Ein Begriff, der von manchen Christen für andere Christen verwendet wird, ist „fleischlich“. Fleischliche Christen sind für diese Christen Menschen, die nicht „geistlich“ sind. Meist klingt deutlich an: ein fleischlicher Christ ist ein sündigender Christ ohne christlichen Lebenswandel.

Wenn das die Definition ausmacht – gut. Wie man dann damit umgeht, steht auf einem anderen Blatt.

Aber stimmt die Grundlage der Definition? Hilft uns die Bibel dabei, zu bestimmen, was ein „fleischlicher“ Christ überhaupt ist?

Zu Beruhigung erst mal ein paar klare Aussagen:

Röm 8,8 Die aber, die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen.

Röm 8,9 Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn wirklich Gottes Geist in euch wohnt. Wenn aber jemand Christi Geist nicht hat, der ist nicht sein.

Paulus nimmt alle Einwände gleich vorweg und am Ende bleibt nur die klare Schlußfolgerung übrig: wir SIND im Geist und nicht mehr im Fleisch. Sonst wären wir gar keine Christen.
Nun aber zu der Stelle, auf die sich die Steller der Diagnose „fleischlicher Christ“ beziehen:

1Kor 3,1 Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus.

1Kor 3,3 denn ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?

In diesen „fleischlich“-Versen haben wir schon unsere ersten Merkmale zusammen:
  • Unmündige in Christus (dazu gibt es eine ganze Lehre im Neuen Testament!)
  • wandeln nach Menschenweise

Von den Gesetzeslehrern wird gesagt, dass sie „Lehrer der Unmündigen“ sind (Röm 2,20 ). In Galater 4 sind die Menschen unmündig ( Gal 4,1 ), bis sie vom Gesetz losgekauft werden. Wenn sie nicht erkennen, was ihnen gehört in Christus, unterscheiden sie sich nicht von einem Sklaven. Und es gibt noch mehr Stellen dazu. Fast könnte man so weit gehen und sagen „Die Fleischlichen sind die Unmündigen“. Und die wiederum sind die, die unter dem Gesetz bleiben oder dorthin zurückkehren – obwohl sie Jesus und seine Gnade erkannt haben.

Nun zum „Wandel nach Menschenweise“: eigentlich eine Variante des oben Gesagten – nur ohne Gesetz. Das ist ein Leben, indem Gott und seine Gnade nicht vorkommen. In dem der Mensch alles selbst tun muß, in dem ihm nichts geschenkt wird. Wo es nur das Natürliche (=Fleisch!) gibt, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Dieser Wandel kann einen frommen Anstrich bekommen, wenn das Halten des Gesetzes dazu kommt. Denn auch das Gesetz appelliert an die natürliche Kraft des Menschen und verspricht ihm „Befolge mich und du wirst leben! … deine Bedürfnisse werden erfüllt werden, wenn du dich genug anstrengst.“

Wenn wir dann noch den ganzen Abschnitt lesen, sehen wir, dass die Christen in Korinth so ihre christlichen Superstars hatten, auf die sie sich gerne bezogen (http://www.bibleserver.com/text/ELB/1.Korinther3). Das wiederum führt zu Streit und Eifersucht und Neid und Rivalität unter ihnen. Das aber kennen wir aus den Werken des Fleisches in Galater 5 – der Gruppe von Gemeinden, die durch das Halten des Gesetzes den Wandel im Geist hinter sich ließ. Wie so oft bei den Bibelstellen, die die Droher und Rauner gerne verwenden (und niemals auf sich beziehen!), zeigt sich wieder einmal: auch in Korinth hat die religiöse Seite des Fleisches eine Rolle gespielt.

1Kor 2,12 Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind.

Im Kapitel vorher (http://www.bibleserver.com/text/ELB/1.Korinther2) redet Paulus über das Werk des Geistes in unseren Leben (quasi das „Geistliche“) und sagt einen entscheidenden Satz: „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, damit wir die Dinge kennen, die uns von Gott geschenkt sind. “ (Vers 12) Damit bekommen wir ein weiteres Kriterium an die Hand, mit der wir sehen können, was fleischlich in Bezug auf Christen überhaupt meint. Wo das Gesetz gelehrt wird, geraten die Dinge, die uns von Gott geschenkt sind, in Vergessenheit. Die Christen in Korinth werteten sich gerne auf, indem sie Dinge sagten wie „mein Mann ist ja Paulus. Wie der lehrt!“ oder „Apollos ist echt cool! Der kanns erklären. Und seine Wunder immer!“. Dabei waren sie in Christus schon unendlich wertvoll. Sie holten sich „fleischlich“-natürlich das, was sie „geistlich“-unsichtbar längst hatten.

Es gäbe sicher noch viel dazu zu sagen, aber …

… nun ist hoffentlich klar geworden, dass die Bezeichnung „fleischlich“ auf Christen gemünzt ist, die sich auf das Natürliche stützen und / oder unter dem Gesetz bleiben. Es sind nicht zwangsläufig (und vor allem nicht vornehmlich!!) die, die als Christen einen Lebenswandel an den Tag legen, der „unchristlich“ aussieht – sondern die, die in ihrem Tun und Lassen besonders fromm rüber kommen können. Und dabei sich doch letztlich nur auf das Natürliche, das Fleisch stützen.

Nun erwarten wir natürlich nicht, dass die Gesetzeslehrer sich an die Brust klopfen und sagen „Die unordentliche Schwester und ich – wir sitzen im selben Boot!“ 😉 … das wäre sehr naiv.

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  1. Ist es nicht so, dass „im Fleisch“ etwas anderes ist als „fleischlich“?

    In 1Kor 3,3 steht ja, wie fleischlisches Verhalten ausseiht: denn ihr seid noch fleischlich. Denn wo Eifersucht und Streit unter euch ist, seid ihr da nicht fleischlich und wandelt nach Menschenweise?

    Hier wird Eifersucht und Streit als fleischlisches Verhalten genannt und dieses Verhalten wird zudem auch noch als „wandeln in Menschenweise“ bezeichnet. Ich sehe in dieser Stelle nichts von „Gesetz“. Geht es hier nicht einfach um Verhalten, welches man von verloreren Menschen kennt und was schlicht und ergreifend von uns nicht nachgeahmt werden soll, da dies nicht zu unser neuen Identität passt?

    Römer 8 spricht ja von dem, was wir SIND.Es geht da ja nicht um „wie wir uns VERHALTEN“.

    Ob „fleischliche“ und „unmündige“ die Gleichen sind weis ich nicht. Es werden in Epheser 4 auch diejenigen „unmündig“ genannt, die sich von jedem Wind der Lehre treiben lassen.

    • Richtig: „im Fleisch“ sind alle, die Jesus nicht kennen. Die aber, die „im Geist“ sind, können trotzdem „fleischlich“ sein – aber sie sind damit nicht mehr „im Fleisch“.

      Fleisch und Sündigen sind genauso verwandt wie Fleisch und Gesetz-Halten. Unsere Natürlichkeit versucht sich immer daran, die eigene Lage zu verbessern: sei es nun durch religiöse Bemühungen (die aber gut ohne Gott auskommen) oder eben durch Sündigen in allen Varianten. Gemeinsam ist beiden Verhaltensrichtungen: es gibt eine Lösung ohne Gott, ohne seine Hilfe, ohne seine Liebe – eine autonome Lösung. Unsere Natürlichkeit ist auf Autonomie trainiert (was blieb uns auch anderes übrig ohne Gott) – durch ein „Leben im Geist“ bekommt sie dies immer mehr abgewöhnt.

      Wer aber Gesetz predigt, appelliert letztlich an unsere Natürlichkeit, an unser Fleisch – und damit an die von früher gewohnte Autonomie. Deshalb ist auch das Gesetz die Kraft der Sünde; denn die Appelle des Gesetzes mobilisieren unser Fleisch – und damit auch das Sündigen.

  2. Was sind fleischliche Christen?
    Was schenkt der Geist Gottes? Glaube, Hoffnung und Liebe, am größten ist die Liebe.
    Wenn jemand nicht in der Liebe wandelt, so lebt er nicht im Geist, aber natürlich sollte ein Christ seinen Nächsten auch zurechtweisen dürfen, sonst wäre im Himmel ja alles erlaubt.

    • Ja, Christen sollten sich mehr „zurechtweisen“ – in dem sie sich auf die bedingungslose Liebe Gottes hinweisen, die wir so leicht aus den Augen verlieren. Stattdessen wird leider oft im Sinne einer Verhaltensdressur „zurechtgewiesen“; und das ist ein sicheres Mittel, um Christen der Liebe Gottes zu entfremden.

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