Schon die ersten Gemeinden hatten Probleme mit dem, was wir heute Personenkult nennen.

1Kor 1,12 Ich meine aber dies, dass jeder von euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Apollos, ich aber des Kephas, ich aber Christi.

1Kor 3,4-5 Denn wenn einer sagt: Ich bin des Paulus, der andere aber: Ich des Apollos – seid ihr nicht menschlich? Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Diener, durch die ihr gläubig geworden seid, und zwar wie der Herr einem jeden gegeben hat.

Eine der großen Versuchungen für Christen besteht darin, ihren Glauben an Jesus mit Führungspersönlichkeiten zu verquicken. Entsprechend wird ihr Glaube erschüttert, wenn diese Führungspersönlichkeiten etwa bei recht „unchristlichen“ Verhaltensweisen ertappt werden oder aus anderen Gründen ihren Dienst quittieren müssen. Oder wenn sie plötzlich seltsame Lehren verbreiten.

Die, die „des Christus“ (1.Kor 1,12) sind, sind vermutlich die, die immer darauf achten, daß sie sich keinem Trend anschließen – aber sich auch nicht einfach damit zufrieden geben können, daß sie Christen sind wie alle anderen: ihre Besonderheit und damit ihren Wert müssen sie durch ihre „Unabhängigkeit“ unter Beweis stellen.

Die Gemeindestruktur der frühen Gemeinden kannte ein gutes Mittel gegen den Personenkult: die kollektive Leitungsstruktur. Ein Team von Ältesten leitete die Gemeinde vor Ort. Da ist es von Anfang an schwierig, sich auf bestimmte Personen und Gurus zu konzentrieren.

Leiter sind ganz normale Menschen – und sollten auch so behandelt werden. Es sind keine Halbgötter oder kleine Mittler zwischen dir und Gott oder so ne Art Promis der christlichen Szene.

Und die Fähigkeit, dutzende oder hunderte von Menschen zu leiten, sagt noch lange nichts darüber, ob die Richtung, in die geleitet wird, richtig ist. Wer Erfolg hat, hat nicht automatisch recht.

Es ist dein Job, dir in deinen Ansichten sicher zu sein. Denn du triffst deine Entscheidungen auf der Grundlage dessen, wovon du wirklich überzeugt bist – auch wenn du vielleicht bisher nicht der große Denker warst (Jesus kann auch von Denkfaulheit erlösen). Du mußt also auch die Konsequenzen dieser Entscheidungen „ausbaden“. Dann hilft es dir nicht viel, wenn du sagst „Prediger XY hat aber damals gesagt …“

Eine Antwort »

  1. (Bald hab ich alle durch!)

    Ihr schreibt. m.E. zutreffend: Personenkult! Christen verknüpfen oft fälschlich ihren Glauben mit moralischen Führungspersönlichkeiten, moralischen Vorbildern und sind dann oft sehr enttäuscht., wenn der moralische Spitzenathlet scheitert.

    Vielleicht kann man noch ergänzen !?
    Jesus selbst sah moralisches Heldentum / moralische Führungsansprüche wohl eher kritisch. Er wusste um die menschlichen Schwächen. Einige Beispiele: Petrus erhob nach dem Abendmahl seinen moralischen Führungsanspruch gegenüber den Jüngern: Wenn alle moralisch versagen, Ich nicht ! Aber Jesus sagte: „Amen, noch heute wirst du mich verleugnen!“ Was auch wenig beachtet wird: Jesus warnte vor Propheten, die in „Schafskleidern “ kommen, die szs. den perfekten, moralisch einwandfreien Gläubigen geben. Hinter dem lammfrommen Schaf steht nach ihm oft der reißende Wolf, der Macht, Ehren, Geld – den gesellschaftlichen Spitzenplatz – usw. mit allen Mitteln gewinnen will. Bekannt ist auch das Gleichnis vom „Pharisäer und Zöllner“: Es zeigt den Gemeindeführer, der stolz darauf ist, kein einfacher Sünder, wie ein Ehebrecher, Betrüger usw. zu sein. Er betet, fastet, spendet eifrig und leitet daraus einen Führungsanspruch wie bei einem moralischen Wettkampf ab: Ihm gehört die erste Reihe! Er steht aber laut Jesus vor Gott nicht höher als der stadtbekannte Sünder in der letzten Reihe, der weiß, dass ihn nur noch die Gnade Gottes retten kann. Ahnlich auch Paulus: Du kannst dir auf Erden den Status als moralischer Held erkämpfen, der größte Bibelkenner sein, deine ganzen Habe den Armen schenken, den Märtyrertod sterben usw. Es geht aber nicht, um einen irdischen moralischen Wettkampf! Entscheidend bleibt immer, ob in allen deinen Großtaten der Funken der überirdischen Gnade/Liebe zu finden ist, die für jeden Sünder, jeden moralischen Versager, gleichermaßen gilt (1 Kor 13).

    Diese ungewöhnlichen Auffassungen hat Jesus wohl auch in einem Paradoxon/Mysterium bei Simon dem Pharisäer verdeutlicht: Der große Sünder liebt den gnädigen Gott letztendlich mehr als der moralisch Einwandfreie – weil ihm mehr vergeben wird. Damit steht er Gott näher als der Moralist !! Somit scheint nach Jesus ein moralischer Wettkampf nach dem Motto „Wer ist heiliger?“, „Wer ist ein besseres Vorbild?“, von vornherein sinnlos.

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