Ausgerechnet Jakobus (der Mann mit dem Glauben und den Werken) beschreibt uns, wie in unserem Leben mit Jesus ein Tun entsteht, das man mit Fug und Recht glückselig nennen kann:

„Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineingeschaut hat und dabei geblieben ist, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird in seinem Tun glückselig sein.“ (1,25)

Dies ist ein sehr dichter Vers – einer der Verse, der zeigt, dass die Briefschreiber ihren Lesern und Zuhörern nur ein paar Stichworte liefern mussten; und die erinnerten sich daran, wie sie zu diesen Themen gelehrt worden waren. (Zum Kontext siehe https://konsequentegnade.wordpress.com/bibelstellen/jakobus-1-17-27/ )

Jakobus setzt bei ihnen mehreres voraus:

  • sie wissen, was mit dem „vollkommenen Gesetz der Freiheit“ gemeint ist
  • man kann in diese Freiheit hineinschauen, aber muss nicht dabei bleiben
  • das Gesetz der Freiheit muss nicht zu Werken führen – auf jeden Fall dann nicht, wenn wir die Inhalte des Gesetzes der Freiheit wieder vergessen
  • nur das Gesetz der Freiheit führt zu einem glückseligen Tun
  • es gibt offensichtlich auch ein „unglückseliges Tun“, das nicht auf der Grundlage des Gesetzes der Freiheit entstanden ist

Natürlich ist das vollkommene Gesetz der Freiheit nicht das mosaische Gesetz oder ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern. Denn der Gläubige ist befreit von diesem Gesetz ( https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/freiheit-vom-gesetz/ ).

Was meint dann der Begriff „Gesetz der Freiheit“? Da es um unser Tun geht bzw. um Werke, ist es sehr wahrscheinlich, dass mit dieser Formulierung der Teil unserer Erlösung beschrieben wird, da sich direkt oder indirekt auf die Handlungsebene bezieht. Paulus nennt das den „Wandel im Geist“ (Galater 5,16), Petrus sehr ähnlich „Wandel in Christus“ (1.Petrus 3,16). Dafür spricht auch, dass bei Jakobus direkt zuvor steht „Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat sogleich vergessen, wie er beschaffen war.“ (1,24)

Dabei geht es nicht um irgendwelche guten Werke, wie sie auch jeder Nicht-Christ hervorbringen kann. Werke, für die man keine Erlösung braucht. Werke, die auch ohne das verändernde Werk des Geistes in uns möglich sind. Werke, wie sie leider viel zu oft auch unter Christen und in Gemeinden zu beobachten sind.

Die ersten Gemeinden haben die Grundlagen für ein „glückseliges Tun“ ausführlich erklärt bekommen – wir müssen dieses rekonstruieren aus den Aussagen, die wir dazu haben. Und leider war es für lange Zeit üblich, die Dinge nach der Art des mosaischen Gesetzes zu rekonstruieren: alles ist wie dort – nur die Motivation ist eine andere (Liebe zu Jesus, Liebe zum anderen, Dankbarkeit für die Erlösung). Und offensichtlich ist dieses Tun nicht „glückselig“ – denn sonst würden es ja nicht so viele Christen auf das Nötigste reduzieren oder ganz aufgeben.

Unsere Regel ist aber „Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm“ (Kolosser 2,6). Empfangen haben wir ihn als Geschenk, wir wollten es nur – entsprechend sollen wir auch in ihm „wandeln“. Das muss für uns spürbar sein. Unter der Härte des Gesetzes zu „wandeln“ und dann einen Aufkleber „nur aus Gnade“ oder „Wandel im Geist“ drauf zu machen, erfüllt das Kriterium „so“ aus Kolosser 2,6 nicht

Versuchen wir also, den Prozess, der zum glückseligen Tun führt, ohne den Rückgriff auf das mosaische Gesetz zu rekonstruieren (und ähnlich konstruierte Regelkataloge, die mit Zwang arbeiten und Perfektion fordern). Man könnte jeweils noch viel mehr zu den Punkten sagen (aber das führt zu weit im Moment):

  • erst einmal ist es ein Prozess – es gibt seltener ein „sofort“. Das „Sofortige“ ist die Domäne des mosaischen Gesetzes (und verwandter Regelwerke). Wären wir sofort und spürbar überall anders im Denken, Fühlen und Wollen, in unserer Motivation, wäre auch unser Handeln sofort ein anderes: „Übrigens nun, Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr ja von uns Weisung empfangen habt, wie ihr wandeln und Gott gefallen sollt – wie ihr auch wandelt -, dass ihr darin noch reichlicher zunehmt“ (1.Thess 4,1)
  • Warum ist es ein Prozess? Weil wir zwar geistlich neu geboren wurden, aber unser natürlicher Anteil (Fleisch) anfangs relativ unverändert ist. Es gibt also Teile unserer Person, die noch nicht anders geworden sind. Unser natürlicher Anteil, unser Fleisch ist schwach (Markus 4,38 / Römer 6,19) und es wohnt (noch) nichts Gutes in ihm (Römer 7,18). Dort aber sind eben Denken, Fühlen und Wollen angesiedelt.
  • Christen merken anfangs eine hohe allgemeine Willigkeit, anders zu handeln – sie stossen aber an so einigen Punkten schnell an ihre Grenzen. Die Prägung des alten Lebens auf der natürlichen Ebene erweist sich als hartnäckig. Es mangelt an wirklicher Motivation. Anders zu handeln ist zäh bis unmöglich (Römer 7,18): „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, [noch?] nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten nicht
  • An dieser Stelle wird es kritisch. Denn Frustration macht sich breit, vielleicht sogar Verzweiflung über das eigene Tun und Lassen. Und das ist leider der Punkt, an dem die Gesetzeslehre (direkt oder in einer ihrer Verkleidungen) den Gläubigen leicht für sich gewinnen kann. Sie sagt „du strengst dich nicht genug an. Streng dich mehr an. Setz deine Willenskraft ein. Lerne, mit Schmerz und Qual und Entbehrung zu leben – denn du mußt lernen zu tun, was du eigentlich nicht willst.“ Hier kann ein jahre- und jahrzehntelanger Kreislauf von Scheitern und neuer Anstrengung entstehen (der die Willensschwachen mehr quält als die Willensstarken)
  • in einer glücklicheren Situation hört der Gläubige etwas darüber, wer er in Christus ist und was ihm alles durch Christus gehört und zugänglich ist. Allerdings führt das noch nicht automatisch zu einem anderen Handeln: die Betrachtung unseres Neu- und Anders-Seins als Erlöste ersetzt die innere Veränderung nicht (ein Fehler vieler Bibellehrer, die über unsere „Neue Identität“ bzw. Neue Natur in Christus viele richtige Dinge sagen)
  • in einer noch glücklicheren Situation hört er etwas darüber, dass ihm auch die innere Veränderung geschenkt wird: „Denn Gott ist es, der in euch wirkt, sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen.“ (Philipper 2,13) oder „Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt / lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Sinnes / Denkens / Wollens“ (Römer 12,2)
  • in unserem natürlichen Anteil (das Fleisch) entsteht nach und nach Neues (ein neues Denken, Fühlen, Wollen) und wir können (irgendwann) anders handeln (vorteilhaft für uns und andere); in der Zwischenzeit können wir natürlich nicht einfach nichts tun, sondern werden so lange sündigen, bis das Neue spürbar da ist: „Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand sündigt – wir haben einen Beistand bei dem Vater: Jesus Christus, den Gerechten“ (1.Joh 2,1)
  • wir bekämpfen das Sündigen nicht mit dem Gesetz, weil wir ansonsten unsere echte Veränderung bremsen oder blockieren: „Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder. Nur gebraucht nicht die Freiheit als Anlass für das [religiöse] Fleisch [das sich so gern selbst anstrengt und etwas beitragen will], sondern dient einander durch die Liebe!“ (Galater 5,13). Und vor allem: „Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.“ (Galater 5,4)
  • wir halten tapfer fest an dem, was wir sind und haben und was an uns (unsichtbar) verändert wurde (Römer 8); auch daran, dass wir „Sklaven der Sünde waren“ (Römer 6,17) und es nicht mehr sind (gemäß unserer neuen Natur – egal was unser Handeln sagt).
  • wir müssen nicht leugnen, dass wir sündigen: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1.Joh 1,8)
  • wir können überlegen, wie wir unser Sündigen so gestalten, dass es möglichst wenig Schaden anrichtet (was unter dem Gesetz nicht geht, da dort Sündigen strikt verboten ist)
  • wir lieben weiterhin und tun das Gute, das bereits in uns gewachsen ist; unser Tun wird glückselig:  „Denn wenn die Bereitwilligkeit da ist, so ist sie willkommen nach dem, was sie hat, und nicht nach dem, was sie nicht hat.“ (2.Korintherbrief 8,12). Das, was wir nicht haben, hindert uns nicht daran, das zu geben, was wir haben.

Eine noch kürzere Fassung der Kurzfassung wäre in etwa:

Neue Geburt > Neues Leben und Neuer Geist > Willigkeit zum Guten > trifft auf natürliche Prägung (Fleisch) > Frustration, Verzweiflung (Römer 7) > Entdeckung: Veränderung als Geschenk und Prozess (Rö 2,12, Phil 2,13) > neues Denken, Fühlen, Wollen führt zu neuem Handeln (braucht Zeit) > in der Zwischenzeit (wie lange diese auch immer ist) ist Sündigen unvermeidbar, das bereits vorhandene glückselige Tun aber auch

Falls jemand den Prozess noch präziser beschreiben kann (oder Lücken findet) – nur zu. Aber bitte ohne durch die Hintertür wieder das Gesetz einzuschmuggeln!

Und natürlich wäre noch viel mehr darüber zu sagen. Vielleicht wird es auf dieser Seite irgendwann mal eine eigene Abteilung unter dem Titel „Wie werden wir verändert?“ geben.

Übrigens hat das Zusammensein von Christen folgende Wirkung:

Hebr 10,24 und lasst uns aufeinander achthaben, um uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen,

Hebr 10,25 indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht!

Wenn es diese Wirkung nicht hat, dann liegt es vermutlich daran, dass ein ganz anderer Weg der „Veränderung“ hin zu „guten“ Werken gelehrt und gelebt wird.

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  1. Wie werden wir verändert?

    „Und ich werde euch ein neues Herz geben und euch einen neuen Geist schenken. Ich werde das Herz aus Stein aus eurem Körper nehmen und euch ein Herz aus Fleisch geben.“ Hesekiel 36,26

    Es geschieht also durch Gottes Geist, nicht durch etwas, was ich tun kann.

    Dieses neue, veränderte Herz „aus Fleisch“ habe ich zwar schon, seitdem ich Gott gehöre, aber es fühlte sich doch so oft „steinig“ an. Wo war der Geist, der Lebensfreude verspricht, das „Leben im Überfluss“, dass Jesus seinen Nachfolgern verheißt? Das Leben fühlte sich anders an: Eintönig, arbeits- und stressreich, Leben von Wochenende zu Wochenende, die einzigen Freuden die Stunden mit den Menschen, die man gern hat und gern trifft, dann wieder Arbeit, kämpfen gegen Windmühlen, abends fernsehen oder sonstige Ablenkung, erschöpft ins Bett fallen…kennt das noch jemand?

    DAS nennt die Bibel GÖTZENDIENST! Und leider Gottes ist genau das das Leben, das viele Christen führen, zumindest die, welche ich kenne. Ich möchte begründen, wie ich zu der Aussage komme:

    Seit dem plötzlichen Tod einer lieben Freundin vor einem Jahr hat Gott mich wachgerüttelt, mein Herz auf IHN ausgerichtet. Ich behaupte nicht, dass ich ein perfekter Christ bin, im Gegenteil, ich sündige nach wie vor täglich. Der Unterschied zu früher ist, dass Jesus jetzt nicht nur der mit dem Mund bekannte, sondern auch der im Herzen geglaubte Mittelpunkt meines Lebens ist. Endlich habe ich die Art Beziehung zu ihm, die ich mir oft wünschte: Freude an Gott, an seinem Wort, am Reden mit ihm und Reden über ihn. Diese Freude kam nicht von heute auf morgen und ist auch nicht immer gleichbleibend, sie will jeden Tag neu erlernt werden. Durch bewusste Hingabe aller Lebensbereiche an Jesus, aller meiner privaten „Götzen“, die ich Gott bisher vorenthielt, komme ich immer mehr dahin zu sagen „Die Freude am Herrn ist meine Stärke“. Durch das immer mehr Kennenlernen von Jesus – durch sein Reden in der Bibel, aber auch auch einfach im Alltag durch kleine „Zufälle“ führt er mich auf diesem Weg des veränderten, fleischernen Herzens immer ein kleines Stück weiter.

    Ich verdanke es nicht meiner Gottesfurcht oder Heiligkeit, sondern echt nur Gottes Gnade (im Gericht durch Tod!), dass er mich auf dem Weg zu sich über dieses Stadium hinaus geführt hat, in dem ich viele Jahre festhing. Was hielt mich dort fest?
    Schlicht gesagt Ungehorsam. Das Festhalten an altvertrauten „Götzen“, statt die Freude an Gott zu suchen und ihn anzubeten. Ich habe Freude gesucht an meinen Freunden, Bequemlichkeit, Wohlstand, Anerkennung von Menschen, Erfolg, erfüllte Liebe/Partnerschaft u.v.m. Alle diese „Götzen“ sind an und für sich ja meist nicht verkehrt, aber sie waren und sind mir oft wichtiger als Gott und das macht es zu Götzendienst und somit wurde ich zum frommen Heuchler.

    ABER: Ich bin es immer noch. Hä, fragst du dich vielleicht? Deine Beziehung zu Jesus ist doch erfüllt und erfüllend, warum diese Selbstkasteiung? Nein, ich meine es nicht als Selbstkasteiung, sondern bloß als realistische Selbsteinschätzung, ich sage es ohne Schuldgefühle. Jeder Mensch betet von Natur aus geschaffene Dinge an und nicht den Schöpfer, das ist unsere Ursünde, der Zustand, in dem wir uns befinden. Und als Christen müssen wir uns ständig prüfen, wo wir es zulassen, dass geschaffene Dinge uns wichtiger werden als Gott.
    Wir sind schon einen großen Schritt weiter, wenn wir das erkennen. Denn eins meiner Probleme war, dass ich mich nie als Heuchler erkannte. Hätte mir das jemand vor zwei Jahren, ja, noch vor einem, gesagt, ich hätte es lauthals abgestritten. Ich hielt mich doch an alle Gebote Gottes, zumindest im Großen und Ganzen. Dass mein Herz nicht wirklich dabei war, erkenne ich erst jetzt im Nachhinein. Ja, mir fehlte es an Freude an Gott, und dass das auf mein geteiltes Herz zurückzuführen war, auf diese Idee bin ich schon gekommen – ich hatte nur nie den Mut und den langfristigen Wunsch, das zu ändern. Das Leben lief doch eigentlich nicht schlecht – ab und an innere Leere, aber insgesamt okay! Gott sei Dank erzieht uns Gott und lässt uns nicht in unserer Leere stecken!!!

    Das geschieht auch durch Bücher von Menschen, die sich mit der Bibel etwas intensiver auseinandersetzten als ich und so profitiere ich nun davon, was sie mir über mein Herz zu sagen haben. Erst kürzlich habe ich Folgendes gelesen (aus „Motivationen – Warum tun wir, was wir tun“ von E. T. Welch, darf ich das hier zitieren? Ist ganz schön lang…):

    „Die Sache ist, dass wir als Geschöpfe dazu geschaffen sind, unser Vertrauen in etwas zu setzen, das über uns hinausgeht. Aber warum vertrauen wir auf Dinge, die unser Vertrauen gar nicht zu verdienen scheinen?
    Seien Sie gewarnt! Die Antworten sind nicht angenehm, aber sie gelten für jeden von uns.

    – Wir sind stolz:…Götzendiener sind auch dann „arrogant“, „stolz“ und „eingebildet“, wenn sie vor ihren Götzen niederknien. Sogar in unserem Götzendienst soll nichts über uns stehen…Hauptsache, es dient uns.
    – Wir verlangen nach Autonomie:…bedeutet, dass wir am Drücker sein wollen…wir wollen unsere eigenen Regeln aufstellen, statt uns dem lebendigen Gott zu unterwerfen…versuchen, unser eigenes Reich aufzurichten, getrennt von Gottes Reich.
    – Wir wollen uns unserem eigenen Verlangen hingeben: …Im NT wird durchweg vor der Begierde gewarnt:

    „Ich will damit nur sagen: Der Geist Gottes soll euer Leben bestimmen, dann werdet ihr den eigenen Begierden widerstehen können.“ Gal 5,16

    „Zu ihnen haben wir früher auch gehört und wurden wie sie von unseren eigenen Begierden beherrscht. Wir lebten unsere Triebe und Ideen aus und waren genauso wie die anderen von unserem Wesen her dem Zorn Gottes ausgeliefert.“ Eph 2,3

    „So sind sie in ihrem Gewissen abgestumpft und haben sich ungezügelten Lüsten hingegeben, sind unersättlich in sexueller Unmoral und Gier.“ Eph 4,19

    „Nein, jeder wird von seiner eigenen Begehrlichkeit hingerissen und gelockt. Wenn dann die Begierde schwanger geworden ist, bringt sie Sünde zur Welt, und die Sünde, wenn sie voll ausgewachsen ist, den Tod.“ Jak 1,14.15

    „Ihr wisst, liebe Geschwister, dass ihr in dieser Welt nur Ausländer und Fremde seid. Deshalb ermahne ich euch: Gebt den Begierden eurer eigenen Natur nicht nach, denn sie kämpft gegen euch.“ 1. Petr 2,11

    Das verdeutlicht, dass unser menschliches Herz nur an einem interessiert ist, nämlich „ICH WILL“. Götzendienst geht um mich – meine Wünsche, meinen Willen.

    Götzen und Christen

    Das Gerede von lauernden Götzen scheint vielen Christen fremdartig. Immerhin haben wir keine Götzenbilder in unseren Häusern und wir haben Jesus Christus längst die Treue geschworen. Vergessen Sie trotzdem nicht, dass Götzendienst heimlich in jedem Herzen wohnt. Christen sind nicht ohne Sünde; das wird erst geschehen, wenn Jesus wiederkommt. In der Zwischenzeit kämpfen wir besonders auf der Ebene unserer Motivationen und Vorstellungen. Die Warnungen vor Götzendienst und Heuchelei sind völlig zurecht an uns gerichtet.

    Christlicher Götzendienst geschieht subtiler und nicht als eine totale und lautstarke Absage an Jesus Christus. Es kann einfach sein, dass wir meinen, Christus sei nicht genug. Wir überlegen uns: „Ich kann mich auf ihn verlassen, wenn es um das ewige Leben geht, aber wird er mir wirklich die Dinge geben, die ich meine, nötig zu haben, wie z.B. Geld, erfüllte Ehe oder persönliches Vergnügen?“
    Und um einfach sicher zu gehen, verteilen wir unser Vertrauen auf den wahren Gott und diverse Götzen. Es ist, als habe man vielseitige Wertpapieranlagen. Wir hinterziehen Steuern, entschuldigen unsere voreheliche sexuelle Beziehungen, gehen unangenehmen Leuten aus dem Weg. Es scheint alles in allem nicht so schlimm. Immerhin haben wir Christus nicht verleugnet, doch dieses halbherzige Vertrauen kommt einer Absage an Gott gleich.

    Veränderung, die von Herzen kommt

    Wenn wir dieser Tatsache gegenüber stehen, bleibt uns nur eins zu sagen: „Okay, ich gebe auf. ‚Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?‘ (Jer. 17,9). Schuldig im Sinne der Anklage.“
    Und was nun? Warten wir einfach ab, bis Christus sich zurück meldet oder gibt es etwas, das wir jetzt tun können? Die Antwort lautet natürlich, dass wir den Kampf gegen die Sünde sofort aufnehmen. In der gesamten Schrift geht es genau darum – und die Tatsache, dass uns der Vater im Himmel den Heiligen Geist gesandt hat, beweist, dass wir mehr Munition als nötig haben. Aber wie genau stellen wir das an?

    1. Wir nehmen unser Herz in Augenschein

    Wir sehen uns die Frucht unseres Lebens an – die kleinen und großen Sünden, die Sorgen und Ängste, die Enttäuschungen und Verzweiflungen – und fragen uns, was sie uns über unsere Beziehung zu Gott erzählen. Wir stellen uns Fragen, die aufdecken: „Was will ich? Was glaube ich? Inwieweit richtet sich das gegen andere? In was setze ich mein Vertrauen? Wie und was rede ich über Gott?“…

    Veränderung beginnt dort, wo wir zugeben, dass Streit und Auseinandersetzungen…

    „von den Begierden kommen, die sich regelrechte Schlachten in euren Gliedern liefern. … Ihr seid gierig und bekommt doch nichts. Ihr mordet und neidet und könnt auch so eure Wünsche nicht erfüllen. Ihr streitet und bekriegt euch – und habt nichts, weil ihr nicht darum bittet. Und selbst wenn ihr betet, bekommt ihr nichts, weil ihr in böser Absicht bittet und nur eure Gier befriedigen wollt. Wisst ihr Treulosen denn nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft gegen Gott bedeutet? Wer also ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar.“ (Jak 4,1-4)

    Wenn wir diesen Schritt auslassen, dann nähren wir den Pharisäer in uns, der nach außen gut aussieht, „aber ihr Herz ist fern von mir“ (Mt 15,8). Wir alle vermögen das Richtige zu tun, aber Gott will mehr von uns. Er will keine Opfer und Gaben, die uns vor anderen gut dastehen lassen. „Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten.“ (Ps 51,19)

    2. Wir kehren um und erkennen den dreieinigen Gott

    Nachdem wir unser Herz unter die Lupe genommen haben, kehren wir um und sehen auf Jesus! Wahre Veränderung geschieht dann, wenn wir darauf ausgerichtet sind, den EINEN besser kennenzulernen, der wirklich unsere Anbetung verdient. Veränderung geschieht nicht durch einen Plan, der in verschiedene Schritte eingeteilt ist, sondern, indem wir die eine Person besser kennenlernen.
    In Jesus zeigt uns der Vater letztlich seine Güte, seine Macht und seine Herrlichkeit. Und nur in Jesus finden wir die Kraft zur Veränderung.
    Wenn Sie zu Jesus kommen, rechnen Sie damit, überrascht zu werden. Sie können nicht verändert werden durch jemanden, der gewöhnlich ist.
    Zunächst überrascht es, dass Jesus alle, die zu ihm kommen, annimmt und ihnen vergibt. Diese Garantie haben wir durch das Kreuz. Da sind keine auferlegten Bußübungen nötig, keine Selbstkasteiungen, keine Ecke zum Schämen. Die Vergebung der Sünden geschieht alleine durch Gott. …Sie wurde uns entgegengebracht, als wir noch Sünder waren, und nicht einfach, nachdem wir den Versuch unternahmen, uns zu ändern. Durch diese verblüffende Liebe „können wir nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade“ (Hebr 4,16). Und das ist erst der Anfang. Diese Liebe wird auch unsere Reaktion auf die Umstände des Lebens verändern.
    Sehen Sie sich das Kreuz noch einmal an. Ist es nicht der Beweis für seine große Liebe und Güte für Sie? Wie können Sie denken, er könnte Ihnen gegenüber geizig sein, wo er Ihnen doch schon seinen einzigen Sohn gab?
    Die Kraft zur Veränderung kommt, indem wir Gott mehr erkennen. Deswegen – suchen Sie ihn! Wenn Sie das tun, dann werden Sie ihn erkennen, denn Gott macht es Freude sich uns zu offenbaren:

    „Und ich bete, dass Christus durch den Glauben immer mehr in euren Herzen wohnt und ihr in der Liebe Gottes fest verwurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Gläubigen das ganze Ausmaß seiner Liebe erkennen. Und ihr könnt auch die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat; eine Liebe, die größer ist, als ihr je begreifen werdet. Dadurch wird euch der Reichtum Gottes immer mehr erfüllen. Durch die mächtige Kraft, die in uns wirkt, kann Gott unendlich viel mehr tun, als wir je bitten oder auch nur hoffen würden.“ (Eph 3,17-19)

    Das wachsende Verständnis Gottes treibt uns zum Handeln. Es führt zu Vertrauen und Gehorsam. Wenn wir ihn erst einmal kennen, dann wollen wir ihm folgen. Weil er uns so geliebt hat, werden wir wissen wollen, wie wir ihn lieben können.

    Genauso, wie die Wurzeln der Bäume sind unsere Herzens meistens verborgen und wir können ihre Tiefe nie vollständig erfassen. Aber wir müssen keine Meister der Analyse sein. Alles, was wir brauchen, ist die Bereitschaft zu sagen „Erforsche mich, o Gott“ (Ps 139,23), und wir werden anfangen, zu erkennen.
    Machen Sie sich nicht allzu viele Gedanken, wenn Sie meinen, Sie kratzen nur an der Oberfläche. Es ist wichtiger, Gott zu kennen, als die Motive unsres Herzens – und Gott offenbart sich sehr großzügig. …Dann werden Sie in der Erkenntnis Gottes wachsen, werden Sie verändert werden – auch bis auf den Grund Ihres Herzens.“

    So, das war ein sehr langes Zitat. Aber das Abtippen war jedes Wort wert:).

    Wir kennen unser Leben, unseren Alltag nur zu genau. Wir leben nur allzu oft als Kinder Gottes, ohne dass er auch wirklich unser Herr ist, das Sagen in unserem Alltag hat, oder ging das nur mir und den allermeisten Christen in meinem Umfeld so? Darf Jesus sagen, wie ich meine Zeit verbringe und mit wem? Darf er bestimmen, wie ich mit meinem (äh, seinem) Geld umgehe? Ist er der Herr über das, was ich „in mich aufnehme“, seien es Lebensmittel oder Medienkonsum? usw. Sich das zu fragen, ist keine Gesetzlichkeit, sondern das praktische Leben mit Jesus als Herrn, die Bibel nennt das Hingabe und Heiligung. Seit ich letztes Jahr mich bewusst hinkniete und Jesus ALLE Lebensbereiche (die mir einfielen) hingab, erfahre ich mehr und mehr Befreiung. Freiheit, gerne das zu tun, was ER will.

    Oft fällt es mir so schwer, meine Götzen loszulassen – nichts weniger erwartet Gott aber! Weshalb sonst sollte das NT vom „Kampf“ gegen die Sünde, gegen Begierden, die in mir „streiten“, sprechen? Ich habe es mir inzwischen zur Gewohnheit gemacht, mich bei Bedarf (=Götzenanbetung) hinzuknien und Gott genau die Wünsche, Ängste und Sorgen hinzulegen, die mich am meisten beschäftigen. Genau dann, wenn ich merke, da ist etwas, das kann ich nur schwer loslassen.
    Gott lässt sich nicht zweimal bitten, er ist treu und gut – er nimmt weg und gibt eine ganz andere Art von Freude, einen Frieden, den man auf der Welt nicht begreifen kann. Nicht von heute auf morgen, es ist ein langsamer, aber stetiger Prozess der Veränderung.

    Selbst die treuesten Christen haben zeitlebens mit ihren Götzen zu kämpfen, es ist kein Zufall, dass das Gesetz des AT seinen Fokus genau auf das Thema richtet. Die Gnade aber hilft uns, Gott immer wahrhaftiger anzubeten und von Götzendienst immer freier zu werden – das gelang dem Volk des alten Bundes ebenfalls zeitlebens nicht. Ganz frei von Götzendienst im Sinne von „sündlos“ werden aber auch wir hier auf der Erde nicht endgültig werden, daher heißt es „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ (2. Kor. 12,9)

    Ich will mit einem Zitat des frühen Propheten Josua enden, welches zeigt, dass Gnade und Gesetz schon damals keine Widersprüche waren. Diesen Eindruck erhielt ich beim Lesen des Blogs nämlich zuweilen, obwohl ich viele Gedanken auch richtig gut fand! Hier ist echte Liebe und Hingabe an den Herrn spürbar, das will ich nicht in Abrede stellen!
    Der 8-Punkte-Plan zur Veränderung („Veränderung geschieht nicht durch einen Plan, der in verschiedene Schritte eingeteilt ist, sondern, indem wir die eine Person besser kennenlernen“,
    s.o.:-)) könnte m.E. folgendermaßen gekürzt werden:

    „So haltet nun fest daran, alles zu befolgen und zu tun,
    was im Buch des Gesetzes Moses geschrieben steht,
    dass ihr nicht davon abweicht, weder zur Rechten, noch zur Linken,
    damit ihr euch nicht mit den Völkern vermischt,…
    und nicht die Namen ihrer Götter anruft noch sie anbetet.
    DENN DER HERR, EUER GOTT, KÄMPFT FÜR EUCH,
    WIE ER EUCH VERHEIßEN HAT.
    DARUM GEBT GUT ACHT AUF EURE SEELEN,
    DASS IHR DEN HERRN, EUREN GOTT, LIEBHABT!“
    Josua 23,6-11

    Oder, noch kürzer:

    „Mehr als alles andere behüte dein Herz,
    denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben.“
    Sprüche 4,23

    • So viele zutreffende Gedanken – und am Ende dann doch das Plädoyer, „dass Gnade und Gesetz schon damals keine Widersprüche waren“? Schade …

      1Kor 15,56 … die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

      Wenn wir vom Gesetz einen Beitrag zu unserer Veränderung erwarten, dann merken die Klügeren schnell, dass es nur Verhaltensdressur ist und unser Herz außen vor bleibt. Folglich macht man sich dann Gedanken darüber, wie unser Herz anders werden kann – und dabei können durchaus richtige Erkenntnisse raus kommen. Aber das Hauptproblem wird nicht gelöst: dass das Gesetz bei diesem Prozeß ganz außen vorbleiben muß (und damit auch die Dinge, die durch unser religiöses Fleisch in diesen Prozeß mit hinein geschmuggelt werden – polemisch gesagt: vor allem das ganze Hingabe-Drama), denn das Gesetz sorgt gerade dafür, dass sich unser neues Herz steinig anfühlt (was aber so nicht stimmt).

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