Welcher Christ kennt sie nicht: die Metapher vom Thron in meinem Herzen, auf dem entweder mein Ego sitzt oder Jesus! Es ist zwar sehr beliebt (insbesondere in kleinen Missionsheftchen zum Verteilen), trifft aber aus unserer Sicht den Kern der Dinge überhaupt nicht … und bezeichnend ist auch, daß die Frage, ob denn nun Jesus in unserem Leben auf dem Thron sitzt, letztlich nur an unserem Verhalten gemessen werden kann. Die Frage, ob Jesus unser Verhalten prägt, ist aber eine andere als die, ob er unser Leben ist.

… besser sind wohl andere Vergleiche, etwa den biblische leicht begründbaren von Jesus als unserem Leben. Denn wenn er mich lebendig gemacht hat, dann war ich ohne ihn tot. Und habe Leben gesucht in Dingen, die kein Leben geben können (Pizzas, Partnerschaften, Fernreisen, Gutes-Tun, Bildung, Fußballplatz etc.pp). Nun kann ich mich entscheiden, ob ich mein Leben, meinen Wert, meine Bedeutung in der bedingungslosen Annahme Gottes suche – oder doch (punktuell) irgendwo anders. Und die Aussage “Jesus ist mein Leben” oder “Jesus hat mich lebendig gemacht” oder das ganz simple “Jesus liebt mich” führt die Gedanken eben nicht gleich zum eigenen Verhalten.

Das eigene Verhalten wird auf diese Weise davon entlastet, ständig meine Verbundenheit mit Jesus nachweisen zu müssen. Und wir werden frei dafür, daß unser Verhalten echter wird, weil es nichts mehr beweisen muß …

… das, was wir nicht von Herzen tun können, ist Heuchelei und sollte auf absolute Notfälle begrenzt bleiben – tun wir das nicht, sind wir Schauspieler um Jesu willen. Womit wir weder uns noch den anderen einen Gefallen tun: andere Menschen spüren das; wir selbst trainieren uns darin, unecht zu sein; es kostet viel Kraft, so zu leben etc. So ein schauspielerndes Verhalten ist aber naheliegend, wenn wir darum ringen, dass Jesus auf dem fiktiven Herzensthron sitzt und nicht unser „Ego“ mit seinen Eigeninteressen.

Und noch etwas zum “Ego auf dem Thron”: egozentrisch können leicht auch die Menschen sein, deren Selbstwertgefühl sehr instabil ist. Oder Menschen, die sich fortwährend geistlich selbst den Puls fühlen und sich fragen, wie heilig sie inzwischen geworden sind. Die als egozentrisch oder selbstsüchtig zu bezeichnen, die darauf achten, dass ihre grundlegenden und auch nicht so grundlegenden Bedürfnisse erfüllt werden, wird schnell unsinnig – wenn wir uns klar machen, dass ein Mensch schnell nicht mehr „funktioniert“, der nicht ausreichend auf sich achtet.

Die Frage nach der Egozentrik oder Selbstsüchtigkeit ist einfach falsch gestellt; vielleicht weil das nichtexistierende Ideal der “selbstlosen” Liebe noch so sehr in den Köpfen ist und man deshalb instinktiv zurückzuckt, die Dinge so zu formulieren, wie sie wirklich sind: Handlungen für andere sind nie nur selbstlos!

… aber zugegeben: es gibt auch einfach Menschen, die viel haben und sind – und trotzdem immer wenig für andere übrig haben. Aber diese Selbstsucht ist doch eher selten. Das meisten von uns stehen eher vor dem Problem, dass sie aus ihrem Mangel heraus wenig zu geben haben. Und das hilft nur Fülle – und nicht Überlegungen, wer nun auf dem Thron sitzt.

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  1. Das heißt also, ich muß warten, bis ich Mangelfrei bin bevor ich mich bewege? Das Ego zu füttern funktioniert ja auf vielerlei Art und Weise. Manche ruhen sich darauf aus, daß sie ja momentan so leer sind. Haben die sich schon mal gefragt, warum eigentlich? Ich glaube auch, daß man nichts geben kann, was man nicht hat…aber der Jesus in mir hat ne‘ Menge zu geben!

  2. Gegenfrage:Woher weißt man, wann man voll genug ist um zu geben?
    Gott ist ein Gott der Beziehungen und nicht der Eigenbrödlerei, oder? Menschen begegnen, erfüllt doch auch. Im Kämmerlein sitzen und auf Fülle warten…bis ich Kraft von oben spüre, hört sich meines Erachtens eher etwas zu mystisch an. (Oder mißverstehe ich da den Verfasser?)

    Jesus ist immer in mir. Wenn ich mich schwach fühle, ist er dennoch da. Mein Mangel ist in Jesus „mächtig“. Insofern differenziere ich da nicht…

    • Antwort: Man weiß, dass man „voll“ ist, wenn man gibt, also etwas zu geben hatte. Vorsichtiger gesagt: wenn man was zu geben hat, gibt man. Wir alle mögen es, wenn wir was geben können (und zu geben haben).

      Das Nicht-Geben lauter christlicher Egoisten ist nicht unser aktuelles Problem – das Pseudo-„Geben“ christlicher Bettler schon eher.

      Fürs Ego kann es auch schlimm sein, wenn es nichts zu geben hat 😉 … und Jesus hat kein Problem mit uns, wenn wir nicht geben. Oder nichts zu geben haben.

  3. Schade, daß das Geben so verkompliziert wird. 🙂 Ich glaub, an einem Punkt (an dem mich Gott verändert hat) wird es doch auch zur Normalität, zum Dialog. „Die Fülle seiner Herrlichkeit“ lebt in mir.
    Natürlich gibt es in den Gemeinden auch die, die „geben müssen“ und immer wieder den „Throncheck“ machen MÜSSEN. Das ist für mich aber weit entfernt von meinem Beziehungsleben mit Gott. Leider gibt’s in meinem Freundeskreis auch ein paar dicke Prolls, die nur den Mund aufmachen können, damit andere sie füttern. 🙂 Das Problem ist nur, daß sie keiner satt bekommt. Wie würdet Ihr denn beschreiben, wann es sich richtig anfühlt zu geben?

  4. Ps: Ich habe nicht die Vorstellung, daß Gott Geben von mir verlangt. Ich hätte auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich es nicht tue. Aber hinter dieser Gebe-Idee steckt eben die Idee von Beziehung untereinander. Ego-Touren machen doch früher oder später erstaunlich einsam.

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