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Glückseliges Tun – Werke aus Glauben (nur geben, was man hat)

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Ausgerechnet Jakobus (der Mann mit dem Glauben und den Werken) beschreibt uns, wie in unserem Leben mit Jesus ein Tun entsteht, das man mit Fug und Recht glückselig nennen kann:

“Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.” (1,25)

Dies ist ein sehr dichter Vers – einer der Verse, der zeigt, dass die Briefschreiber ihren Lesern und Zuhörern nur ein paar Stichworte liefern mussten; und die erinnerten sich daran, wie sie zu diesen Themen gelehrt worden waren. (Zum Kontext siehe https://konsequentegnade.wordpress.com/bibelstellen/jakobus-1-17-27/ )

Jakobus setzt bei ihnen mehreres voraus:

  • sie wissen, was mit dem “vollkommenen Gesetz der Freiheit” gemeint ist
  • man kann in diese Freiheit hineinschauen, aber muss nicht dabei bleiben
  • das Gesetz der Freiheit muss nicht zu Werken führen – auf jeden Fall dann nicht, wenn wir die Inhalte des Gesetzes der Freiheit wieder vergessen
  • nur das Gesetz der Freiheit führt zu einem glückseligen Tun
  • es gibt offensichtlich auch ein “unglückseliges Tun”, das nicht auf der Grundlage des Gesetzes der Freiheit entstanden ist

Natürlich ist das vollkommene Gesetz der Freiheit nicht das mosaische Gesetz oder ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern. Denn der Gläubige ist befreit von diesem Gesetz ( https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/freiheit-vom-gesetz/ ).

Was meint dann der Begriff “Gesetz der Freiheit”? Da es um unser Tun geht bzw. um Werke, ist es sehr wahrscheinlich, dass mit dieser Formulierung der Teil unserer Erlösung beschrieben wird, da sich direkt oder indirekt auf die Handlungsebene bezieht. Paulus nennt das den “Wandel im Geist” (Galater 5,16), Petrus sehr ähnlich “Wandel in Christus” (1.Petrus 3,16). Dafür spricht auch, dass bei Jakobus direkt zuvor steht „Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war.“ (1,24)

Dabei geht es nicht um irgendwelche guten Werke, wie sie auch jeder Nicht-Christ hervorbringen kann. Werke, für die man keine Erlösung braucht. Werke, die auch ohne das verändernde Werk des Geistes in uns möglich sind. Werke, wie sie leider viel zu oft auch unter Christen und in Gemeinden zu beobachten sind.

Die ersten Gemeinden haben die Grundlagen für ein “glückseliges Tun” ausführlich erklärt bekommen – wir müssen dieses rekonstruieren aus den Aussagen, die wir dazu haben. Und leider war es für lange Zeit üblich, die Dinge nach der Art des mosaischen Gesetzes zu rekonstruieren: alles ist wie dort – nur die Motivation ist eine andere (Liebe zu Jesus, Liebe zum anderen, Dankbarkeit für die Erlösung). Und offensichtlich ist dieses Tun nicht “glückselig” – denn sonst würden es ja nicht so viele Christen auf das Nötigste reduzieren oder ganz aufgeben.

Unsere Regel ist aber “Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm” (Kolosser 2,6). Empfangen haben wir ihn als Geschenk, wir wollten es nur – entsprechend sollen wir auch in ihm “wandeln”. Das muss für uns spürbar sein. Unter der Härte des Gesetzes zu “wandeln” und dann einen Aufkleber “nur aus Gnade” oder “Wandel im Geist” drauf zu machen, erfüllt das Kriterium “so” aus Kolosser 2,6 nicht

Versuchen wir also, den Prozess, der zum glückseligen Tun führt, ohne den Rückgriff auf das mosaische Gesetz zu rekonstruieren (und ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern). Man könnte jeweils noch viel mehr zu den Punkten sagen (aber das führt zu weit im Moment):

  • erst einmal ist es ein Prozess – es gibt seltener ein “sofort”. Das “Sofortige” ist die Domäne des mosaischen Gesetzes (und verwandter Regelwerke). Wären wir sofort und spürbar überall anders im Denken, Fühlen und Wollen, in unserer Motivation, wäre auch unser Handeln sofort ein anderes: “Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr ja von uns Weisung empfangen habt, wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt – wie ihr auch wandelt -, dass ihr darin noch reichlicher zunehmt” (1.Thess 4,1)
  • Warum ist es ein Prozess? Weil wir zwar geistlich neu geboren wurden, aber unser natürlicher Anteil (Fleisch) anfangs relativ unverändert ist. Es gibt also Teile unserer Person, die noch nicht anders geworden sind. Unser natürlicher Anteil, unser Fleisch ist schwach (Markus 4,38 / Römer 6,19) und es wohnt (noch) nichts Gutes in ihm (Römer 7,18). Dort aber sind eben Denken, Fühlen und Wollen angesiedelt.
  • Christen merken anfangs eine hohe allgemeine Willigkeit, anders zu handeln – sie stossen aber an so einigen Punkten schnell an ihre Grenzen. Die Prägung des alten Lebens auf der natürlichen Ebene erweist sich als hartnäckig. Es mangelt an wirklicher Motivation. Anders zu handeln ist zäh bis unmöglich (Römer 7,18): “Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, [noch?] nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht
  • An dieser Stelle wird es kritisch. Denn Frustration macht sich breit, vielleicht sogar Verzweiflung über das eigene Tun und Lassen. Und das ist leider der Punkt, an dem die Gesetzeslehre (direkt oder in einer ihrer Verkleidungen) den Gläubigen leicht für sich gewinnen kann. Sie sagt “du strengst dich nicht genug an. Streng dich mehr an. Setz deine Willenskraft ein. Lerne, mit Schmerz und Qual und Entbehrung zu leben – denn du mußt lernen zu tun, was du eigentlich nicht willst.” Hier kann ein jahre- und jahrzehntelanger Kreislauf von Scheitern und neuer Anstrengung entstehen (der die Willensschwachen mehr quält als die Willensstarken)
  • in einer glücklicheren Situation hört der Gläubige etwas darüber, wer er in Christus ist und was ihm alles durch Christus gehört und zugänglich ist. Allerdings führt das noch nicht automatisch zu einem anderen Handeln: die Betrachtung unseres Neu- und Anders-Seins als Erlöste ersetzt die innere Veränderung nicht (ein Fehler vieler Bibellehrer, die über unsere “Neue Identität” bzw. Neue Natur in Christus viele richtige Dinge sagen)
  • in einer noch glücklicheren Situation hört er etwas darüber, dass ihm auch die innere Veränderung geschenkt wird: “Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.” (Philipper 2,13) oder “Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt / lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Sinnes / Denkens / Wollens” (Römer 12,2)
  • in unserem natürlichen Anteil (das Fleisch) entsteht nach und nach Neues (ein neues Denken, Fühlen, Wollen) und wir können (irgendwann) anders handeln (vorteilhaft für uns und andere); in der Zwischenzeit können wir natürlich nicht einfach nichts tun, sondern werden so lange sündigen, bis das Neue spürbar da ist: “Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand sündigt – wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten” (1.Joh 2,1)
  • wir bekämpfen das Sündigen nicht mit dem Gesetz, weil wir ansonsten unsere echte Veränderung bremsen oder blockieren: “Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das [religiöse] Fleisch [das sich so gern selbst anstrengt und etwas beitragen will], sondern dient einander durch die Liebe!” (Galater 5,13). Und vor allem: “Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.” (Galater 5,4)
  • wir halten tapfer fest an dem, was wir sind und haben und was an uns (unsichtbar) verändert wurde (Römer 8); auch daran, dass wir “Sklaven der Sünde waren” (Römer 6,17) und es nicht mehr sind (gemäß unserer neuen Natur – egal was unser Handeln sagt).
  • wir müssen nicht leugnen, dass wir sündigen: “Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns” (1.Joh 1,8)
  • wir können überlegen, wie wir unser Sündigen so gestalten, dass es möglichst wenig Schaden anrichtet (was unter dem Gesetz nicht geht, da dort Sündigen strikt verboten ist)
  • wir lieben weiterhin und tun das Gute, das bereits in uns gewachsen ist; unser Tun wird glückselig:  “Denn wenn die Bereitwilligkeit da ist, so ist sie willkommen nach dem, was sie hat, und nicht nach dem, was sie nicht hat.” (2.Korintherbrief 8,12). Das, was wir nicht haben, hindert uns nicht daran, das zu geben, was wir haben.

Eine noch kürzere Fassung der Kurzfassung wäre in etwa:

Neue Geburt > Neues Leben und Neuer Geist > Willigkeit zum Guten > trifft auf natürliche Prägung (Fleisch) > Frustration, Verzweiflung (Römer 7) > Entdeckung: Veränderung als Geschenk und Prozess (Rö 2,12, Phil 2,13) > neues Denken, Fühlen, Wollen führt zu neuem Handeln (braucht Zeit) > in der Zwischenzeit (wie lange diese auch immer ist) ist Sündigen unvermeidbar, das bereits vorhandene glückselige Tun aber auch

Falls jemand den Prozess noch präziser beschreiben kann (oder Lücken findet) – nur zu. Aber bitte ohne durch die Hintertür wieder das Gesetz einzuschmuggeln!

Und natürlich wäre noch viel mehr darüber zu sagen. Vielleicht wird es auf dieser Seite irgendwann mal eine eigene Abteilung unter dem Titel “Wie werden wir verändert?” geben.

Übrigens hat das Zusammensein von Christen folgende Wirkung:

Hebr 10,24 und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen,

Hebr 10,25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!

Wenn es diese Wirkung nicht hat, dann liegt es vermutlich daran, dass ein ganz anderer Weg der „Veränderung“ hin zu „guten“ Werken gelehrt und gelebt wird.

Dauerhaft findet der Artikel sich unter https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/gluckseliges-tun-werke-aus-glauben/ und sollte dort auch bitte kommentiert werden (falls Bedarf besteht).