Worin besteht eigentlich das Irren der Irrlehrer? Diese Frage zu beantworten ist sehr wichtig, da ansonsten der Titel „Irrlehrer“ etwas völlig beliebiges wird. Und weitgehend ist er das ja auch schon, da inzwischen sogar die einen Irrlehrer die anderen Irrlehrer (zu Recht) als Irrlehrer bezeichnen.

Es muss also bei dieser Diagnose immer um INHALTE gehen. Ein unkonkretes Tituliert-Werden als Irrlehrer kann man getrost ignorieren. Das zeigt – nebenbei gesagt – dass wir uns alle Gedanken machen müssen über unsere Theologie. Auch weil sie unser Tun mehr beeinflußt, als dem christlichen Pragmatiker klar ist.

Bestimmte Grundannahmen pflanzen sich in unserem Denken fort. Oder sie führen zu logischen Widersprüchen. Das gilt auch für unsere Sicht auf die Bibel.

Die folgende (unvollständige) Liste wird nicht von jedem Irrlehrer vollständig erfüllt. Treffen aber Punkte auf ihn zu, sollte man ein wenig vorsichtiger dabei sein, ihm alles zu glauben. Wir versuchen, die Folgen der jeweiligen Grundannahme aufzuzeigen.

  • „alle Teile der Bibel sind gleichwichtig“: das führt dazu, dass man Dinge harmonieren will, die einfach nicht zu harmonisieren sind. Dabei sagt die Bibel selbst, das bestimmte Dinge nicht mehr gelten oder nur für bestimmte Gruppen oder Zeiten.
  • „Wir sind nur gerechtfertigte Sünder“: das hat Folgen für seine Auffassungen über Heilssicherheit, Heiligung (also unsere Veränderung nach der Errettung) und sein Bild vom erlösten Christen
  • „Errettung zeigt sich umfassend (und sofort) im Verhalten des Christen“: das macht in der Regel anfällig für das Halten des Gesetzes, ein strenges Heiligungsprogramm mit entsprechend harten Forderungen und für die Verwechslung von Glaubenswerken (Frucht) mit Gesetzeswerken (tote Werke)
  • „das Fleisch ist das Böse in uns und muss bekämpft werden“: diese Auffassung hat Folgen für die Art und Weise, wie unsere Veränderung angeblich geschieht. Willenskraft, Anstrengung, Schmerz u.a. spielen eine große Rolle. Das Fleisch wird nicht neugeprägt, sondern bekämpft. Das Halten von Geboten muss gegen das Fleisch durchgesetzt werden. Es gibt keine Einsicht, dass das Fleisch durch den Geist neu geprägt wird.
  • „mit Abfallen ist Sündigen gemeint“: diese Auffassung macht schlechtes Verhalten von Christen zu einer Sache auf Leben und Tod. Diese Auffassung macht das Halten des Gesetzes zu einem Kavaliersdelikt.
  • „Sündigen ist viel schlimmer als das Halten des Gesetzes“: dies führt zu Härte und Strenge gegenüber Christen, die sich (angeblich oder tatsächlich) schlecht verhalten und zu feigen Kompromissen mit Gesetzeslehrern („auch ihnen geht es ja um Jesus“)
  • „Errettete Christen können wieder verloren gehen“: diese These hat Folgen für Theorie und Praxis unserer Veränderung, für die Deutung von Stellen über das „Abfallen“ von Christen und natürlich für unsere Heilssicherheit bzw. -gewißheit
  • „Christen müssen nicht sündigen“: jeder Christ, der trotzdem sündigt, hat sich nicht genug bemüht. Der Fokus liegt auf dem Vermeiden der Sünde und nicht auf der inneren Veränderung und dem Lieben des anderen.
  • „der Wandel im Geist zeigt sich am Nicht-Sündigen“: siehe der Punkt vorher
  • „der Wandel im Geist leistet das selbe (und mehr) wie das Halten des Gesetzes“: das hat zur Folge, dass Perfektion und relative Sündlosigkeit erwartet wird. Bleibt dies aus, ist Verzweiflung und Verurteilung die Folge.
  • „die Gebote Jesu ergänzen das Gesetz“: diese Auffassung führt dazu, dass alle Stellen, die die Geltung des Gesetzes für den Gläubigen bestreiten, umgedeutet werden.
  • „Das Gesetz Christi ist nun unser Gesetz“: daraus wird naheliegend abgeleitet, dass nun die ausdrücklichen Gebote Jesu uns so regieren wie zuvor das Gesetz – mit Zwang
  • „das äußere Verhalten des Christen ist das wichtigste“: das hat zur Folge, dass die innere Veränderung unwichtiger wird. Die Anfälligkeit für Methoden zur schnellen Verhaltensänderung wird groß.
  • „das Gesetz gilt für Christen weiterhin“: das Gesetz gilt als Mittel zur Verhaltensänderung (Heiligung) und zur inneren Veränderung
  • „Glaube zeigt sich in Werken, die wiederum den Anforderungen des Gesetzes genügen“: da das Gesetz Perfektion fordert, gelten echte Glaubenswerke als zu geringfügig. Das Erbringen von Gesetzeswerken wird begünstigt
  • „das Nachdenken über unser Neues Leben verändert unser Tun“: das hat zur Folge, dass der Prozess der Veränderung nicht näher untersucht wird und der Christ wird naheliegend danach streben, das Gesetz aus der Kraft der Neuen Identität zu halten

Für die logischen Folgen aus diesen Grundannahmen findet sich mit Sicherheit immer irgendein Bibelvers. Aber es finden sich noch mehr Bibelverse, die diesen Grundannahmen widersprechen. Aber das stört den Irrlehrer nicht. Denn der „Eifer des Herrn“ brennt in ihm. Oder ist es doch nur der „Eifer“ des Gesetzeslehrers?

Wir bezeichnen übrigens niemand im Besonderen als Irrlehrer. Es wäre unfair gegenüber der breiten Masse der Irrlehrer, jemand speziell hervorzuheben 😉

Ergänzungen sind wie immer willkommen!

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