Was wir anderen Menschen zu sagen haben, ist keine Drohbotschaft. Das muß auch inhaltlich erkennbar sein.

Menschen müssen einen Bedarf haben nach dem Evangelium. Diesen Bedarf kann man wecken – etwa durch gezielte Fragen. Aber es ist wesentlich einfacher, wenn er vorhanden ist.

Aber in einer Gesellschaft, in der Menschen schon Bekanntschaft mit „Kirche“ gemacht haben, kann es sein, daß sie das „Evangelium“ (oder das, was sie dafür halten) als etwas wahrnehmen, das nichts mit ihren Bedürfnissen zu tun hat.

In der Apostelgeschichte haben wir unsere einzige Quelle dafür, welche Inhalte in einer Evangelisationspredigt der damaligen Zeit rübergebracht worden sind.

Den Juden gegenüber bezieht sich Petrus in seiner Pfingstpredigt aus das Alte Testament und auf eine Prophetie von David über Jesus (Apg 2). Für seine jüdischen Zuhörer hatte das eine gewisse Beweiskraft. Das Ereignis, daß ihm die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer sicherte, war das Pfingstwunder. Er droht ihnen nicht mit der Hölle.

In Apostelgeschichte 3 ist der Aufhänger eine Krankenheilung. Petrus klagt die Juden sogar des Mordes an Jesus an – sagt aber sofort auch, daß nun alles ok sei. Auch hier gibt es keine Drohung mit der Hölle. Aber er verheißt einen gewissen Ärger mit Gott.

In Apostelgeschichte 4 spricht Petrus vor dem Hohen Rat darüber, wer Jesus ist. Auch hier droht er nicht mit der Hölle. Sie haben einen Geheilten mitgebracht und sprechen mit großer Freiheit.

In Apostelgeschichte 5 kommt gleich die nächste Konfrontation mit dem Gremium der Gesetzestreuen: auch hier wieder das Herausstellen, daß Jesus die einzige Lösung ist. Interessant dort Vers 20: „Geht und stellt euch hin und redet im Tempel zu dem Volk alle Worte dieses Lebens!“

Stephanus erklärt den Gesetzestreuen in Apostelgeschichte 7, daß das Gesetz und der Alte Bund keineswegs eine Erfolgsstory war. Er erinnert sie an den Götzendienst des Volkes Israel in der Wüste und erklärt ihnen, daß sie nicht besser als ihre Väter sind. Eine gewagte Konfrontation, die für Stephanus tödlich endet. Aber er handelt nach dem Vorbild Jesu: eine harte Konfrontation ist die einzige Chance für einen verbohrten Gesetzestreuen.

In Cäsarea (Apg 10) erzählt Petrus erstmals Nicht-Juden die Geschichte von Jesus in Kurzform. Er stellt heraus,

  • daß Jesus Frieden bringt (Vers 36)
  • Menschen geheilt hat (Vers 38)
  • den Tod besiegt hat (Vers 40)
  • Er ist die einzige Quelle von Gerechtigkeit vor Gott (Vers 42)
  • und durch ihn gibt es Vergebung (Vers 43).

 

Es gibt keine Drohung mit der Hölle.

 

Als Paulus in der Synagoge von Pisidien predigt (Apg 13), ähneln seine Inhalte denen des Petrus. Für seine jüdischen Zuhörer rekapituliert er aber erst einmal die Geschichte Israels. Danach stellt er heraus:

  • Vergebung der Sünden (Vers 38)
  • Schwachheit des Gesetzes (38)
  • Rechtfertigung durch Glauben (39)
  • in der Gnade Gottes bleiben (43)

Interessanterweise bekommen hier die noch ungläubigen Zuhörer bereits erzählt, was sie auch nach ihrer Neugeburt gelehrt bekommen.

Viele Juden in Pisidien glauben aber weiterhin der Botschaft des Gesetzes und halten sich „des ewigen Lebens nicht für würdig“ (Vers 46). Sie möchten das Leben nicht als Geschenk haben, sie bleiben stecken in dem Gefühl der Unwürdigkeit, das ihnen vom Gesetz vermittelt wird – so das Urteil von Paulus über sie.

Sehr bekannt ist die Kurzform des Evangeliums aus Apostelgeschichte 16 „Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst gerettet werden, du und dein Haus. “ (Vers 31). Auch hier kein Wort über die Hölle.

In Thessalonich (Apostelgeschichte 17) erklärt Paulus den Juden in der Synagoge, „dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste, und dass dieser der Christus ist; der Jesus, den ich euch verkündige“ (Vers 3)

 

In Athen predigt Paulus anders als sonst – sozusagen intellektuell. Der Erfolg ist mäßig – aber auch hier erwähnt er Dinge wie

  • Umkehr (Vers 30)
  • die Auferstehung (Vers 31)

Hier findet sich auch eine Erwähnung von Gericht (Vers 31), aber wiederum nichts von der Hölle.

In Apostelgeschichte 18 hilft Apollos seinen jüdischen Zuhörern: „denn kräftig widerlegte er die Juden öffentlich, indem er durch die Schriften bewies, dass Jesus der Christus ist.“ (Vers 28)

 

Zusammenfassend beschreibt Paulus den evangelistischen Teil seines Dienstes so: „da ich sowohl Juden als auch Griechen die Umkehr zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeugte.“ (Apg 20,21)

 

Wir sehen also, dass wir in den Predigten der Apostelgeschichte nichts von Höllendrohungen finden, vielmehr wird geredet über

  • Vergebung der Sünden
  • Schwachheit des Gesetzes
  • Errettung durch Glauben an Jesus
  • Rechtfertigung durch Glauben
  • die Gnade Gottes
  • die Auferstehung
  • Heilung

Das sind die „Worte des Lebens“.

 

Eine Antwort »

  1. Eine mögliche Antwort, warum die Apostel u. Paulus nicht die Hölle predigten könnte daran liegen, dass die Vorstellung einer Hölle dem Judentum fremd ist, sie kommt im AT nicht vor. Das Judentum kennt nur Gerichte: Gott richtet in der Geschichte Übertreter seiner Gesetze, gottlose Städte u.a. (= Todesstrafe) Paulus z.B. erwartete noch zu seinen Lebzeiten den Tag des Gerichtes/Zornes Gottes über Israel. In seinem Denken war ja der Alte Bund im Prinzip noch intakt, denn der Tempel in Jerusalem stand noch, der Hohepriester regierte: die Menschen, die die Gnade Jesu abgelehnt und ihn umgebracht hatten, waren noch an der Macht. Der „wahre Hohepriester“ für Paulus aber war aber Jesus, der einen „neuen Bund“ mit dem „Haus Israel“ geschlossen hatte: „Indem er sagt: »einen neuen Bund«, erklärt er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe.“ (Hebräer). Und so wartete Paulus noch zu Lebzeiten auf das Gericht Gottes, das Ende des Aeons des Alten Bundes; er hoffte auf ein sichtbares Zeichen/ Gericht, dass das neue christliche Aeon der Gnade Gottes eingeleitet ist.
    In der christlichen Theologie wurden diese jüdischen Gerichtsvorstellungen auf das Ende aller Zeiten (Aeone) überhaupt bezogen, auf ein jüngstes Gericht über Himmel und Hölle.

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