Diesen Beitrag haben wir mit freundlicher Genehmigung von hier übernommen: http://aufdurchreise.com/2013/02/17/ist-systematische-theologie-uberflussig/  [die Seite aufdurchreise.com wurde inzwischen eingestellt] Zur beiderseitigen Entlastung sei gesagt, dass es ansonsten zeitweise nicht unerhebliche Meinungsunterschiede gabbei Errettung und Heiligung. Aber wo er recht hatte, hatte er recht …

Immer wieder einmal kommt es vor, dass wirklich gute und treue Christen in Gesprächen, Kommentaren oder Andeutungen festhalten, dass Theologie nicht so wichtig sei und ihnen die Bibel und die persönliche Erfahrung reichen würden. Mit Theologie meinen sie damit in der Regel die sogenannte Systematische Theologie. Ist das wahr?

Wir haben den Geist Gottes, der uns laut Jesu Verheissung in alle Wahrheit leitet (Joh 16,13), warum also Systematische Theologie?

Es ist wahr, der Geist Gottes leitet alle Gläubigen an, wenn sie das Wort Gottes lesen und Ihm nachfolgen wollen (1.Kor 2,12-16). Davon bin ich überzeugt. Trotzdem gibt es unter Christen viele verschiedene Auffassungen über die richtige Auslegung unterschiedlichster Bibelstellen und die richtige Anwendung biblischer Wahrheit auf die Nachfolge. Es gibt zwar einen Herrn, einenGlauben und einen Geist (Eph 4,1ff.), aber offensichtlich schaffen es verschiedene Christen trotzdem, zu verschiedenen Ergebnissen zu kommen.

Und gerade hier kommt die Systematische Theologie ins Spiel.

Was ist Systematische Theologie?

Benedikt Peters bringt es in seiner Erklärung auf den Punkt:

‚Die systematische Theologie versucht alles, was die Bibel in fortlaufender Offenbarung Stück um Stück entfaltet, in ein logisch geordnetes System zu bringen. Sie folgt dabei nicht der zeitlichen Reihenfolge, in der die göttlichen Wahrheiten geoffenbart wurden, sondern sie ordnet alle in der abgeschlossenen göttlichen Offenbarung vorliegenden Wahrheiten nach ihrem inneren Gehalt und nach ihren logischen Beziehungen zu den übrigen Wahrheiten. Die systematische Theologie will die Summe all dessen sein, was uns Gott in Seinem Wort geoffenbart hat.‘[1]

Jeder hat eine Systematische Theologie

Die Systematische Theologie hilft uns also, die Wahrheiten der Bibel besser zu verstehen und richtig einzuordnen. Jeder Mensch hat irgendeine Systematische Theologie vor Augen, wenn er die Bibel liest. Jeder von uns ist geprägt von seinen Mitchristen, von den Pastoren seiner Gemeinde, von der Bibelschule, die er besucht hat, von seinem Umfeld.

Es gibt keinen Menschen, der uneinvorgenommen an die Bibel herangeht. Jeder Mensch hat eine Theologie, das heisst, ein bestimmtes Bild von Gott. Und wir tun gut daran, alles daran zu setzen, ein richtiges Bild von Ihm, unserem Schöpfer, Herrn und Erlöser, zu entwickeln.

Was ist Gottes Meinung zu Systematischer Theologie?

3.Mose oder 5.Mose sind sehr systematisch. Paulus‘ Gedankengänge und theologische Erklärungen sind so hoch, durchexerziert und systematisch, dass sogar Petrus Mühe hat zu folgen. Der Hebräerbrief ist eine hochtheologische, christuszentrische Abhandlung über den besseren neuen Bund. Gott hat das Amt des Lehrers in der Gemeinde eingesetzt (Eph 4,11). Warum ist ein Amt des Lehrers notwendig, wenn doch jeder seine Bibel und persönliche Erfahrung hat? Was muss er dann genau lehren?

Den allzu «charismatischen» Korinthern lässt Paulus wissen, dass Gott nicht ein Gott der Unordnung ist (1.Kor 14,33). Was bringt uns auf die Idee, es sei falsch, systematisch und geordnet über diesen Gott und Sein Wort nachzudenken?

Die Notwendigkeit der Systematischen Theologie

Die Bibel ist einfach genug, dass jeder, der sie liest, Gott finden und sich bekehren kann. Tatsächlich kenne ich einen Christen, der sich ganz und gar ohne fremde Hilfe bekehrt und auch vieles in seinem Leben geändert hat, ohne dass ihn irgendein anderer Christ dazu aufgefordert hätte. Der Heilige Geist hat diesen Menschen überführt und in alle notwendige Wahrheit geleitet. Trotzdem entwickelt er nun, ob er es will oder nicht, eine Systematische Theologie, mit deren Hilfe er die Bibel besser verstehen und auf sein Leben anwenden kann.

Systematische Theologie ist notwendig für ein richtiges Lehrverständnis. Älteste müssen in der Lage sein, «sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen». Sie müssen dem «Wort nach der Lehre» anhängen (Tit 1,9). Was bedeutet das anderes, als dass sie das Wort im Licht der einen, wahren Lehre verstehen sollen?

Und wie kommt man der einen Lehre am nächsten? Durch Bibelstudium. Und durch Systematische Theologie, die zusammenfasst, was die Lehre der Bibel ist. Darum sind theologische Diskussionen, Abhandlungen etc. nicht überflüssig. Es ist nicht überflüssig, sich Gedanken über Ersatztheologie, Endzeit, Heilssicherheit, Erwählung, etc. zu machen. Denn das Resultat unserer Forschungen bestimmt, wie wir über Gott und Sein Heilshandeln denken – und das hat auch Auswirkungen auf uns ganz persönlich.

Viele Christen betonen, dass sie Praktiker sind, keine Theoretiker. Das ist gut. Aber die richtige Praxis entstammt der richtigen Theorie. Es ist wie Ursache und Wirkung. Aus guter Lehre kommen gute Taten und Werke .

Es ist nicht falsch, die biblische Lehre zu systematisieren. Es ist nicht falsch, «ordentlich» über Gott nachzudenken. Es ist nicht falsch, die Tiefe, Höhe, Länge und Breite des ganzen Ratschlusses Gottes, wie sie die Bibel offenbart, verstehen und nachvollziehen zu wollen.

Wer dem widerspricht, sollte besser die Bibel nicht mehr lesen, weil er Gefahr laufen könnte, irgendwann doch über ein Thema, das ihn beschäftigt, systematisch nachzudenken.


[1] Benedikt Peters, «Biblische Glaubenslehre», Manuskript für Fach Theologie, EBTC “

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  1. Hallo,

    nicht aus guter Lehre kommen gute Taten und gute Werke!
    Auch nicht aus Ursache und Wirkung ( das ist buddistisch, philosophisches Geschwätz)!
    Was sagt Jesus? Mt. 7,17 Ein guter Baum bringt gute Früchte, ein fauler Baum bringt böse Früchte.
    Vers 18 ein guter Baum kann nicht böse Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte hervorbringen!
    Das SEIN entscheidet also über das tun ( bzw. über die Werke)!
    Sicherlich ist Ordnung wichtig, aber nicht systematische Theologie! Der Baum der Erkenntnis führt eben nicht zum Leben sondern der Baum des Lebens schafft neues echtes Leben. Nur wo dies nicht vorhanden ist werden die Regeln, besonders die Briefe des Paulus wieder zum Dogma erhoben. Auch Paulus wollte durch seine Lehren kein neues Gesetz schaffen, dass betont er im Epheser und Kol. immer wieder.
    Was wollte Gott denn eigentlich durch die Kreuzigung Jesu bewirken? Was wollte der Vater?
    Das wir uns als seine Kinder zu „systematischen Theologen“ entwickeln oder als wandelnde Konkordantzen unsere “ systemische Bibelkenntnis (nicht Erkenntnis)👷“ vor der Welt offenbaren?! Oder als Versteher des neues Bundes,
    juristisch korrekte Abhandlungen veröffentlichen und die frisch Bekehrten zu eben Solche erziehen!
    Ich bin mir als irdischer Vater von 3 Kindern sicher das er dies nicht gewollt hat!!! Er möchte das wir eins mit ihm sind, lebendig durch den Geist geführt mit und durch ihn wandeln. Was nützt das beste System wenn kein Leben da ist? Die Lehre ist NACHGEORDNET im neuen Bund! Wenn wir dies nicht erkennen dann landen wir wieder im alten Bund! Die Offenbarung Jesu in uns schafft das neue Leben! Das neue Testament ist nicht der neue Lehrmeister analog zum MOS. Gesetz! Der Buchstabe tötet der Geist macht lebendig. Das ist eben das Problem der neuzeitlichen Theologie, dass sie meinen durch “ nachdenken“ Gott nahe zu kommen. Dabei verhärtet das Herz immer mehr
    und die „;richtige Theologie“ tritt als unbrauchbarer Ersatz in den Vordergrund. Der “ lebendige Glaube“ stirbt und als trauriges Resultat wächst die Zahl der verkrüppelt tod wirkenden Christen ins unermessliche!
    Im Grunde genommen will der Vater uns durch sein Wort zu sich ziehen um dann in uns zu wirken.
    Die Menschen die zu Jesus gekommen sind und die noch kommen, was suchen sie denn? Das Erlebte in den Landeskirchen hat sie abgeschreckt, glaubt ihr jetzt suchen sie in den “ Freikirchen“
    die systematische Theologie – abartig wer so was ernsthaft in Erwägung zieht! Leben suchen sie,
    echtes, authentisches Leben nicht unser dummes Geschwätz! Ja, ich beziehe mich damit ein weil auch ich über viele Jahre ähnlich gedacht habe und meinte durch korrektes auslegen der Bibel andere gewinnen zu können. Wir können auch richtig und korrekt über Gnade,Kraft, Liebe und Heilung lehren und predigen. Nur interessiert das kaum einen außenstehenden solange er all diese Dinge nicht mindestens teilweise an uns sieht!
    Lasst uns also das wichtigste zuerst tun und das unbrauchbare Entsorgen. Theologie führt nur zu “ Kopfsalat“. Trachtet zu erst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit so wird euch solches alles zufallen. Mt.6,33

    Euch alles Liebe,

    B.Borchert

    • Wir widersprechen dir ungern – aber dass „richtige“ Lehre und Theologie wichtig ist, sieht man bereits an dieser Seite. Lehre kann die Gnade nicht ERSETZEN – aber sie kann das Verständnis von Gnade und der Liebe Gottes begünstigen – oder eben behindern.

      Wie wollen wir etwa aus Gottes Gnade und Liebe leben mit einer Lehre bzw. Theologie, die direkt oder indirekt bestreitet, dass Gott uns bedingungslos liebt und erlöst hat?

      Die Überbetonung von VERSTEHEN beginnt da, wo wir nur noch richtige Gedanken wollen und von diesen alles erwartet. Die richtigen Gedanken verweisen aber „nur“ auf das, was an kraftvollen Realitäten da ist: Gottes Gnade und Liebe …

      … und ja: den Vernunftbetonten würde man gerne ins Stammbuch schreiben: auch die Sonne wärmt uns nicht durch die Gedanken, die sie uns schickt 😉 … und das gilt natürlich auch für Gott: er beschenkt uns nicht vor allem mit richtigen Gedanken (das auch), sondern mit Liebe und Erlösung. Aber wie man sieht, sind das Konzepte, die man in Sprache ausdrücken kann und deswegen auch vermitteln kann (ob sie geglaubt werden, ist was anderes).

  2. Hallo,

    ich sage ja auch nicht, dass Theologie und Lehre überflüssig sind. Und die Betonung der Gnade ist selbstverständlich wichtig.
    Aber die Lehre soll nicht zum Ersatz für das lebendige Leben mit Jesus werden. Und umso mehr sich der Christ mit systematischer Theologie und mit der Lehre beschäftigt desto wichtiger wird ihm die selbige. Die Reihenfolge ist wichtig! Erst die lebendige Beziehung zu Jesus und dann aber nur wenn nötig die Lehre beachten. Da wo das Leben pulsiert benötigt man wenig Lehre und noch weniger Theologie.
    Es ist wie in einer Ehe wenn die Ehepartner viel Zeit miteinander verbringen ( in Liebe) wachsen sie zusammen und benötigen kein Eheseminar! Viel Theorie und in unserem Fall Theologie zerstört – ich sage teilweise – die lebendige Beziehung zu Gott und Jesus! In meinem obrigen Beitrag habe ich deshalb versucht zu verdeutlichen was Gott eigentlich möchte. Was ihm wirklich wichtig ist. Wie zwischen zwei sich liebenden Menschen möchte er mit uns leben. Nachmöglichkeit ohne Regeln aber da er das verkorkste Menschengeschlecht gekannt hat, blieb ihm wohl selbst für den “ neuen B und nichts anderes übrig als ein Minmum an Regeln als Leitlinie weiterhin gelten zu lassen. Ich glaube aber nicht mit der Absicht, dass wir uns mehr mit der Theologie und den daraus erwachsenen
    Erkenntnissen beschäftigen, als mit ihm selbt.Fast die gesamte Christenheit beschäftigt sich ja fast ausschließlich nur noch mit Theologie und Lehre ( zb. Sonntagspredigt,Hauskreise etc.)und bemerkt garnicht das dieses Verhalten mittlerweile zu einem Selbstläufer geworden ist. Wenn wir die Beziehung zu Jesus wirklich pflegen und ihn in allem um Rat fragen, IHM all unsere Sorgen bringen und mit seiner Antwort RECHNEN, da er ja in uns ist – denkt darüber mal einen Moment nach- dann kannst du 99% der christlichen Literatur getrost in die Altpapiertonne donnern. Denn dann pulsiert das Leben! Der Teufel ist kein dummer Teufel. Du kannst endlose Diskussionen über alle möglichen christlichen Themen führen, da unterstützt er uns sehr gerne dabei! Selbst das Fachsimpeln über die Bibel stört ihn nicht im geringsten. Solange du nur nicht mit Jesus lebst und mit ihm in allem rechnest bist du dem Satan ein willkommener Helfer. Der Teufel liebt die Disskusion und die Theorie! Deshalb fördert er die theologischen Seminare auch durch reichlich staatliche Subventionen. Viele beginnen als gläubige, teilweise brennende Christen eine Bibelschule zu besuchen und gehen als tote,abgestorbene Theologen in die Welt um das Feuer bei den noch “ brennenden Christen“ möglichst schnell zu löschen. Unbemerkt sind sie zu „Feuerlöschern“ ersten Grades geworden. Wir Christen leben eigentlich wie die Politiker dieser Welt, sie reden auch viel,…….,….! Aber was bleibt uns jetzt zu tun übrig? Wie ich schon im Beitrag Nr. 1 erwähnt habe ( Mt.6. 33) denkt darüber mal nach! Ganz vieles fällt dann unter den Tisch. Ich will ja garnicht irgendwelche Einzelpersonen kritisieren auch nicht die von Jesus heiß geliebten “ systematischen Theologen🙋“! Es geht doch um viel mehr
    – hoffentlich merken das einige von euch-! Möge diesen Beitrag niemand so verstehen als würde ich vom lesen der Bibel abraten. Es soll ja Menschen geben die missverstehen wollen!
    Übrigens freue ich mich über Kritik wenn sie, nicht nur durchdacht ist, sondern das eigentliche Ziel Gottes dabei nicht aus den Blick verliert!
    Ich persönlich möchte nicht mehr thelogisieren sondern mir und anderen den Weg zum lebendigen Wasser ( zur Quelle des Lebens ) aufzeigen. Wir müssen wieder zu den Anfängen zurück und der Anfang ist das lebendige Wasser, Jesus Christus in uns!

    Euch allen Gottes Erkenntnis,

    B. Borchert

    • Danke für diese lehrmäßigen und systematischen Ausführungen! 😉

      … gegen falsche Lehraussagen helfen nur richtige Lehraussagen – nicht der Verzicht auf Lehre. Dein Beitrag ist auch ein Beweis dafür.

  3. Zum „löschenden“ Effekt des Theologiestudiums möchte ich gerne was beitragen, aus eigener Anschauung:
    „Erstsemesterschock“ ist der Name, der sich dafür eingebürgert hat. In milder Form trifft er viele – diese vielen aber hauptsächlich deswegen, weil sie sich vor der Einschreibung nicht klargemacht haben, daß das Fach Theologie an einer Universität natürlich genauso wissenschaftlich betrieben wird wie jedes andere Fach und es sich NICHT um einen Konfirmandenunterricht auf höherem Niveau handelt. Viele springen schon wegen der intellektuellen Anforderungen ab. Die „tiefe Enttäuschung“ bezieht sich dann entweder darauf, daß sie die Theologie als Studienfach gewählt hatten in der Annahme, daß das ein besonders einfaches, arbeitsarmes „Laberfach“ wäre. Oder aber darauf, daß sie sich vom Theologiestudium eine Glaubensunterweisung erhofft hatten. Das ist aber einfach nicht die Aufgabe eines akademischen Studiums.

    Dann kenne ich aber auch solche, die der „Erstsemesterschock“ wirklich tief getroffen hat. Das an diesen Leuten geschehen zu sehen, hat mich wirklich bewegt.
    Vieles davon war eigentlich menschliche Enttäuschung: Sie hatten durchaus damit gerechnet, an der Uni mit Gedanken und Methoden konfrontiert zu werden, die ihnen neu sein würden. Was sie aber tief verletzte und verstörte (m.E. zu Recht): Daß IHRE Sichtweise nirgendwo Platz hatte. Bestenfalls wurde einfach konsequent darüber geschwiegen (z.B. darüber, daß man die Bibel auch synchron, also von der vorfindlichen Endversion her, auslegen kann und viele dies auch tun). Schimmstenfalls wurde darüber sehr vollmundig gespottet. Da kommt man also an einen Ort, wo man so etwas wie geschwisterlichen Austausch erwartet, durchaus auch inklusive viel Konfrontation mit anderen Meinungen als der eigenen – statt dessen trifft man auf eisige Ablehnung oder offene Feindschaft. Das noch dazu an einem Punkt im Leben, wo sich die meisten innerlich nicht sehr gefestigt fühlen (man zieht zu Hause aus, tritt in die Erwachsenenwelt,…).

    Vielfach kam aber auch noch dazu, daß diese sehr jungen Männer (Frauen fallen mir dazu nicht ein, fällt mir gerade auf) es wirklich nicht gewohnt waren, nachzudenken; zu prüfen. Sie lebten wirklich NUR von der Begeisterung. Und mein Eindruck ist, daß diese Begeisterung nicht unbedingt nur vom Heiligen Geist war, sondern auch einfach selbsterzeugte Begeisterung. Etwa durch Gruppendynamik in ihrer Herkunftsgemeinde. Oder durch den Einduck eines sehr feurigen (und bedrohlichen) Predigers. Oder Ähnliches. Damit will ich diesen Brüdern NICHT den Glauben absprechen, auf keinen Fall! Eben deshalb hat es mich ja bewegt.
    Sie haben aber auffallenden Anstoß daran genommen, ihre Auffassungen zu prüfen. Obwohl es ja heißt „prüft alles, das Gute behaltet“. Ja, Glaube ist etwas anderes als noch so flammende Begeisterung für das Abwägen verschiedener Positionen. Glaube ist existenziell und unaufgebbar. Damit er das aber überhaupt sein kann, muß er auf die Realität bezogen sein. Nicht aus eigener Erfahrung in der Welt abgeleitet, aber auf das eigene erlebte Leben bezogen. Von den Kommilitonen, die wegen des Erstsemesterschocks das Studium sehr schnell abgebrochen haben, vermute ich sehr stark, daß ihr Glaube früher oder später durch das Leben selbst unter Beschuß gekommen sein wird (und ich hoffe, daß sie gereift und gestärkt daraus hervorgegangen sind). Anfechtung kommt immer – früher oder später. Und man muß da durch. Ich kenne auch solche, die größere persönliche Reife hatten und die das eingesehen haben – daß sie da durch müssen. Sie haben echt gelitten, semesterlang. Und sind mir jetzt, Jahre nach dem Studium, die kompetentesten und erwachsensten Vorbilder, Berater, Vertrauenspersonen, Seelsorger, Beichtväter, Brüder.

    Nicht das gründliche Nachdenken über den Glauben ist Schuld, wenn jemand erkaltet.

    Ich kenne allerdings noch eine viel größere Fülle solcher Fälle, wo „systematische Theologie“ im Sinne von „Beschäftigung mit den Theoriegebäuden diverser berühmter Theologen“ mit Glauben verwechselt wurde. Das betrifft aber (so weit mir persönlich bekannt, ich weiß ja nicht alles) immer entweder Liberale oder Anhänger der Lutherischen Orthodoxie (im Gegensatz zu orthodoxen Lutheranern…).
    Umgekehrt kann die Beschäftigung mit theologischen Aussagen aber auch zum Glauben hinführen. Das kann ein langer und verworrener Weg sein. Er führt deswegen aber nicht zwangsläufig in die Irre.

  4. Über die Gefahren einer „irdisch-siegreichen“, „systematischen“ Theologie: Gesetz vs Gnade

    (Hab selbst von Theologie wenig Ahnung, bin eher J. Prince Video-Seher mit eigenen Eingebungen ! Dies war mal meine (etwas wirre) Zusammenfassung, warum alle organiserte Theologie immer Gefahr läuft, die einfache himmlische Gnaden-Botschaft irdisch zu relativieren. Vielleicht was Interessantes zum Durchlesen dabei ?! Hoffentlich verständlich ? Steht eigentlich alles irgendwo bei euch, Löschen no Pro.!)

    Eine Hauptgefahr der Theologie, die wohl auch Jesus, z.B. im Gespräch mit Nikodemus, ansprach, ist ihre Tendenz vom Menschen – vom Irdischen – auf den erhabenen Gott hin zu abstrahieren und so Denksysteme zu bilden. Wobei der wirkliche Prophet umgekehrt, direkt von persönlicher göttlicher Erfahrung auf den gefallenen Menschen deduziert: vom Himmlischen auf das Irdische. Und so kommt es wohl, dass sich Prophet und Theologe, himmlische und irdische Perspektive nur schwer verstehen: „Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?“ Denn eine Theologie, eine Schriftgelehrsamkeit, eine Religion, eine Kultur, die sich in der Welt durchsetzen will und muss, bleibt notwendiger Weise stark im Irdischen, Weltlichen, „Fleischlichen“ verwurzelt. Aber, wie Johannes der Täufer sagt: „Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde her…“ usw.
    Hier einige Beispiele, die vielleicht verdeutlichen, wie wohl Johannes d.T., Jesus und Paulus diesen Gegensatz zwischen himmlischer und irdischer Perspektive gesehen haben könnten…

    * Beispiel: Messias-Prophetie des Jesaja (Jes 53):
    Sie wird heute offenbar noch von den jüdischen Schriftgelehrten als nebensächlich und vorübergehend angesehen, da in ihr der „Arm Gottes“, der Messias und die wahre Religion nicht als irdischer, kämpferischer Sieger gezeigt wird. Wie können die Macht und der Glanz Gottes in der Welt auftreten und dann als leprös-kranker, verachteter, verurteilter Sünder erscheinen !? Gott muss doch das Böse, seine Feinde, einmal glanzvoll besiegen !? usw. Diese Fragen scheinen aus irdisch-religiöser Perspektive berechtigt. Aber gelten sie auch aus himmlischer, prophetischer Perspektive ?! Liegt dieser Theologie nicht ein irdisches Sieges-Denken zugrunde, das davon ausgeht, das Gott sich nur dann als echter strahlender, heldischer Gott erweist, indem er einen bösen, mächtigen Gegner bezwingt !? Aber macht man da Gott in seiner ewigen Erhabenheit nicht kleiner als er ist: Muss ein ewig lebendiger Schöpfer-Gott, durch den und in dem alles gnädig im Leben erhalten wird, überhaupt „zum Schwert greifen“ und irgendeinen Feind besiegen?! Erhöht er damit nicht durch Kampf und Sieg seine unwürdigen Feinde zu würdigen, ewigen Gegnern…? usw.

    * Sieg über bzw. Bestrafung des Bösen vs. Erlösung von dem Bösen:
    Eine besondere Theologie, Religion und Kultur, eine besondere Moral muss sich irdisch behaupten, durchsetzen: Sie hat daher immer die Tendenz einen weltlichen „Siegeszug“ antreten zu wollen, in den Kategorien von „Sieg und Niederlage“, „Bestrafung der Feinde“ usw. zu denken. Doch ein solches Denken bleibt streng gesehen im Irdischen verwurzelt. Denn aus himmlischer Perspektive eines allumfassenden, allerhaltenden, ewig lebendigen Schöpfergottes, vor dem nichts als Gegner lebendig besteht und der in allem besteht, sind irdische Kategorien wie „Sieg“, „Niederlage“, „Feindschaft“ bedeutungslos. Dies betrifft streng genommen sogar die menschliche Sünde. So wie Jesus und Johannes d.T. sagten: „Gott kann aus toten Steinen gerechte Söhne Abrahams bzw. jubelnde gerechte Glaubende“ neu schaffen. Er kann einen todsündig Toten gegen alle irdische Moral zu ewig jubelnder Herrlichkeit und Gerechtigkeit erwecken – denn er „erbarmt sich wessen er will“ (Paulus). Gott ist in seiner Gnade also nicht an ein irdisches „Sieg und Niederlage“, einen menschlichen, moralischen Sieg, menschliche moralisch-theologische Erkenntnis, Leistung, Werke usw. gebunden, sondern er verteilt schöpferisch Sieg und Niederlage, ja sogar moralische Gerechtigkeit, ewiges Leben usw. (vgl. „ewige Gerechtigkeit als Geschenk“ !). Islamisch naiv gesagt: „Gott ist groß“ – und zwar wahrhaft groß, weil er in seiner Gnade überhaupt nicht an menschliche religiös-moralisch-theologisch-philosophische Denksysteme – irdische Weisheit, irdischen Sieg, irdische Leistung – gebunden ist.
    Damit steht aber diese naive, irrationale, „unphilosophisch-untheologisch“ gnädige Größe Gottes in einem verborgenen Gegesatz zur organisierten Religion und ihren Denksystemen, Denkschulen und Hierarchien. Dies wird am Umgang aller Religion/Theologie und ihrer Schriftgelehrten mit der Problematik der Sünde besonders deutlich: Es zeigt sich hier die Tendenz die biblische, göttliche „Erlösung von den Sünden“ in einen irdischen, theologisch geleiteten, ritterlichen Kampf gegen die Sünde umzudefinieren und eine irdische Legitimation daraus abzuleiten, dass man sich am Kampf und Sieg Gottes über die Süde herausragend beteiligt. Aber Gott zeigt sich in den Evangelien – in Jesus – nicht als heldischer Sieger, als asketisch-moralischer ritterlicher Elite-Kultur-Kämpfer gegen Sünder und Sünde, sondern als eine Art „Alchemist der Liebe“, der das sündige Leben der verlorenen, zum Glauben an ihn findenden Menschen in Gnade, mitsamt dessen Schwächen und Fehlern, in eine höheres, wahres Leben erlösen will und wird: als transzendent-himmlischer Retter, Transformater von Sünde zu Höherem, Wahrem und nicht als heldisch-irdischer Sieger, Vernichter, Ausmerzer menschlicher Schwächen und Sünden… (z.B. Ps 130; Mt 1,21)

    * Irdisch (-theologisches) Leben unter Gesetz vs himmlisches Leben aus Gnade
    Aus irdischer Perspektive ist eine Unterordnung des sündigen Menschen unter das Gesetz ohne Frage zu begrüßen und zur Erhaltung irdisch-staatlicher Ordnung notwendig: ohne Regeln besteht kein Gemeinwesen. Aber aus himmlischer Perspektive des NT – vom Standpunkt reiner, pardiesisch-himmlischer Gnade und Liebe – erscheint das vermeintlich heilige Gesetz dann doch stark als irdisch-profan, fleischlich-unrein, im Buchstaben sklavisch, ja sogar im Gegensatz zum „lebendigen Gott der Lebenden“ als unpersönlich, verurteilend-tödlich: als eine Art toter, steinerner Gegner wahren geistig-lebendigen Glaubens (2Kor3) Nicht ohne Grund spricht deshalb Paulus davon, dass der wahrhaft Glaubende ein Sohn des „himmlischen Jerusalems“ – seiner gnädigen, freien, ewigen Mutter in den Wolken – ist und nicht sklavischer Untertan eines unreinen irdisch-fleischlichen („irdisch gezeugten“) Jerusalems, eines Gemeinwesens, das zornig ein heiliges Gesetz verehrt und dafür kämpft. Er ist ein Sohn und Vertreter einer persönlichen himmlischen, mütterlichen Gnade und kein Kämpfer für eine irdisch-fleischliche, staatlich-gemeinschaftliche Ordnung, eben kein Kämpfer für eine abstrakte moralisch-theologische Gebots-Ordnung (z.B. Gal 4) usw. Denn, die Welt aus himmlischer Perspektive betrachtend, betont Paulus in vielen Formulierungen eine enge Verzahnung von Gebot und Sünde, die scheinbare Heiligkeit, szs. eine Scheinheiligkeit des Gebots, des Gesetzes: „ohne Gesetz war die Sünde tot“, „mit dem Gesetz wird die Sünde mächtiger“, „die Kraft der Sünde ist das Gesetz“, „das Gesetz richtet Zorn an“ usw. Diese merkwürdigen Formulierungen sind aus irdischer, philosophisch-logischer Perspektive kaum verständlich. Sie machen aber durchaus Sinn, wenn man versucht, sie als Worte eines „neuen Adam“, eines neuen Menschen zu lesen, der aus erlöster, himmlisch-pardiesischer Perspektive spricht und empfindet und z.B. sagt: „Du sollst nicht begehren!… Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig, ich aber starb…“ (Röm 7) Er spricht und fühlt hier wohl ganz in Analogie zur alten 2. Paradieserzählung (Gen 2): Mit dem Gebot des Nichtbegehrens wurde die Sünde, die Schlange, der Geist der Übertretung zuerst lebendig – sie kamen zur Existenz. Die Welt war nicht mehr „sehr gut“ (Gen1), denn der Geist der Sünde, der möglichen Übertretung des Gebots und dann der Geist der Strafe, des Zorns, schließlich des Todes war plötzlich in ihr. Somit geht das logisch „heilige“ Gebot, das Gesetz aus ewiger himmlischer Perspektive gesehen immer schon mit dem Geist der Sünde einer gefallenen, dem Tod Frucht bringenden Welt einher, denn: Wahres himmlisches Leben aus vollkommener Gnade kannte noch kein Gebot, keine Sünde, keinen Zorn über Übertretung, keinen Tod ! Es war in sich und aus sich heraus „sehr gut“ ! usw.
    Also, abschließend zusammengefasst: Es scheint so, als habe alle Theologie die Tendenz, sich dadurch zu legitimieren, an einem irdischen gedachten Sieg und Kampf Gottes, einer göttlich-gesetzlichen Moral und Kultur mitzuwirken: am tödlich-zornigen Sieg und Kampf Gottes über die Feinde seiner Gebote, Statuten und Kultur. Die Bibel, vor allem aber das NT, zeigt aber eine andere Bildsprache. Gott ist das ewig lebende, schöpferisch gnädig geschenkte, friedliche, reine Leben selbst. Wer sich von dieser geschenkten Gnade und ewigem Leben abwendet, oft sogar durch fanatischen, kämpferischen, verurteilenden, zornigen Gesetzeseifer und Gesetzeskampf, der wendet sich vom wahren Leben ab und sirbt innerlich ab. Ganz wie eine Weinrebe, die sich dem in ihr fließenden ewigen reinen Wein der Gande verschließt, dem reinen Wasser, das in der irdisch verlorenen Wüste gnädig Leben gibt und sich im Weinstock zu Wein verwandelt, usw. Gott als „Gott des Friedens“, “Gott der Gnade“, muss also nicht um einen Sieg, schon gar nicht um einen irdischen, kämpfen, denn jeder der gegen ihn, seine umfassende himmlische Gnade, kämpft – nicht aus ihr heraus hoffend lebt – zerstört von sich aus langsam die Gnade seiner Existenz. Er sägt am Ast der Gnade, auf dem er sitzt, dem er unverdient sein Leben, sein Dasein verdankt usw.

  5. Merkwürdigkeiten der „himmlischen“ Gnaden-Theologie des Paulus: Personifikation der Sünde, Abraham als Glaubensvater
    (Ihr sprecht von der abgehobenen Theologie des Paulus ! Das waren mal 2 Punkte, die ich mal für mich herausgearb. hab, um Paulus + Gnade besser zu verstehen ! Löschen no Pro.! Vielleicht was interessant ?!)

    Personifikation der Sünde
    Ohne Zweifel liegt bei Paulus eine himmlische Perspektive, eine Glaubenserfahrung zugrunde, die man heute nur noch sehr schwer nachvollziehen kann. Er scheint „Sünde“ als etwas Fremdes, von sich Abgespaltenes, zu betrachten, das zwar noch in seinem „Fleisch“, seinem irdischen Tun, lebendig ist, aber geistig – im Glauben an himmlische Gnade, an die geschenkte Auferstehung Jesu – vollkommen überwunden. „Ich weiß nämlich, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt: Das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen (…) Jetzt also gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind…“ (Röm 7/8) usw. Die Sünde ist und bleibt also im Fleisch, in der sichtbaren Welt, lebendig, ist aber unsichtbar, im Geist (durch die geschenkte Gnade der Auferstehung) überwunden, szs. tot. Mit diesem Denken scheint Paulus die Sünde zu personifizieren – als einen irdisch lebendigen, irdisch wirksamen, unreinen Geist darzustellen, der den Menschen in den Tod, in die Abkehr von der reinen Gnade Gottes, verstricken will. Und das Merkwürdige dabei ist: Die Sünde, der Geist der Unreinheit, bedient sich dazu auch des geistig Richtigen, im Prinzip Guten – des Gesetzes, des Gebots z.B.: „Denn nachdem die Sünde die Gelegenheit ergriffen hatte, die ihr durch das Gebot gegeben war, täuschte und tötete sie mich durch das Gebot…“ (Röm 7) Überhaupt zeigt sich erst hier die hinterlistige Größe der (personifizierten) Sünde: Sie ist nicht einfach nur das zerstörerisch Böse- szs. der schwarze, direkt böse Hollywood-Bösewicht. Sondern in ihrer höchsten Vollendung tritt sie sogar als Anwalt des Guten auf: Sie kleidet sich in das edle Kleid einer logisch richtigen Gesetzlichkeit, des Rechtes und wird so erst richtig lebendig ! Wie Paulus sinngemäß sagt: „Sie hat mir durch das Gute den Tod gebracht, auf dass die Sünde so über alle Maßen sündig werde, weil sie selbst das Gute benutzt, um mich zu richten…“ (Röm 7,13) Hier knüpft er an eine andere Denkfigur an: Satan als „Wolf im Schafspelz“, der als „Engel des Lichts“ und „Diener der Gerechtigkeit“ (2Kor11) auftritt. Doch anders als Jesus beim Abendmahl als wahrer Diener der Gerechtigkeit, wäscht er nicht ohne zu fragen den sündigen Erdenstaub von seinen glaubenden, hoffenden Brüdern, sondern zeigt sich als subtiler „Ankläger“ (Offb. 12, Hiob u.a.) mangelnder Gesetzestreue, mangelnder Treue zu Gott: Er will die Brüder von der Hoffnung auf Gnade, auf Rettung, ewiges Leben abbringen, so ihre Seele versklaven… usw.

    Abraham als Vorbild im Glauben
    Abraham und sein Glaube scheinen bei Paulus (und Jesus) als großes Vorbild, nach dem Motto: „Umkehr zum wahren Glauben als Hinwendung zum alten Glauben Abrahams!“ Denn nach Paulus empfand sich der Nomade Abraham im Glauben als „Fremdling auf Erden“, szs. als ein „verlorener Sohn“, mit einem Vaterland, das im Himmel, in den Sternen, liegt. Er gründete deshalb keine irdische Stadt und wohnte in Zelten, weil er eigentlich immer auf seine Heimat im Himmels-Sternen-Zelt, im Haus, im Reich des Vaters hoffte (Hebr. 11). Und er glaubte ja immer an Gott als seinen guten Hirten, der ihm den rechten Weg in der Fremde, im Feindesland, zeigt und ihm täglich in seiner Güte den Tisch deckt und vor dem Bösen behütet. An einen Gott, der im Unsichtbaren, Geistigen wohnt und ihm seine Wahrheit und Weisheit im Verborgenen gnädig kundtut usw. Darüber hinaus kannte Abraham noch kein Gesetz – lebte also nicht im trügerischen, falschen stolzen Vertrauen auf seine eigenen Werke. Er lebte allein aus dem Glauben an den letztendlichen Segen, an die letztendliche Gnade Gottes, trotz seiner vor Gott unwürdigen Sünden, Fehlern, seiner menschlichen Schwäche. „Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt“ – an einen gnädigen Gott der gegen alles Irdische alle gnädige Allmacht hat, die „Toten lebendig zu machen“ und „das was nicht ist, ins Dasein zu rufen“ (Röm 4). Dieser naive, untheologische Glaube an Gottes Willen zur Gnade, zum Segen wird von Gott durch die übernatürliche, geistig bewirkte Gnaden-Geburt Isaaks belohnt: Gott übergeht die menschliche Schwäche Saras und belohnt ihren Glauben an seine Gnade. Nicht ohne Grund wird sich dann Maria nach der Verkündigung an die Verheißung Abrahams erinnern und damit ihre eigene verheißene Gnadengeburt in die Nachfolge ihrer „Mutter im Glauben“, Sara, stellen…(Lk 1) Und nach Paulus glaubte Abraham auch nach der Geburt Isaaks weiter der frohen Sternen-Botschaft Gottes, seine Nachkommen werden ewigen Glanz und Segen des Himmels erlangen. Abraham glaubte selbst bei der Opferung Isaaks nicht daran, dass Gott der eigenen Verheißung untreu wird: „Er dachte: Gott kann auch von den Toten erwecken; als ein Gleichnis dafür bekam er ihn auch wieder.“ (Hebr. 11) Darüber hinaus stellte Abraham vor der Opferung gegenüber Isaak fest: „Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen“ ! (1Mos22). Denn er glaubte: Gott braucht keine Sünd-Opfer, keine besonderen Werke, der schwachen Menschen, um besänftigt zu werden: Er sieht allein auf den Glauben an seine Gnade, auf den Glauben an seine Güte, auf den Glauben an seinen Sternen-Segen ! Gott, der vorher seinen Segen gegeben hat, wird also das Opferlamm selbst stellen… Damit verweist Abrahams Glaube auf das Opfer Jesu, den „Vollender des Glaubens“ (Hebr. 12). Er verweist auf die Gnade und brüderliche Liebe Gottes, die dann von den Sternen zur verlorenen Erde kam und wie einst Isaak, das Holz selbst zum Opferberg trug, um sich dann für den Frieden zwischen Gott und den schwachen, sündigen Menschen zu opfern – zum Zeugnis, dass Gott gnädig den Glaubenden von den Toten zu ewigem wahren Leben erweckt…

    Zusammengefasst: Paulus zeigt„Abraham als „Vater des Glaubens“, als das Urbild des naiv an die Gnade und Größe Gottes Glaubenden: an die verheißene Gnaden-Sternen-Größe Israels und seiner Söhne. Eines Glaubens an den einen persönlichen bramherzigen Gott, der die menschlichen Schwächen von sich aus gnädig überwinden wird und „diejenigen heilt, die zerbrochenen Herzens sind und der alle seine Sterne mit Namen kennt“ (Ps 147). Ein Glaube der dann in Jesus seine Erfüllung findet, dem guten Hirten und Morgenstern aus dem Himmelshaus des Vaters, der sein Leben für die Schafe Israels gibt, alle seine Schafe mit Namen kennt und sie in den ewigen Sternen-Glanz des Himmels führt… usw.

  6. zu: naiv an die Gnade und Größe Gottes Glaubenden … (letzter Absatz)

    Hier finde ich es als wichtig, die Gebote der Gnade nicht zu vernachlässigen und sie zu erwähnen:

    Bleib in der Liebe Gottes zu dir!
    Streng dich nicht an, dich nicht anzustrengen!
    Tu lieber das, was du von Herzen tun kannst – und nicht all das, was richtig wäre!
    Hüte dich vor dem Sauerteig des Gesetzes!
    Verurteile andere ruhig erst mal – aber frag dich, warum du das tust!
    Schau, ob die Last auf deinen Schultern leicht ist!
    Rede locker mit Gott und nicht geschwollen-religiös!
    Sei ehrlich! vor Gott, vor dir selbst und manchmal auch vor anderen!
    Ersetze die alten Gebote nicht durch neue

  7. Limitierung der Gnade:
    Über die Tendenz der Theologie, die Größe und Gestalt des Glaubens möglichst genau, buchstäblich, zu definieren – diesen aber damit einzugrenzen und zu limitieren…

    (hab wahrscheinlich alles schon irgendwo bei euch gepostet ! Aber vielleicht doch was Interessantes für euch dabei ? Löschen no pro! Bald hab ich nichts mehr auf Lager = im Computer !)

    Jede Theologie, jede Religion hat den Anspruch sich in der Welt durchzusetzen. Dies kann sie aber nur, indem sie klare, eingrenzbare Aussagen, eindeutige Worte/Buchstaben aufzeigt und diese im Kampf um die Wahrheit zur Geltung bringt. Damit vernachlässigt sie notgedrungen ein Element, dass z.B. David und Jesus betonten: Gott gibt seinen Geist oft im Verborgenen, Unnennbaren. „Siehe, du liebst Wahrheit, die im Verborgenen liegt, und im Geheimen tust du mir Weisheit kund…“ Dies bedeutet auf die Deutung der Bibel, des Wortes Gottes übertragen: Die Theologie hat immer die Tendenz eine Wahrheit, einen Geist, der im Unnennbaren, „szs. „zwischen den Zeilen“ verborgen liegt, zu minimieren. Sie deutet die heiligen Schriften in Richtung auf klare, eindeutige, dogmatische Aussagen hin – also, sie deutet das Wort Gottes eigentlich in einem Geist des Gesetzes. Doch streng genommen gibt es keinen Hinweis, dass die Verfasser des NT ihre Worte als strenge, eindeutige, klare Aussagen (mit Gesetzescharakter) verstanden. Sie verstanden ihre Texte wohl viel eher als Dokumente des Glaubens, die einen unnennbaren Geist Gottes vermitteln, einen Glauben im Leser erwecken sollten. Also waren die Autoren des NT in ihrer Herangehensweise vermutlich viel unklarer – poetischer – , als es eine strenge Bibelwissenschaft eigentlich dulden, für sich selbst nutzen, aufzeigen kann. Vielleicht wäre es sogar möglich, dass die Autoren zentrale Glaubenswahrheiten zwischen den Zeilen, szs. im Unnennbaren vermitteln wollten ? Ganz ähnlich wie ein Dichter, der nicht eindeutig in Worten feststellt „Das ist Liebe !“, sondern die gnädige Umarmung, den Kuss dichtet, die den Geist der Liebe erwecken ?! usw.
    Hier einige weitere Bespiele, jenseits der Poesie der Gnade, der Sündervergebung, die man in den Heilungen Jesu sehen kann, die vielleicht zeigen, dass zentrale Elemente des Glaubens in der Schrift im Unnennbaren, zwischen den Zeilen verborgen, liegen könnten, also garnicht direkt in Worten angesprochen werden…

    Paulus: Deutung der Abraham-Isaak-Erzählung
    Paulus erscheint hier selbst als Kronzeuge dafür, dass man zentrale geistige Wahrheiten aus der Bibel aus dem Verborgenen, zwischen den Zeilen, also aus dem verborgenen Geist fischen kann. Denn nirgendwo steht wörtlich im AT wie Paulus glaubt, dass Abraham vor der Opferung Isaaks dachte „Gott kann auch von den Toten erwecken“. (Hebr 11) Paulus geht bei seiner Deutung vom verborgenen Geist der Abraham-Erzählung aus, die einen Mann zeigt, der sein ganzes Leben dem festen Glauben an die Gnade des einen Gottes widmete, dem Glauben auf Gnade im Gelobten Land, auf übernatürliche Gnaden-Geburt seines Sohnes, auf Sternensegen für seine Nachkommen usw. Dieser Mann konnte nach Paulus bei der Opferung Isaaks im Verborgenen, trotz seiner möglichen menschlichen Sünden, nur denken „Das ist ein Test meines Glaubens an Gottes Willen zur Gnade für mein Haus !“.
    Es wird wohl deutlich: Paulus deutete diese, die ganze Bibel erhellende Stelle, aus einem der Erzählung verborgenen Geist unbedingter Gnade durch Glauben, der so im Buchstaben im Wortlaut gar nicht direkt ausgesprochen wird. Es wäre hier sogar möglich Paulus durch einzelne Bibel-Zitate zu widersprechen, aber der Geist der rechtgläubigen Abraham-Figur, die blind auf die Gnade Gottes setzt, ist im Ganzen wohl nicht in Frage zu stellen.

    Paulus auf dem Weg nach Damaskus
    Diese Episode, die Bekehrung des Saulus, ist unangefochten die zentrale Stelle, in der das Wirken und die Briefe das Paulus im Glauben verankert sind, von der sie erhellt werden. Hier scheint bedeutend, dass Paulus, anders als die anderen Apostel, Jesus nur als den für ihn in Vergebung Auferstandenen kannte. Er kannte also zuerst überhaupt keine der neutestamentlichen Lehren, Gleichnisse Jesu. Er musste nur erkennen: Ich als überzeugter Mörder Christi, als einer derjenigen, die ihn unter Lästerungen (1Tim1) an das Kreuz genagelt und getötet haben, die sogar Frauen und Kinder verfolgt, getötet haben, bekomme ohne Vorleistung von ihm die persönliche Gnade der brüderlichen, ewigen Freundschaft, des ewigen Lebens im Angesicht des Vaters, die ewige Heimat im mütterlichen, himmlischen Jerusalem geschenkt. Er, der stolze, gesetzeskämpferische, vermeintlich sehende Jude wurde über diese Erkenntnis 3 Tage blind („damit die Sehenden blind werden“ Joh 10), lebte ohne Essen und Trinken 3 Tage in Finsternis wie ein Toter, um im Geist der Gnade Jesu aufzuerstehen und als neuer Mensch aus dieser Gnade heraus zu leben und sie zu verkünden. Wie er selbst sagte; er hat genau diesen Jesus der bedingungslosen Gnade – und nichts weiter – drei Jahre lang verkündigt, ehe er überhaupt nach Jerusalem ging, um die ursprünglichen Apostel zu treffen, mit ihnen Glaubensfragen zu besprechen. Und zwischen den Zeilen wird deutlich: Alle haben diesen Damaskus-Glauben des Paulus, indirekt – szs. im Verborgenen – im Kern bestätigt, indem sie Paulus als von Gott erwählten Apostel duldeten und anerkannten: „Und sie lobten Gott um meinetwillen !“ (Gal 1). Damit ist doch aber der verborgene Geist der Gnade Jesu unter dem die Worte des NT zu lesen sind, indirekt zementiert ?! Der unausgesprochene, verborgene Geist des NT, auf den sich alle Apostel einigen konnten, war: Gott schenkt dem in Sünde unrettbar verlorenen Menschen ohne Vorleistung in ewig brüderlicher Freundschaft unter väterlicher Autorität und mütterlicher Gnade die Auferstehung, das ewige, wahre Leben. Der im Fleisch schwache, sündige Mensch soll aus dem Geist dieser unverdienten Gnade Gottes heraus leben und sie auch seinem Nächsten verkündigen und wünschen: das Evangelium verkünden.
    Wenn man also einzelne Zitate aus den Briefen des Paulus, einzelne Worte/Buchstaben genauer analysiert, sollte man immer aufpassen, dass man das verborgene Exempel, das Gott an der Person des Paulus statuiert hat, nicht aus den Augen verliert: Willen zur Gnade, jenseits aller irdischer Regeln, irdischer moralischer Leistung – selbst für den mörderischen Todfeind usw.

    Der Judas zwischen den Zeilen, der Judas im Verborgenen
    Jeder, der mal zwei Wochen im NT liest und sich die Geschichte Jesu vor Augen führt, kommt irgendwie auf die natürliche Überlegung, dass Judas mit dessen Auslieferung eigentlich den Willen Jesu, den Willen Gottes, erfüllte. Man denke z.B. nur an 2 der berühmtesten Stellen: Auf dem Tabor z.B. bestätigt Gott den vorherbestimmten Tod Jesu in Jerusalem, oder an den Garten Gethsemane, wo Jesus seinen Tod als Auftrag des Vaters annimmt. Bei beiden wird auch eine zentrale Merkwürdigkeit deutlich: Die Jünger haben keine Ohren für diese Wahrheit; sie schlafen als diese Botschaft verkündet wird. Jesus verkündigte diese Botschaft, dass er als das sündenfreie Lamm Gottes, als der leidende, sich nicht wehrende, gewaltlose Gottesknecht in Jerusalem übergeben werden muss, mehr als 10x direkt seinen Jüngern, z.B.: „Lasst diese Worte in eure Ohren dringen; denn der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen. Sie aber verstanden dieses Wort nicht…“ (Lk 9) Am Ende stellt man sich dann als naiver Leser die Frage „Wie kann man nur so bescheuert sein, wie die Jünger und das nicht verstehen ? Es ging doch Jesus von vornherein nicht um irdisches Königtum, irdischen Sieg in Jerusalem, sondern um Sündenvergebung und ewiges Leben !?“ Und Jesus selbst scheint ähnlich gedacht zu haben, wie er den Emmaus-Jüngern, die über das leere Grab grübeln und Jesus als irdischen Versager deuten, sagt: „O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ Und das Gleiche sagt Jesus doch heute auch noch zu uns, die wir vor dem leeren Grab stehen: Er musste gewaltlos überliefert werden und ohne Auflehnung – also unschuldig – leiden ! Dies war sein Weg zur „Herrlichkeit“, wie er schon beim Abendmahl als Judas den Raum verließ, um ihn zu übergeben, sagte: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist verherrlicht…“ (Joh 10)
    Wenn man dies alles bedenkt und Worte Jesu hört, wie: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich’s wieder empfange. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen…“ – hier betont er doch, dass alles Heils-Geschehen unter seiner Macht, Kontrolle abläuft ?! Niemand nimmt ihm ohne seine Zustimmung sein Leben ! Dann ergibt sich im Verborgenen, zwischen den Zeilen der Glaube, der Geist: Vielleicht war Judas der Einzige, der seinen Rabbi und dessen Gnadenbotschaft wirklich verstanden, ernstgenommen, hat ? Vielleicht handelte er in geheimer Übereinstimmung mit der gewaltlosen Gnadenbotschaft Jesu ?
    Wenn man nun im Internet, bei Theologen, bei Pfarrern diese Frage stellt und nach einer Antwort sucht, dann stellen die meisten dazu fest: „Diese Frage ist berechtigt ! Wer das NT in naivem Geist genauer durchliest, stellt sich diese Frage, entwickelt diesen verborgenen, naiven Glauben ! Aber es gibt in der ganzen Bibel keine dogmatische, wörtliche, buchstäbliche Aussage, die diesen Glauben festschreibt, die diesen Geist verborgener Gnade bestätigt ! Niemand kann sich im Buchstaben auf diesen Geist berufen ! Folglich muss er falsch sein !“ Doch hier müsste man aber die Gegenfrage stellen: Woher wissen wir, dass die Autoren des NT darauf abzielten, gesetzmäßige Glaubensaussagen zu treffen, buchstäbliche Dogmen festzuhalten. Vielleicht schrieben sie nur, um poetisch einen verborgenen Geist überirdischer Gnade zu erwecken ? Vielleicht schrieben sie nur, um einen verborgenen, naiven Gnaden-Glauben zu erwecken ? usw.

    Die Maria Magdalena zwischen den Zeilen, die Magdalena im Verborgenen

    Eine der biblischen Gestalten, bei der sich sogar die Kirche in tausendjähriger Tradition nicht auf genaue buchstäbliche, wörtliche Textbelege stützt, ist die Figur der Maria Magdalena: Sie deklariert die salbende Sünderin im Haus des Simon, die Maria bei ihrer Schwester in Bethanien und die Jesus im Tod salbende Maria v. Magdala in ihrer Tradition als ein und dieselbe Person. Dies sei, so moderne Kritiker, wohl eher der damaligen, traditionellen, naiven Volksfrömmigkeit geschuldet, aber lasse sich durch Textbelege nicht in Wort und Buchstaben eindeutig beweisen. Aber auch hier muss man die Frage stellen, ob man nicht die Autoren des NT missversteht, wenn man meint, sie wollten genaue, wörtlich-buchstäbliche Dogmen über die Personen des NT festlegen. Vielleicht wollten sie nur verborgene, geistige Zusammenhänge aufzeigen und so einen verborgenen Glauben erwecken ? Dies könnte für die Figur der Maria Magdalena in etwa Folgendes bedeuten (grobe Zusammenfassung): Christus = „der Gesalbte“, in der Nachfolge Davids – letzterer wurde ja einst von Samuel (einer einzigen Person !) als König Israels erkannt und gesalbt – wird im NT zuerst von einer unwürdigen Sünderin gesalbt. Sie salbt ihn als sündige, liebende Dienerin und trocknet, zu seinen Füßen sitzend in intimer Geste seine Füße mit ihrem Haar. Jesus nennt sie als große Liebende, der viel vergeben wird: „Wem viel vergeben ist, der liebt viel !“ (Lk 7) Gleich darauf berichtet das NT von Maria Magdalena, der 1. Dienerin Jesu, der 7 tödliche Dämonen (= Totalität der menschlichen Sünde) vergeben wurden. Hier erweckt sich der Glaube, der Geist, dass die vermeintlich unwürdige Dienerin im Haus des Simon und 1. treueste Dienerin Maria Magdalena wohl dieselbe Person sind. Dieser Geist zeigt sich dann auch bei Maria, die bei ihrer Schwester in Bethanien lebt. Sie ist die erklärte 1. Meisterschülerin und wahre Dienerin Jesu, die zu seinen Füßen sitzt und allein seinem Wort der Gnade – jenseits aller Werke – vertraut (Lk 10). Sie salbt dann Jesus öffentlich in der gleichen intimen Geste wie zuvor die liebende Dienerin – wohl im Auftrag Gottes, um ihn vor dem Einzug in Jerusalem als den prophetisch erkannten, spirituellen König Israels zu kennzeichnen (Joh 12). Jesus stellt hier auch fest, was seine Jünger kaum verstehen, nämlich dass diese Salbung auch für seinen baldigen Tod gelte, dass das Salböl Marias auch für seinen Tod gekauft wurde und zurückbehalten werde. Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet werde, werde man auch sie und ihre Tat rühmen. Dieser Geist findet dann Entsprechung am Ostermorgen bei der Auferstehung, als Maria v. Magdala blind in Tränen nur eines kennt, nämlich ihren Auftrag zu erfüllen, den Leib Jesu zu salben.
    Aus dieser Skizze wird wohl grob deutlich, dass man einen geistigen Zusammenhang, einen Geist/Glauben zwischen den Zeilen, im Verborgenen, herauslesen kann, der darauf hindeutet, dass Jesus von seiner 1. Dienerin – Maria v. Magdala – begleitet wurde, die ihn wiederholt im Auftrag Gottes in Nachfolge der großen Propheten als den König Israels, den Gott-Gesalbten „Christus“, den Messias, erkannte und kennzeichnete. Jesus wohnte mit seinen Jüngern bei ihr und ihrer Schwester in Bethanien (= „dem Haus der Armen“), einem kleinen Ort, in den Weinbergen Jerusa-lems, ungefähr da, wo das Hohelied Salomos das Lied vom in Narde gesalbten Hirten, dem König der Liebe, und seiner schönen Gefährtin spielt…

  8. Limitierung der Gnade Jesu: Die Theologie im Dienst einer christlichen Religion…
    (Damit ihr mich endgültig für verrückt haltet ! Ich texte schneller u. abgespaceter als Billy Idol auf dem Blue Highway…)

    Das war mal ein (gescheiterter, viel zu langer) Versuch, dem Gedanken vieler Dichter/Denker zu folgen und eine vorbildlich-göttliche Spiritualität Jesu – den Geist Jesu – von einer limitierenden, dogmatisch-christlichen Religion abzugrenzen. Also den einfachen Glauben Jesu an den gnädigen Vater aller Menschen von einer buchstäblich-wörtlich-theologisch-religiösen Erkenntnis der besonderen Person Christi und ihrer einzelnen Worte zu unterscheiden. Dahinter steht der Gedanke, dass Jesus laut NT persönlich (im Verborgenen ?!), wohl den toleranten Geist der Gnade vertrat, dass jemand, der an einen gnädigen, liebenden Vater/Gott glaubt, automatisch irgendwie auch auf ihn hofft. Denn er teilt ja dann auch den Geist Jesu, dessen Spiritualität im Kern (wie z.B. vielleicht sogar der liberale Durchschnitts-Moslem !?). Wohingegen die strenge christliche Religion eben als besondere Religion die limitierende Tendenz hat, dass nur durch den besonderen Glauben an und die besondere Erkenntnis der messianischen Person Christi der Mensch der Gnade Gottes würdig wird. (Löschen no pro ! Abgespaced für mich geschrieben !)

    Kontrovers-plakativ vorweg als These zusammengefasst: Jesus kam jenseits aller Religion im Namen/Geist des Vaters, um den über den Tod hinaus gnädigen Himmelsvater der Menschen zu zeigen. Die Theologie kommt vor allem im Namen Christi, um den besonderen Christus als den einzigen, besonderen Weg der Menschen zum gnädigen Gott aufzuzeigen. Bei Jesus stand der Glaube an den Vater im Vordergrund. In der Theologie/Religion steht der Glaube an die besondere, göttliche Person Christi im Vordergrund. Jesus sagte ungefähr: „Wer auf einen gnädigen Himmelsvater, auf das Reich Gottes, vertraut, ist auch immer offen für mich – kann also auf mich als Bruder zählen !“ Die christliche Theologie sagt limitierend ungefähr: „Nur, wer die Göttlichkeit der besonderen Person Christi genau erkennt und ihr vertraut, dem eröffnet sich ein göttlich-gnädiger Himmel, das Reich Gottes !“ usw.
    Hinter diesem Gegensatz zwischen einer allgemeinen Religiosität/Spiritualität/Geist Jesu und einer speziellen „christlichen Religion“, einer Religion der besonderen „Person des Christus“, steht wohl die Problematik einer Enträtselung des Mysteriums der Göttlichkeit Jesu – etwas, was für uns, Normal-Menschen immer begrenzt verständlich bleiben muss. Den Weg, den dabei die Theologie/Religion einschlägt, scheint der, die Aussagen, die Worte und Handlungen Jesu bis ins Detail als direkte, besondere göttliche Manifestationen festzuschreiben, zu deuten. Alles nach dem Motto limitiert: Wer diesen besonderen Handlungen, besonderen Worten Christi direkt (buchstabentreu) folgt, kann auf die Gnade des Himmels hoffen, findet einen Weg in das Himmelreich. Der andere Weg, den ich bevorzugen würde, der aber vielen als zu einfach erscheint, ist der, dass man Jesu Worte und Taten nicht als direkte göttliche Manifestationen deutet, sondern nur indirekt als Zeichen, Gleichnisse für den Geist des gnädigen Vaters, für die göttliche Spiritualität, die Jesus selbst himmlisch beseelte. Denn die Worte Jesu galten offensichtlich nicht als gesetzlicher Buchstabe: „Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben“ (Joh 6,36). Grob gesagt: Man kann Jesus im Schwerpunkt darauf deuten, dass er einen besonderen Glauben an sich selbst vermitteln wollte – also eine besondere christliche Religion anstrebte: die im Buchstaben begründete Verehrung des einzig eingeborenen Sohnes. Oder man deutet Jesus im Schwerpunkt, dass er vor allem seinen eigenen Glauben, seinen Geist darlegen wollte, indem er sich als göttlich-himmlisch glaubender Sohn des gnädigen Vaters der Menschen – jenseits aller besonderer Religion – zeigte. Alles nach dem Motto: „Der Vater ist größer als ich ! Glaubt zuerst an ihn und die Gnade seines Himmelreichs und alles wird euch dann gegeben!“ Damit wäre er im Kern vor allem göttlich inspiriertes Glaubensvorbild für die anderen Söhne und Töchter des Himmelsvaters, „meinen Vater und eurem Vater, meinem Gott und eurem Gott“. Eben das Urbild für einen aus dem Geist himmlischer Gnade Geborenen, der sein Leben lang die frohe Botschaft des gnädigen Vaters verkündet und darauf vertraut, dass er trotz aller irdischer Hindernisse und Leiden seinen Geist im Tod in die Hände des Vaters legen wird.
    Hier einige Beispiele, die diesen komplexen Sachverhalt vielleicht veranschaulichen könnten:

    Das Vaterunser
    Wenn sich in der Person des Christus direkt der besondere Weg zur göttlichen Gnade manifestiert, ist es besser, als würdiger Nachfolger dieses, sein Gebet, im Wortlaut nachzubeten und sich damit auf die besondere Gnade des Christus zu berufen. Wenn es Jesus nicht so sehr um seine eigene, besondere Gnade ging, sondern darum, den Geist, die Gnade, die Spiritualität des himmlischen Vaters der Menschen zu zeigen, dann scheint der Wortlaut weniger relevant. Dann erscheint das Vaterunser als Zeichen, wie Jesus selbst im Geist des Vaters – als vorbildlich Glaubender – lebte. Also, er betete zu Gott als persönlichem Vater, im Geist der Vergebung, im Geist des Reiches Gottes, das für jeden Menschen offen steht usw. Ganz so, wie er es im Garten Gethsemane selbst vorlebte, als er selbst ein eigenes „Vaterunser“ betete.

    Taufe
    Wenn man die Person des Christus buchstäblich als den besonderen „Weg, die Wahrheit und das ewige Leben“ versteht, dann scheint eine Taufe unter besonderer christlicher Formel fast schon als heilsnotwendiger Vorgang. Wenn man aber den „Weg Jesu“, den „neuen Weg“ (Apg 9,2; 18,25 u.a.) mehr als neuen Glaubensweg versteht, als Glauben an den gnädigen, rettenden Vater, dann erscheint die Taufe nur als symbolische Geste, eingebettet in die Poesie, die Bildsprache Jesu von der Gnade des Vaters. Eben als Zeichen, dass der verlorene Mensch sich nicht selbst durch Werke reinigen kann, sondern unverdient durch Gott reingewaschen werden muss: So lässt Jesus sich selbst im Geist des Vaters taufen, um diesen Glauben zu verdeutlichen und spricht z.B. zur (quasi moslemisch-palästinensischen) Samariterin vom „Geschenk Gottes“, der „Gnade des Vaters“, die das Innere als Quellwasser reinigt und ewiges Leben schenkt. Man muss an die unverdiente Gnade des Vaters, des Himmelreichs glauben, die ihren heilenden, reinigenden, tränkenden Wasser-Segen auch über offensichtlich Ungerechte, Böse regnen lässt. Es muss den Menschen – ganz gleich welcher Nation, Religion – zuerst um das übergeordnete Himmelreich des Vaters und dessen Regen-Segen-Gnade gehen ! usw.

    Kindersegnung, Kindertaufe
    Wenn man Christus buchstäblich/wörtlich als einzigen Weg zum gnädigen Gott ansieht, dann sind seine Worte, wie „Lasst die Kinder zu mir kommen! Ihnen ist das Himmelreich! oder „Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen…“ usw. direkte Aufforderungen, Kinder im Namen Christi in Weihwasser zu taufen, damit sie nicht der Gnade Gottes verlorengehen. Wenn man den Schwerpunkt aber darauf setzt, dass Jesus mit dieser Bildsprache nur seinen eigenen, vorbildlichen Glauben – sich selbst als Kind Gottes – verdeutlichen wollte, bleibt eine Kindertaufe nur symbolische Geste. Dann wollte Jesus mit diesen Worten nur zeigen, dass jeder Mensch, so wie er selbst, kindlich-naiv, im Geist des unschuldigen Lammes, an seinen gnädigen Vater im Himmel, der ihn im heiligen Geist leitet und von den Sünden „wie nach einem Bad“ reinigt, glauben soll. usw.

    Vielleicht wird aus diesen Beispielen Folgendes deutlich ? Die Theologie/Religion hat die Tendenz, den Glauben auf die besondere Person des Christus exklusiv zu konzentrieren. Also einzelne Worte Jesu als normative Grundsätze zu deuten, die einzig den Weg zu Jesus – zur Gnade Gottes – festlegen. War aber der Glaube, der göttliche Geist Jesu so stark auf seine eigene Person konzentriert, limitiert ? Verstand sich Jesus buchstäblich-wörtlich in seinen Aussagen einzig exklusiv „als den Weg, die Wahrheit und das Leben“ ? Kann man diese einzelne Aussage über alle Zitate Jesu legen und sie damit als buchstäblich-wörtliche Glaubensgrundsätze festschreiben. Wohl eher nicht ! Jesus legte darauf Wert, aus dem Geist, der Gnade des Vaters – aus dem Glauben – geboren zu sein, also jenseits des genauen Wortes, des einzelnen Buchstabens. Wenn er also von seinem Weg spricht, dann scheint eher sein Glaubensweg mit dem Vater gemeint zu sein, ganz genau so, wie sein Gleichnis vom verlorenen Sohn nicht von einer besonderen Person, einem irdischen Weg, spricht, sondern auf den Weg des Glaubens hin zum gnädigen Vater, dem engen Weg der Gnade, verweist. Wenn Jesus also davon spricht, ihm auf seinem Weg zu folgen und sein Kreuz zu nehmen, dann ist wohl nicht gemeint, ihn buchstäblich platt zu kopieren und ein asketisches Märtyrer-Leben mit Todesrisiko anzustreben, also die Person Jesu wörtlich als den Weg, das Leben, die Wahrheit zu sehen. Sondern Jesu geistigen Weg – den Glauben an den Vater – nachzufolgen, wie Jesus im Gespräch mit dem Vater auf ein eigenes „Gnadenwerk“ (Joh 5,36f; Joh 17,4) zu hören, das der Vater im eigenen Lebensweg bewerkstelligen könnte. Und das vielleicht auf Widerstand stoßen könnte. (Selbst wenn es die Gründung einer unsinnigen Rockband wie GnR oder die Teilnahme an einer merkwürdigen JP-Grace-Page wäre !?)
    Und so geschieht nach dem Johannes-Evangelium Jesu Abschied von den Jüngern ganz im Geiste der Verherrlichung des Vaters, der Liebe des Vaters, und mündet in ein Gebet an den Vater. Ausgangspunkt ist die Aufforderung des Philippus: „Herr zeige uns den Vater, und es genügt uns !“ Hier wird das zentrale Thema der Mission Jesu deutlich: der Geist des gnädigen Vaters, der Glaube an den gnädigen Vater – und dieser ist im Kern (wie bei Abraham) ausreichend ! Jesus kam im Namen des Vaters als himmlisch „Gesandter“, als Vollender des Gnaden-Glaubens Abrahams, um den rettenden Glauben an des himmlischen Vaters Güte, Liebe und Treue zu zeigen, vorzuleben: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Joh 17). Wer an den lebendigen, persönlichen Gott – seinen gnädigen Vater – glaubt, in dem wohnt der Geist des ewigen Sohnes, der hat den „Gott der Lebenden“ (Mat 22,32). Wer an einen liebenden Gott glaubt, die persönliche Liebe des Vaters in sich hat, erkennt als sein Sohn, den himmlischen Jesus immer schon spirituell als seinen liebenden Bruder und Jesus wird auch bei ihm anklopfen und wohnen (z.B. Joh 5,41ff.)

    Daraus wird wohl deutlich, dass die Gnade Jesu im NT (oftmals zwischen den Zeilen), umfassender ist, als sie in einer besonderen Religion festgeschrieben werden kann: der Glaube, die Hoffnung an eine väterlich-himmlische, rettende Gnade, die in den meisten Menschen, ganz gleich welcher Religion, Nation, irgendwie schlummert. So gesehen wäre vielleicht sogar der bedeutendste Poet und Gelehrte des Islam, Rumi, dessen Grab in der Türkei jährlich von ca. 2 Millionen Menschen besucht wird, ein Bruder Jesu. Und das nicht nur, weil er sich in seinen Gedichten wörtlich selbst als Bruder Jesu, des jüdischen Messias, bezeichnet hat, sondern, weil er denselben Geist, denselben naiven Glauben an den lebendigen Vater, an die gnädige Liebe Gottes, verherrlichte, wie Jesus. In tausenden Gedichten lobte er die unermessliche Gnade Gottes rein aus Glauben – jenseits aller menschlichen Werke – für die in lepröser Sünde, im fremden Land verlorenen Menschen-Brüder, Menschen-Söhne, unter dem Wahlspruch: „Du hast das Haupt von deinem Gott gewendet / D’rum hast du dich verirrt auf deinem Lauf; / Kehr‘ um zum Pfade, wo er Gnaden spendet / Sei fürder nicht ein Thor, und wache auf!“

    Hier ein Auszug aus einem Gedicht:

    „Der du einzig lebend bist und weise, Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt!
    Uns begünstigst auf des Lebens Reise, Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt!
    Ein’ger, huldvoll öffnest du die Hände, herrlich bist du, heilig ohne Ende,
    Und Erbarmen nur ist deine Spende; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt!
    Lüste sind’s, die uns in Fesseln zwingen, Wünsche sind’s, die Sklaverei uns bringen,
    Und wir forschen nach verborgnen Dingen; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt!
    Schwach und dürftig sind wir und voll Schande, irren sinnlos durch entfernte Lande,
    Sind gefesselt durch des Körpers Bande; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt!
    Die ihr Haupt an deine Schwelle legen, hört man, dir zum Lob, die Zunge regen,
    Laut und still dich preisen allerwegen; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt!
    Vor dir müssen alle Übel schwinden, du beseitigst huldvoll alle Sünden,
    Und gestattest Gnade uns zu finden; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt!
    Bald von Lüsten dieser Welt umstricket, bald vom Lohne jener Welt entzücket,
    Bleibt der Meister unserm Blick entrücket; Herr und Gott, wir haben schwer gesündigt…“

  9. Der theologische Satan: irdisch-theologie Perspektive vs. himmlisch-prophetische Gnaden-Erfahrung !?
    (Das war mal von mir eine launige Spekulation über das Wesen Satans und das Wesen des Leides nach der Bibel ! Vielleicht was Interessantes dabei ? Vieles kann man anders sehen ! Löschen no pro ! Denn wie schon Keziah Jones sang: „It´s hard to climb the invisible ladder with the ethics police on your ass !“

    Wenn man sich die allgemeine landläufige Vorstellung von Satan in ihrer simplen Negativität vor Augen führt, stellt man sich die Frage, ob sie nicht ein menschlich-theologisches Konstrukt ist. Hat man da nicht aus irdischer Perspektive heraus aus allen primitiv-schlechten menschlichen Eigenschaften ein teuflisches Wesen abstrahiert !? Einen simpel-schwarzen, primitiv-negativen Hollywood-Bösewicht ? Denn irgendwie zeigt doch die Bibel in ihrer prophetischen Erfahrung ein wesentlich differenzierteres Bild von Satan?! Hier wird vor allem von der höchsten göttlichen Erfahrung – der heiligen, schöpferisch-göttlichen Gnade, in der alles besteht – auf das Verlorene, Sündige, Irdische, Böse deduziert. Und in diesem Blickwinkel erscheint Satan vor allem als ein Gegner, als ein subtiler, selbstgerechter Rivale dieser heiligen, paradiesischen, ursprünglichen Schöpfer-Gnade. Wie das Buch Hiob zeigt: Satan kann sich sogar in höheren heilig-himmlischen Engels-Sphären bewegen, die einem sündigen Menschen so niemals zugänglich sind. Satan befindet sich hier im Kreis Gottes und der Gottessöhne („elohim“) als eine Art negativer, anklagender, richtender Engel, der einen höheren göttlichen Kern der schwachen, korrumpierbaren Menschen anzweifelt. Und man fragt sich, ob er nicht im Vergleich zu den irdisch-schwachen Menschen eine wirkliche Heiligkeit, eine Wahrheit, für sich beanspruchen kann – eine richtende, tödlich verurteilende Heiligkeit, nach dem Motto: Der Mensch erweist sich immer als unheilig schwach und korrumpierbar, nämlich als der Heiligkeit Gottes, der Heiligkeit der Gottessöhne, leprös unwürdig. Der Mensch ist zurecht aus dem Paradies vertrieben. Auch in Sach 3 bewegt sich Satan als eine Art richtender Engel in göttlicher Sphäre: Er klagt den Hohepriester Jeschua vor Gott an, nicht für die Sünden Israels einstehen zu können, kein wahres himmlisches Kleid der Gerechtigkeit zu besitzen, aber er wird von Gott dann in die Schranken verwiesen. Dies alles wohl in Vorausdeutung auf Jesus.
    Wenn man das durchdenkt, dann kommt man auf den Gedanken, dass es aus himmlisch-heiliger Perspektive in Bezug auf den schwachen, unvollkommenen, korrumpierbaren Menschen zwei unterschiedliche göttliche Wahrheiten, göttliche Herrlichkeiten geben könnte: eine anklagend-verurteilende, verdammende und im Gegensatz dazu eine gnädig-schöpferisch-väterliche. Satan ist eindeutig der Vertreter, einer richtenden, verdammenden göttlichen Herrlichkeit, die dem schwachen, korrumpierbaren Menschen kein Recht zugesteht, vor Gott, vor höheren himmlisch-paradiesischen Sphären, zu bestehen.
    Auf diese beide Herrlichkeiten des Göttlichen, nämlich die bedrohliche, heilige Herrlichkeit Gottes, vor der der schwache Mensch als unwürdig, verdammt erscheint und der gnädigen Herrlichkeit Gottes, vor der der Mensch als ewiger Gottessohn, wenn auch im Moment irdisch verloren, erscheint, spielt wohl auch Paulus immer wieder an. In 2Kor3 z.B. hebt er hervor, dass der Mensch wie das Glaubensvorbild Jesus ein Diener der direkt-gnädigen schöpferisch-väterlichen Herrlichkeit Gottes – seiner wahren überschwänglichen Herrlichkeit – sein soll und nicht einer vergänglicheren, richtenden Herrlichkeit, wie sie im von Engeln gegebenen Gesetz aufgezeigt wird. Paulus betont den direkt-gnädigen Bezug des Menschen zum gnädigen, sündervergebenden himmlischen Vater, also den Glauben an die in Jesus geschenkte Auferstehung des Gotteskindes. Und warnt vor der Gefahr, zu leichtgläubig anderen vermeintlich heiligen Autoritäten zu vertrauen, denn „Satan verstellt sich als Engel des Lichts“ (2Kor11), aber „weder Engel, noch Mächte, noch andere Gewalten“ können den Glaubenden von der direkten Liebe Gottes scheiden, die sich im Sohn Jesus zeigte (Röm 8): „Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht…“ (Gal 1,8)

    So gesehen könnte man in der Person Jesu eine geistige Umkehr zur reinen, ursprünglichen, geschenkten, unverdienten Gnade aus Gen 1, der Gnade der 1. Schöpfungserzählung, sehen. Also zum göttlichen Geist der Gnade im anfänglichen, schöpferisch-gnädigen Wort des Lebens, das über dem Wasser von Gott („elohim“) gesprochen wurde. Dies jedenfalls scheint z.B. das Johannes-Evangelium am Beginn zu betonen: Im Menschen Jesus war durch ein Wunder der uranfängliche Geist der Gnade Gottes („elohim“), der Gnade des Lebens aus Gen 1, in seiner Leben gebenden Fülle vorhanden. Jesus selbst zitiert für seine Mission dann als Grundlage z.B. Ps 82: durch den Glauben an den gnädigen Vater bekommen die Gotteskinder Teil an der Göttlichkeit des höchsten, gnädig-schöpferischen Gottes, haben so als Söhne Teil an der höchsten, gnädigen Göttlichkeit („elohim“, Joh 10). Sie sind nicht mehr von Paradies und Himmel verstoßen unwürdig wie nach der 2. Schöpfungserzählung, als sie vor der richtenden göttlichen Herrlichkeit („elohim jahwe“) in menschlicher Schwäche versagten.
    Dies zusammenfassend könnte man vielleicht feststellen: Die Bibel zeigt in ihren 2 Schöpfungserzählungen zwei unterschiedliche Wahrheiten des Menschen in seiner Stellung zu Gott. Einmal Gen 2 ( „jahwe elohim“): der Mensch ist als schwache Kreatur durch stärkere, höhere Mächte verführbar und scheint so vor der unkorrumpierbaren, richtenden Heiligkeit Gottes unwürdig verloren, verstoßen. Zum anderen Gen 1: der Mensch ruht in der Gnade Gottes, dem schöpferischen Lebens-Geist, und kann, wenn er geistig an dieser Gnade des Vaters festhält, wie ein Sohn niemals wirklich verlorengehen – er bleibt geistig immer Teil des Vaters, ist ihm szs. eingeboren („elohim“). Hier stellt sich nun die Frage: Wenn die eigentliche, höchste Wahrheit des Menschen in seiner Stellung gegenüber Gott die ist, dass er in dessen Gnade ruht und teil an dessen ursprünglichen ewigen Schöpfergeist hat – warum lässt der gnädige höchste Gott dann zu, dass der Mensch aus dem Paradies verstoßen, durch dieses unwürdige, irdische, böse Tal des Todes als Verurteilter, Leidender gehen muss ?
    Eine wichtige Antwort darauf, die viele Dichter, Denker, Theologen fanden, lautet in etwa: Gott benützt die Verurteilung, das Leiden, das Böse, um – in Abgrenzung dazu – den begrenzt denkenden Menschen in seiner Güte, Liebe, Gnade wirklich wahrhaft deutlich zu werden. Denn: Durch irdisch-gesetzliche, böse Verurteilung wird die himmlische Gnade den Menschen erst wirklich deutlich ! Durch das irdisch-lepröse, bösartige Leiden wird die himmlische Gnade des wahren, ewigen, heiligen, unbeschwerten Lebens erst wirklich deutlich ! Also: Das Licht gebraucht die Finsternis, um davor wirklich zu erstrahlen ! Das Himmlische gebraucht das Irdische um davor zu erstrahlen ! usw. Und damit erweist sich Satan als Ankläger, Versucher, Schädiger der schwachen Menschen letztendlich als „ein Teil von jener Kraft / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft…“, wie Goethe z.B. dichtete.

    „Das Licht gebraucht die Finsternis, um davor wirklich zu erstrahlen ! Das Himmlische gebraucht das Irdische um davor wirklich zu erstrahlen !“ Man könnte diese Überzeugung vieler Dichter und Denker über die reine Gnade und reine Größe Gottes auch als Grundzug des Glaubens Jesu, der seine Person geprägt hat, sehen. Wie kein anderer Prophet der letztendlichen Gnade Gottes vor ihm und nach ihm, betonte er die irdische Finsternis, die die irdisch verlorenen Menschen blind gemacht hat und die dazu führt, dass sie nur noch an einen irdisch-ungnädigen, verurteilenden, kämpferisch-kriegerischen Gott glauben. Die gefallene Welt und ihre Herrschaftssysteme stehen so unter dem Zeichen der Schlange: Der Herrschaftsstab der Pharaonen beruht im Verborgenen auf einer Schlange, aber selbst der Stab des Mose siegt irdisch unter diesem Zeichen (Ex 7). Alle irdische Herrschaft muss also irgendwie die Schlange in der irdischen Wüste erhöhen – beruht also letztendlich auf ihr. Nur der Glaube an das überirdische, friedlich-gnädige Reich Gottes kann die irdisch Verlorenen retten: Der Glaube an den gnädigen Vater im Himmelsreich und an den inneren, eingeborenen Sohn, der zu diesem Reich (der elohim) erhöht werden wird. Wie aber die großen Propheten Israels, der geschlagensten, verlorensten Nation der Weltgeschichte, vertrat Jesus die Überzeugung, dass das Licht Gottes in dieser irdisch leidenden Finsternis sich eben nicht in einem weiteren irdisch strahlenden, kämpferischen Sieg über einen schwächeren Gegner zeigt, sondern im Mitleiden Gottes mit den leprös-unwürdig Gefallenen, Verzweifelnden: Der himmlische Glanz der Gnade Gottes zeigt sich darin, dass der Himmelsvater sich selbst als ein Armer, Verlorener, Leidender in dieser verlorenen Welt sieht und auftritt. Der himmlische Vater und der Sohn leiden selbst an dieser unwürdigen, leprös-kranken, kriegerischen Welt und treiben eben nicht mit dem kriegerischen Beelzebub den Teufel aus, sondern überwinden im Glauben an das Reich Gottes die irdische Finsternis, das irdische Leid.
    Hier im Mitleiden erstrahlt die Schönheit des Geistes, der Seele Gottes, der in seiner Göttlichkeit selbst in dieser Welt als ein Verlorener auftritt – eben, weil er aus einem ganz anderen himmlischen Reich, dem Reich der Sternenkinder kommt. Und so waren viele Dichter und Denker, wie wohl z.B. Baudelaire spirituell-mystisch davon überzeugt, das hinter dem scheinbar sinnlosen Leiden in dieser Welt eine mystische Formung der Seele durch Gott steht, die dann in ihrer seelischen Schönheit im Paradiesgarten über alle irdische Finsternis triumphierend blühen wird, szs: une fleur du mal. Das Böse, das Leiden in der Welt, das im Glauben überwunden wird, formt die überirdische Sternen-Schönheit der Seele. Nicht die Schlange, das Böse überlistet so in hinterhältiger Bosheit den Menschen, sondern Gott überlistet und benützt die Schlange im Verborgenen, um dem Menschen eine überirdisch blühende, wahrhaft gute geistig-ewige Sternen-Schönheit zu verleihen. Wie z.B. Oscar Wilde schrieb, „denn anders könnte die Seele des Menschen, für den die Welt geformt ist, nie zu ihrer höchsten Vollendung gelangen. Freude für den schönen Leib, doch Schmerz für die schöne Seele (…) aus Leid sind die Welten geschaffen, und Schmerz begleitet die Geburt der Kinder und der Sterne…“ (de profundis).

    • Kleine philologische Nebenbemerkung zu Elohim/Jahwe und den gnädigen Vater Jesu

      Hab was philologisch Interessantes, wohl nur für Super-Bibel-Freaks, vergessen, was ich mal zu den Gottesnamen, zu Elohim/Jahwe gehört hab. Hier bei den Gottesnamen scheint es so zu sein, dass selbst nach strengen Rabbinern im AT Ungenauigkeiten, unzulässige Vereinheitlichungen und Weglassungen durch Schreiber vorkommen könnten !? Denn Mose war ja laut Bibel – wie dann später auch Jesus – der Überbringer eines neuen Gottesnamens. Er kannte ja beim brennenden Dornbusch noch nicht den Namen des Israel rettenden Gottes, der sich ihm vorstellt und feststellt, dass er vorher – also z.B. Abraham, Isaak, Jakob – noch nicht unter diesem Namen (YWHW) bekannt war (Ex 6,2). Folglich hat Mose wohl als Autor der Tora den Gottesnamen, der im Gesetz vom Sinai erstmals ausdrücklich festgehalten wird, nach gutem Glauben an geeigneten Stellen nachträglich in die überlieferte Geschichte der Erzväter einfügen lassen !? Offensichtlich galt dies als zulässig ?! Jedenfalls bietet sich hier Raum für Spekulationen, die ja die Zeugen Jehovas umgekehrt betreiben, indem sie behaupten, die Schreiber des NT hätten dann den alten Namen JWHW aus dem NT entfernt und durch „Gott“ bzw. „Vater“ ersetzt. Was – für mich persönlich – aber hier legitim ist, weil Jesus doch ausdrücklich im Namen des Vaters (abba) kam und wie sein Vorgänger Mose einen neuen Bund mit einem neuen Gottesnamen, neuem Testament, geschlossen hat. Ungeklärt sind auch Fragen danach, wie der unaussprechliche Name YWHW in den Dichtungen wie Psalmen gebraucht wurde, werden konnte. David sang und reimte doch auf den Gottesnamen !? Schriftgelehrte vermuten wohl, dass die Psalmen wohl um die Namen „elohim“ und „jah“ (die dort häufigsten Kern-Namen) gedichtet waren. Im Hohelied z.B. kommt der YWHW überhaupt nicht vor !? usw.
      Hab darauf selbst noch keine Antworten ! Aber vielleicht für jemand mit tieferen Kenntnissen als Denkanstoss interessant ? Löschen no pro !

      • nein, nicht löschen!
        Ron, stell dein Licht nicht dauernd unter irgendwelche Scheffel.
        YWHW: Bitte in Zukunft: YHWH

        Interessant ist bei dem von Dir Gesagten auch 2M6,3. Da sind nähmlich zwei fahlsche Ausagen drin. Wer findsie`?

        • 1. Schöpfungserzählung und 2.:
          Danke. Es freut mich jedes Mal Dich zu lesen.

          Ach ja, der Hebräerbrief ist natürlich bestimmt nicht von Paulus. Weil: Der hätte den verwendeten Wortschatz ja garnicht drauf. Der Hebräerbrief ist ja ein Wahnsinn an Wortvielfalt. Ich finde immer wieder neue Worte …
          So ein christenjagender Besatzer-Agent wie Paulus hat ja garnicht die Intellektualiät eines Hebräerbrief-Schreibers. Verglichen mit dem Hebräerbrief-Schreiber ist Paulus ein richtiger Bauerntölpel.
          Also, der Hebräerbrief ist bestimmt nicht von Paulus. Die es analysiert haben, sagen sogar, dass der Satzbau von Paulus sich unterscheidet.

          • In der Tat löschen wir jetzt deine Kommentare. Es ist einfach nicht einsichtig, worauf das alles hinaus laufen soll. Bei jesus.de oder ähnlichen Foren gibt es sicher genug Möglichkeiten für Debatten.

  10. Paulus konnte sich ganz klein machen:

    Und ich, als ich zu euch kam, Brüder, kam nicht, um euch mit Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich nahm mir vor, nichts anderes unter euch zu wissen als nur Jesus Christus, und ihn als gekreuzigt. Und ich war bei euch in Schwachheit und mit Furcht und in vielem Zittern; und meine Rede und meine Predigt bestand nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft beruhe. […] nicht in Worten, die von menschlicher Weisheit gelehrt sind, sondern in solchen, die vom Heiligen Geist gelehrt sind
    (aus 1. Kor 2)

    Und Gott wurde dadurch nur umso größer gemacht:

    Wenn es ausreicht, dass das Auflegen der Schweißtücher Kranke gesund macht: Bei weitem überzeugender als „Vortrefflichkeit der Rede“ oder „Menschenweisheit“… 😉

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