Zu den Lieblingsstellen der „Gott liebt uns, ABER …“-Vertretern gehört natürlich auch Epheser 4,30: „Und betrübt nicht den Heiligen Geist …“ (gerne auch in Kombination mit der „Lästerung des Geistes). Obwohl gar nicht klar ist, welche Folgen das „Betrüben“ des Heiligen Geistes über diesen selbst hinaus hat – wissen die „Gott liebt uns, ABER …“-Vertreter natürlich sehr genau, wie die Folgen aussehen: Gottesferne, eine Störung in unserer Beziehung zu Gott, Bedarf nach Selbsterforschung und nachfolgendem Sündenbekenntnis. Und obwohl klar gesagt wird, dass der Heilige Geist in uns es ausbaden muss, machen sie daraus etwas, was irgendwie dann doch auf uns zurückfällt und uns das Leben (mit Gott) vermiest.

Und auch wenn der Kontext dieses Verses ein ganz anderer ist, wissen sie natürlich auch, wodurch der Heilige Geist betrübt wird: natürlich durch Süüündigään! Unser Tun und Lassen soll ein „Betrüben“ des Heiligen Geistes bewirken. Aber das stimmt nicht, wie wir sehen werden. Nicht jede Art von Sündigen betrübt den Heiligen Geist, sondern nur eine ganz bestimmte Art von Tun und Lassen, die mit unserer Gemeinschaft untereinander zu tun hat.

Schon im Vers selbst wird eine andere Verbindung hergestellt – die zu unserer Erlösung allein durch Gnade:

Eph 4,30 Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin!

Schaut man sich noch den Kontext des Verses an, erweist sich die traditionelle Auslegung durch die Gesetzesbrille als noch unzutreffender:

Eph 4,29 Kein faules Wort komme aus eurem Mund, sondern nur eins, das gut ist zur notwendigen Erbauung, damit es den Hörenden Gnade gebe!

Natürlich reden wir, wovon unser Herz voll ist. Wenn es voll ist mit Gnade, die uns geschenkt wurde, dann ist es auch das, was wir anderen – insbesondere unseren Mitchristen – zu erzählen haben. Und erbaut werden Menschen durch Gnade, durch den Hinweis auf Gottes Haltung uns gegenüber, seine Liebe, seine Zuwendung.Und dass uns dies eben frei und ohne Vorbedingungen zuteil wird. Wenn wir dagegen Menschen mit Härte, Herablassung und Verurteilung begegnen, dann wird der Heilige Geist in uns kaum Freudensprünge machen.

Nun die beiden Verse danach:

Eph 4,31 Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit! Eph 4,32 Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!

Und da sind sie: die Dinge, die den Heiligen Geist nicht betrüben: Güte, Mitleid, Vergebung untereinander – prima Alternativen zu Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei, Lästerung. Hier geht es um die Art und Weise, wie wir unsere Beziehungen untereinander führen, wie wir miteinander umgehen.

Wir reden nicht schlecht über den anderen, wenn er uns etwas getan hat – wir reden mit ihm und weisen ihn darauf hin. Wenn der andere uns verärgert hat, können wir das auch ansprechen und hoffen, dass er es einsieht (und wenn nicht, dann haben wir es ihm trotzdem gesagt und damit den Ärger dorthin gebracht, wo er hingehört). Tun wir das nicht, bleiben oft nur Bitterkeit und Wut und Zorn, da wir die Dinge in uns reinfressen; vielleicht sogar „Vergebung“ mißbrauchen, um unsere Angst vor dem Gespräch (oder gar Konflikt) mit dem anderen zu bemänteln.

Sehen wir das alles, dann sehen wir auch, wie aus dem unpräzisen Geraune vom „Betrüben des Heiligen Geistes“ etwas wird, das uns ganz praktisch bei unserer Lebensführung als Christen hilft.

Aber selbst wenn wir das alles nicht tun, dann ist und bleibt es der Heilige Geist, der betrübt wird – nicht unsere Beziehung zu Gott. Und schon gar nicht müssen wir destruktive Überlegungen darüber anstellen, wo „Sünde“ in unserem Leben den Heiligen Geist betrüben würde. Denn wäre dies die Quelle von Betrübnis, dann wäre der Heilige Geist konstant betrübt.

Wird denn etwas in unserem Leben „betrübt“, wenn wir uns gegen liebevollen und gesunden Umgang miteinander entscheiden (oder dazu momentan noch unfähig sind)? Ja, die Tiefe und Qualität und Vertrauenswürdigkeit unserer (auch gemeindlichen) Beziehungen. Darunter leiden wir natürlich. Das ist schade. Aber noch schlimmer wäre es, wenn unsere Beziehung zu Gott, der uns innig liebt, dadurch auch nur vorübergehend verdunkelt oder gestört wäre.

Also legen wir die bisherige Auslegungstendenz doch einfach wieder dahin zurück, wo sie hingehört: in die Mottenkiste der Gesetzestheologie.

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  1. Ergänzend dazu finde ich auch wichtig zu erwähnen, dass der heilige Geist selbst GOTT ist. Demnach hat er auch alle Eigenschaften Gottes wie z.B. Stärke, Stabilität, Treue, er ist immer der Selbe, usw. Manchmal wird der heilige Geist als sehr labil dargestellt, als ob er schreckhaft, sensibel (in einer falschen Weise) oder schwach wäre. Es wird so gepredigt, als müsse man ständig aufpassen, den heiligen Geist nicht zu betrüben.
    Aber wie soll ein schwacher heiliger Geist ein starker Begleiter des Christen im Alltag sein? Durch den Glauben an einen ängstlichen, labilen heiligen Geist enthält man sich der Kraft, die man im Alltag so dringend braucht und die in uns und durch uns ganz im Gegensatz zu diesen seltsamen Ansichten sehr viele Dinge in mächtiger Weise bewirkt hat.

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