Immer wieder kann man sie online und offline bei ihrem Treiben beobachten: Christen, bei denen die Endzeit und damit verwandte Themen ganz oben auf ihrer Themenagenda stehen. Tapfer ignorieren sie alle falschen Endzeitvorhersagen der letzten Jahrzehnte und halten daran fest, dass doch was dran sein muss. Das Thema ist faszinierend, hat man doch das machtvolle Gefühl, vermeintlich etwas über die Zukunft zu wissen.

Die Gewißheit, dass Jesus eines Tages wiederkommt, wird erweitert um weitere „Gewißheiten“: das bargeldlose Zahlen, das Zeichen des Tieres, die Rolle Israels, dass es nicht mehr lange dauern könne, Zunahme von Erdbeben und Katastrophen, Gog und Magog usw. usf. etc.

Gegenargumente sind von verschiedenen Autoren schon öfter geliefert werden – aber die sind eigentlich gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist die Frage, was denn diese Endzeitfixierung den Betroffenen eigentlich gibt. Und die Antwort auf diese Frage ist brisant, da wir als Christen meist davon ausgehen, dass das, was Jesus uns gibt, in vielem ausreichend sein sollte.

Nun, welche Bedürfnisse des Endzeitfixierten werden durch sein „Hobby“ befriedigt:

  • das Gefühl des Bescheid-Wissens
  • natürlich das Interessante daran, eventuell sogar Sensationelle
  • oft auch die Rolle des „Warners“ respektive „Drohers“
  • verbunden mit einem Gefühl der Überlegenheit gegenüber den „Ahnungslosen“
  • das schon oben erwähnte Machtgefühl durch vermeintliches Vorherwissen

Demgegenüber muss und darf man festhalten:

  • über die bedingungslose Gnade und Liebe Gottes Bescheid zu wissen, ist viel, viel wichtiger
  • Gottes Liebe, sein Wesen und seine Erlösung sind und bleiben interessant
  • unser Job ist es NICHT, zu warnen und drohen, sondern über die Liebe Gottes zu reden
  • unser persönlicher Wert hängt nicht daran, anderen „überlegen“ zu sein
  • all unsere Macht (wenn wir sie denn haben) hier und jetzt ist eine verliehene, ein Geschenk Gottes

Warum diese kurzen Bemerkungen? Um wenigstens den Hauch einer Chance zu geben, dass endzeit-fixierte Christen sich wieder auf das fixieren, was wirklich wichtig und zentral ist: die Liebe und Gnade Gottes, wie sie sich in Jesus zeigt. Und um die zu entlasten und argumentativ zu „bewaffnen“, die vielleicht mit solche Christen zu tun haben.

 

Und natürlich gibt es noch andere biblische Themen, die leider die Liebe und Gnade Gottes verdrängen – was auch zeigt, dass längst nicht alles, was aus der Bibel stammt, auch „biblisch“ im Sinne von „hat mit Jesus zu tun“ ist

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Eine Antwort »

  1. Stimme dem Gesagten voll zu! Endzeit-Fixierung!

    Trotzdem kann ich nur – als ANREGUNG zur Freizeitlektüre – auf eine merkwürdige Eschatologie verweisen, die m.E. eure Glaubensüberzeugungen unterstützt: den sog. Präterismus. Ihr betont ja, dass sich im NT (besonders bei Paulus) zwei Glaubenszeitalter voneinander abgrenzen: Alter Bund – Neuer Bund; Zeit des Tempels/Gesetzes – Zeit der Gnade Jesu.
    Zu den oft verschwiegenen Merkwürdigkeiten des Christentums zählt, dass über 25x im NT ein 2. Kommen Christi, diesmal als Gericht Gottes, erwartet wird – und zwar noch zu Lebzeiten einiger der ersten Jünger! Der Pr. sagt nun, dass dieses Gericht um 70 in Jerusalem stattfand: Hier wurde im Krieg gegen Rom das Allerheiligste mit den Gesetzen des Bundes zerstört, auch der Opferglaube des Tempels (Sündenvergebung durch Werke) unmöglich gemacht – bis heute. Weinte Jesus nicht über Jerusalem, das die neue „Zeit der Gande“ verkannt habe, in Zukunft von Feinden belagert und zerstört werde? (z.B. Lk 19,41). Jedenfalls starben damals in einem wahren Strafgericht Millionen Juden aus Israel und den Nationen, die sich zum Pessach in Jerusalem und Israel zusammengefunden hatten. Der Pr. wertet dies nun als das Ende des Alten Bundes; seitdem gelte spirituell der Neue Bund Jesu, das Reich Gottes als geistiges Reich, nicht von dieser Welt („kosmos“).
    Klingt wie eine verrückte Spekulation, findet aber u.a. Nahrung durch unklare Bibelübersetzungen in der Tadition der Kirche. Oftmals, wenn in Gleichnissen und auch den Endzeitreden vom „Ende der Welt“ und dem Gericht übersetzt wurde, steht dort nicht „kosmos“ (=Welt), sondern „aeon“, was eigentlich „Zeitalter“ bedeutet (z.B 13,39 Unkrautgleichnis, Ende der Welt Mat 24,3). Sprach also Jesus nicht viel eher vom Ende des jüdischen Zeitalters, dem Ende der Zeit des Alten Bundes, des Tempels, des mosaischen Gesetzesglaubens? Dachte nicht auch Paulus so?
    Zusammengefasst hat dies bis heute grundlgend der Geistliche J. Stuart Russell (1816-95). Er glaubte stringent u. umfassend bewiesen zu haben, dass z.B. die Parabeln (törichte Jungfrauen, Feigenbaum, Fischnetz usw.), Endzeit-Rede, Offenbarung… – das Gericht überhaupt! – sich auf Jerusalem/Israel beziehen und zeitlich im Textzusammenhang auf das 1.Jh. determiniert sind.

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