Röm 3,20b … denn durchs Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Röm 5,13 bis zum Gesetz war Sünde in der Welt; Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist.

Was passiert aber mit uns, wenn das Gesetz keine Rolle mehr spielt in unserem Leben? Dann fehlt die Sündenerkenntnis, die durch das Gesetz kommt. Und diese Sündenerkenntnis ist konzipiert für alte Menschen, die nicht erlöst sind und nicht neu geschaffen und nicht heilig. Sie geht einher mit teilweise massiven Schuldgefühlen. Diese Schuldgefühle beziehen sich nicht nur auf das eigene Tun, sondern auf die eigene Person – manchmal sogar fast ausschließlich auf die eigene Person.

Wer erkannt hat, daß er ein Neuer Mensch ist und wer sich von Gott innerlich verändern läßt, merkt über kurz oder lang, daß ihm das Schuldgefühl für die eigene Person abhanden kommt. Seine Sündenerkenntnis wird damit auf das Wesentliche reduziert ist – und kommt je nach Personentyp sehr nüchtern daher.

Um Vergebung bitten hat dann vielleicht nicht mal mehr den Zweck, uns von Schuldgefühlen zu befreien – denn wir haben keine mehr. Schon vor unserer Bekehrung waren sie vor allem auf unsere Person bezogen, weil wir uns selbst für einen Fehler hielten und nicht die Lizenz zum Leben hatten.

Durch den Neuen Bund, wird Sünde zudem als Unglauben definiert. Das ist in gewissem Sinne eine viel nüchternere Definition von Sünde als die Definition von Sünde unter dem Gesetz.

Das Gesetz ist etwas Heiliges und korrespondiert mit der Heiligkeit Gottes. Und es zielt ab auf Sünder. Nun sind wir aber selbst Heilige und nicht mehr Sünder. Das Gesetz meint uns nicht mehr. Und konfrontiert uns auch nicht mehr mit unserer früheren Unheiligkeit. Jetzt sind wir “nur” noch konfrontiert mit unserem Unglauben, unserem Mißtrauen gegenüber Gott und seiner Versorgung für uns.

Das Ende der Konfrontation “Heiliger Gott – unheiliger Sünder” führt aber zu einem ganz neuen Gefühlsleben. Zum ersten Mal haben wir “nur” noch mit den Folgen des Sündigens für unser eigenes Leben und das der anderen zu tun; wir müssen nicht auch noch Sorge tragen für eine Verletzung der Heiligkeit Gottes. Die konnten wir so oder so nie wieder gut machen; aber das hat Gott für uns wieder in Ordnung gebracht – so sehr, daß seine Heiligkeit nichts Fremdes mehr für uns ist, sondern Teil unserer Natur geworden ist.

Unter dem Gesetz und seiner Botschaft “Gott ist heilig – und du bist es nicht” konnten wir uns nie entspannen. Aber nun lautet die Botschaft “Gott ist heilig – und du bist es auch”. Nicht, daß wir dafür etwas getan hätten: Gott hat es uns geschenkt, denn sonst könnten wir keine Gemeinschaft mit ihm haben.

Haben wir ein Problem dadurch, daß wir uns unter Umständen nicht mehr motiviert fühlen, um Vergebung für unsere Sünden zu bitten? Vielleicht nicht mal mehr darüber nachdenken, was wir vielleicht falsch gemacht haben könnten? Oder was unser neues Gefühlsleben auch immer für Konsequenzen haben mag …

Aus der Sicht Gottes jedenfalls nicht: er hat unsere Sünden getilgt, und zwar alle – die vor und nach unserer Neuen Geburt.

Aber wir selbst haben weiterhin das Bedürfnis, die eine oder andere Sünde voreinander zu bekennen – eben weil die Vortäuschung falscher Tatsachen etwas ist, daß überhaupt nicht kompatibel mit unserem Neuen Leben in Jesus ist; und schon gar nicht mit dem kollektiven Teil unseres Neuen Lebens.

Darüber redet 1.Joh 1,5-10:
5 Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist, und gar keine Finsternis in ihm ist. 6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. 7 Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde. 8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. 9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns.

Es besteht einfach keine Notwendigkeit mehr für uns, so zu tun, als sei unser Leben “besser” als es eben ist. Leider laufen viele Christen, die etwas über unsere Identität in Jesus erkannt haben, in diese Falle.

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  1. @“die Sündenerkenntnis wird dann auf das Wesentliche reduziert“

    Das erklärt bitte mal ganz konkret. Was ist das Wesentliche? Wie wirkt sich das dann im Leben des Christen aus? Was muss der Christ dann tun, mit seiner Sündenerkenntnis?
    Und nun bitte nicht zwanzig Punkte, wie es sich eurer Meining nicht auswirkt und was der Christ dann alles nicht tun muss.
    Für eine allgemein verständliche konkrete Antwort wäre ich dankbar.

      • Die Frage zielt darauf ab:
        1. Was macht ein Christ, wenn er merkt, er hat gesündigt.
        2. Wie wirkt es sich in seinem Leben aus, wenn er meint, nichts tun zu müssen, da ihm ja alle Sünden bereits vergeben sind?
        3. Nehmen wir an, der Christ möchte diese Sünde nicht lassen (beispieldweise permanenter Ehebruch). Wie wirkt sich das in seinem geistlichen Leben aus.
        meine Position: es wirkt sich aus. Eph 4,30 betrübt nicht den Hl.G.
        1.Thess 5,19 den Geist löscht nicht aus
        Heb 12,5-11 hier ist die Rede von Züchtigung des Herrn, die die er liebt (seine Söhne & Töchter)
        konkret unterscheide ich hierbei zwischen Gott als Richter (vor meiner Bekehrung) und Gott als Vater (seit meiner Bekehrung)
        Er ist nicht mehr mein Richter, von daher wirkt sich diese Sünde nicht auf mein Sohschaftsverhältnis aus. Er ist aber mein Vater und diesbezüglich wirkt sich Sünde im Leben eines Christen aus. Wenn der Hl. G. betrübt wird, wird immer auch der Vater betrübt. In diesem Zusammenhang sehe ich Heb 12, 5-11

        Es sollte nun aber bitte nicht darum gehen, meine Position zu kritisieren, sondern ich möchte gerne eure Position erfahren.
        Wie wirkt sich Sünde im Leben oder auf das Leben eines Christen aus.
        Nun eure Position mit Erklärung bitte.

        • Die Frage ist nicht, was er tun muss – sondern was er tun KANN (wie man hier auch an anderer Stelle nachlesen kann). Handlungsalternativen sind nicht einfach per Erlösung in uns (jedenfalls nicht überall), sondern entstehen und wachsen in uns. Sofortiges „Buße-Tun“ ohne diese Grundlage stammt auch aus der Mottenkiste des Gesetzes – und ist zudem sinnlos, weil die alte Handlungsweise sich einfach wieder Bahn brechen wird.

          Vereinzelt kann ein Nicht-Sündigen auf der Handlungsebene mit zusammengebissenen Zähnen sicher auch mal sinnvoll sein – aber nicht als Dauerlösung (als solche ist sie auch nicht durchzuhalten). Und es darf schon gar nicht als „Heiligung“ mißverstanden werden.

          … auch permanentes Fremdgehen beeinträchtigt die Beziehung eines Christen zu Gott nicht (wenn er das nicht glaubt, wird er das aber natürlich anders empfinden!!) – es reicht auch völlig, dass er natürlich seine Ehe gefährdet und sich und anderen dadurch schaden kann. Das gilt auch für alle anderen Sünden, die einen schädigenden Charakter haben. Warum dir die Beeinträchtigung unserer Gottesbeziehung so wichtig ist, ist vermutlich darin begründet, dass dies aus deiner Sicht „Druck“ erzeugt. Es erzeugt aber Isolation und Gottesdistanz: beides eine schlechte Grundlage für echte Veränderung.

          Das Konzept von „Züchtigung“ hat ebenfalls eine lange, unheilvolle gesetzlich-strafende Vorgeschichte. Siehe dazu aufklärend http://www.michael-trenkel.de/docs/Der_Unterschied_zwischen_Strafe_und_Erziehung_MT.pdf . Auch hier muss dringend „ausgemistet“ werden. Wie du es persönlich damit hältst, ist dir natürlich freigestellt.

          Wir verweisen nochmals darauf, dass dein Verwenden von „Betrüben“ (altgriechisch: lypeite) ebenfalls eine lange, unheilvolle gesetzlich-strafende Auslegungsgeschichte hat. Die Gnade Gottes dient nicht dazu, solche und ähnliche Konzepte nun munter weiter zu vertreten und zu leben.

          Im übrigen freuen wir uns über Ergänzungen, exegetische Aufklärung, historische Hintergründe u.ä. – aber nicht über „Korrekturversuche“, die im Grunde wieder unter das Gesetz zurückführen.

          • Ich denke nicht, dass meine Meinung, dass sich Sünde im Leben eines Christen auswirkt, unweigerlich zurück unters Gesetz führt. Beispielsweise die Ereignisse in 1.Kor 5, oder aber auch in den Evangelien (Mt 16, 18ff) werden wir fündig. Es hat, wie ihr so schön schreibt, Auswirkungen auf die Beziehungen unter den Christen. Und ich meine eben, darüber hinaus auch das Vater/Sohn Beziehung. Aber eben nicht auf Heil, Sündenvergebung etc.. bezogen, sondern bezogen auf „Betrüben“.:-)
            Die er liebt, züchtigt er. Heb 12,5-11
            Er züchtigt nicht nach Gutdünken, wie unsere leiblichen Väter, … er aber zum Nutzen!!!!
            Was soll es denn Nutzen??? Damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Das meine ich.
            Und natürlich sind wir bereits Heilige etc…, das weiß ich auch alles. Aber dieser in Heb 12 eröffnete Gedanke ist das, worauf ich ganze Zeit abziele. Vielleicht habe ich das zu ümständlich angestellt?
            Und damit sich der Kreis schliesst:
            Das meine ich auch bei dem „Trennt Sünde uns von Gott?“ Austausch.
            Sünde trennt nicht, Sünde betrübt.
            Belügt mich mein Sohn, bleibt er mein Sohn, weil er ein für alle mein Sohn ist). Aber unsere „Beziehung“ oder vielleicht besser gesagt unsere „gute Kumpel-Partnerschaft“ muss bereinigt werden, weil eben „Schmutz“ ins „Getriebe“ gelangt ist.
            Bereinigt oder gereinigt, weil ansonsten im Umkehrschluss von Heb 12, 10 nicht seiner Heiligkeit teilhaftig (natürlich im Sinne von diesem Kontext in Heb 12. Im weiteren Sinne, denke ich zumindest, von … bleibet in mir… Joh 15.9ff
            Und im Kontext von Joh 15,9ff ist …seine Gebote halten nicht aus der Mottenkiste des Gesetzes.
            Nun soll es mal gut sein.

          • Dass Sünde sich im Leben von Menschen (und auch von Christen) nicht auswirkt, haben wir nie behauptet – im Gegenteil haben wir darauf immer wieder im Lauf der Jahre hingewiesen.

            Aber Sündigen hat eben keine Auswirkung auf unsere Beziehung zu Gott. Das haben wir Jesus zu verdanken, der diesbezüglich alles mehr als geklärt hat.

            Der verständlicherweise verärgerte Vater im menschlichen Bereich ist in diesem Falle keine zutreffende Parallele zum Vater im Himmel.

  2. Aus besagter Stelle Heb 12,5-11 geht deutlich hervor, dass der Vater uns züchtigt (aus Liebe), damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig sind.
    V.11 Alle Z. scheint uns zwar für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein; nachher aber gibt sie denen, die durch sie geübt sind, die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit. andere Übersetungen: Frieden und Gerechtigkeit oder auch innerer Frieden und Leben in der Gerechtigkeit
    „Seiner Heiligkeit teilhaftig“ hat für mich sehr viel damit zu tun, wie ich mit Jesus unterwegs bin.
    Das wiederum hat für mich sehr viel damit zu tun, wie ich Gott sehe.
    Aus dieser Sicht von Gott erwächst meines Erachtens eine sehr viel tiefere Beziehung zu Ihm (in meinem Wandel, nicht in meiner immer selben Stellung zu ihm).
    Von diesem Standpunkt aus behaupte ich, dass, wenn ich mit Sünden nicht aufräume, ist meine Beziehung zu ihm (im Wandel) beeinträchtigt. Nur in dem Sinn, dass es eben dann keine sonderlich tiefe Beziehung ist.
    Das hat jetzt nach meinem Verständnis rein gar nichts mit unsere Stellung zu tun, die wir in Christus haben (die ist und bleibt unveränderlich, daran können wir weder durch tun noch durch lassen etwas ändern, da bin ich ganz bei euch!). Aber es hat eben etwas mit unserem Wandel zu tun, wie wir mit Jesus unterwegs sind.
    Nun sagt ihr wahrscheinlich. Das kann man nicht in Stellung und Wandel differenzieren.
    Ich meine: Wenn man das nicht differenziert, stößt man im gesamten NT auf unüberwindbare Probleme. Diese P. lassen sich eben ganz einfach mit solchen „Hilfskunstruktionen“ erklären bzw. auflösen.
    P.S.: Ich schätze diesen mittlerweile kultivierten Disput mit euch sehr.
    Ich will euch nicht ärgern oder korrigieren, vertrete aber klare Standunkte, die ich auch erklären kann.
    Das tut ihr auch. So finde ich das ok. So stelle ich mir eine fruchtbringende offene Diskussion vor.

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