Das Lamm Gottes trägt die Sünden die Welt.

Vielen Christ geht das nun wirklich zu weit! Da müsse man doch unterscheiden zwischen bewußtem und unbewußtem Sündigen. Dahinter steckt vermutlich die Vorstellung, unbewußte Sünden entständen aus Schwäche und Unachtsamkeit, bei bewußten läge dagegen Absicht, Vorsatz und Planung vor.

Wäre das so, hätten Menschen, die sich über ihre Motive in der Regel im Klaren sind und meistens kontrolliert handeln, einen klaren Nachteil gegenüber denen, die eher „aus dem Bauch heraus“ leben. Die machen alles „spontan“, auch das Sündigen.

Aber der Prozeß des Sündigen ist immer derselbe, wie uns Jakobus erklärt.

Jakobus-Brief 1,14-15: Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.

Es spielt offensichtlich keine Rolle, ob dies dem Betroffenen bewußt ist oder nicht.

Aber selbst wenn man zwischen bewußten und unbewußten Sünden unterscheiden wollte – was würde das besagen? Daß die Vergebung durch Jesus nicht für bewußte Sünden gilt? Was wäre das dann aber für eine Erlösung? Sie wäre wieder abhängig vom Erlösten – und nicht vom Erlöser.

Gott sei Dank ist sie das aber nicht. Gottes Reinigung von allen Sünden funktioniert immer und unter allen Umständen – jedenfalls für die Zielgruppe, für die sie gedacht ist: Menschen! Und es sind dazu auch keine besonderen Buß- und Zerknirschungszeremonien notwendig.

Etwas anderes zu behaupten, bewirkt nur Verwirrung, Frustration und eine wachsende Unwilligkeit, die eigenen Probleme zusammen mit Gott zu lösen. Womit wir dann wieder eine Frucht des Gesetzes hätten: Trennung von Christus! (Brief an die Galater 5,4)

Und es ist auch nicht nachvollziehbar, wie wir entspannt mit Gott leben können, wenn ständig die Drohung „bewußtes Sündigen bringt dich in Probleme!“ da ist.

Interessanterweise gibt es auch keine Belegstellen dafür, daß in der ersten Gemeinde „bewußtes Sündigen“ als schwere Sünde galt. Die einzige Stelle, die das vielleicht hergibt, haben wir bereits untersucht – und sind zu ganz anderen Schlußfolgerungen gekommen.

Und sowieso beruht das ganze Konzept des „bewußten“ Sündigens auf der fragwürdigen These, daß Sünde uns von Gott trenne ; womit wir dann quasi jedes Mal, wenn wir sündigen, im Zustand derjenigen sind, die Jesus nicht kennen. Was für eine „Erlösung“!: wenn man nicht seinen Mitgliedsbeitrag entrichtet, kann man die Premium-Dienste nicht nutzen?

Unterscheiden wir dann demnächst auch wieder zwischen schweren und weniger schweren Sünden? … es sieht so aus, als sei in der evangelikal-charismatischen Szene der vielgescholtene Katholizismus besonders lebendig. Aber das gehört nicht mehr zum Thema.

Eine Antwort »

  1. Unter dem Gesetz gab es die Unterscheidung bewusst/absichtlich kontra unbeabsichtigt in Bezug aufs Töten sehr wohl (s. 4. Mose 35).

    Jesus hat aber für uns alles in die Kategorie „unbewusst“ einsortiert, als er sagte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Ihn zu kreuzigen, war wohl das Bewussteste, was Menschen einem anderen Menschen antun können, oder?

    König David beging einen der scheußlichsten Morde der Menschheitsgeschichte – nach deutschem Strafrecht waren dabei mindestens die Mordmerkmale niedere Beweggründe, Heimtücke, Grausamkeit und Verdeckung einer anderen Straftat (dem Ehebruch) erfüllt. Bewusst und absichtlich wie nur irgendwie möglich. Und David wusste, dass es für Mord und Ehebruch im Gesetz keinerlei Opfer gab. Er betete:
    „du hast keine Lust am Schlachtopfer, sonst gäbe ich es; Brandopfer gefällt dir nicht.“ (Ps 51, 18)
    Aber er betete trotzdem im selben Psalm: „Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein“ (V. 9).

    In Jesu dunkelster Stunde am Kreuz, unmittelbar vor dem „es ist vollbracht“, bekam er auf einem Ysopstab den Essigschwamm an den Mund gehalten (Joh 18, 28-30). Das meinte David damit. Jesus hat am Kreuz durchgehalten, bis auch dafür bezahlt war. Das Opfer Christi war größer als Davids größte Sünden. Es ist auch größer als unsere größten Sünden. Jesu Blut ist größer als alles.

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