Leben mit und unter Gesetz ist kein Kavaliersdelikt – aber leider eine Möglichkeit im Rahmen unserer Freiheit. Und man sagt wohl nichts Falsches, wenn man davon ausgeht, daß die große Mehrheit der Christen unter Gesetz lebt – die Möglichkeit wird also genutzt.

Meist ist die Motivation dazu zumindest AUCH die Liebe zu Jesus und der Wunsch, seinen Willen zu tun. Aber die Folgen sind trotzdem genau das Gegenteil davon.

Denn das Gesetz (in all seinen Formen, auch den nicht-mosaischen) hat auch massive Auswirkungen auf unser Bild von Gott. Das beeinflußt unseren konkreten Glauben in Alltags- und Krisensituationen und damit unsere Erwartungen an Gott. Wer mit dem Gesetz lebt, hat einen Gott

  • der uns mißbraucht, weil er unberechenbar und launenhaft ist (seine Ziele – im Gesetz niedergelegt – stehen über unserem Wohlergehen, er straft schnell und hart)
  • der abwesend ist, wenn wir wirklich Hilfe brauchen oder uns ständig damit droht, uns zu verlassen (wenn wir uns nicht richtig verhalten und nicht „heilig“ genug sind im Sinne des Gesetzes)
  • der emotional distanziert ist, dem unsere Gefühle und emotionalen Bedürfnisse egal sind (das Richtige – im Gesetz beschrieben – muß um jeden Preis getan werden, egal, wie wir uns dabei fühlen)
  • der passiv ist und nur zuschaut, wenn wir Hilfe brauchen; vielleicht weil er keine Macht dazu hat oder weil er sich nicht um uns kümmert oder weil wir die Voraussetzungen für seine Hilfe nicht erfüllt haben (es mangelt uns am richtigen Tun, weshalb wir auch nicht „gesegnet“ werden)
  • der Unmögliches von uns erwartet und nie mit uns zufrieden ist (das Gesetz fordert Perfektion – wie kann Gott mit uns zufrieden sein?)

Natürlich kann es auch Mischformen aus mehreren oder all diesen Punkten geben.

Aber was wir als Ergebnis haben, sind „Gotts“, die nichts mit dem wirklichen Gott zu tun hat, wie ihn das Neue Testament beschreibt. Das ist sogar dann so, wenn wir sie „Jesus“ nennen.

Damit soll nicht gesagt werden, daß wir dann Jesus nicht kennen. Wir haben nur sehr wenig davon, daß wir ihn kennen – weil wir ihn völlig falsch sehen. Und damit auch Falsches von ihm und uns erwarten.

Das Ergebnis wird immer sein: wir erwarten viel von uns (von unserer Willensstärke, unseren Fähigkeiten, unserer Leidensfähigkeit, unserer Opferbereitschaft) – und wenig von Gott.

Aber da hilft es uns wenig, unseren „Unglauben“ zu bekennen. Denn wir glauben ja an das Bild, das wir von Gott haben. Nicht unser Glaube muß größer werden, sondern unser Bild von Gott anders. Das ist ein Werk, daß Gott gerne in uns tun will.

Römer 12,2a: Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern laßt euch verwandeln [laßt es an euch geschehen!] durch die Erneuerung des Sinnes / des Denkens / des Wollens …

Das Fatale an der Hingabe an solche Pseudo-Gotts kann leider im Einzelfall sein, dass das Glauben, das Einlassen auf Gott, zu einer traumatischen Erfahrungen geworden ist. Denn man ist schon viele Male enttäuscht worden – und nun heißt es wieder einmal „der Gott der Gnade ist der einzig wahre Gott“. Warum sollte das nun nicht schon wieder eine Mogelpackung sein? Das kann für die Betroffenen ein langwieriger, schwieriger Prozeß sein. Ihnen dann noch zu sagen, dass sie vielleicht gar nicht errettet sind bzw. nicht neu geboren, ist nicht hilfreich (sondern führt u.U. nur zu weiterer Schädigung).

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