazu hat, zäumt das Pferd von hinten auf. Aber er glaubt ja, den Segen gäbe es nur dann, wenn er die Sünde in seinem Leben „abstellt“ … wer so lebt und glaubt, dem kann man nur wünschen, daß er demnächst so müde davon wird, daß er Alternativen suchen muß.

Der Alte Mensch

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Die gute Nachricht zuerst: es gibt überhaupt keinen Alten Menschen mehr, der zu bekämpfen wäre. Christen haben keine Doppelnatur aus Altem und Neuem Menschen.

Diese These (von der Doppelnatur des Christen) ist für das gesetzliche Denken eine mindestens ebenso große Stütze wie die These vom Segen, der nicht umsonst zu haben sei. Eine andere ist die von der Sünde, die uns angeblich von Gott trennt.

… es gibt nur einen Neuen Menschen. Was wäre das auch für eine Erlösung, bei der wir noch eine Art Zombie mit uns rum schleppen?

… viel hängt daran, daß unser Fleisch oft mit dem Alten Menschen gleichgesetzt wird (die entsprechende Literatur strotzt nur so von gelehrter Verwirrung an dieser Stelle). Unser Fleisch ist aber einfach nur unser Fleisch: es ist daran gewöhnt, die Dinge mit den Mitteln dieser Welt zu lösen. Und dazu gehören nicht nur sündige Taten in allen Varianten und Schweregraden, sondern vor allem viele religiöse Bemühungen (also auch Sünden).

… das sofortige und lückenlose Bekennen von Sünden ist eine dieser religiösen Bemühungen. Als hinge Gottes Vergebung daran, daß wir jede Sünde bemerken und sie dann auch gefälligst zeitnah bekennen! Was für ein Stress! Und das soll ERLÖSUNG sein?

Und es bleibt auch ausgemachter Unsinn, daß durch unsere Sünden eine Distanz zwischen uns und Gott entsteht. Wie soll das denn gehen? Er ist in uns und wir sind in ihm. Diesen Status würden wir ja mindestens minütlich verlieren, wenn die Sünde diese Wirkung hätte.

Viele Christen mögen das mit der Einen Neuen Natur nicht, weil sie plötzlich nicht mehr wüßten, was sie dann tun sollen. Der Kampf gegen den vermeintlichen Alten Adam ist doch zu schön und produziert ständig Dramen aller Art – meist zwar die von der qualvollen Sorte, aber das sorgt wenigstens für Intensität; und damit für das GEFÜHL, lebendig zu sein.

… unser natürliches Wesen bildet nicht mehr den Mittelpunkt unserer Person. Wir haben andere Lösungsmöglichkeiten dadurch, daß wir einen direkten Draht zu Gott haben. In dieser Welt gibt es nur begrenzt echte bedingungslose Annahme, Wertschätzung, Zugehörigkeit etc. Das alles haben wir plötzlich, wenn wir Gott kennen und das mit der Erlösung durch Jesus kapiert haben. Aber unsere Gewöhnung, unsere Prägung legt uns andere Dinge nahe, um unser Bedürfnis nach Annahme etc. zu erfüllen.

… großes Thema. Aber diese Gewöhnung, diese Prägung, in natürlichen Dingen Lösungen zu suchen für tiefliegende Defizite – das ist das, was viele Christen zum Alten Menschen hochdramatisieren. Prägungen und Gewöhnungen kann man ändern – einen Zombie bekämpfen ist letztlich ein sinnloses Unterfangen. Aber etwas, das gar nicht existiert, kann man auch nicht töten oder tot halten oder ihm das Futter entziehen (indem man das Gesetz befolgt). Man kann es noch nicht mal ignorieren, weil es gar nicht da ist.

… das öffnet Perspektiven für eine ganz andere Art von Leben: Sündigen ist dann etwas, daß mir nicht mehr meine doppelte (und letztlich unerlöste) Natur beweist; sondern ich kann mich fragen, warum ich das tue und ob ich denn Alternativen dazu kenne. Kenne ich sie nicht, muß ich weitermachen – etwas, daß für den Gesetzlichen nie in Frage käme, obwohl er selbst in der Praxis nichts anderes macht. Das Gesetz fordert immer das sofortige Ende des Mißstandes. Aber ich habe die Perspektive einer echten Veränderung, die von innen kommt, durch das NEUE LEBEN in mir. Das braucht zwar oft Zeit, ist aber wesentlich stabiler, entspannter, gesünder …

Nachteil dabei: man kann sich nicht so mit Ruhm bekleckern. Und der Stolz auf die eigene Hingabe und Konsequenz ist nun mal bei den Vertretern dieser Richtung unübersehbar. Sorry, Jungs und Mädels!

Nachfolge und Veränderung

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Wenn sich Christen vom Gesetz in jeder Form distanzieren, erhöhen sie ihre Chancen, daß das Neue Leben in ihnen seine ganz natürliche-übernatürliche Frucht hervorbringen kannn … und Frucht-Bringen assozieren wir nun mal normalerweise mit Jünger-Sein, mit Nachfolge Jesu: Joh 15,8 „Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.“

Joh 8,31b+32 …Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaft meine Jünger;und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Und daß es sich bei dieser Wahrheit nicht einfach um das Gesetz des Alten Testamentes handeln kann, zeigt etwa Joh 1,17 „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“ Jünger als Gesetzes-Halter zu definieren, ist aus meiner Sicht jedenfalls eine ziemliche Verdrehung der Tatsachen.

… wer etwas geben will, muß was empfangen haben. Dem Gesetz ist es egal, wie es um unsere gefühlte Fülle steht – wir sollen tun und geben.

Joh 1,16 „Denn aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, und zwar Gnade um Gnade.“
Kol 2,10 und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht“
Joh 10,10b „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben“

sprechen eine andere Sprache. Menschen, die das erleben (und nicht nur BEHAUPTEN), haben am Ende sogar noch einiges für sich selbst übrig – und sind weit entfernt, das Mitleid ihrer nichtchristlichen Umgebung wegen ihres frommen Burnouts zu erwecken.

… die Prozesse, die der Geist Gottes in uns in Gang bringt, spielen sich völlig jenseits des Gesetzes ab. Er verändert unser Denken, unser Fühlen, unser Wollen. Deswegen brauchen wir auch kein Gesetz, das uns sagt, was wir zu tun und zu lassen haben.

… und wir haben ein Neues Herz, das DIESEN Prozeß bejaht – aber eben widerwillig und allergisch auf die Methode des Gesetzes reagiert: „Tu es einfach, halte das äußere Gebote – dann wird sich auch dein Inneres verändern“ … Jesus sagt den Pharisäern deutlich, wie es mit ihrem Innenleben wirklich aussieht, nachdem sie diese Methode eifrig verfolgt haben.

… die Auswirkungen dieses Prozesses werden da und dort auch die Freunde des Gesetzes begeistern – und dann im nächsten Moment wieder völlig irritieren. In diesem Sinne verstehe ich Aussagen wie „Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt“ (Röm 13,8) oder wenn von den Früchten des Geistes in unserem Leben gesagt wird „Gegen diese ist das Gesetz nicht gerichtet“ (Gal 5,24) oder wenn Jesus sagt “ … wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft …“ (Mt 5,20).

… aber ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dieser Prozeß sei immer angenehm. Er ist auch öfter frustrierend – weil wir auf Lösungen warten und nicht selbst nachhelfen. Weil Frucht und Nicht-Frucht oft nah beieinander liegen.Oder konfliktreich – er bringt Entfremdung von den „Gesetzlichen“ in unserer Umgebung. Oder risikoreich – weil wir vielleicht öfter mal scheitern … auch hier gibt es also die vielzitierten „Kosten der Nachfolge“ – aber es sind doch ganz andere als die Qualen derjenigen, die unter Gesetz leben.

Und wer Perfektion sucht, der ist auf diesem Weg völlig falsch! Und sollte sich weiter an die überschaubaren Regelkataloge diverser christlicher (Frei)Kirchen halten …

Protzen mit Frucht

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… es geht den gesetzesfreien Freunden von Jesus nicht anders mit den Geistesfrüchten und den Fleischeswerken wie den meisten anderen auch. Und mindestens so gut wie denen, die ihre Frucht des Geistes gerne zart andeuten – natürlich in bescheidenster Weise. Und vor allem mindestens so gut wie denen, die „mit all ihrer Kraft“ die Früchte herbeiarbeiten wollen und das Fleisch täglich, stündlich, minütlich kreuzigen. Und deren Heiligungsgrad insbesondere an ihrem frommen Vokabular abzulesen ist.

Heiligung

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Es ist unklar, warum ein gesetzesfreier Standpunkt die Heiligkeit Gottes ignoriere – aber es ist klar, daß sich diese Heiligkeit nicht auf unseren natürlichen Wegen auch nur irgendwie in unser Leben bringen läßt: also nicht „mit all meiner Kraft“ (Willenskraft wird total überschätzt).

Das Neue Testament sagt ganz eindeutig, daß wir unserer Natur und unseres Wesens nach bereits heilig SIND – was logisch ist, wenn wir Kinder Gottes sind (und das nicht durch Adoption, sondern unserer Natur nach, durch eine Neue Geburt). Nun geht es nur noch darum, daß diese Heiligkeit unser Leben prägt – aber wir beginnen als Heilige und nicht als „elende Sünderlein“; das macht schon mal einen ziemlichen Unterschied.

Und wenn wir uns dann noch von den üblichen Heiligungsmethoden fernhalten, steigen unsere Chancen auf eine Heiligkeit, die sich mit unserer Natürlichkeit und unserer Lebendigkeit verträgt und vielleicht ähnlich attraktiv wirkt wie die Heiligkeit von Jesus, dem Weinsäufer und Freund der Huren und Zöllner.

Jedes Reden über die Gnade Gottes und seine verändernde Wirkung trägt tausend Mal mehr zu unserer praktischen Heiligung als noch so viele Appelle an unsere Willenskraft.

Harmoniesucht ist heilbar ;-)

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Harmoniesucht ist heilbar! Konflikte sind manchmal nötig und müssen auch deutlich geführt werden … und es gibt auch kein pseudo-neutrales „über den Konfliktparteien stehen“. Also nicht immer gleich einen Schreck bekommen, wenn es mal heiß her geht. Dieses „Ach, streitet doch nicht so!“ ist doch oft eher kindisch …

… was das Diskutieren angeht und das deutliche Aneinander-Geraten, haben wir gute Vorbilder im Neuen Testament: Jesus und seine Jünger, Jesus und die Pharisäer, das Apostelkonzil, der Konflikt zwischen Paulus und Petrus, Barnabas und Paulus …

Ebenso falsch die These, Diskussionen um Gesetz und Gnade seien „fruchtlos“ – sie bieten den Zuhörern oft einiges und sie können entscheiden, welchen Lebensstil sie wählen, wie sie ihr Leben mit und aus Jesus gestalten wollen. Und denen, die ein komisches Gefühl bei „Gesetzis“ haben, haben durch solche Diskussionen ein paar mehr Argumente  – und müssen sich somit nicht allein auf ihr Bauchgefühl berufen.

1.Johannesbrief, Kapitel 2

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Einfachheit ist ne feine Sache – Übervereinfachungen können dagegen irreführend sein!

Am Anfang die ganz einfache Festellung: da wir alle seine Gebote nicht halten, würden wir alle Jesus nicht lieben. Aber schon unsere Kinder zeigen uns, wie konstant sie uns lieben – völlig unabhängig von der konkreten Einhaltung elterlicher Vorschriften. Man mag diese Art der Liebe für schwach halten, aber es ist Liebe …

… Petrus wird von Jesus drei Mal gefragt, ob er ihn liebe. Jesus stellt diese Liebe keinen Moment in Frage, trotz des vergangenen und zukünftigen Versagens von Petrus.

Außerdem verdrehen wir die Reihenfolge, wenn wir sagen: Gebote Jesu halten = Liebe zu Jesus. Die Liebe zu Jesus ist das Motiv zum Festhalten und Einhalten SEINER Gebote (und etwa nicht „Mach ich lieber, sonst komm ich vielleicht in die Hölle“ oder ein „Was denken dann die anderen Christen von mir?“ oder „sonst werde ich nicht gesegnet“). Womit wir wieder bei Thema „alles, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde“ wären … das ist nun mal die Hauptproblematik bei der These „Hauptsache Gebote halten“.

Die Befolgung seiner Gebote „Bleibt in mir!“ oder „Bleibt in mir“ oder „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer[also dem Gesetz]!“ oder „Liebt euch untereinander!“ zeigt, von wem wir etwas erwarten und wo die Quelle unseres Lebens ist. Wir ehren Jesus, indem wir von ihm „Gnade und Gnade“ (Joh 1) nehmen – denn damit sind an diesen konkreten Punkten nicht mehr die Angebote dieser Welt unsere Quelle, sondern eben Jesus. Wir sind gehorsam, wir sind es „von Herzen“, wir sind es aus Glauben. Denn wir verlassen uns auf jemand, den wir nicht sehen (im Gegensatz zu der Welt, die wir sehen können). Und sich an Jesus zu wenden für unsere Bedürfnisse ist: eine Form der Liebe zu ihm. Und eine Form des Gehorsams – auch wenn wir selbst am meisten dabei profitieren. So wie das Kind zu seinen Eltern geht und nicht zu den Nachbarn …

… und wenn es zu den Nachbarn geht, hat es entweder unfähige Eltern oder ein völliges Zerrbild von ihnen. Und bei dem Bild, daß manche Christen von Gott haben – da würde ich auch nicht zu ihm gehen und um irgendwas bitten. Aber seltsam: woher haben sie nur dieses Bild? Doch bestimmt nicht von gesetzlichen Christen? Nein, denn die sagen ja, daß sie ihn erkannt haben …

Im ganzen Abschnitt 1.Joh 2,3-11 geht es um Behauptungen, die Menschen über sich selbst aufstellen; immer wieder die Formulierung „Wer aber sagt“ (Ich habe ihn erkannt (Vers 4), dass er in ihm bleibe (Vers 6), dass er im Licht sei (Vers 9). Für diese Behauptungen werden dann Kriterien angegeben, woran wir uns und andere überprüfen können.

1.Joh  2,3 „Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben; wenn wir seine Gebote halten.“ Wo immer wir Probleme haben mit einzelnen Geboten Jesus, dann ist die Antwort eben nicht „Einfach halten!“ – sondern Jesus mehr erkennen. Das Problem ist die überzogene oder falsche Behauptung „Ich habe ihn erkannt“. Das korrigiert Johannes. Hier geht es nicht um Errettet-Sein. Jedenfalls dann nicht, wenn ein Christ diese Behauptung aufstellt.

Noch mal die ganz EINFACHE Festellung: wir alle halten seine Gebote nicht. In diesem Sinne macht 1.Joh 2,4: „Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem ist nicht die Wahrheit“ wirklich Sinn.

Gehorsam und „Gehorsam“

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Selbstverständlich kann Gesetzlichkeit sich im „Gehorsam“ eines Christen gegenüber dem „Wort Gottes“ (oder was er oder sie dafür hält) ausdrücken – und sie tut es sehr oft. Insofern ist die Gleichstellung von Gesetzlichkeit und „Gehorsam“ völlig angemessen.

Gott ist überhaupt nicht an einem selbstgemachten Gehorsam interessiert – selbst gegenüber Geboten, die das Verfallsdatum noch nicht überschritten haben. Ihn interessiert nur der Gehorsam, der von Herzen kommt (Römerbrief 6,17), mit unseren eigenen Überzeugungen und und vor allem Neigungen übereinstimmt. Je weniger Konflikt herrscht zwischen dem, was Gott will und was ich will – desto weniger Ruhm für den Gutwerk-Tuer durch Selbstüberwindung, Verzicht und Willensstärke.

Kurz gefasst: ne Menge „Gehorsam“ kann man simpel in die Tonne treten. In der Bibel auch als „tote Werke“ (Hebr 6,1 und 9,14) bezeichnet … übrigens belasten die toten Werke ständig unser Gewissen. Komisch, wenn „Gesetzestreue“ doch so ne tolle Sache ist (Hebr 9,14).

… übrigens hat Gott sein Wort selbst verändert (soviel zu „Gottes unveränderbaren Wort“). Die Gnade durch Jesus ist nicht einfach ein „Patch“, eine Verbesserung für das Leben unter dem Gesetz – sondern was völlig anderes, nicht eine neue Version, sondern ein völlig anderes Programm.

… wenn der „Gehorsam gegenüber dem Gesetz“ ein Werk des Geistes wäre, dann wundert einen der ständige Appell, ja dem Gesetz gehorsam zu sein, es wertzuschätzen, hochzuhalten etc. – statt des viel sinnvolleren Appells „Wandelt im Geist!“. Aber ist schon klar: den „Wandel im Geist“ mißt der Gesetzliche eben am Gehorsam gegenüber dem Gesetz. Zirkelschluß?

Und ein inflationärer Gebrauch des Begriffs „Gesetzlichkeit“ trägt wenig zur Klärung des Sachverhaltes bei: wenn sogar die Befolger der Straßenverkehrsordnung unter „gesetzlich“ fallen, ist der Begriff sinnlos geworden. Deswegen ja auch verbaler Taschenspielertrick.

… wer in irgendeiner Form mit dem Gesetz flirtet, landet automatisch darin, sich den Segen und die Liebe Gottes verdienen zu wollen. Das liegt in der Natur der Sache – und ist keineswegs ein Problem irregeleiteter Christen, sondern deren normale, zu erwartende Reaktion auf das Gesetz. Daran trägt das Gesetz nicht wirklich schuld – das liegt an den Menschen, auf die es trifft. Und auch beim Neuen Menschen mobilisiert das Gesetz die immer noch vorhandene PRÄGUNG aus seiner Zeit als alter Mensch.

Gesetzlichkeit, vermeintlicher „Gehorsam“ gegenüber dem Gesetz – ist letztlich nur ne fromme und schräge Variante des üblichen Egoismus; nur daß eben jetzt ein Gott-Aufkleber drauf kommt … wobei der Egoismus im Sinne eines „der Mensch ist ein Wesen mit vielfältigen Bedürfnissen“ sowieso unvermeidbar ist. Diese Bedürfnisse ohne Gott und an ihm vorbei zu erfüllen – das ist das Problem, nicht die Bedürftigkeit selbst. Und das Gesetz in jeder Form fördert nun mal die menschliche Autonomie im Sinne des „ich will selbst machen!“

… die Begründungen für menschliche Autonomie mögen sehr verschieden sein (bis hin zum paradoxen Schlachtruf „Das ist eine Philosophie der Autonomie!“, während man munter im Namen des göttlichen Sittengesetzes und seines moralischen Kerns vor sich hin autonomisiert), letztlich ist sie nur ausrottbar durch Vertrauen zu Gott und in das, was er zu geben hat. Auch dieses Vertrauen wird durch das Gesetz nicht gefördert.

… Vertrauen zu Gott wird übrigens auch nicht durch lautes Krakelen „Dieeee Biiiiiiiiiiiiiiiiiiibellllllllllll ist Gottes Worrrrrrrrrrrt !!!“ gefördert.

Gerichtsdrohungen

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Gerechtigkeit und OK-Sein als GESCHENK (und das Reden darüber) schmeichelt dem Menschen nie! Er möchte es sich selbst verdienen … „motivierende“ Zusätze a la Gerichtsdrohungen (die man dann in „Warnung vor dem Gericht“ umtauft ) sind also völlig überflüssig.

Und wer sich die Dinge selbst verdienen will, bringt sich eben auch selbst unter Gericht. Er WILL ja nach seinen Taten beurteilt werden.

… in gewissen Sinne schmeichelt zumindest dem christlichen Insider die Gerichtsandrohung – denn dann kann er sich was einbilden aus seinen „radikalen, konsequenten, hingegebenen“ bußtränen- und zerknirschungsreichen „Wandel mit dem Herrn“ (letztlich auch nur ne ziemlich „weltliche“ Variante von Religiösität). Das ist dann in der Tat ein „anderes“, nämlich ERGÄNZTES Evangelium.

Gute Gesetzestreue – schlechte Gesetzlichkeit?

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Nach „Gehorsamkeit“ kann ein Christ nur sauber streben, soweit dieses Streben wirklich in ihm vorhanden ist. Dazu muß es von Gott in ihm geschaffen worden sein (dieser Gehorsam hat wenig mit dem „Gehorsam“ der Gesetzis zu tun – es fehlt ihm das Element des „eigentlich will ich ja nicht, aber …“). Mehr Gehorsam an den Tag zu legen als vorhanden (also Pseudo-Gehorsam) – ist Heuchelei!

… es gibt keinen nennenswerten Unterschied zwischen Gesetzis und Nicht-Gesetzis, was ihr Sündigen angeht! Gesetzis können meist locker mithalten, wenn es um ihre „fleischlichen Ausschweifungen“ geht: die Geschichten, die ans Licht der (innerkirchlichen) Öffentlichkeit kommen, sind nur die Spitze des Eisbergs. Was nur zeigt, wie wirkungslos das Gesetz ist – selbst wenn man es verbal „mit Gehorsamkeit im Geist“ verbindet.

Gehorsam, der von Herzen kommt (oder „aus dem Geist“) – kommt eben genau von dort. Er ist ein Werk Gottes in uns. Die Kenntnis irgendwelcher Moralgesetze ist dazu nicht notwendig – und schon gar nicht Achtung vor ihnen; oder gar das Streben nach ihrer Erfüllung.

Notwendig ist ausschließlich, auf dieses Wirken Gottes in uns zu vertrauen – jedenfalls dann, wenn wir eine innere Veränderung wollen (die unser Verhalten beeinflußten wird und muß).

Jeder Flirt mit dem Gesetz lenkt unser Vertrauen aber wieder auf die Kraft äußerer Gebote. Das Gesetz verführt uns immer wieder, an unsere eigene Kraft zu glauben. Deswegen mobilisiert „Leben mit und unter Gesetz“ auch das, was viele so gerne „Fleischlichkeit“ nennen. Das (Moral)Gesetz mobilisiert unser schwaches Fleisch – das eben vor allem SCHWACH ist und von dem man nichts erwarten kann.

Aus all diesen (und noch anderen) Gründen bleibt es bei der „Diffamierung“ von (Moral)Gesetzestreue als Gesetzlichkeit: es gibt also keine gute Gesetzestreue und eine schlechte Gesetzlichkeit. Jeder Flirt mit dem Gesetz ist einer zu viel!!!

Und als würde der Geist Gottes in uns die Erfüllung dessen bewirken, von dem wir frei gemacht worden – dem Gesetz! Daß wir nur vom strafenden Teil des Gesetzes frei gemacht worden sind, läßt sich nicht belegen. Auch von der Erfüllung des Gesetzes (durch unser Verhalten) sind wir frei gemacht worden – das hat Jesus für uns gemacht. Und wie wir hatte auch er Besseres zu tun als das Gesetz einzuhalten: Party-Machen, für Alkoholnachschub zu sorgen, Außenseiter kennenzulernen und aufzuwerten, mit Leuten essen, Freiheit predigen, Pharisäer klatschen, von Spenden zu leben, zu heilen, Freundschaften pflegen (inklusive deren Erweckung von den Toten), auf Berge zu gehen, Beziehungsarbeit mit seinen Jüngern, Coaching derselben, durchs Land zu wandern, auf Eseln reiten … – und uns eben zu erlösen (spätestens diesen Teil bitte nicht nachmachen!)!

Und das Tun und Lehren von Jesus ist den Pharisäern nicht umsonst gegen den Strich gegangen – den damaligen Hütern der Moral. Und den heutigen sind Teile davon auch etwas peinlich oder stören ihre Lehren, bei denen sie sich ja auf „Jesus“ berufen müssen (nicht überall, wo „Jesus“ drauf steht, ist auch Jesus drin).

Kampf gegen Windmühlenflügeln?

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… Gesetzis? Das ist so ne seltene Spezies, daß man die letzten vor zweitausend Jahren erblickt hat.

Und die wären, gäbe es sie heute noch, so eingeschüchtert von den geistreichen Anti-Pharisäer-Websites, die es überall in Massen gibt, daß sie niemals wagen würden, auch nur ein Wort von sich zu geben. Im Grunde also alles nur ne Vorsichtsmaßnahme. Man weiß ja nie …

Die einzigen, die es heute noch gibt, sind die „Verteidiger des waaaaaaahren Glaubens“ – und wenn nicht Pharisäer drauf steht, dann ist auch keiner drin. Oder? … ich denke, ich rede mal mit meinem Psychologen wegen meines Verfolgungswahns.

Also: keine Ahnung, wer die Kirche gekidnappt hat.

… so, ich muß mal nen Eimer holen – hier trieft die Ironie aus dem Monitor.

Eine neue Art von Gehorsam

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Natürlich ist es möglich, die Qualität seines Christ-Seins am eigenen Tun festzumachen. Wie das allerdings NICHT in Selbstverdammnis enden soll, bleibt rätselhaft.

Aber wer von Herzen gehorsam worden ist, hat die Wahl. Aber ihm fällt es eher schwer, sich für das Schlechte, Kranke, Üble, Gemeine etc. zu entscheiden. Denn der Geist Gottes hat das Innenleben dieses Menschen nachhaltig verändert. Vom so oft geschilderten (und leider auch erlebten) qualvollen „Kampf zwischen Geist und Fleisch“ keine Spur. Seine Neigung geht einfach in eine andere Richtung – aber unter Wahrung der Willensfreiheit. Auch dort gibt es keinen Automatismus.

… natürlich ist es selten die Frage, ob Christen das Gute tun wollen (nicht zu verwechseln mit den (frei)kirchlich Regelkatalogen). Sie wollen es, weil sie ein Neues Herz haben. Aber sie tun es meist als Mangelleidende, in vielen ihrer Bedürfnisse zu kurz Gekommene. Das Gute zu tun, ist dann aber eine zusätzliche Belastung in einem sowieso schon strapaziösen Alltag. Und die gute Tat und die eigenen Bedürfnisse geraten dadurch in einen ständigen (überflüssigen) Konflikt. Man versucht zu geben – aber das Nehmen wäre viel nötiger.

Das erklärt aber nur EINE Ursache des vermeintlichen Konfliktes zwischen Geist und Fleisch. Eine andere ist der vorauseilende Gehorsam (der dann noch als notwendig und richtig gepriesen wird, weil man die Alternativen fürchtet: wer nicht gehorsam sein kann, wird nun mal sündigen); es wird nicht gewartet, bis die innere Veränderung stattgefunden hat. Dies mag in Einzelfällen auch nicht gehen (berechtigte Angst vor den Folgen kann ein Motiv sein), muß aber kein Lebensstil auf breiter Front sein.

In einer Mangelsituation ist es normal, das (oft nur angeblich) Böse oft attraktiver erscheint; schon weil es verboten ist … womit wir schon beim nächsten Punkt wären: für den, der mit und unter Gesetz lebt, ist das Verbotene – verboten. Für den, der sich vom Gesetz fern hält, ist das nicht so: er hat also nicht mit der Faszination für das Verbotene zu kämpfen.

Eine weitere Erleichterung für ihn besteht darin, daß er sein „Fleisch“ nicht mehr für seinen Alten Menschen hält – also nicht mit einem Zombie in sich herumläuft. Das Fleisch ist für ihn das Natürliche, daß darauf geprägt, ausschließlich von dem, was man sehen, fühlen, schmecken, riechen etc kann, Lösungen zu zu erwarten. Pizzas, Freunde, Autos, Brav-Sein,Strandurlaube, lange Bücherreihen, religiöse Anstrengungen, Partner, Ballermann-Lokationen usw. können aber nun mal keine Lösungen sein für unsere grundlegenden Probleme … wie Jesus sagte: „Die Sünde ist, daß sie nicht an mich glauben“ (Joh 16,9) – nicht von ihm „Gnade um Gnade“ (Joh 1,16) nehmen, also im Natürlichen stecken bleiben; auch in den natürlichen Formen von Religion, die auf eigener Anstrengung beruhen.

Das was von vielen Christen als oft schmerzhafter „Kampf zwischen Geist und Fleisch“ (oder sogar noch unzutreffender als „Konflikt zwischen Altem und Neuem Menschen“) – hat also seine nachvollziehbaren Ursachen. Aber dieser Kampf ist letztlich überflüssig. Geht aber selbstverständlich nur, wenn man die Lizenz zum Sündigen hat – ohne sie geht das nicht. Wobei noch die große Frage ist, ob die lizenzlosen Gesetzis nicht locker mithalten können beim Sündigen: der Druck, unter dem sie stehen, verlangt ein Ventil. Und die vielen Schuldgefühle tun ein übriges, die Dinge anzuheizen.

… diesen Kampflebensstil aufzugeben – das geschieht meist nicht aus innerer Einsicht, sondern weil einem die Kraft ausgeht. Schade, denn bei manchen, die gut im Anstrengen sind, reicht die Kraft bis ans Lebensende … und je mehr man in diesen Lebensstil investiert hat, desto mehr investiert man, über die Investionen der Vergangenheit zu rechtfertigen … und der unvermeidbare Stolz (typische Gesetzes“frucht“) auf die eigenen „Überwinder“-Qualitäten ist auch nicht zu unterschätzen.

Es hilft also alles nichts: dieser vorauseilende Gehorsam ist Gesetzlichkeit. Der WUNSCH nach einer eigenen Übereinstimmung mit dem Willen Gottes ist allerdings ein Ergebnis des Neuen Herzens in uns. Das ist EINE Ursache für unsere Anfälligkeit für ein Leben unter Gesetz: es ist eine verführerische Abkürzung – und endet aber in lauter schmerzhaften Sackgassen.

Wandel im Geist

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Die Anweisung lautet einfach nur „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen“ (Galaterbrief 5,16).

Diesen Lebensstil zu verkomplizieren – ist bereits wieder die klammheimliche Einführung von einer Menge eigener Bemühungen und religiöser Spielchen. Und nicht umsonst rankt sich so viel Mystisches um das Konzept „Kampf zwischen Fleisch und Geist“.

„Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt“ (Gal 5,17) vermittelt dem entsprechend vorbelasteten Leser leicht den Eindruck, hier würden zwei mehr oder minder gleichstarke Kräfte gegeneinander kämpfen. Und den Ausschlag in diesem Kampf geben dann unsere Entscheidungen, unsere Willenskraft.

Wären die Dinge so, sind sie von einem gesetzlichen Lebensstil kaum oder gar nicht zu unterscheiden. WILLENSKRAFT wäre dann wieder das Entscheidende. Der „Gehorsame“ gewinnt den Kampf. Gehorsam ist also in diesem Lebensstil das Mittel – und nicht das Ergebnis.

Galater 5,17 ist aber auch der einzige Bibelvers, der als Beleg dafür dienen könnte, daß es einen KAMPF zwischen Geist und Fleisch geben könnte oder sollte. Er sagt aber nur, daß unser Fleisch, unsere Natürlichkeit (erst mal) andere Dinge will als unsere Neue Natur.

Die Anweisung ist aber nur „Wandelt im Geist“ (und nicht: kämpft gegen das Fleisch!) … übersetzt: vertraue auf die Dinge, die du nicht sehen kannst! Erwarte dein Leben und deine Erfüllung von Gott (nicht von dem, was du sehen, fühlen, schmecken, tasten etc. kannst)! Sehe dich immer als geliebt und angenommen und erlöst! Tue nichts, was du nicht wirklich von Herzen tun willst! Erwarte deine Veränderung von Gott und nicht von dir! Sei wer du bist – und nicht eine Kunstfigur um Jesu Willen! Halte dich fern von Zwang und Gesetz! Verdiene dir nichts, was längst dir gehört (Wert, Lebendigkeit, Annahme, Liebe)! Vertraue auf das Neue Leben in dir und seine Wirkung! Genieße die schönen Dinge dieser Welt, aber erwarte nicht zu viel von ihnen!

Wer diese Dinge beachtet, hat noch kein gutes Werk getan oder irgendeine Sünde vermieden – also keinen praktischen Gehorsam im Sinne des Gesetzes an den Tag gelegt. ABER er hat die Abkürzungen des Gesetzes, den verführerischen Fast-Food-Gehorsam vermieden; und das ist schon viel wert, wenn man weiß, daß die Beachtung des Gesetzes die Sünde erst recht hervorbringt.