Archiv der Kategorie: Veränderung

Wie Bedürfnisse zu Begierden werden

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Im Neuen Testament gibt es (wenn man so will) eine Lehre über Begierden. Was sind diese „Begierden“? Sind es unsere Bedürfnisse? Oder steckt etwas anderes dahinter?

Schönerweise bekommen wir eine Definition, worin denn die Begierden bestehen.

Eph 2,3 Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen.

Unser natürlicher Anteil ist daran gewöhnt, für sich selbst zu sorgen. Er ist pseudo-autonom. Ohne Gott und an Gott vorbei versucht er alles, um auf seine Kosten zu kommen. Ein Teil dessen ist noch nicht mal schlimm (eine Pizza, ein Fußballspiel, ein Abend mit Freunden u.a.), ein anderer sehr wohl (Mord, brutale Ausbeutung, Grausamkeit u.a.). Die Quelle des Fleisches, um für die Bedürfnisse des Menschen zu sorgen, ist das Natürliche, das ihn umgibt, alles was man sehen, schmecken, fühlen kann. Denn der Mensch ohne Jesus hat nichts anderes als das. Darin besteht der „Wille des Fleisches“, das ist das gedankliche Konzept, dem unser Fleisch folgt. Anders gesagt: nichts Gutes wohnt in ihm.

Pseudo-autonom ist unser natürlicher Anteil deshalb, weil er sich ja nur an dem bedienen kann, worin er sich wiederfindet. Und das hat er nicht selbst geschaffen, sondern es wir ihm zuteil.

Röm 6,12 So herrsche nun nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, dass er seinen Begierden gehorche

Die Sünde herrscht nicht mehr über uns, das wissen wir ( Röm 6,14 ). Sie kann aber in unserem sterblichen Leib herrschen. Woran merken wir das? Er gehorcht seinen Begierden. „Ha, seht ihr“, sagt der Hardcore-Heiligungsfachmann natürlich sofort, „genau deshalb sollen wir ja die Handlungen des Leibes töten, uns selbstverleugnen, unseren alten Menschen kreuzigen …“ Von der Aussage kurz danach bleibt bei dieser Sichtweise nicht mehr viel übrig als eine verbale Zustimmung zur Gnade:

Röm 6,14 Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.

Sünde und Begierden, das gehört zusammen. Sünde und Gesetz – das gehört auch zusammen. Gnade und Freiheit von der Macht der Sünde aber auch. Wer unter Gnade ist, über den wird die Sünde nicht mehr herrschen – egal, wie sehr sie auch in seinem oder ihren sterblichen Leib herrscht.

Und wir erfahren, wie es überhaupt zur Begierde kommen kann:

Röm 7,7 … auch von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: „Du sollst nicht begehren!“ Röm 7,8 Die Sünde aber ergriff durch das Gebot die Gelegenheit und bewirkte jede Begierde in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot.

Klarer geht es eigentlich kaum: begib dich unter das Gesetz – und es wird jede Begierde in dir bewirken. Ohne Gesetz aber – ist die Sünde tot. Warum ist das so, dass das gute Gesetz „jede Begierde in mir“ bewirkt? Zu einem weil es plötzlich verboten ist und Verbotenes ist nun mal interessanter als Erlaubtes. Zum anderen weil das Gesetz plötzlich einer ganzen Reihe von gewohnten Bedürfnisbefriedigungen im Wege steht. Unsere Bedürfnisse werden plötzlich nicht mal mehr notdürftig befriedigt, sie gehen leer aus. Sie wuchern und werden zu Begierden. Und im Gegensatz zur Gnade Gottes hat das Gesetz nur die Früchte harter Arbeit zu bieten: erst wer alles getan hat, was das Gesetz fordert, wird leben. Und ob dabei immer eine Befriedigung wichtiger menschlicher Bedürfnisse am Ende herauskommt, ist noch fraglich.

Röm 13,14 sondern zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, dass Begierden wach werden!

Hier hängt natürlich alles davon ab, was denn „Vorsorge für das Fleisch“ meint. Aber wenn wir auch nur schon mal in Rechnung stellen, dass durch das Gesetz die Begierden geweckt werden, dann meint „Vorsorge für das Fleisch“ offensichtlich nicht das, was der Hardcore-Heiligungsfachmann darunter versteht: hemmungsloses Drauf-los-sündigen.

Gal 5,16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.

Wer im Geist wandelt, wird nicht in Begierden landen. Es ist kein Verbot hier formuliert, sondern der „Mechanismus“, wie dieses Resultat erreicht wird. Ein Verbieten macht nach dem, was wir bisher wissen, auch überhaupt keinen Sinn. Der Wandel im Geist hat diverse Folgen: eine davon ist die, dass unsere Bedürfnisse auf gute und angemessene Weise befriedigt werden. Werden sie es nicht, dann werden Begierden wach (und wir wissen dann: unser Wandel im Geist ist noch deutlich ausbaufähig). Ungestillte Bedürfnisse melden sich machtvoll zu Wort. Deshalb sieht auch das „Töten“ von Begierden ganz anders aus, als es sich der Harcore-Heiligungsfachmann vorstellt:

Kol 3,5 Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde und Habsucht, die Götzendienst ist!

Manche würden dann gerne das Tötungsinstrument „Kreuz“ anwenden – und übersehen dabei, dass das längst passiert ist:

Gal 5,24 Die aber dem Christus Jesus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Begierden gekreuzigt.

Das ist die Grundlage dafür, dass wir überhaupt anders mit unserem natürlichen Teil umgehen können. Die Sünde im Fleisch wurde entmachtet. Das Fleisch, unser Natürliches ist kein gemütlicher-warmer Ort mehr für die Sünde. Das Fleisch ist einer andauernden Umprägung durch den Geist ausgesetzt (jedenfalls dann, wenn wir uns vom Gesetz fern halten).

Noch eine Variante benennt Paulus explizit, mit der „Vorsorge für das Fleisch“ betrieben wird und die die Begierden weckt:

1Tim 6,9 Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken.

Leben Christen abseits all dieser Erkenntnisse der „gesunden Lehre“, dann sind sie anfällig für Lehren, die ihren alten Begierden entgegen kommen. Und das sind Lehren, die fromm klingen – weil sie Gottes heiliges Gesetz betonen und unser (religiöses) Fleisch wieder ins Spiel bringen:

2Tim 4,3 Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt;

Aus einem Teil unserer Person, der Veränderung durch den Geist ausgesetzt ist, wird durch „ungesunde“ Lehren wieder ein Akteuer durch solche Lehren. Er darf wieder etwas tun. Das kitzelt in den Ohren, das schmeichelt der menschlichen Selbstautonomie. Warum nicht selbst verdienen, was man umsonst längst hat? So dachte schon Eva (denn die Schlange versprach ihr nur, was sie längst hatte – aber dieses Mal würde sie es an Gott vorbei bekommen). Das Gesetz ist ein Weg des Selbstverdienens. So war es zwar von Gott nicht gemeint, aber so wird es benutzt. In diesen „ungesunden“ Lehren klingt alles ganz fromm, aber sie sind pure Gottlosigkeit: ohne Gott und an Gott vorbei soll verdient werden.

Tit 2,12 [Die Gnade Gottes, Vers 11] unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf

Die Gnade Gottes – das ist die „gesunde Lehre“!

Aber: „endlich ein wenig Verleugnung?“ wird der Hardcore-Heiligungsfachmann nun denken. Und wie er es gerne macht, soll nun mit einem Bibelvers alles schon bekannte erledigt sein und in seinem Sinne gedeutet werden. Dabei weiß er noch nicht mal so recht, was es mit der Selbstverleugnung eigentlich auf sich hat (https://konsequentegnade.wordpress.com/bibelstellen/selbstverleugnung/). Aber das hindert ihn nicht, munter mit diesem Wort um sich zu werfen. Wir werden ihn auch nicht darin hindern. Nur so viel: verleugnen? Aber zu gunsten von was?

Nun können wir nach all dem hier auch einen Vers wie diesen hier präziser einordnen und hören nicht gleich wieder Askese, Zerknirschung und Selbstkreuzigung:

1Joh 2,16 denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt.

Kontext ist die Aussage „Liebt nicht die Welt!“ (Vers 15). Und wie passend ist das! Wenn wir etwas oder jemand lieben, dann erwarten wir ganz viel davon. Und wie unvernünftig ist das im Falle der „Welt“: was sie uns zu bieten hat, befriedigt unsere Bedürfnisse in gewissen Grenzen ganz gut – aber sobald wir sie „lieben“, überreizen wir, was sie uns zu bieten hat. Geboten wird uns nur die Verheißung der Welt – und die wurde bekanntlich noch nie erfüllt (außer in unehrlichen Filmen und Romanen).

Aus all diesen Gründen ist auch der oft übliche christliche Moralismus so schlimm. Denn er sagt: „Handle anders, gemäß den christlichen Moralstandards. Folge nicht deinen Begierden, sondern sei dem Gesetz gehorsam und tue Gutes“. Das hat aber mit Jesus und seiner Erlösung wenig zu tun – schon daran erkennbar, dass so einige Menschen dieser Aufforderung folgen und in der falschen Gewißheit leben, sie seien Christen.

Jesus sagt etwas ganz anderes:  „Komm zu mir und lass dir Leben schenken. Lerne, dass und wie deine Bedürfnisse ganz anders erfüllt werden können. Wenn du das erlebst, wirst du auch ganz anders handeln können. Du wirst immer weniger Mangel erleben und das, was du für andere tust, wird nicht mehr (nur) dazu dienen, deine eigene Not zu erfüllen.“

Wir vertreten hier also kurz gesagt die Auffassung, dass ein Bedürfnis erst mal zur Begierde werden muss. Wäre die „Begierden“ unsere Bedürfnisse, so wären all die Aufforderungen, dass wir uns um die Bedürfnisse anderer Menschen kümmern sollen, ja eine Aufforderung, ihre „Begierden“ zu erfüllen.

Es ist nur scheinbar paradox, dass die, die im Namen des Gesetzes (und im Namen von Entbehrung, Askese, Selbst- bzw. Bedürfnisverleugnung, Kreuztragen) die Begierden bekämpfen wollen, sie erst recht fördern. Noch der begierigste Christ, der verstanden hat, dass er nicht mehr unter Gesetz ist, sondern unter Gnade und von Gott empfängt – kann nicht konkurrieren mit einem Christen, der sich freiwillig unter das Gesetz begibt. Jedenfalls dann nicht, wenn wir uns von frommen Worten und Gesten nicht irreführen lassen: das Außen erscheint geputzt und sauber – aber das Innere …

Der Artikel ist dauerhaft unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/wie-bedurfnisse-zu-begierden-werden/ zu finden. Dort kann bei Bedarf auch gerne kommentiert werden.

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Glückseliges Tun – Werke aus Glauben (nur geben, was man hat)

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Ausgerechnet Jakobus (der Mann mit dem Glauben und den Werken) beschreibt uns, wie in unserem Leben mit Jesus ein Tun entsteht, das man mit Fug und Recht glückselig nennen kann:

“Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.” (1,25)

Dies ist ein sehr dichter Vers – einer der Verse, der zeigt, dass die Briefschreiber ihren Lesern und Zuhörern nur ein paar Stichworte liefern mussten; und die erinnerten sich daran, wie sie zu diesen Themen gelehrt worden waren. (Zum Kontext siehe https://konsequentegnade.wordpress.com/bibelstellen/jakobus-1-17-27/ )

Jakobus setzt bei ihnen mehreres voraus:

  • sie wissen, was mit dem “vollkommenen Gesetz der Freiheit” gemeint ist
  • man kann in diese Freiheit hineinschauen, aber muss nicht dabei bleiben
  • das Gesetz der Freiheit muss nicht zu Werken führen – auf jeden Fall dann nicht, wenn wir die Inhalte des Gesetzes der Freiheit wieder vergessen
  • nur das Gesetz der Freiheit führt zu einem glückseligen Tun
  • es gibt offensichtlich auch ein “unglückseliges Tun”, das nicht auf der Grundlage des Gesetzes der Freiheit entstanden ist

Natürlich ist das vollkommene Gesetz der Freiheit nicht das mosaische Gesetz oder ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern. Denn der Gläubige ist befreit von diesem Gesetz ( https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/freiheit-vom-gesetz/ ).

Was meint dann der Begriff “Gesetz der Freiheit”? Da es um unser Tun geht bzw. um Werke, ist es sehr wahrscheinlich, dass mit dieser Formulierung der Teil unserer Erlösung beschrieben wird, da sich direkt oder indirekt auf die Handlungsebene bezieht. Paulus nennt das den “Wandel im Geist” (Galater 5,16), Petrus sehr ähnlich “Wandel in Christus” (1.Petrus 3,16). Dafür spricht auch, dass bei Jakobus direkt zuvor steht „Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war.“ (1,24)

Dabei geht es nicht um irgendwelche guten Werke, wie sie auch jeder Nicht-Christ hervorbringen kann. Werke, für die man keine Erlösung braucht. Werke, die auch ohne das verändernde Werk des Geistes in uns möglich sind. Werke, wie sie leider viel zu oft auch unter Christen und in Gemeinden zu beobachten sind.

Die ersten Gemeinden haben die Grundlagen für ein “glückseliges Tun” ausführlich erklärt bekommen – wir müssen dieses rekonstruieren aus den Aussagen, die wir dazu haben. Und leider war es für lange Zeit üblich, die Dinge nach der Art des mosaischen Gesetzes zu rekonstruieren: alles ist wie dort – nur die Motivation ist eine andere (Liebe zu Jesus, Liebe zum anderen, Dankbarkeit für die Erlösung). Und offensichtlich ist dieses Tun nicht “glückselig” – denn sonst würden es ja nicht so viele Christen auf das Nötigste reduzieren oder ganz aufgeben.

Unsere Regel ist aber “Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm” (Kolosser 2,6). Empfangen haben wir ihn als Geschenk, wir wollten es nur – entsprechend sollen wir auch in ihm “wandeln”. Das muss für uns spürbar sein. Unter der Härte des Gesetzes zu “wandeln” und dann einen Aufkleber “nur aus Gnade” oder “Wandel im Geist” drauf zu machen, erfüllt das Kriterium “so” aus Kolosser 2,6 nicht

Versuchen wir also, den Prozess, der zum glückseligen Tun führt, ohne den Rückgriff auf das mosaische Gesetz zu rekonstruieren (und ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern). Man könnte jeweils noch viel mehr zu den Punkten sagen (aber das führt zu weit im Moment):

  • erst einmal ist es ein Prozess – es gibt seltener ein “sofort”. Das “Sofortige” ist die Domäne des mosaischen Gesetzes (und verwandter Regelwerke). Wären wir sofort und spürbar überall anders im Denken, Fühlen und Wollen, in unserer Motivation, wäre auch unser Handeln sofort ein anderes: “Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr ja von uns Weisung empfangen habt, wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt – wie ihr auch wandelt -, dass ihr darin noch reichlicher zunehmt” (1.Thess 4,1)
  • Warum ist es ein Prozess? Weil wir zwar geistlich neu geboren wurden, aber unser natürlicher Anteil (Fleisch) anfangs relativ unverändert ist. Es gibt also Teile unserer Person, die noch nicht anders geworden sind. Unser natürlicher Anteil, unser Fleisch ist schwach (Markus 4,38 / Römer 6,19) und es wohnt (noch) nichts Gutes in ihm (Römer 7,18). Dort aber sind eben Denken, Fühlen und Wollen angesiedelt.
  • Christen merken anfangs eine hohe allgemeine Willigkeit, anders zu handeln – sie stossen aber an so einigen Punkten schnell an ihre Grenzen. Die Prägung des alten Lebens auf der natürlichen Ebene erweist sich als hartnäckig. Es mangelt an wirklicher Motivation. Anders zu handeln ist zäh bis unmöglich (Römer 7,18): “Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, [noch?] nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht
  • An dieser Stelle wird es kritisch. Denn Frustration macht sich breit, vielleicht sogar Verzweiflung über das eigene Tun und Lassen. Und das ist leider der Punkt, an dem die Gesetzeslehre (direkt oder in einer ihrer Verkleidungen) den Gläubigen leicht für sich gewinnen kann. Sie sagt “du strengst dich nicht genug an. Streng dich mehr an. Setz deine Willenskraft ein. Lerne, mit Schmerz und Qual und Entbehrung zu leben – denn du mußt lernen zu tun, was du eigentlich nicht willst.” Hier kann ein jahre- und jahrzehntelanger Kreislauf von Scheitern und neuer Anstrengung entstehen (der die Willensschwachen mehr quält als die Willensstarken)
  • in einer glücklicheren Situation hört der Gläubige etwas darüber, wer er in Christus ist und was ihm alles durch Christus gehört und zugänglich ist. Allerdings führt das noch nicht automatisch zu einem anderen Handeln: die Betrachtung unseres Neu- und Anders-Seins als Erlöste ersetzt die innere Veränderung nicht (ein Fehler vieler Bibellehrer, die über unsere “Neue Identität” bzw. Neue Natur in Christus viele richtige Dinge sagen)
  • in einer noch glücklicheren Situation hört er etwas darüber, dass ihm auch die innere Veränderung geschenkt wird: “Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.” (Philipper 2,13) oder “Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt / lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Sinnes / Denkens / Wollens” (Römer 12,2)
  • in unserem natürlichen Anteil (das Fleisch) entsteht nach und nach Neues (ein neues Denken, Fühlen, Wollen) und wir können (irgendwann) anders handeln (vorteilhaft für uns und andere); in der Zwischenzeit können wir natürlich nicht einfach nichts tun, sondern werden so lange sündigen, bis das Neue spürbar da ist: “Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand sündigt – wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten” (1.Joh 2,1)
  • wir bekämpfen das Sündigen nicht mit dem Gesetz, weil wir ansonsten unsere echte Veränderung bremsen oder blockieren: “Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das [religiöse] Fleisch [das sich so gern selbst anstrengt und etwas beitragen will], sondern dient einander durch die Liebe!” (Galater 5,13). Und vor allem: “Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.” (Galater 5,4)
  • wir halten tapfer fest an dem, was wir sind und haben und was an uns (unsichtbar) verändert wurde (Römer 8); auch daran, dass wir “Sklaven der Sünde waren” (Römer 6,17) und es nicht mehr sind (gemäß unserer neuen Natur – egal was unser Handeln sagt).
  • wir müssen nicht leugnen, dass wir sündigen: “Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns” (1.Joh 1,8)
  • wir können überlegen, wie wir unser Sündigen so gestalten, dass es möglichst wenig Schaden anrichtet (was unter dem Gesetz nicht geht, da dort Sündigen strikt verboten ist)
  • wir lieben weiterhin und tun das Gute, das bereits in uns gewachsen ist; unser Tun wird glückselig:  “Denn wenn die Bereitwilligkeit da ist, so ist sie willkommen nach dem, was sie hat, und nicht nach dem, was sie nicht hat.” (2.Korintherbrief 8,12). Das, was wir nicht haben, hindert uns nicht daran, das zu geben, was wir haben.

Eine noch kürzere Fassung der Kurzfassung wäre in etwa:

Neue Geburt > Neues Leben und Neuer Geist > Willigkeit zum Guten > trifft auf natürliche Prägung (Fleisch) > Frustration, Verzweiflung (Römer 7) > Entdeckung: Veränderung als Geschenk und Prozess (Rö 2,12, Phil 2,13) > neues Denken, Fühlen, Wollen führt zu neuem Handeln (braucht Zeit) > in der Zwischenzeit (wie lange diese auch immer ist) ist Sündigen unvermeidbar, das bereits vorhandene glückselige Tun aber auch

Falls jemand den Prozess noch präziser beschreiben kann (oder Lücken findet) – nur zu. Aber bitte ohne durch die Hintertür wieder das Gesetz einzuschmuggeln!

Und natürlich wäre noch viel mehr darüber zu sagen. Vielleicht wird es auf dieser Seite irgendwann mal eine eigene Abteilung unter dem Titel “Wie werden wir verändert?” geben.

Übrigens hat das Zusammensein von Christen folgende Wirkung:

Hebr 10,24 und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen,

Hebr 10,25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!

Wenn es diese Wirkung nicht hat, dann liegt es vermutlich daran, dass ein ganz anderer Weg der „Veränderung“ hin zu „guten“ Werken gelehrt und gelebt wird.

Dauerhaft findet der Artikel sich unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/gluckseliges-tun-werke-aus-glauben/ und sollte dort auch bitte kommentiert werden (falls Bedarf besteht).

Das „Gesetz“ des Geistes des Lebens

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Röm 8,2 Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Wir  leben mit einem neuen Gesetz. Und es ist ein Gesetz voller Kraft (ähnlich wie das Gravitationsgesetz) – und das muss es auch sein, denn es befreit uns vom „Gesetz der Sünde und des Todes“ (ein Gesetz, das ebenfalls viel Kraft hat). Es geht hier also nicht direkt um die Befreiung vom Mosaischen Gesetz (oder ähnlichen Regelkatalogen).

Es geht eher um Gesetze im Sinne von Naturgesetzen. Dort werden Kräfte beschrieben, die wirken: Magnetismus, Schwerkraft u.a. Insofern ist die Gegenüberstellung der beiden Gesetze naheliegend, denn beide Gesetze wirken auf den Menschen. Das eine beschreibt die Wirkung von Sünde und Tod auf Menschen – das andere die Wirkung des Geistes des Leben in Christus Jesus. Dass der Begriff des Gesetzes so benutzt wird, zeigt auch die Formulierung „Gesetz des Glaubens“ in Römer 3,27 oder das „vollkommene Gesetz der Freiheit“ (Jakobus 1,25) oder das „andere Gesetz in meinen Gliedern“ aus Römer 7,23.

So erläutert es auch ein Kommentar: „Das [Wort] Gesetz wird für ein Prinzip, eine Kraft oder einen Einfluss angewandt, der eine Person zu einer Aktion oder einem Verhalten nötigt.“

Das Mosaische Gesetz und seine Varianten wirken dagegen nicht im Sinne von Naturgesetzen. Es sind Vorschriften, moralische Regeln. Hinter ihnen steht keine Kraft. Seine Kraft hat dieses Gesetz nicht aus sich selbst.

Aber das Gesetz (im mosaischen Sinne) verbindet sich zwangsläufig mit der natürlichen Seite des Menschen (auch „Fleisch“ genannt). Denn dieses „Fleisch“ hat eine religiöse Seite, einen Zug, sich beweisen zu wollen an moralischen Regeln.  Das verschafft ihm seine fatale Wirkung – weil es sich zwangsläufig auch mit dem „Gesetz der Sünde und des Todes“ verbindet. Deshalb muss es als positives Anliegen scheitern. Negativ dagegen kann es dem Menschen zeigen, wie es wirklich um ihn steht – nämlich dann, wenn er versucht, sich an das Gesetz zu halten.

Reden wir aber wieder über das, was für uns erfreulich ist … das „Gesetz des Geistes des Lebens“ hat Merkmale, die deutlich zeigen, dass es sich in seiner ganzen Art auch vom Mosaischen Gesetz und vom „Gesetz der Sünde und des Todes“ unterscheidet:

  • es übt keinen Zwang aus
  • wir können auch anders
  • es verändert unser Inneres
  • es ist krafvoll (weil es nicht mehr durch das Fleisch „kraftlos“ gemacht werden kann) … weil:
  • es appelliert nicht mehr an unseren natürlichen Anteil
  • es fordert kein korrektes Verhalten von uns (und schon gar nicht „sofort!“)
  • wir können spüren, dass es uns verändert … weil:
  • es bringt (teilweise schlagartig, teilweise langfristig) neue Gefühle, neue Motivationen, ein neues Wollen in uns hervor
  • es tut etwas für uns
  • man kann ihm entkommen (etwa indem man sich unter das Mosaische Gesetz oder eine seiner Varianten stellt)
  • es ist für den Menschen da

Damit ist es das genaue Gegenteil des Mosaischen Gesetzes und jedes anderen kirchlichen oder religiösen oder moralischen Regelkatalogs – auch wenn es einen moralischen Inhalt hat. Vor allem aber macht es uns lebendig! Und das ist viel wichtiger als „richtig und falsch“.

Dieses neue „Gesetz“ des Geistes des Lebens wirkt immer auf uns als Gläubige – selbst wenn wir der Aufforderung von Jesus „Bleibt in mir!“ nicht folgen. Wir können dieses Gesetz begünstigen, aber wir können es nicht völlig neutralisieren.

Lassen wir es auf uns wirken, können wir Dinge nun (immer öfter) „von Herzen“ (Römer 6,17) tun. Unser Tun wird zunehmend „glückselig“ (Jakobus 1,25).

Die Kraft unseres Neuen Lebens ist durch nichts zu ersetzen – schon gar nicht durch ein Leben unter dem Gesetz. Auch nicht, wenn sich das Gesetz als „Wandel im Geist“ tarnt (https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/der-wandel-im-geist-nach-dem-gesetz/)

Der Artikel findet sich permanent unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/das-gesetz-des-geistes-des-lebens/ und kann dort auch kommentiert werden.

Von Herzen gehorsam

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Wenn wir das, was wir tun, nicht von Herzen tun können, sollten wir es lieber lassen

Röm 6,17 Gott aber sei Dank, dass ihr … von Herzen gehorsam geworden seid.

Wir sind nicht berufen, Schauspieler um Jesu willen zu sein – also Verhalten an den Tag zu legen, daß nicht unserer inneren Verfassung entspricht (nennt man auch Heuchelei  Grin ). Wir haben also gar keine Wahl, als zu darauf zu warten, daß Gott uns innerlich verändert. Und erst innerliche Veränderung bringt Verhalten hervor, das echt und authentisch ist.

Bis dahin werden wir uns eben verhalten, wie wir uns verhalten … dieses Verhalten kann uns oder anderen schaden. Vielleicht macht uns das betroffen und läßt uns mehr Veränderung begehren. Vielleicht aber auch nicht …

Ohne Veränderung unserer Motive, Antriebe, Wünsche, Sehnsüchte, Gefühle etc. geht es nicht! Sonst ist der Abstand zwischen dem, was wir wirklich wollen und dem, was Gott angeblich oder tatsächlich von uns will, viel zu groß – wenn wir dann trotzdem „Göttliches“ tun wollen, wirkt das immer komisch und unecht.

Die Verlockung des Gesetzes besteht darin, scheinbar SOFORT Verhaltensänderungen bewirken zu können. Die sind aber meist vorübergehend und verändern INNERLICH gar nichts in uns; außerdem gibt es viele üble Seiteneffekte: vor allem macht uns das dicht für die verändernde Wirkung der Gnade Gottes.

Nur innerliche Veränderung bringt „glückseliges Tun“ hervor:

Jak 1,25 Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.

Anders gesagt: lieber drei echte Früchte in unserem Leben als einen Haufen Christbaum-Schmuck!

… manchmal muß man allerdings Verhalten heucheln, um das schlimmste zu verhindern (etwa im beruflichen Umfeld). Aber es ist gut  zu wissen, was wir da tun.