Vielen Christen hat man leider nicht beigebracht, logisch zu denken. Deswegen können sie von zwei Predigten, die sich direkt widersprechen, inhaltlich gleichzeitig begeistert sein – auch dann, wenn der eine Prediger „nachgewiesen“ hat, daß wir vor der Großen Trübsal entrückt werden und der andere „nachgewiesen“ hat, daß es erst danach geschieht.

Und das wäre noch eines der unwichtigeren Themen!

Vielleicht war es auch eher der Stil als der Inhalt, der die Zuhörer begeistert hat. Die problematische Schlußfolgerung daraus wäre: Hauptsache begeistern und begeisternd sein!

Natürlich ist es toll, wenn die Wahrheit auch begeisternd vorgetragen wird und jemand Menschen begeistern kann – aber leider ist das nicht immer der Fall. Und wer an allzuviel Begeisterung gewöhnt ist, wird sich schwer tun, vor lauter Verpackung den Inhalt noch zu sehen.

Übrigens wird diese Fähigkeit zu begeistern, oft mit Vollmacht verwechselt.

Schlimmer aber wird es dort, wo Prediger, Bibellehrer, Bücherschreiber etc. anscheinend tiefe biblische Einsichten vermitteln – und ihre Zuhörer oder Leser unfähig sind zu bemerken, daß die Sprecher oder Autoren Gesetzlichkeit verbreiten (auch wenn einzelne ihrer Einsichten vielleicht richtig sind).

Wie kommt es zu diesem Phänomen? Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Christen haben eine verschwommene Definition von Gesetzlichkeit
  • so lange nichts zu sehen ist von Hosenverboten für Frauen, strengen Vorschriften für die Sonntagsruhe oder der Besuch von Diskos nicht untersagt wird, scheint für viele die Welt in Ordnung zu sein
  • man folgt dem Grundsatz, Gesetzeslehrer könnten unmöglich „locker“ und „modern“ sein
  • Regeln für unser Gebetsleben und unsere persönliche Beziehung zu Gott fallen für viele nicht unter „Gesetzlichkeit“
  • wer gegen Gesetzlichkeit wettert, könne unmöglich selbst gesetzlich sein
  • gesetzlich sind immer nur die anderen

Richtig ist dagegen

  • Gesetzlichkeit läßt sich klar definieren (https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/woran-erkennt-man-gesetzlichkeit/)
  • Gesetzlichkeit zeigt sich auch an harmloseren Regeln wie „ein guter Christ liest täglich in der Bibel“ oder „Christen sind immer fröhlich“ oder „gib alles für den Herrn!“
  • die Gesetzeslehrer von heute sind oft auf der Höhe der Zeit: ironisch, witzig, locker, gut gekleidet … manche gehen sogar in die (Männer)Sauna 😉 … und sie sprechen eine moderne Sprache
  • gerade in unserem Gebetsleben und in unserer persönlichen Beziehung zu Gott kann uns Gesetzlichkeit in Form von Regeln für diese Bereiche sehr schaden!
  • der wache Blick für andere Varianten von Gesetzlichkeit sagt noch lange nicht, daß man die eigenen sehen kann

Um etwas für das Thema zu sensibilisieren, hier ein paar Beispiele für Sätze, die wir vielleicht bisher für harmlos gehalten haben

  • „Ich stelle euch jetzt mal mein Gebetsprogramm vor, durch das du sehr gesegnet werden kannst …“
  • „Zu einem guten Sonntag gehört für mich ein Gottesdienstbesuch …“
  • „Der Herr hat mich gelehrt, daß Er finanzielle Großzügigkeit belohnt …“
  • „Ich denke, daß Gott das Verhalten dieses berühmten Predigers demnächst richten wird …“
  • „Ich denke, daß ein Geist der Rebellion aus dir spricht …“
  • „Christen sollten nicht kritisieren, sondern auferbauend reden …“
  • „Sex mit mir ist deine Pflicht als mein Ehepartner …“
  • „Gott mag keine ungehorsamen Kinder!“
  • „Du ehrst deinen Vater nicht, wenn du ihn mit seinem falschen Verhalten konfrontierst“
  • „Sprich nicht mit XY, bete lieber für ihn“
  • „Ein guter Christ sollte sein Land lieben …“
  • „Wir müssen den Menschen die Wahrheit sagen, auch wenn sie sie nicht hören wollen …“
  • „Es gibt so viele, die gesetzlich sind. Schlimm! … also, das sind meine Regeln für die Sonntagsruhe: …“
  • „Manchmal müssen wir unseren Isaak opfern, oder?“
  • „Bete immer mit Entschlossenheit!“
  • „[Gesetzes]Werke und Glauben gehören doch zusammen“
  • „Christen sollten freundlich sein“
  • „Wir sollten uns jeden Tag neu unter den Schutz Gottes stellen“
  • „Wir müssen Gott vertrauen, um seinen Segen erfahren zu können“
  • „Unsere Gebetszeit sollte mit Danksagung und Lobpreis beginnen“
  • „Mach Gottes Anliegen zu deinen – dann kümmert er sich um deine Anliegen“

Und dann gilt natürlich immer noch das Kriterium, das Jesus selbst gegeben: Strenge im Unwichtigen, Blindheit in dem, was wirklich zählt.

Matthäus 23,24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seht, das Kamel aber verschluckt!

Und Paulus hat auch schon reichlich Spott ausgegossen über die blinden Gesetzeslehrer.

Römer 2,17-20  Wenn du dich aber einen Juden nennst und dich auf das Gesetz stützt und dich Gottes rühmst und den Willen kennst und prüfst, worauf es ankommt, weil du aus dem Gesetz unterrichtet bist, und getraust dich, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Erzieher der Törichten, ein Lehrer der Unmündigen, der die Verkörperung der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat

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