Diesen Beitrag haben wir mit freundlicher Genehmigung von hier übernommen: http://aufdurchreise.com/2013/02/17/ist-systematische-theologie-uberflussig/  [die Seite aufdurchreise.com wurde inzwischen eingestellt] Zur beiderseitigen Entlastung sei gesagt, dass es ansonsten zeitweise nicht unerhebliche Meinungsunterschiede gabbei Errettung und Heiligung. Aber wo er recht hatte, hatte er recht …

Immer wieder einmal kommt es vor, dass wirklich gute und treue Christen in Gesprächen, Kommentaren oder Andeutungen festhalten, dass Theologie nicht so wichtig sei und ihnen die Bibel und die persönliche Erfahrung reichen würden. Mit Theologie meinen sie damit in der Regel die sogenannte Systematische Theologie. Ist das wahr?

Wir haben den Geist Gottes, der uns laut Jesu Verheissung in alle Wahrheit leitet (Joh 16,13), warum also Systematische Theologie?

Es ist wahr, der Geist Gottes leitet alle Gläubigen an, wenn sie das Wort Gottes lesen und Ihm nachfolgen wollen (1.Kor 2,12-16). Davon bin ich überzeugt. Trotzdem gibt es unter Christen viele verschiedene Auffassungen über die richtige Auslegung unterschiedlichster Bibelstellen und die richtige Anwendung biblischer Wahrheit auf die Nachfolge. Es gibt zwar einen Herrn, einenGlauben und einen Geist (Eph 4,1ff.), aber offensichtlich schaffen es verschiedene Christen trotzdem, zu verschiedenen Ergebnissen zu kommen.

Und gerade hier kommt die Systematische Theologie ins Spiel.

Was ist Systematische Theologie?

Benedikt Peters bringt es in seiner Erklärung auf den Punkt:

‚Die systematische Theologie versucht alles, was die Bibel in fortlaufender Offenbarung Stück um Stück entfaltet, in ein logisch geordnetes System zu bringen. Sie folgt dabei nicht der zeitlichen Reihenfolge, in der die göttlichen Wahrheiten geoffenbart wurden, sondern sie ordnet alle in der abgeschlossenen göttlichen Offenbarung vorliegenden Wahrheiten nach ihrem inneren Gehalt und nach ihren logischen Beziehungen zu den übrigen Wahrheiten. Die systematische Theologie will die Summe all dessen sein, was uns Gott in Seinem Wort geoffenbart hat.‘[1]

Jeder hat eine Systematische Theologie

Die Systematische Theologie hilft uns also, die Wahrheiten der Bibel besser zu verstehen und richtig einzuordnen. Jeder Mensch hat irgendeine Systematische Theologie vor Augen, wenn er die Bibel liest. Jeder von uns ist geprägt von seinen Mitchristen, von den Pastoren seiner Gemeinde, von der Bibelschule, die er besucht hat, von seinem Umfeld.

Es gibt keinen Menschen, der uneinvorgenommen an die Bibel herangeht. Jeder Mensch hat eine Theologie, das heisst, ein bestimmtes Bild von Gott. Und wir tun gut daran, alles daran zu setzen, ein richtiges Bild von Ihm, unserem Schöpfer, Herrn und Erlöser, zu entwickeln.

Was ist Gottes Meinung zu Systematischer Theologie?

3.Mose oder 5.Mose sind sehr systematisch. Paulus‘ Gedankengänge und theologische Erklärungen sind so hoch, durchexerziert und systematisch, dass sogar Petrus Mühe hat zu folgen. Der Hebräerbrief ist eine hochtheologische, christuszentrische Abhandlung über den besseren neuen Bund. Gott hat das Amt des Lehrers in der Gemeinde eingesetzt (Eph 4,11). Warum ist ein Amt des Lehrers notwendig, wenn doch jeder seine Bibel und persönliche Erfahrung hat? Was muss er dann genau lehren?

Den allzu «charismatischen» Korinthern lässt Paulus wissen, dass Gott nicht ein Gott der Unordnung ist (1.Kor 14,33). Was bringt uns auf die Idee, es sei falsch, systematisch und geordnet über diesen Gott und Sein Wort nachzudenken?

Die Notwendigkeit der Systematischen Theologie

Die Bibel ist einfach genug, dass jeder, der sie liest, Gott finden und sich bekehren kann. Tatsächlich kenne ich einen Christen, der sich ganz und gar ohne fremde Hilfe bekehrt und auch vieles in seinem Leben geändert hat, ohne dass ihn irgendein anderer Christ dazu aufgefordert hätte. Der Heilige Geist hat diesen Menschen überführt und in alle notwendige Wahrheit geleitet. Trotzdem entwickelt er nun, ob er es will oder nicht, eine Systematische Theologie, mit deren Hilfe er die Bibel besser verstehen und auf sein Leben anwenden kann.

Systematische Theologie ist notwendig für ein richtiges Lehrverständnis. Älteste müssen in der Lage sein, «sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen». Sie müssen dem «Wort nach der Lehre» anhängen (Tit 1,9). Was bedeutet das anderes, als dass sie das Wort im Licht der einen, wahren Lehre verstehen sollen?

Und wie kommt man der einen Lehre am nächsten? Durch Bibelstudium. Und durch Systematische Theologie, die zusammenfasst, was die Lehre der Bibel ist. Darum sind theologische Diskussionen, Abhandlungen etc. nicht überflüssig. Es ist nicht überflüssig, sich Gedanken über Ersatztheologie, Endzeit, Heilssicherheit, Erwählung, etc. zu machen. Denn das Resultat unserer Forschungen bestimmt, wie wir über Gott und Sein Heilshandeln denken – und das hat auch Auswirkungen auf uns ganz persönlich.

Viele Christen betonen, dass sie Praktiker sind, keine Theoretiker. Das ist gut. Aber die richtige Praxis entstammt der richtigen Theorie. Es ist wie Ursache und Wirkung. Aus guter Lehre kommen gute Taten und Werke .

Es ist nicht falsch, die biblische Lehre zu systematisieren. Es ist nicht falsch, «ordentlich» über Gott nachzudenken. Es ist nicht falsch, die Tiefe, Höhe, Länge und Breite des ganzen Ratschlusses Gottes, wie sie die Bibel offenbart, verstehen und nachvollziehen zu wollen.

Wer dem widerspricht, sollte besser die Bibel nicht mehr lesen, weil er Gefahr laufen könnte, irgendwann doch über ein Thema, das ihn beschäftigt, systematisch nachzudenken.


[1] Benedikt Peters, «Biblische Glaubenslehre», Manuskript für Fach Theologie, EBTC “

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  1. Hallo,

    nicht aus guter Lehre kommen gute Taten und gute Werke!
    Auch nicht aus Ursache und Wirkung ( das ist buddistisch, philosophisches Geschwätz)!
    Was sagt Jesus? Mt. 7,17 Ein guter Baum bringt gute Früchte, ein fauler Baum bringt böse Früchte.
    Vers 18 ein guter Baum kann nicht böse Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte hervorbringen!
    Das SEIN entscheidet also über das tun ( bzw. über die Werke)!
    Sicherlich ist Ordnung wichtig, aber nicht systematische Theologie! Der Baum der Erkenntnis führt eben nicht zum Leben sondern der Baum des Lebens schafft neues echtes Leben. Nur wo dies nicht vorhanden ist werden die Regeln, besonders die Briefe des Paulus wieder zum Dogma erhoben. Auch Paulus wollte durch seine Lehren kein neues Gesetz schaffen, dass betont er im Epheser und Kol. immer wieder.
    Was wollte Gott denn eigentlich durch die Kreuzigung Jesu bewirken? Was wollte der Vater?
    Das wir uns als seine Kinder zu „systematischen Theologen“ entwickeln oder als wandelnde Konkordantzen unsere “ systemische Bibelkenntnis (nicht Erkenntnis)👷“ vor der Welt offenbaren?! Oder als Versteher des neues Bundes,
    juristisch korrekte Abhandlungen veröffentlichen und die frisch Bekehrten zu eben Solche erziehen!
    Ich bin mir als irdischer Vater von 3 Kindern sicher das er dies nicht gewollt hat!!! Er möchte das wir eins mit ihm sind, lebendig durch den Geist geführt mit und durch ihn wandeln. Was nützt das beste System wenn kein Leben da ist? Die Lehre ist NACHGEORDNET im neuen Bund! Wenn wir dies nicht erkennen dann landen wir wieder im alten Bund! Die Offenbarung Jesu in uns schafft das neue Leben! Das neue Testament ist nicht der neue Lehrmeister analog zum MOS. Gesetz! Der Buchstabe tötet der Geist macht lebendig. Das ist eben das Problem der neuzeitlichen Theologie, dass sie meinen durch “ nachdenken“ Gott nahe zu kommen. Dabei verhärtet das Herz immer mehr
    und die „;richtige Theologie“ tritt als unbrauchbarer Ersatz in den Vordergrund. Der “ lebendige Glaube“ stirbt und als trauriges Resultat wächst die Zahl der verkrüppelt tod wirkenden Christen ins unermessliche!
    Im Grunde genommen will der Vater uns durch sein Wort zu sich ziehen um dann in uns zu wirken.
    Die Menschen die zu Jesus gekommen sind und die noch kommen, was suchen sie denn? Das Erlebte in den Landeskirchen hat sie abgeschreckt, glaubt ihr jetzt suchen sie in den “ Freikirchen“
    die systematische Theologie – abartig wer so was ernsthaft in Erwägung zieht! Leben suchen sie,
    echtes, authentisches Leben nicht unser dummes Geschwätz! Ja, ich beziehe mich damit ein weil auch ich über viele Jahre ähnlich gedacht habe und meinte durch korrektes auslegen der Bibel andere gewinnen zu können. Wir können auch richtig und korrekt über Gnade,Kraft, Liebe und Heilung lehren und predigen. Nur interessiert das kaum einen außenstehenden solange er all diese Dinge nicht mindestens teilweise an uns sieht!
    Lasst uns also das wichtigste zuerst tun und das unbrauchbare Entsorgen. Theologie führt nur zu “ Kopfsalat“. Trachtet zu erst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit so wird euch solches alles zufallen. Mt.6,33

    Euch alles Liebe,

    B.Borchert

    • Wir widersprechen dir ungern – aber dass „richtige“ Lehre und Theologie wichtig ist, sieht man bereits an dieser Seite. Lehre kann die Gnade nicht ERSETZEN – aber sie kann das Verständnis von Gnade und der Liebe Gottes begünstigen – oder eben behindern.

      Wie wollen wir etwa aus Gottes Gnade und Liebe leben mit einer Lehre bzw. Theologie, die direkt oder indirekt bestreitet, dass Gott uns bedingungslos liebt und erlöst hat?

      Die Überbetonung von VERSTEHEN beginnt da, wo wir nur noch richtige Gedanken wollen und von diesen alles erwartet. Die richtigen Gedanken verweisen aber „nur“ auf das, was an kraftvollen Realitäten da ist: Gottes Gnade und Liebe …

      … und ja: den Vernunftbetonten würde man gerne ins Stammbuch schreiben: auch die Sonne wärmt uns nicht durch die Gedanken, die sie uns schickt 😉 … und das gilt natürlich auch für Gott: er beschenkt uns nicht vor allem mit richtigen Gedanken (das auch), sondern mit Liebe und Erlösung. Aber wie man sieht, sind das Konzepte, die man in Sprache ausdrücken kann und deswegen auch vermitteln kann (ob sie geglaubt werden, ist was anderes).

  2. Hallo,

    ich sage ja auch nicht, dass Theologie und Lehre überflüssig sind. Und die Betonung der Gnade ist selbstverständlich wichtig.
    Aber die Lehre soll nicht zum Ersatz für das lebendige Leben mit Jesus werden. Und umso mehr sich der Christ mit systematischer Theologie und mit der Lehre beschäftigt desto wichtiger wird ihm die selbige. Die Reihenfolge ist wichtig! Erst die lebendige Beziehung zu Jesus und dann aber nur wenn nötig die Lehre beachten. Da wo das Leben pulsiert benötigt man wenig Lehre und noch weniger Theologie.
    Es ist wie in einer Ehe wenn die Ehepartner viel Zeit miteinander verbringen ( in Liebe) wachsen sie zusammen und benötigen kein Eheseminar! Viel Theorie und in unserem Fall Theologie zerstört – ich sage teilweise – die lebendige Beziehung zu Gott und Jesus! In meinem obrigen Beitrag habe ich deshalb versucht zu verdeutlichen was Gott eigentlich möchte. Was ihm wirklich wichtig ist. Wie zwischen zwei sich liebenden Menschen möchte er mit uns leben. Nachmöglichkeit ohne Regeln aber da er das verkorkste Menschengeschlecht gekannt hat, blieb ihm wohl selbst für den “ neuen B und nichts anderes übrig als ein Minmum an Regeln als Leitlinie weiterhin gelten zu lassen. Ich glaube aber nicht mit der Absicht, dass wir uns mehr mit der Theologie und den daraus erwachsenen
    Erkenntnissen beschäftigen, als mit ihm selbt.Fast die gesamte Christenheit beschäftigt sich ja fast ausschließlich nur noch mit Theologie und Lehre ( zb. Sonntagspredigt,Hauskreise etc.)und bemerkt garnicht das dieses Verhalten mittlerweile zu einem Selbstläufer geworden ist. Wenn wir die Beziehung zu Jesus wirklich pflegen und ihn in allem um Rat fragen, IHM all unsere Sorgen bringen und mit seiner Antwort RECHNEN, da er ja in uns ist – denkt darüber mal einen Moment nach- dann kannst du 99% der christlichen Literatur getrost in die Altpapiertonne donnern. Denn dann pulsiert das Leben! Der Teufel ist kein dummer Teufel. Du kannst endlose Diskussionen über alle möglichen christlichen Themen führen, da unterstützt er uns sehr gerne dabei! Selbst das Fachsimpeln über die Bibel stört ihn nicht im geringsten. Solange du nur nicht mit Jesus lebst und mit ihm in allem rechnest bist du dem Satan ein willkommener Helfer. Der Teufel liebt die Disskusion und die Theorie! Deshalb fördert er die theologischen Seminare auch durch reichlich staatliche Subventionen. Viele beginnen als gläubige, teilweise brennende Christen eine Bibelschule zu besuchen und gehen als tote,abgestorbene Theologen in die Welt um das Feuer bei den noch “ brennenden Christen“ möglichst schnell zu löschen. Unbemerkt sind sie zu „Feuerlöschern“ ersten Grades geworden. Wir Christen leben eigentlich wie die Politiker dieser Welt, sie reden auch viel,…….,….! Aber was bleibt uns jetzt zu tun übrig? Wie ich schon im Beitrag Nr. 1 erwähnt habe ( Mt.6. 33) denkt darüber mal nach! Ganz vieles fällt dann unter den Tisch. Ich will ja garnicht irgendwelche Einzelpersonen kritisieren auch nicht die von Jesus heiß geliebten “ systematischen Theologen🙋“! Es geht doch um viel mehr
    – hoffentlich merken das einige von euch-! Möge diesen Beitrag niemand so verstehen als würde ich vom lesen der Bibel abraten. Es soll ja Menschen geben die missverstehen wollen!
    Übrigens freue ich mich über Kritik wenn sie, nicht nur durchdacht ist, sondern das eigentliche Ziel Gottes dabei nicht aus den Blick verliert!
    Ich persönlich möchte nicht mehr thelogisieren sondern mir und anderen den Weg zum lebendigen Wasser ( zur Quelle des Lebens ) aufzeigen. Wir müssen wieder zu den Anfängen zurück und der Anfang ist das lebendige Wasser, Jesus Christus in uns!

    Euch allen Gottes Erkenntnis,

    B. Borchert

    • Danke für diese lehrmäßigen und systematischen Ausführungen! 😉

      … gegen falsche Lehraussagen helfen nur richtige Lehraussagen – nicht der Verzicht auf Lehre. Dein Beitrag ist auch ein Beweis dafür.

  3. Zum „löschenden“ Effekt des Theologiestudiums möchte ich gerne was beitragen, aus eigener Anschauung:
    „Erstsemesterschock“ ist der Name, der sich dafür eingebürgert hat. In milder Form trifft er viele – diese vielen aber hauptsächlich deswegen, weil sie sich vor der Einschreibung nicht klargemacht haben, daß das Fach Theologie an einer Universität natürlich genauso wissenschaftlich betrieben wird wie jedes andere Fach und es sich NICHT um einen Konfirmandenunterricht auf höherem Niveau handelt. Viele springen schon wegen der intellektuellen Anforderungen ab. Die „tiefe Enttäuschung“ bezieht sich dann entweder darauf, daß sie die Theologie als Studienfach gewählt hatten in der Annahme, daß das ein besonders einfaches, arbeitsarmes „Laberfach“ wäre. Oder aber darauf, daß sie sich vom Theologiestudium eine Glaubensunterweisung erhofft hatten. Das ist aber einfach nicht die Aufgabe eines akademischen Studiums.

    Dann kenne ich aber auch solche, die der „Erstsemesterschock“ wirklich tief getroffen hat. Das an diesen Leuten geschehen zu sehen, hat mich wirklich bewegt.
    Vieles davon war eigentlich menschliche Enttäuschung: Sie hatten durchaus damit gerechnet, an der Uni mit Gedanken und Methoden konfrontiert zu werden, die ihnen neu sein würden. Was sie aber tief verletzte und verstörte (m.E. zu Recht): Daß IHRE Sichtweise nirgendwo Platz hatte. Bestenfalls wurde einfach konsequent darüber geschwiegen (z.B. darüber, daß man die Bibel auch synchron, also von der vorfindlichen Endversion her, auslegen kann und viele dies auch tun). Schimmstenfalls wurde darüber sehr vollmundig gespottet. Da kommt man also an einen Ort, wo man so etwas wie geschwisterlichen Austausch erwartet, durchaus auch inklusive viel Konfrontation mit anderen Meinungen als der eigenen – statt dessen trifft man auf eisige Ablehnung oder offene Feindschaft. Das noch dazu an einem Punkt im Leben, wo sich die meisten innerlich nicht sehr gefestigt fühlen (man zieht zu Hause aus, tritt in die Erwachsenenwelt,…).

    Vielfach kam aber auch noch dazu, daß diese sehr jungen Männer (Frauen fallen mir dazu nicht ein, fällt mir gerade auf) es wirklich nicht gewohnt waren, nachzudenken; zu prüfen. Sie lebten wirklich NUR von der Begeisterung. Und mein Eindruck ist, daß diese Begeisterung nicht unbedingt nur vom Heiligen Geist war, sondern auch einfach selbsterzeugte Begeisterung. Etwa durch Gruppendynamik in ihrer Herkunftsgemeinde. Oder durch den Einduck eines sehr feurigen (und bedrohlichen) Predigers. Oder Ähnliches. Damit will ich diesen Brüdern NICHT den Glauben absprechen, auf keinen Fall! Eben deshalb hat es mich ja bewegt.
    Sie haben aber auffallenden Anstoß daran genommen, ihre Auffassungen zu prüfen. Obwohl es ja heißt „prüft alles, das Gute behaltet“. Ja, Glaube ist etwas anderes als noch so flammende Begeisterung für das Abwägen verschiedener Positionen. Glaube ist existenziell und unaufgebbar. Damit er das aber überhaupt sein kann, muß er auf die Realität bezogen sein. Nicht aus eigener Erfahrung in der Welt abgeleitet, aber auf das eigene erlebte Leben bezogen. Von den Kommilitonen, die wegen des Erstsemesterschocks das Studium sehr schnell abgebrochen haben, vermute ich sehr stark, daß ihr Glaube früher oder später durch das Leben selbst unter Beschuß gekommen sein wird (und ich hoffe, daß sie gereift und gestärkt daraus hervorgegangen sind). Anfechtung kommt immer – früher oder später. Und man muß da durch. Ich kenne auch solche, die größere persönliche Reife hatten und die das eingesehen haben – daß sie da durch müssen. Sie haben echt gelitten, semesterlang. Und sind mir jetzt, Jahre nach dem Studium, die kompetentesten und erwachsensten Vorbilder, Berater, Vertrauenspersonen, Seelsorger, Beichtväter, Brüder.

    Nicht das gründliche Nachdenken über den Glauben ist Schuld, wenn jemand erkaltet.

    Ich kenne allerdings noch eine viel größere Fülle solcher Fälle, wo „systematische Theologie“ im Sinne von „Beschäftigung mit den Theoriegebäuden diverser berühmter Theologen“ mit Glauben verwechselt wurde. Das betrifft aber (so weit mir persönlich bekannt, ich weiß ja nicht alles) immer entweder Liberale oder Anhänger der Lutherischen Orthodoxie (im Gegensatz zu orthodoxen Lutheranern…).
    Umgekehrt kann die Beschäftigung mit theologischen Aussagen aber auch zum Glauben hinführen. Das kann ein langer und verworrener Weg sein. Er führt deswegen aber nicht zwangsläufig in die Irre.

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