Beliebt und fast überall gelehrt – aber falsch: die Lehre von den zwei Naturen, die angeblich im Neuen Menschen wohnen sollen (was wäre dann aber wirklich „neu“ an diesem neuen Menschen? Moralisten aller Coleur behaupten auch nichts anders, inklusive der zwei Hälften des Menschen, die man füttern müsse).

Dieses Schaubild kann die herkömmliche Vorstellung vermutlich ganz gut verdeutlichen.

Alter Mensch - Neuer Mensch (die übliche Sicht)

… im christlichen Kontext letztlich vermutlich nur dadurch zu begründen, daß man unsere unfähige Natürlichkeit (=Fleisch) gleichsetzt mit dem alten Menschen: unser Fleisch lebt (wie sollte es auch anders?), unser alter Mensch ist aber längst tot und gestorben (da hat Jesus ganze Arbeit geleistet).

Für diesen Menschen gibt es eigentlich keine Veränderung: sein alter Mensch bleibt so, wie er ist – und sein Neuer Mensch ist perfekt. Bestensfalls bekommt er neue Gedanken. Seine Gefühle und sein Wille bleiben aber sein Leben ein Kampfplatz ohne wesentliche Neuerungen.

Unser Job ist aber, einfach zu glauben, daß wir das sind, wozu Gott uns gemacht hat. Und zwar egal, wie arbeitslos Teile unserer Person auch dadurch werden: nämlich der Teil, der sich gern selbstverleugnet, sich gern selbst kreuzigt und die Sünde gerne aushungern möchte. Tja, wirklich schade für die egozentrischen Asketen unter uns, die sich den ganzen Tag den Puls fühlen, um zu sehen, wie heilig sie sind  Grin  …

Und eine Konsequenz daraus: wenn wir uns falsch verhalten, ersteht nicht jedes Mal ein Zombie aus dem Grab. Ein schreckliches Lebensgefühl – das kann man nicht wegtheologisieren … aber ohne Zombie fühlt sich die Erlösung schon gleich viel „erlöster“ an.

Auch hier kann ein Schaubild vielleicht mehr sagen als tausend Worte:

Alter Mensch - Neuer Mensch (wie es wirklich ist)

Die straffierten Linien bei Gedanken, Wille, Gefühle und Verhalten ergeben sich aus dem, das wir eine Prägung haben aus unserem alten Leben. Und auch in unserem eigentlich Neuen Leben oft noch durch fleischlich-natürliche Gedankengänge und Konzepte geprägt werden (oft solche religiöser Natur).

Für diesen Menschen gibt es also Veränderung. Unsere Prägung wird verändert. Wir bekommen neue Gedanken, neue Gefühle, neue Motive, neue Interessen und neue Desinteressen, neue Neigungen und Abneigungen.

Unsere Neue Natur wird im Neuen Testament oft beschrieben. Und beschrieben wird da nicht nur eine Stellung, die wir vor Gott haben (das sowieso), sondern eine echte Veränderung in uns, eine Änderung unserer Natur. Wir sind quasi nicht nur Raupen, denen Gott zugesteht, daß Er sie netterweise als Schmetterlinge sieht – sondern wir sind wirklich Schmetterlinge.

Leider ist diese Tatsache unsichtbar – aber deshalb heißt es ja auch Glauben. Wenn man es sehen könnte, müßte man nicht daran glauben.

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  1. Ich habe ein Problem mit dem „Zombie“ und den ganzen „Toten“ Menschen, die noch keine Christen sind. Ich weiß natürlich, dass jeder Mensch, der Jesus nicht für sich angenommen hat, noch geistlich tot ist, das heißt, nicht im Innersten mit Gott verbunden und somit (noch) nicht gerettet. Ich empfinde aber auf einer sehr menschlichen und natürlichen Ebene, dass nicht alles an meinen Mitmenschen schlecht und tot sei. Die Bibel sagt es zwar : Da ist nicht einer, der Gutes tue (Gutes im Sinne von vollkommen dem Willen Gottes entsprechend, das weiß ich). Aber es gibt auch bei Menschen, die Jesus nicht kennen bei aller Sünde auch herzliche Zuneigung, Lebensfreude, Humor, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft. Das alles rettet nicht und macht nicht gerecht – ist klar. Aber ist es ein Widerspruch zum Wort Gottes, wenn ich denke: Gott freut sich doch bestimmt über diesen und jenen Menschen oder über diese und jene rein natürliche Liebe zwischen Menschen (z. B. wenn ein Kind strahlend seine Eltern umarmt und küsst und fröhlich dabei lacht). Irgend eine Art von Leben durch Gott haben doch alle Menschen. Davon redet eine Stelle in der Apostelgeschichte, wo Paulus zu Heiden spricht: In IHM leben, bewegen wir uns und sind WIR (er schließt die Zuhörer mit ein). Daran klammere ich mich, denn ich halte es seelisch nicht aus, meine Mitmenschen, die ich sehr schätze und die auch mein Leben bereichern nur als geistlich tot zu sehen, ich muss auch noch einen anderen Blickwinkel haben. Ist das vereinbar mit dem Wort Gottes?

  2. Noch was: Ich freue mich, dass ich durch Christus ein Neuer Mensch bin. Aber irgendwie komme ich mir bei dem vielen Reden vom alten und neuen Menschen auch seltsam vor. Ich bin ja auch immer noch ich. Vor meiner Erlösung war ich Andrea und jetzt bin ich es auch noch, aber von Jesus neu erschaffen. Wo ist denn da meine Persönlichkeit, meine Seele hin verschwunden? Sie ist mit Christus gekreuzigt. Heißt das dann, ich musste verschwinden, um erlöst zu werden? Sozusagen ein Töten meiner Person, die von Gott nicht geliebt wurde, weil sie unerlöst war und statt dessen eine neue, fremde Person an deren Stelle? Also bei dem Gedanken fühle ich mich nicht wohl……Bitte dringend um Antwort.
    Und ich möchte gerne wissen, wieviel Glauben denn nötig ist, um der Errettung teilhaftig zu werden. Ich habe meine eigene Ausweglosigkeit der Sünde erkannt und glaube, dass ich nur durch Jesu Opfer zu Gott kommen kann. Sein Opfer habe ich dankbar angenommen. Aber das vollkommene Vertrauen, dass nun alles OK ist, habe ich immer nur eine Weile, dann zweifle ich wieder, ob ich denn genug glaube und die Rettung wirklich an mir stattgefunden hat. Am Anfang meines Glaubenslebens war ich seelisch stark traumatisiert und gar keines vollen Vertrauens fähig. Ich will immer Glauben und mich ganz auf Jesus verlassen, aber eine Angst tief in mir macht mir einen Strich durch die Rechnung. Wenn nun die Rettung vom Glauben und kindlichen Vertrauen abhängen würde, hätte ich kaum eine Chance. Das wäre doch wieder eine Voraussetzung, die ich aus meinem Fleisch hervorbringen müsste. Ein gewisses Maß an Glauben ist mir von Gott ohne mein Zutun geschenkt, z.B., dass ich Christus als den erkannt habe der er ist und unbedingt zu ihm gehören will und ein Leben ohne ihn sinnlos fände. Mir hat ein Seelsorger mal gesagt: Deine Rettung hängt nicht an deinem Vertrauen, sondern an Gottes Zusage. Es genügt, wenn du sagst: ich glaube, hilf meinem Unglauben. Aber wenn ich dann wieder lese: nur das Vertrauen auf Jesus allein rettet, geht es wieder los mit der Angst 1. Ist mein Glaube echt und stark genug 2. Wenn noch gesetzliches Denken an mir haftet, verlasse ich mich ja nicht völlig allein auf Jesus. Aber dann wären ja ganz viele Christen nicht erlöst, die sich noch irgendwie mit Angst und Gesetzlichkeit herumschlagen…..
    Was sagt Ihr dazu ???
    Bin echt froh über diese Seite, wo man so richtig Klartext reden kann und auch im Klartext Antworten kriegt. Danke!

    • Zum alten Menschen: da ist nicht unsere Person oder unsere Persönlichkeit getötet worden, sondern in gewissen Sinne unsere Lebensweise, die tief in unserem Mensch-Sein verankert war (ohne Gott klarkommen und ohne ihn zu leben, in Pseudo-Unabhängigkeit) … berechtigte Nachfrage

      Zum Glauben: das Glauben ist jahrelang überbetont worden. Tatsächlich hängt alles an Gott und nicht an unserem oft schwankenden Glauben. Die Gnade ist das entscheidende – und dass wir mehr oder minder oft und mehr oder minder stark an Gottes Gnade glauben, ist selbst wiederum Gnade … Glaube ist NICHT eine Art zweites Standbein des Errettet-Seins.

      • Super, dann freue ich mich weiterhin riesig über Gottes große Liebe und dass ich mit IHM verbunden bin, weil Jesus es garantiert, nicht etwa ich…. Sind wir untreu, so ist ER doch treu, ER kann sich selbst nicht verleugnen. Solche Zusagen in der Schrift und solcher Trost von Geschwistern wie Euch helfen mir immer wieder, auf die Beine zu kommen, Gott sei Dank!! Herzliche Grüße..

  3. zu diesem Thema sollte man unbedingt folgendes Buch gelesen haben … „the two natures in the child of god“ by E. W. Bullinger (oder „Die zwei Naturen im Kinde Gottes“, deutsche Übersetzung)
    eure Einschätzung zum Inhalt dieses kleinen Büchleins würde mich persönlich sehr interessieren, also falls Ihr es gelesen habt, meldet euch gern per Kommentar oder persönlich. im Übrigen frage ich mich, warum ihr eure bürgerlichen Identitäten nicht offenlegt… Impressum? (aber das ist nicht so wichtig 😉

  4. na ja, es geht ja nicht darum, was wir glauben, sondern darum, was Gottes Wort sagt. und in eben diesem kleinen Heft ist vieles davon zusammengeführt und erklärt. nebenbei bemerkt… Bullinger darf durchaus respektiert werden, wenn man sich vertraut macht mit dem, was er geschrieben hat 😉 man muss ja nichts davon übernehmen, was man nicht selbst in dem Wort Gottes nachvollziehen kann!

    ich kann es euch nur wärmstens empfehlen als einer, der auch an die völlige Gnade glaubt, und der auch den Weg aus einer gesetzlich-religiösen Tradition heraus zum befreienden Glauben gegangen ist 😉 der erste Satz in dem Artikel hat mich vermuten lassen, dass ihr einer „Lehre von den zwei Naturen“ begegnet seid, die sicher nicht korrekt ist und aber m. E. sicher auch nicht die der Schrift ist, sonst würdet ihr es ja auch glauben. ich gehe davon aus, dass ihr dem Wort Gottes glaubt. ich auch 😉 zumindest versuche ich das so gut ich kann… in dem Buch geht es um das Verständnis des Wortes Gottes zu diesem Thema, aber ich will keinen überreden irgendetwas zu lesen.

    wollte einfach nur etwas weiterempfehlen, was mir persönlich sehr geholfen hat. besser kann ich es leider auch nicht begründen 😉

    ob ihr`s jetzt lesen werdet oder nicht – Gott segne euch und euer Bemühen !!

    • Nur als Hinweis: über die Inhalte der Bibel muss man sich erst mal einig werden … gibt es etwa die Aussagen über die Nicht-Geltung des Gesetzes für den Gläubigen wirklich? Bedeuten sie auch das, was wir und andere behaupten? Zu viele Christen leugnen an solchen Punkten bereits Inhalte, die durch viele Bibelverse sehr klar belegt sind … dann kommt dazu, wie man biblische Inhalte gewichtet: zählen die Mose-Bücher gleich schwer wie die Evangelien oder die Briefe?

      … wäre klar, „was Gottes Wort sagt“, dann gäbe es ja keine Diskussionen um biblische Inhalte und deren Gewichtung.

  5. Pingback: Zitat der Woche 09/2017 | Kokospalme

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