In Apostelgeschichte 15 wird uns über eine Konferenz der Apostel in Jerusalem berichtet. Unter starker Beteiligung der Jerusalemer Gemeinde entschied sie darüber, wie man mit den Heidenchristen umgeht: Sollten sie nicht nur Christen, sondern auch Juden werden? Mußten sie sich beschneiden lassen? Und das Mosaische Gesetz halten?

In den Jahren zuvor hatten sich außerhalb Israels große Gemeinden gebildet – die nicht vornehmlich aus Judenchristen bestanden. Die Christen dort waren zum großen Teil nicht gleichzeitig Juden. Deshalb kamen sie auch nicht auf die Idee, das Mosaische Gesetz zu halten.

Dagegen gab es Vorbehalte in der Jerusalemer Gemeinde, insbesondere seitens der Fraktion der gläubig gewordenen Pharisäer.

Nach viel Diskussion und Streit und Konflikt beschließt diese Konferenz ein paar Dinge, u.a. die Frage betreffend, ob das Gesetz für die heidenchristlichen Gemeinden gelten soll.

Und die Verse 20 und 29 des Kapitels wirken auf den ersten Blick so, als gelte nun ganz klar das Mosaische Gesetz für sie:
20: sondern ihnen schreiben, dass sie sich enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut.
29: euch zu enthalten von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht.

Haben wir hier nicht einen Beweis, daß das Mosaische Gesetz weiter gilt? Zumindest in seinem ethischen Kern?

Das Enthalten von Blut und Ersticktem hat mit Sicherheit nichts mit einem „ethischen Kern“ zu tun – es bezieht sich auf zwei der zahlreichen Speisevorschriften des Mosaischen Gesetzes. Dutzende andere werden nicht aufgeführt.

Und einige Jahre später geht Paulus mit dem Frage der Götzenopfer geht anders um – wie wir im oft mißbräuchlich benutzten Kapitel (1.Kor 8) über die Schwachen und Starken im Glauben erfahren (denn es wird benutzt, um eine Diktatur der schwachen Gesetzestreuen zu rechtfertigen!).

Es mag sein, daß man mit den vier Regelungen der Fraktion der Pharisäer innerhalb der Jerusalemer Gemeidne entgegen gekommen ist.

5: Einige aber von denen aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren, traten auf und sagten: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten.

Vermutlich gehören sie zu der Gruppe, von denen in Vers 1 gesagt wird:
„Und einige kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder [in Antiocha]: Wenn ihr nicht beschnitten worden seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht gerettet werden.“

Vielleicht war es noch nicht einmal so, daß die Masse der Judenchristen etwas einzuwenden hatte – sondern daß nur die gläubig gewordenen Pharisäer ein Problem hatten. Dann würde der Beschluß der Konferenz leider dafür sprechen, daß die Apostel ein ganz klein wenig eingeknickt sind gegenüber den Pharisäern. Vielleicht ist das öfter vorgekommen; von Petrus jedenfalls wissen wir, daß Paulus ihn für dieses Verhaltensmuster zurechtgewiesen hat.

Wohlwollender (und vielleicht zutreffender) ausgelegt, waren die vier Verbote ein Mittel, den Judenchristen (oder den Pharisäern) etwas zu bieten, mit dem sie leben konnten – und das die Heidenchristen kaum belastete. Andererseits mußte die Pharisäerfraktion ziemlich was schlucken, denn ihr geliebtes Gesetz wurde auf vier Regeln zusammen gestrichen. Wie lange würde wohl deren Haltbarkeitsdatum sein? Wenn man hunderte von anderen Regeln einfach strich, würde es schwer sein, der Masse der Judenchristen weiterhin zu erklären, sie müsse sich daran halten.

Jakobus gibt auch die Begründung, wem diese vier Regeln auf jeden Fall helfen sollten: den Juden, die noch nicht gläubig geworden waren. In Vers 20 werden die vier Regeln aufgestellt, in Vers 21 werden sie begründet.

Apostelgeschichte 15,21: Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen, da er an jedem Sabbat in den Synagogen gelesen wird.

Schon damals lebte der größere Teil der Juden aus wirtschaftlichen Gründen außerhalb von Israel. Also gab es auch rund um das Mittelmeer überall moasaische Gemeinden. Der kulturelle Gegensatz zwischen den Juden und den Judenchristen sollte nicht zu groß werden – um die Juden zu gewinnen.

In jedem Fall ist es aber der ganze Vorgang ein Beispiel dafür, daß die Regeln, die sich die ersten Gemeinden gaben, eben nicht in Stein gemeißelt waren! Sie konnten sich auch wieder ändern. Und von mindestens einer Regel der Apostelkonferenz wissen wir ja, daß sie sich geändert hat – götzenopferfleischessende Christen in Korinth!

Wir tun uns also keinen Gefallen, wenn wir die Regeln, die sich die ersten Gemeinden gaben, für völlig zeitlos und ewig gültig haben. Zeitlos und ewig gültig war aber das Ziel dieser Regeln: mit welchen Regeln funktioniert eine Gemeinschaft von Menschen, die in Jesus bedingungslos erlöst sein und ein Neues Leben in sich tragen, das mit Macht wächst und Veränderung von innen nach außen bewirkt? Denen man nicht mit der Hölle und dem Verlust ihrer Erlösung drohen kann? Die wissen, daß sie die Freiheit haben, alles zu tun – auch das, was nicht „nützt“?

Und die Geschichte zeigt vielleicht trotzdem, daß schon damals Apostel gegenüber Gesetzlichkeit genauso anfällig waren wie alle anderen auch. Spätestens aber das Verhalten von Petrus zeigt es (Galater 2).

Wo also „Apostel“ drauf steht, muß nicht unbedingt Gnade drin sein.

Und wir lernen aus diesem Bericht auch viel über die Diskussionskultur der damaligen Gemeinde. Alle dürfen reden. Es gab richtigen Streit. Alle werden an der Entscheidung beteiligt. Keine Spur von Gremienarbeit hinter verschlossenen Türen!

Apostelgeschichte 15,2+7  … ein Zwiespalt entstand und ein nicht geringer Wortwechsel zwischen ihnen [den Gesetzeslehrern]und Paulus und Barnabas … als aber viel Wortwechsel entstanden war …

Übrigens schränkt Paulus das Rederecht von Gesetzeslehrern einige Zeit später für „seine“ Gemeinden massiv ein und benennt sie immer wieder als Ziele für „Gemeindezucht“. Vielleicht war das auch Folge eines Lernprozesses: denn vermutlich hatte sich gezeigt, daß man Pharisäer und Gesetzeslehrer nicht durch Kompromißformeln und Entgegenkommen gewinnt, sondern dass weiterhin das Verfahren von Jesus gilt: harte Konfrontation. Für die Harmoniesüchtigen unter uns ist das schwer zu akzeptieren, aber die Bewahrung unserer Freiheit ist wichtiger als eine oberflächliche Harmonie.

Trotzdem ist es positiv, daß die Apostel die Freiheit hatten, an dieser Stelle dem Vorbild Jesu erst einmal nicht zu folgen. Sie wollten es anders angehen und diese Menschen gewinnen. Es zeigte sich aber, daß Entgegenkommen nicht der richtige Weg war. Sie probierten es auf ihre Weise und lernten aus ihren Erfahrungen und Fehlern: ein Prinzip, zu dem wir dringend zurückkehren sollten! 😉

Vor lauter Richtig-Machen-Wollen vergessen wir eben, daß wir durch schlechte Erfahrungen umso sicherer werden in dem, was wir wollen und nicht wollen.

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  1. „Und die Geschichte zeigt vielleicht trotzdem, daß schon damals Apostel gegenüber Gesetzlichkeit genauso anfällig waren wie alle anderen auch.“

    Ja, das zeigt sie. Man sieht es, wenn man in der Apostelgeschichte weiterliest. Dort wird in Kapitel 21 beschrieben, wie Paulus etwa 10 Jahre später nach Jerusalem zurückkehrt. Jakobus und die Ältesten der Jerusalemer Gemeinde berichten ihm: „Bruder, du siehst, wie viel tausend Juden gläubig geworden sind und ALLE SIND EIFERER FÜR DAS GESETZ.“ (V. 20)

    1. Was ist mit Jakobus geschehen, dass er es Jakobus als völlig normal oder sogar lobenswert findet, dass alle Mitglieder seiner Gemeinde Eiferer für das Gesetz sind?

    2. Was ist mit Paulus geschehen, dass er sich nicht heftig dagegen wehrt, sondern dass er sich darauf einlässt, ihnen zu beweisen, dass er selber auch nach dem Gesetz lebt und es hält (V. 24).

    Übrigens war genau dieser christliche Eifer für das Gesetz der Anlass dafür, dass Paulus nach Rom gebracht und dort zum Tod verurteilt wurde.

    Zu diesem ganzen Thema Gnade möchte ich folgendes 2-teiliges Video empfehlen:

    http://www.fcg-hanau.de/neu/index.php/connectmenu/preachit/predigt/verteidigung-des-evangeliums-der-gnade-teil-1
    und
    http://www.fcg-hanau.de/neu/index.php/connectmenu/preachit/predigt/verteidigung-des-evangeliums-der-gnade-teil-2

    • Vielen Dank für diesen Beitrag!
      Er hat mich zu einer dritten Frage geführt, die ich hier gerne anfügen möchte:

      3. Warum konnte Paulus in Jerusalem gefangen genommen werden, nicht aber in Korinth?

      Das hier war in Korinth gewesen (Apg. 18,9-10):

      „Und der Herr sprach durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulus: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt!“

      Die Antwort auf die Frage liegt auf der Hand. Sonderlich schön ist sie nicht.

      Passend dazu leider auch Paulus selbst, der auf seinem Weg nach Jerusalem – entgegen den mehrfachen Warnungen des heiligen Geistes – dasselbe sagte wie Petrus bei dem Abendessen vor Jesu Gefangennahme: „Ich bin bereit, für Jesus zu sterben… „

  2. Habe gerade nochmal ab Kap. 21 in der Apg bis zum Ende gelesen und da gibt es tatsächlich Stellen, die einen ins Zweifeln bringen können. Im Zusammenhang konnte ich aber dann etwas meinen Frieden finden und eine Erklärung wagen:
    In der Apg werden die Christen auch gerne (aus jüdischer Sicht) als „Sekte der Nazoräer“ bezeichnet, da sie Jesus, dem Nazarener anhängen. Sie waren also eine jüdische Sekte und als Juden, bzw. zum größten Teils aus Juden bestehend, versuchte diese Sekte auch so wenig wie möglich bei ihren Volksgenossen anzuecken, sprich: sie hielten sich weiterhin an die Vorschriften Moses, auch um weitere Juden für den Glauben zu gewinnen. Jesus tat dies zu seinen Lebzeiten so grundsätzlich ja auch, er legte das mosaische Gesetz selbst ja auch aus. Außerdem sollte die frohe Botschaft auch erstmal an Israeliten gehen und von da aus in alle Welt. Und selbst Paulus suchte bei seinen Missionsreisen ins Heidenland auch erstmal Juden auf. Die Christen lebten ja zudem sowieso in der Endzeiterwartung, d.h. sie erwarteten eh, dass Gott bald alles neu macht, und da ist dann das Gesetz und alles mögliche sowieso abgeschafft. Meine Erklärung: darum sahen die Christen (in Israel) keinen Grund, ihr Leben grundsätzlich vom Gesetz zu lösen, wenn der Messias sowieso bald wiederkommt. Wenn wir davon ausgehen, dass das Gesetz, also das Wort Gottes auch prinzipiell gut ist, ist das ja auch nicht so dumm. Nur leider war dies eben scheinbar der beste Nährboden für Gesetzeslehrer und viele Christen hängen mit ihrem Herzen also nach wie vor an ihren eigenen Leistungen, statt an der freien Gnade Gottes. Problematisch wurde diese Situation ja auch erst so richtig in Jesrusalem, als Paulus dann dorthin kam, von dem behauptet wurde, dass er in der Welt denn Abfall vom Gesetz Moses predige. Und das war ja das Grundproblem der Urgemeinden: soll man den Heiden, die zum Glauben kommen, das Gesetz Moses auferlegen, sie also erst zu Juden machen (da der Messias zu den Juden gesandt wurde!) und erst dann, nachdem dieser Grund gelegt war, zu Christen? Und die Argumentation Pauli und letzendlich auch der anderen Apostel im Konzil war: Nein!! Lediglich, aus Respekt zu den Juden in der Gemeinde (und das waren nunmal zunächst die Meisten) sollten sie sich an die genannten vier Regeln halten um die Juden nicht zu verärgern (vor allem auch die noch außenstehenden) und ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. Ansonsten sollten die Heiden aber keine Verpflichtungen haben und die vier Regeln sind auch nicht seelenheilsrelevant. Paulus bezeugt dies ja auch in seinen wichtigsten Briefen, vor allem im Galaterbrief. Und wenn Paulus sich dann auch an das Gesetzt hält, so glaube ich, vor allem auch einfach aus Respekt zu seinen jüdischen Brüdern und Schwestern und nicht, weil er glaubt, dass er dadurch Rettung findet. Darum geht’s ja auch bei unseren Diskussionen hier: nicht ob wir das Gesetz halten oder übertreten, sondern wie wir zum Gesetz stehen. (Nämlich nicht mehr darunter 😉
    Was mich vor allem verwirrt hat war der Vers Apg 24, 25: da geht es um Gebote, Zügelung der Leidenschaften und Gottes Gericht. Was Paulus da erzählt hat, wissen wir nicht, aber der Vers Apg 26, 20 scheint das nochmal zu erklären: die Heiden, die Jesus glauben, sollten also auch ihr Leben ändern und das sollte sich in ihrer Lebensführung zeigen. Klar, jemand, der Jesus nachfolgt, KANN unmöglich so bleiben, wie er ist und das WIRD sich in seiner Lebensführung zeigen. (unter Umständen entspricht das dann womöglich auch den Geboten:)) Wer es also nicht ernst meint, wird sich also auch nicht ändern, bzw. wer es ernst meint, erlebt gewissermaßen einen „Automatismus“, dass er sich ändert, Aber zugegeben, das sind schwierige Kapitel und Verse in der Apg, die einen fast ins Wanken bringen können, da sie sehr so klingen, als ob es um das Gesetz gehe. Und bei Paulus sehen wir auch immer wieder die Diskrepanz: Gesetz Gnade. Durch Gnade befreit, klar, und keinem Gesetz mehr VERPFLICHTET! Aber dass man in dieser Welt nicht völlig gesetzlos leben kann, ist denke ich auch klar. (Sehr dünnes Eis, ich weiß schon, aber auch echt schweres Thema). Da fällt mir ein Bsp. ein: Paulus argumentiert ja im Römerbrief auch, dass Christen sich dem Staat unterordnene sollen und nicht aufmucken. Da dürfen wir erstens auch wieder die nahe Endzeiterwartung nicht vergessen, zweitens die Außenwirkung der Christen auf andere Menschen und drittens: Gebote in DIESER WELT sind nichts schlechtes und für das Zusammenleben der Menschen nunmal wichtig. Da kann man auch als Christ jetzt nicht völlig antiautoritär werden. Z.B. StvO: natürlich hat es für mich als erlöster Christ keine Auswirkungen auf mein Heil (so behaupte ich jetzt mal ;), wenn ich mit 70 Sachen durch die enge Dorfstraße heize und dabei vielleicht sogar ein Kind überfahre! Aber das heißt nicht, dass ich das machen sollte und dass es keine Konsequenzen hat. Und auch nicht, dass das Gott jetzt auf einmal gefällt, wenn ich das tue. Und jeder der so etwas mit Begründung seiner christlichen Freiheit tun würde, den würde ich auch als ziemlich pervers bezeichnen, ehrlich gesagt. Darum ist es gewissermaßen als „Autoritätsperson“ in der Kirche, also und gerade auch als Apostel, schon ganz gut, wenn man da für alle verbindliche Regeln festlegt und sich auch von gewissen Sachen distanziert. Das heißt ja nicht, dass man den „Sündern“ in der Gemeinde das Leben schwer macht, durch ANdrohung eines Heilsverlustes (das ist ja Art der Gesetzteslehrer), sondern dass man lediglich, für das Leben in dieser Welt, in diesem Leib, klarstellt, dass man als Gemeinde dieses Verhalten nicht akzeptieren kann (ich denke unserer Tage z.B. an Neonazismus und Antisemitismus in christlichen Gemeinden)…
    Ach Mann, ich hab‘ doch auch keine Ahnung, aber schon wieder so viel geschrieben……

    • Die Aussagen der Apostel zum Thema „in der Welt, aber nicht von der Welt“ kann man ungefähr so zusammenfassen:

      Benutzt die Welt, und lasst euch kein schlechtes Gewissen machen wegen irgendwas: Gott hat alles gemacht, und alles ist gut, wenn es mit Danksagung empfangen/benutzt wird. Aber hängt euer Herz nicht an die Dinge dieser Welt.

      Nun war in Jerusalem (Apg 21) aber genau das passiert bei den Gläubigen: „… und alle sind sie EIFERER für das Gesetz.“

      Ein bisschen Gesetz (und wenn es nur die vier kleinen Vorschriften aus Apg. 15 sind mit ihrem angehängten Heilsversprechen) ist immer noch das Gesetz. Es hat gereicht, dass Adam und Eva einmal in den Apfel gebissen haben.
      „Du sollst nicht davon essen“ war ne klare Ansage.

      Der zweite Adam hat dann Gott sei Dank das Gegengift gebracht.

      Und die praktische Lösung sieht so aus:

      „… dass er dich behüte auf allen deinen Wegen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt“ (aus Ps 91)

      Gott ist es, der uns bewahren kann, selbst unsere Füße am Gesetz (dem Stein) zu stoßen.

      Uns selbst wenn wir es tun, sind es immer noch „nur“ unsere Füße, denn „wer gebadet hat, der ist ganz rein.“

      Nun stelle ich es mir allerdings schwierig vor, die Füße meines Kindes vor Steinen zu bewahren, wenn es (meistens sonntags vormittags) genau da spielen gehen will, wo die Schulhofschläger – eifrig angefeuert vom Klassenlehrer – mit Steinen nach seinem ganzen Körper werfen…

      Um es mit Johannes zu sagen: „Kinder, hütet euch vor den Götzen!“ oder auch:
      „Geht aus ihr hinaus, mein Volk, dass ihr nicht teilhabt an ihren Sünden und an ihren Plagen!“

      Tempelreinigung 2.0 voraus. Alle Mann in Deckung…

      Gott segne euch!

  3. Mir ist grad noch was entscheidendes aufgefallen, warum es die ersten Christen so mit dem Gesetz zu tun hatten: Das wichtigste für die Juden war und ist Gottes TREUE. Denn aus der Geschichte des Volkes Israel war ihnen durchaus bewusst, dass sie untreu waren, Gott aber immer wieder treu und gerecht und voll Erbarmen. Wenn jetzt also jemand wie die Apostel und der Apostel Paulus behaupten (oder zumindest wurde vor allem Paulus das unterstellt), dass der alte Bund / das Gesetz aufgehoben ist, dann würde das für die Juden bedeuten, sowohl die Juden als auch die Judenchristen, dass Gott seinem eigenen Bund untreu würde. Dass die Erwählung ungültig geworden ist, dass letztendlich auch die Verheißungen alle hinfällig sind. Wenn Gott allerdings nicht untreu ist, und das kann er einfach nicht sein, gerade auch der Botschaft des Evangeliums nach, dann kündigt er seinen Bund also nicht auf und dann können wir das auch nicht einfach so machen! So, denke ich, die Auffasung der Juden. Und das ist der Grund, m.E. nach, warum das so ein heißes Thema in der ersten Christenheit war, zumal die Christen ja auch noch mit Juden konfrontiert waren, die sie auf der einen Seite für den Glauben gewinnen wollten, auf der anderen Seite aber von ihnen abgelehnt wurden. Es war letztendlich ein tiefgründig theologisches Problem, das vor allem damit aufkam, dass nun auch nichtjüdische Völker mit einbezogen wurden, denen das alles fremd war. Die Apostel (und das sind nicht bloß die 12, das sind lediglich die bekanntesten und ERSTEN) mussten sich also damit auseinandersetzen. Gott sei Dank, denn nur so konnten sie eigentlich nach und nach die Erkenntnis gewinnen, dass wir vom Gesetz wirklich frei sind, alle Juden wie Heiden, auch wenn sie zunächst Kompromisse gemacht haben. Der christliche Glaube war in der Entstehung und den ersten Christen, auch den Aposteln, war zunächst scheinbar auch noch nicht ganz klar, was der Tod und die Auferstehung Jesu letztendlich für Konswquenzen hat, nämlich konsequente Gnade 😉

  4. Ich glaube übrigens nicht, das Jakobus sich in Apg 21, 20 freut, dass alle Eiferer für das Gesetz sind. Es ist mehr eine nüchterne Feststellung, in der Guten Nachricht Übersertzung steht sinngemäß: und alle halten sich noch streng an das Gesetz. Dass Paulus dann auch beweist, dass er nach dem Gesetz lebt ist m.E. nach damit zu begründen, dass er „den Juden ein Jude ist, den Heiden ein Heide“ (irgendwo in einem der Korintherbriefe) und meiner hier drüber stehenden Ausführung, dass eben der neue Bund auf der Grundlage des alten stattfindet und die Verheißungen des alten Bundes nicht einfach aufgehoben sind. Aber auch ich finde es, wiegesagt, schon ziemlich krass, dass er gerade auch Opfer im Tempel bringt. Vielleicht ist das auch eine gewisse Schwäche gewesen (ganz nach der Argumentation Pauli im Römerbrief mit starkem und schwachem Glauben!). Aber wir können uns auch nicht in Paulus hineinversetzen und was damals so los war. Wichtiger ist, dass er sich gefangennehmen ließ und damit, finde ich, bewiesen hat, dass er für Jesus und dessen Botschaft einsteht, nämlich die von der Gnade

  5. Ausführung steht doch darunter…: Ich habe mir gestern mal den Römerbrief in seiner Gesamtheit durchgelesen, da habe ich z.B. auch erfahren, was ich einfach so nicht wusste, weil man immer nur einzelne Stellen liest, dass Paulus diesen Brief geschrieben hat, nachdem er seine Missionsreise in Europa beendet hatte mit dem Wunsch nach Rom zu kommen, bevor er allerdings noch nach Jerusalem geht und dort die Kollekte für die Urgemeinde abgibt. Also weit nach dem ersten Korintherbrief mit solchen Thesen wie „Alles ist erlaubt“, die Paulus dann auch zum Verhängnis in Jerusalem wurden. Dort befasst sich Paulus tiefgehend mit dieser Problematik, geht ja auch auf die Juden ein und verklickert ihnen zunächst ja auch erstmal, dass sie wie alle Menschen, Übertreter des Gesetzes sind und keinen Vorzug haben, aber dennoch als erwähltes Volk am Ende in ihrer Gesamtheit erretet werden und letzendlich der Grund sind, warum das Heil für alle überhaupt in die Welt gekommen ist. Und dass er das Gesetz nicht entkräftet (darum opfert er ja [was ich allerdings trotzdem nicht ganz verstehe] ja dann auch in Jerusalem im Tempel), sondern damit bestätigt, weil Jesus derjenige ist, der das Gesetz erfüllt hat. Der Neue Bund findet also auf dem Grund des alten statt und ist die Verheißung des alten Bundes.

  6. Der alte Bund ist nicht aufgehoben, richtig. Er wurde ERFÜLLT – ein für alle mal: „Meint nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Proheten aufzulösen, ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ (Jesus in Matt 5/Bergpredigt, ich glaube ers 17).

    Das Tieropfer, das Paulus bringen wollte in Apg 21 war eine reine Gefälligkeits-/Angstaktion vor den Juden und auch vor den judenchristlichen „Eiferern für das Gesetz“.Aber Gott hat Paulus vor diesem letzten Schritt zum Abfall von Christus bewahrt. Erwollte ihn die ganze Zeit davor bewahren, nach Jerusalem zu gehen und schickte ihm auf seinem Weg dorthin mehrere Propheten (lies das mal, die drei Töchter und Agabus etc.), aber Paulus behauptete, dass er bereit sei, fürJesus zu leiden und zu sterben“ – das war stolz. Petrus hatte dasselbe behauptet in der Nacht vor der Kreuzigung; der Rest ist Geschichte…

    Ganz deutlich wird die Einordnung von Paulus‘ beabsichtigtem Tieropfer im Tempel in Hebräer 10, ab Vers 25:

    … indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr den Tag herannahen seht! Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt für die Sünden kein Opfer mehr übrig, sondern nur ein schreckliches Erwarten des Gerichts und ein Zorneseifer des Feuers, der die Widerspenstigen verzehren wird.

    die EIGENEN Versammlungen („episynagoge“ im Griechischen) nicht verlassen:

    Was war das Problem der Judenchristen, an die sich der Brief richtet? Zurück zum Gesetz/zu den jüdischen Versammlungen, zu den Vorschriften des alten Bundes etc.

    Genau das hatten da aber einige getan: Die EIGENEN Versammlungen verlassen, um wieder zurück in die Synagogen zu gehen – und auch in den Tempel, um Tiere zu opfern.

    Und genau das ist auch der Zusammenhang des Textes in Hebr. 10: Die Gegenüberstellung von den Opfern des alten Bundes („das Blut der Stiere und Böcke, das doch niemals Sünden wegnehmen kann“) zu dem einmaligen und vollkommenen Opfer (Jesu Tod am Kreuz) des neuen Bundes.

    Was bedeutet hier nun „mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben“?
    Es bedeutet „zurück zum alten Bund“ – entgegen der Erkenntnis, dass Jesus die Opfer des alten Bundes, die nur „Schatten“ oder „Abbilder“ des Echten waren, durch seinen Tod am Kreuz alle erfüllt hat. Und der Text wird noch deutlicher (Vers 29):

    wie viel schlimmerer Strafe, meint ihr, wird derjenige schuldig erachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein geachtet und den Geist der, Gnade geschmäht hat?

    Wieder Tiere zu opfern! DAS ist der klarste Ausdruck, den man finden kann, Jesu Opfer am Kreuz abzulehnen: Das Blut des neuen Bundes, das Blut Christi, AUF EINE STUFE mit dem Blut der Böcke und Ziegen ZU STELLEN, es „gemein zu achten“ in den Worten des Hebräerbriefes.

    Ich bin übrigens (wie die frühen Christen) davon überzeugt, dass Paulus den Hebräerbrief geschrieben hat. Paulus hatte verstanden, was da passiert war in Jerusalem.
    Was mich wieder zu meiner Eingangsfrage zurückbringt: „Warum konnte Paulus in Korinth nicht gefangen genommen werden, aber in Jerusalem schon?
    Die Antwort des heiligen Geistes in der Bibel ist klar: „Denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.“
    In Jerusalem waren zwar mehr Leute in Jakobus‘ Gemeinde als in Korinth, aber diese ganze Menge hatte keine Kraft. Das machen Kompromisse mit dem Gesetz aus Gläubigen!

    In Korinth gab es ne Menge an Mist: Besäufnis beim Abendmahl (1. Kor. 11), heftige sexuelle Verirrung (1. Kor. 5), Spaltungen (Kap. 1, glaube ich) etc. – und doch war dort (zumindest in dieser Zeit noch) das Wichtigste in Ordnung: Keine Vermischung mit dem Gesetz.

    Das Gesetz ist Götzendienst. Und genau wie Israel im alten Bund immer kraftlos wurde, wenn es Götzendienst duldete, so bleibt es auch im neuen Bund. Es ist ein ewiges geistliches Prinzip.

    Das Gesetz steht dem Glauben 180° entgegen!
    „Großen Glauben“ bescheinigte Jesus übrigens genau zwei Leuten: Dem römischen Hauptmann und der Syrophönizerin. Beide waren nie unter dem jüdischen Gesetz gewesen. Beide konnten den Herrn nicht nur für sich selbst, sondern sogar für andere bitten (der eine für seinen kranken Sklaven, die andere für ihre besessene Tochter).

    KEINE FLIRTS MIT DEM GESETZ. Es endet tödlich.

  7. Danke. Klingt sehr plausibel. Ich habe auch nochmal in der Apg nachgelesen und, ja: die Jerusalemer Gemeinde scheint doch (wieder) eine sehr gesetzestreue, ja schon der wahren Lehre gegenüber feindseilig eingestellte Truppe gewesen zu sein. Allerdings begegnet mir der Jakobus dort eher als jemand, der nicht weiß, wie er damit umgehen soll. Und das Opfer, das Paulus überbringen will (weiß nicht, warum ich das erst jetzt aus dem Zusammenhang begriffen habe) war ein Opfer auf Empfehlung des Jakobus zum Ende eines Gelübdes von vier (gesetzestreuen) Leuten aus der Gemeinde, damit Paulus mit seiner Teilnahme daran bestätigen kann, dass er nicht gegen das Gesetz predige Apg 21, 22-24. Also wirklich eine Gefälligkeit, wohl sogar eher ein Verzweiflungsakt und eine Schwäche gegenüber dem gesetzestreuen Lager und den Juden. Dass die Christen in Jerusalem als jüdische Sekte bezeichnet werden scheint ja auch darauf hinzudeuten, dass die Gemeinde überhaupt dem Judentum noch sehr nahe stand, fällt mir grad auf.
    Allerdings, was ich nicht verstehe, warum sagt Jesus dann in Apg 23, 11: „Wie du für mich hier in Jerusalem eingetreten bist, so musst du es auch in Rom tun!“ zu Paulus? War es doch Jesu Wille, dass Paulus über Jerusalem nach Rom kommt, wie es ja auch dann geschehen konnte, aufgrund seines Prozesses, bei dem er an den Kaiser appelliert hat? (Und die Kollektensammlung und Übergabe hatte Paulus ja auch lange geplant). Bis jetzt hatte ich die Prophezeiungen des Hl. Geistes auch so in diesem Sinne gelesen, dass sie eher eine Warnung an Paulus waren, dass der Weg sehr schwer werden könnte (den Gott aber so vorherbestimmt hat) (?).

    Vor dem hohen Rat dann klingt Paulus ja tatsächlich auch eher wie ein selbstgerechter Gesetzeslehrer, lediglich der Punkt mit der Auferstehung deutet irgendwie auf Jesus hin. Oder wollte Paulus (auch durch seine „Gesetzestreue“) einfach den Juden keinen Anstoß an ihm bieten, dass sie ihn verurteilen könnten, so wie der hohe Rat ja auch Jesus im Prinzip nichts nachweisen konnte, bis auf dass er die Wahhrheit gesagt hat? Das war jetzt immer mein Ausgangspunkt, vor allem wegen diesem Vers 11 in Kap 23, weshalb ich auch versuchte und versuche, Paulus irgendwie zu verteidigen, weil ich nicht glauben kann, dass jemand wie er auf einmal irgendwie ein Diener des Gesetzes werden sollte. Aber tatsächlich erschien mir diese ganze Sache in Jerusalem schon immer auch etwas suspekt. Und Paulus ist auch bloß ein Mensch gewesen. Die Apg ist ja letztendlich auch ohne Wertung und ganz nüchtern geschrieben, eigentlich sehr ordentlich, und da kommen ja auch nicht immer nur Erfolgsstories zutage.
    Überhaupt, wenn wir schon bei Kritik an den Aposteln sind: würdest du (und ihr) auch sagen, dass die Apostel manchmal auch einfach inkosequent waren, also auch Paulus? Ich meine, ihr habt hier auch einen Artikel über den Jakobusbrief. Warum nicht einfach sagen, Jakobus hat es selbst noch nicht ganz begriffen (ich glaube, so hat sich sogar Luther über den Jakobusbrief geäußert! und bei dem, was da in Jerusalem abging… Falls das ein und derselbe Jakobus ist).Und auch von Petrus kennen wir ja eine gewisse Schwäche im Glauben aus der Apg. Warum soll sich das nicht auch in seinen Briefen widerspiegeln? Dann liegt die Sache wahrscheinlich noch ärger, als ich immer bisher angenommen habe… Der einzige, der zumindest in seinen Worten bis auf seeeeeeehr wenige Ausnahmen doch relativ konsequent war, war dann Paulus, dem ja aber auch sonst kein Apostel widersprochen hat, den Jesus und der hl. Geist selbst bestätigt hat und dessen Lehre eigentlich die Sache von Jesus sehr gut wiedergibt.
    Vielleicht müssen wir als „Heiden“ und Christen im Jahr 2000< da auch Nachsicht mit den Aposteln und ersten Christen haben, da sie ja aus einer sehr gesetzlichen Umgebung kamen. Obwohl, das Gesetzliche gibt's ja bis heute… Da war ja was.
    "Das Gesetz ist Götzendienst". Na wenn das nix für "Launiges und Polemisches" ist!!!
    Flirts mit dem Gesetz. Ich kann gar nicht flirten 😀 Aber ich gebe zu, dass mich das Gesetz manchmal doch irgendwie anmacht. Aber die Gnade finde ich trotzdem heißer!
    So, Ade zur guten Nacht, jetzt wird der Schluss gemacht!

  8. Danke auch! Sehr erfrischend, was du schreibst!

    Der Grund für das Apostelkonzil war ein sehr ernster: Aus Judäa waren einige nach Antiochia gekommen, die die Brüder folgendes lehrten:

    „Wenn ihr nicht beschnitten worden seid nach der Weise Moses, so könnt ihr nicht gerettet werden.“
    (Apg 15,1)

    Derselbe Mist ist dann auf dem Konzil einer der Standpunkte:

    Einige aber von denen aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren, traten auf und sagten: Man muss sie beschneiden und ihnen gebieten, das Gesetz Moses zu halten.
    (Apg 15,5)

    Man beachte die Wortwahl „aus der Sekte der Pharisäer, die gläubig waren“… hört sich ziemlich widersprüchlich an.
    Jesus selbst hatte seine Jünger ausdrücklich vor dem Sauerteig (= der Lehre) der Pharisäer gewarnt.

    Später, im Galaterbrief, wird Paulus sehr deutlich, was das Gesetz und den Glauben betrifft – und insbesondere zur Beschneidung als äußerem Ausdruck der Gesetzestreue:
    „Meinetwegen können die, die euch (damit) beunruhigen, sich auch kastrieren lassen…“

    „Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: Der Mensch, der diese Dinge tut, wird durch sie leben.“ (Gal 3,12)

    Und die Probleme waren hier dieselben wie die in Galazien. Warum waren die Apostel hier nicht genau so deutlich?

    „Gesetzestreue“ steht dem Glauben diametral entgegen. Gesetzestreue ist purer Unglaube (an Christus).

    Im 1. Korinther, wo es um das Götzenopferfleisch geht, wird Paulus ähnlich deutlich und schreibt, dass man alles ohne Nachfragen essen kann, weil es überhaupt keine Götzen gibt.

    Warum dann hier dieses Zugeständnis?
    Und warum überhaupt sollen diese vier Regeln nur für die Heidenchristen gelten? Was galt denn dann (ungeschrieben?) für die Judenchristen? Und: Warum überhaupt diese Unterschiede?!?
    Stimmt dann mit dem Epheserbrief etwas nicht, wenn Paulus schreibt, dass Juden und Heiden nun eins sind in Christus?:

    Er hat das Gesetz der Gebote in Satzungen beseitigt, um die zwei – Frieden stiftend – in sich selbst zu einem neuen Menschen zu schaffen
    (Eph 2,15)

    Zu EINEM neuen Menschen.

    Oder besteht Kolosser 2 aus uninspirierten satanischen Versen?:

    So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber ist des Christus.
    (Kol 2,16-17)

    Ich sehe das Ergebnis des Kozils als einen faulen Kompromiss mit dem Gesetz. Und die Ältesten in Jerusalem zitieren in Kapitel 21 dann genau diesen Beschluss… klingt schon wie ne verschämte Entschuldigung für mich.

    Überhaupt: Paulus erzählt von den Zeichen und Wundern, die GOTT durch seinen Dienst gewirkt hat, die Jakobus-Ältesten brüsten sich mit ihren Megachurch-Zahlen : „Du siehst, Bruder, WIE VIELE TAUSENDE (gr. Myriaden, eigentlich sogar Zehntausende!) der Juden es gibt, die gläubig geworden sind…“ 🤮

    Noch ein Gedanke:
    Am Anfang der Urgemeinde „war keiner bedürftig unter ihnen“ (Apg 4,34), später mussten die anderen Gemeinden für die Jerusalemer sammeln…

    „Allerdings, was ich nicht verstehe, warum sagt Jesus dann in Apg 23, 11: „Wie du für mich hier in Jerusalem eingetreten bist, so musst du es auch in Rom tun!“ zu Paulus?“

    Gute Frage, auf die ich auch keine Antwort habe. Nur ne anmaßende Mutmaßung: Das war ja, als Paulus schon im Gefängnis saß. An dem Tag hatte er ne Menge hinter sich – Dinge, die man nicht erleben will: Die Menge hat ihn verprügelt, er wird von den Soldaten gleichzeitig gerettet und festgenommen. Dann hält er seine Rede an die Juden mit dem klaren Zeugnis Jesu; in der Folge entsteht ein Tumult. Der Hauptmann will daraufhin der Sache auf den Grund gehen (wahrscheinlich ist er auch stinkesauer auf Paulus wegen des Aufruhrs) und befiehlt, ihn unter Geißelhieben zu verhören. Paulus war schon nackt und gefesselt, als er den Hauptmann fragt, ob es ihnen erlaubt sei, einen römischen Bürger ohne Gerichtsurteil zu geißeln – woraufhin er der Sache noch im letzten Moment entkommen ist…

    Petrus (glaube ich?) schreibt: „Wer im Fleisch gelitten hat, der hat mit der Sünde abgeschlossen.“

    Was an dem Tag mit Paulus innerlich passiert ist, steht nicht da – zumindest weiß ich nichts darüber. Aber ich vermute, dass genau das passiert ist, was in dem Petrusvers steht. Was Gott ihm dann in der Nacht danach gesagt hat, muss eine unglaubliche Ermutigung für ihn gewesen sein – so, wie eigentlich nur Gott reden kann: Das implizierte ja:
    1) Keinerlei Verurteilung für sein Versagen (Gott sprach es noch nichtmal an),
    2) Gott würde ihn weiterhin gebrauchen, und zwar auf noch höherer Ebene als bisher,
    3) Er würde nicht sterben, ehe er in Rom das Evangelium verkündet haben würde.
    Kurz darauf, als die Juden sich gegen ihn verschworen hatten, um ihn umzubringen, hat er bestimmt daran gedacht… und später in Seenot auf dem Schiff vermutlich auch, zwischendurch gab es weitere Gelegenheiten, um sein Leben zu fürchten…

    „Bis jetzt hatte ich die Prophezeiungen des Hl. Geistes auch so in diesem Sinne gelesen, dass sie eher eine Warnung an Paulus waren, dass der Weg sehr schwer werden könnte (den Gott aber so vorherbestimmt hat) (?).“

    Ein paar Gedanken hierzu: Die ganze Nummer in Apg. 18 (Korinth) scheint mir das Gegenbeispiel zu dem zu sein, was in Apg. 21 (Jerusalem) passierte. In Korinth sagte der heilige Geist Paulus ausdrücklich, dass er den Juden dort Jesus bezeugen soll:

    Als aber Silas und Timotheus aus Mazedonien ankamen, wurde Paulus durch den Geist gedrängt, den Juden zu bezeugen, dass Jesus der Christus ist. (Apg 18,5)

    Die widerstehen zwar auch seinem Zeugnis (V.6), aber trotzdem wird der Synagogenvorsteher Kryspus samt seinem Haus gläubig und viele andere Korinther auch (V.8). Die Juden dort versuchten auch, Paulus umzubringen, aber das endete mit einer Tracht Prügel für den neuen Synagogenvorsteher Sosthenes, der das angezettelt hatte: Die Volksmenge verkloppte ihn vor dem Richterstuhl des römischen Statthalters Gallion, dem die vorgetragenen Glaubensstreitfragen völlig schnuppe waren.
    In 1. Kor.1,1 wird wieder ein Sosthenes erwähnt, nämlich als Mitverfasser des Briefes. Ob der das war und die Kurve noch bekommen hat? Auf jeden Fall hat das Zeugnis des Paulus in Korinth vor den Juden gefruchtet. Und Gott hatte ihn im Traum dazu ermutigt:

    Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll dich angreifen, dir Böses zu tun; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt.
    (Apg 18,9-10)

    Interessant finde ich den Gegensatz: Dass Gott dem Paulus kurz nach seiner Errettung verboten hatte, in Jerusalem (weiter) Jesus zu bezeugen – mit einer interessanten Begründung:

    Eile und geh schnell aus Jerusalem hinaus! Denn sie werden dein Zeugnis über mich nicht annehmen. (Apg 22,18)

    Aber Paulus wäre gern da geblieben:

    Und ich sprach: Herr, sie selbst wissen, dass ich die an dich Glaubenden ins Gefängnis werfen und hin und her in den Synagogen schlagen ließ; und als das Blut deines Zeugen Stephanus vergossen wurde, stand auch ich dabei und willigte mit ein und bewachte die Kleider derer, die ihn umbrachten. Und er sprach zu mir: Geh hin! Denn ich werde dich weit weg zu den Nationen senden. (Kap. 22,19-21)

    Gemacht hatte er es davor schon (Apg 9,28). Das führte schnell dazu, dass die Hellenisten ihn umbringen wollten und die Brüder ihn wegbrachten/fortsandten. (V.30)

    Ich weiß von keiner einzigen Stelle sonst, wo der heilige Geist dem Paulus gesagt hätte, er solle nach Jerusalem gehen – und das auch objektiv so berichtet wird vom Erzähler. Nur das, was er selbst sagte:

    Und nun siehe, gebunden im Geist, gehe ich nach Jerusalem und weiß nicht, was mir dort begegnen wird, außer dass der Heilige Geist mir von Stadt zu Stadt bezeugt und sagt, dass Fesseln und Bedrängnisse auf mich warten. (Apg 20,22-23)

    Was bedeutet „gebunden im Geist“?
    Dass der heilige Geist es ihm befohlen hatte? Ich bin da nicht sicher. Es gibt andere Stellen in der Apostelgeschichte, wo derlei Anweisungen anders formuliert wurden.

    Und dann das hier, was ihm „mehrere Jünger“ sagten (Kap. 21,4):
    Nachdem wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir sieben Tage dort. Diese sagten dem Paulus durch den Geist, er möge nicht nach Jerusalem hinaufgehen.

    Das lässt erstmal nicht sonderlich viel Interpretationsspielraum zu, finde ich. Und dann, als letzter, kommt Agabus mit einem Performance-Auftritt und einer wörtlichen Rede des heiligen Geistes:

    Als wir nun mehrere Tage blieben, kam ein Prophet mit Namen Agabus von Judäa herab. Und er kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus und band sich die Füße und die Hände und sprach: Dies sagt der Heilige Geist: Den Mann, dem dieser Gürtel gehört, werden die Juden in Jerusalem so binden und in die Hände der Nationen überliefern.

    Das ist eine reine Beschreibung der Zukunft. Aber ist die so von Gott gewollt? Ist das unausweichlich? Vorherbestimmt?
    Die Reaktion darauf:

    Als wir aber dies hörten, baten sowohl wir als auch die Einheimischen, dass er nicht nach Jerusalem hinaufgehen möchte.

    Zutiefst menschlich. Die haben Paulus sehr lieb gehabt, schätze ich. Gibt aber keine Antwort auf die Fragen…
    Weiter im Text:

    Paulus aber antwortete: Was macht ihr, dass ihr weint und mir das Herz brecht? Denn ich bin bereit, nicht allein gebunden zu werden, sondern auch in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesus zu sterben.

    Berühmte Aussage…
    Warum dann kurz darauf das ganze Brimborium mit dem Gelübde und den gesetzlichen Reinigungsriten und dem Tieropfer?

    Als er sich aber nicht überreden ließ, schwiegen wir und sprachen: Der Wille des Herrn geschehe!

    Auch interessant: Hier wird plötzlich auf den Willen des Herrn abgestellt. Ne Antwort darauf, was der Wille des Herrn wirklich ist, bleibt aber auch der Vers schuldig.

    Klar ist nur, dass entweder Paulus den Willen des Herrn falsch wiedergegeben hatte oder die Jünger in Vers 4.

    Nach diesen Tagen aber machten wir uns bereit und gingen hinauf nach Jerusalem. (Apg 21, 10)

    Mir kommt es so vor, als hätte Paulus die Nummer, nach Rom zu fahren und Christus dort zu bezeugen, auch durchaus in Freiheit erleben können…
    Andererseits hätten wir dann vermutlich nie diese starken Briefe gegen die Gesetzlichkeit bekommen. Am Ende versöhnt das vielleicht sogar beide Sichtweisen ein bisschen? 😉

    „Das Gesetz ist Götzendienst“. Na wenn das nix für „Launiges und Polemisches“ ist!!!

    Das war inspiriert von Jesaja und Hebräer – dazu hatte ich auf den Seiten hier mal was geschrieben.
    Die Schattenbilder… ich such den Link mal raus.

  9. Vielen Dank für die ausführliche ANtwort.
    Ich habe einen interessanten Link (https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-nt/geschichte-des-urchristentums/apostelkonzil-und-paulus/) gefunden, der die Situation eigentlich ziemlich gut schildert und Deine Ansichten bestätigt, finde ich.

    Sehr bemerkenswert finde ich, diesen Unterschied, wie in Apg 15, 7ff Petrus als derjenige dasteht, der gegen das Gesetz aufsteht, während Paulus ja tatsächlich das ganze Gegenteil davon im Galaterbrief bekundet (dass er Petrus zurechtgewiesen hat). Warum die Apg nun so für Petrus einsteht? (Und vielleicht stellt sie ja im Verlauf deswegen dieses ganze Brimborium mit Paulus in Jerus. auch bewusst so dar?) Keine Ahnung. Was feststeht ist, dass die Apostel wohl doch übereingekommen sind, dass das Gesetz EIGENTLICH nicht mehr gilt… Aber eigentlich ist eben ein Kompromiss. Und leider einer, der ja in der Folge tatsächlich der Gesetzlichkeit Tür und Tor geöffnet hat.

    Und warum dieser Kompromiss: letztendlich ging es darum, dass die Heidenchristen mit den Judenchristen auch zusammenleben dürfen (nach Ansicht des Gesetzes). Für die Juden war es ja in dem Sinne kein Problem, sich an das Gesetz zu halten, sie waren beschnitten, hielten sich schon ihr Leben lang an die Reinheitsvorschriften. Erst als sie auf die Heiden trafen, die auf einmal auch mit dazugehören, entstand der Konflikt. Darum sollten die Heiden sich an diese „Spielregeln“ halten.

    Nur damit das Zusammenleben der Christen möglich bleibt! Das bezeugt aber, das kann keiner leugnen, dass im Judenchristentum das Gesetz sehr wohl eine entscheidende Rolle gespielt haben muss. Denn wenn man gesagt hätte, kompromisslos, ihr seid vom Gesetz befreit, dann hätte der Spieß umgedreht werden müssen und den Juden gesagt: „ihr sollt euch keinen Kopf machen, wenn ihr mit den Heiden zu tun habt“

    Weil es in Christus weder Jude noch Heide und auch keine Reinheits- oder andere Vorschriften gibt. Paulus sagt aber auch im Korintherbrief Nr. 1, dass aus LIEBE die Heiden auf bestimmte Speisen verzichten sollten, wenn es sonst das Gewissen des jüdischen Bruders/der Schwester belastet. Er bezeichnet diese Gewissensbisse ja aber auch eindeutig als „Schwäche“ des Glaubenden. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum Paulus ja scheinbar diesem Konzil zugestimmt hat, ein Veto von ihm ist ja zumindest auch nicht bekannt. Aber glücklich dürfte er damit nicht gewesen sein.
    Insofern ist vielleicht Paulus wirklich der erste, der die Gnade konsequent bis zu Ende gedacht hat. Denn er war ja konfrontiert damit, als er zu den Heiden kam: Was soll ich ihnen nun bezüglich des Gesetzes predigen? Und er selbst wusste ja auch, was es bedeutet ein Eiferer für das Gesetz zu sein und noch viel mehr, was es bedeutet, durch die Gnade erlöst und verändert worden zu sein. Da kann ich nur sagen: Gott sei dank, dass er sich diesen ehemaligen Christenverfolger und Übereiferer zum Apostel gewählt hat!

  10. Oh ja, Gott sei Dank, dass er sich diesen Eiferer fürs Gesetz erwählt hat.
    Übrigens auch so ’n Ding, finde ich:
    Nachdem sich Judas (Iskarioth) erhängt hatte, haben die Apostel ja gesagt „den Platz muss jemand einnehmen“ und jemand neues (den Matthias) ausgelost.
    Für mich ist trotzdem Paulus der 12. Apostel. Der steht mir näher als alle anderen zusammen – vielleicht noch erreicht von Johannes…

    Ansonsten: Danke für deine Antwort und auch für den Link: Ich weiß nicht warum – aber ich hatte den Bericht aus Apg 15 nie in Übereinstimmung mit Gal 2 gebracht. Gerade weil das so auseinander geht vielleicht??

    Dass da Leute von Judäa nach Antiochia gekommen sind, steht ja in ner guten Tradition: Jesus kamen die Pharisäer ja auch aus Galiläa, Judäa und Jerusalem hinterher, um nach dem Rechten zu schauen… Lk 5,17 und Mk 7 ab Anfang. Jesus hat sich nicht mit denen an den Tisch gesetzt und Kompromisse ausgehandelt 🙂

    Ich weiß nicht… ich muss zugeben, dass ich da auch einfach innerlich noch nicht drüber stehe bzw. immer noch zu wenig Abstand habe. Der Herr möge mir Liebe schenken für die Pharisäer. Ich sehe, wie deren Lehre so viel kaputt gemacht hat bei mir und bei anderen. Wenn man irgendwann in Liebe sagen kann „es wäre diesem Menschen besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt würde und er ins Meer geworfen wird“, hat man’s vermutlich einigermaßen erfasst… oder wie Stephanus für seine Steiniger um Vergebung beten kann?

    Ich will nicht denselben Fehler machen wie diese Jungs und Gottes Leute, meine Brüder und Schwestern, verdammen. Auf jeden Fall ist es schön, hier Leute wie dich zum Austausch zu treffen, denen Gott Weisheit ins Herz gegeben hat. Das macht diese Seiten aus, finde ich.

    • Och, danke für die Blumen 🙂 Geht mir ganz genau so! Und auch Blumen an Konsequente Gnade!
      Ja, der Sauerteig der Pharisäer! Habe ich in den letzten Tagen extrem zu spüren bekommen, weil auch ich überhaupt noch nicht drüber stehe und ab und zu doch ziemlich anfällig bin. Und weil ich mich in letzter Zeit sehr mit Gnade und Gesetz auseinandersetze, passiert es schon, dass einen diese allzu reizende gesetzliche Lehre versucht, gefangen zu nehmen. Das ging jetzt sogar soweit, dass sich in meinem Denken Zweifel an Jesu Göttlichkeit versucht haben breit zu machen. Zweifel sind zwar gut, wenn man daran wächst, aber ausgelöst haben es die Pharisäer. Punkte für’s Gesetz! Leider.
      Ich bin aber wieder erneut für mich zu der Erkenntnis gekommen: wichtiger als das, was die Apostel gesagt haben, ist das, was Jesus gesagt hat (und der hat eindeutig Gnade vermittelt!). Wichtiger als das, was Jesus gesagt hat, ist das, was er auf der Erde gewirkt hat: Menschen geheilt und aus der Macht des Satans befreit (würde Satan irrsinnigerweise doch nicht tun, Jesus treibt nicht mit Beelzebul aus! Hat Menschen zu Gott geführt). Wichtiger als das, was Jesus gewirkt hat, ist das, was er getan hat, am Kreuz! Und wenn das zur Vergebung der Sünde geschehen ist, dann können wir nur von Gnade reden und nicht mehr von unseren Werken, selbst wenn es Glaubenswerke sind, die dieser Gnade entspringen, auch das kann gar nicht mehr zählen vor Gott. Aber natürlich wird er Gefallen daran haben, wenn wir der Sünde immer mehr entwachsen, schon in diesem Leben, und immer mehr die Gestalt annehmen die wir verborgen schon haben. Insofern bin ich für mich zu der Meinung gelangt: auch das, was die Apostel „fordern“ an Halten von Geboten, ist nur eine Aufforderung zu dem, was wir schon längst können. Ich meine diesen bewussten Schritt, braucht es denke ich schon, zu „Ich halte die Gebote“, aber eben aus der Fähigkeit heraus, es zu können.

      Es ist wie, wenn jemand zu mir sagen würde: „Spiele Gott ein Lied zur Ehre“. Dann kann ich zu mir selbst sagen, „das tue ich jetzt“, aber eben in dem Wissen, dass ich das kann, weil Gott mir, ihm sei Dank, die Gabe der Musik gegeben hat (auch wenn ich das nicht zu den Geistesgaben zählen würde, aber egal) und auch innerlich dazu bereit bin, ja weil es mich vielleicht sogar drängt, das zu tun! Allerdings ist auch da der Grat zum Gesetz sehr schmal. Man kann daraus auch drehen: „Du musst Gott ein Lied zur Ehre spielen“, am besten noch jeden Tag, warum nicht jeden halben Tag? Weil ich es doch kann, weil es doch meine Gabe ist, weil ich doch ein Christ bin, weil es doch die Gemeinde erbaut, weil es die Botschaft in die Welt trägt…! Und wenn man ganz pharisäisch werden will, dann würde ich sogar noch einen drauf setzen: schiefe Töne erbauen keine Gemeinde und lassen erkennen, dass ich meine Gabe nicht pflege. Ich kümmere mich also gar nicht um Gott!! Also: üben, üben, üben jeden Tag und wenn du dich zwingen musst. Gott wird dir schon beistehen…

      Es ist auch wie, als Petrus über’s Wasser ging. Jesus hat ihn auch „aufgefordert“ komm herüber zu mir. Weil Petrus im V e r t r a u e n auf Gott es konnte. Erst als er daran zweifelte, weil er meinte „ich kann das doch gar nicht“ (stimmt, Petrus, DU kannst das echt nicht), ging er unter. Den Schritt auf’s Wasser musste Petrus schon tun, aber es war ein Schritt, den er konnte. Ein Schritt zur Einhaltung eines „Befehls“ in dem Vertrauen, es zu können.

      Ich weiß nicht, ob das nun so dogmatisch festgehalten werden könnte und bin mir nicht sicher, ob das meine endgültige Einstellung zu den Geboten/dem Gesetz ist. Glaube ich nicht. Aber ich bin auf dem Weg und will es bleiben. Also dem der Gnade

      • Um noch hinzuzufügen: wenn ich schreibe: Gott hat Gefallen, wenn wir der Sünde entwachsen (und im Umkehrschluss er hat keinen Gefallen, wenn wir Sündigen), so meine ich das natürlich so, dass es bezogen auf unser Heil 0 Konsequenzen hat. Gott wird die Sünde immer hassen und darum kann Jesus niemals ein Diener der Sünde sein oder ihr Vorschub leisten. Aber weil ER aus diesem Grund schon alles getan hat, was nötig ist, brauchen wir uns um „Sündigen“ keine Gedanken mehr machen. Ich sehe das jetzt eher so: wenn wir die Gebote halten (und das dürfen wir ja ;)) dann aus LIEBE von uns heraus und nicht mehr aus Zwang von außen. Damit ist in uns ein neues Wesen geschaffen, was eigentlich in seinem Grund auch schon voll dem Gesetz entspricht. Ich weiß nicht, ob man meinen Gedanken folgen kann, ich meine hier nichts gesetzlich.

        • Man könnte auch sagen: die wahren „Gesetzeserfüller“ sind eben die, die aus ihrem Vertrauen an Jesus eine neue Kreatur geworden sind (selbst wenn diese Kreatur, quasi „gefangen“ noch im alten Leib sündigt) und nicht die, die Lehren das Gesetz zu halten, weil das diese neue Kreatur gar nicht erschaffen kann, also immer noch in diesem sterblichen Leib stattfindet.

  11. Um nochmal auf das mit Paulus und den anderen 12 zu kommen: Paulus hat ja letztendlich auch „nur“ aus der Gnade heraus gewirkt. Er hat den irdischen Jesus nicht gekannt und sagt auch, dass ihm das ziemlich egal ist. Dass er das auch nicht als Vorzug der anderen sieht. Sicher wollte er auf einer Ebene stehen mit den „anderen“ Aposteln, um als solcher auch anerkannt zu sein. Dass „seine“ Lehre eben nicht falsch ist. Aber zurecht beteuert er auch immer wieder (mal) die „Taten“ die „er“ vollbracht hat. (Also eher Gott durch ihn, wie er auch stets betont) und dass diese Taten für ihn sprechen. Und das tun sie! Mir ist auch kein anderer Apostel bekannt, der so viel „Erfolg“ bei seiner Missionsarbeit hatte. Sollte Gott jemanden segnen, der Irrlehren verbeitet? Ich denke, der „Chef“ hätte das schon unterbunden. Und wiegesagt: Paulus war wahrscheinlich wie niemand anderem bewusst, was das Gesetz und was die Gnade anrichten kann. Darum sein Eifer nun für die Gnadenlehre.
    Leider wissen wir von den anderen Aposteln auch nur wenig. (Außer paar mittelalterliche Legenden, die aber m.E. doch fragwürdig sind.) Ich habe mir gestern auch mal den 1. Petr. durchgelesen (bin jetzt ein Fan davon geworden, bibl. Bücher, vor allem Briefe, einfach mal im Ganzen durchzulesen, nur so kapiert man wirklich die Zusammenhänge und auch an wenn sie gerichtet sind, z.B. im Falle 1.Petr. auch an die Galater!) und auch da kann ich eigentlich nichts erkennen, was irgendwie gegen die Gnade spräche. Also das mit „die Apostel haben’s selber noch nicht ganz begriffen“ nehme ich da hier mal vorischtig zurück. Ich denke auch den andern Aposteln dürfte es durchaus bewusst gewesen sein, was Gnade bedeutet und was Gesetz. Aber sicher: Paulus hat das mit einem Eifer getan, wie sonst wohl keiner. Und er hat es, weil gewissemaßen gezwungen, bis zu Ende gedacht und vor allem, Gott sei Dank: aufgeschrieben! Er hat sich ja auch immer gehütet und sprachlich regelrecht gewunden, um nicht zu sagen: „haltet die Gebote“. Sonst hätte nicht schreiben brauchen „wir sind der Sünde gestorben, wie könnten wir noch in ihr leben“, wenn das dasselbe heißen würde.

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