Inzwischen ist es schick geworden, die „weite Pforte“ aus Mt 7 mit dem Wohlfühl-Evangelium zu identifizieren. Genug Christen sehen ernsthaft eine Gefahr darin, daß andere Christen sich wertvoll und geliebt fühlen und von Gott erwarten, daß er ihnen im Leben hilft. Sie plädieren stattdessen für Selbstverleugnung, Kreuztragen und Nachfolge – und konstruieren Gegensätze, wo keine sind.

Das sogenannte Wohlfühl-Evangelium ist aber längst nicht so „wohlfühlig“, wie seine christlichen Kritiker gerne meinen; es hat meist eine stark gesetzliche Prägung: der Christ muß viel tun, damit die Segnungen Gottes zu ihm kommen. Sie sind nicht umsonst, sondern müssen verdient werden. Aber diese Christen gönnen sich quasi mehr als ihre Kollegen von der Asketen-Front – denn schließlich ist der Job der Nachfolge, den sie zu tun haben, anstrengend. Man mag selbst entscheiden, was naheliegender ist und der menschlichen Natur eher entspricht.

Die Unwohl-Prediger sagen, daß viele dieser Segnungen, auf denen die Wohlfühler bestehen, Illusion sind. Außerdem sei es nicht legitim, nach ihnen zu streben: Christen seien nicht in der Welt, um zufrieden zu sein, sondern um Gott zu dienen und Jesus nachzufolgen. Womit sie automatisch voraussetzen, daß Menschen, die etwas für ihr eigenes Wohlergehen tun, keine Zeit und Kraft und Konzentration mehr übrig haben, etwas für andere zu tun. Und Menschen, die weniger für ihr eigenes Wohlergehen tun, damit automatisch selbstloser und gebefreudiger.

Die Wahrheit ist aber, daß Menschen für andere da sind, egal ob sie sich selbst wohlfühlen oder nicht; ob sie materiell viel oder wenig haben. Ob sie für andere da sind, hängt nicht von diesen Faktoren ab.

… natürlich gibt es Dutzende von Zwischenstufen auf der Skala zwischen Askese und Wohlfühlen durch die Antworten auf die Fragen, wie sehr man sich denn anstrengen muß und welche Segnungen legitim seien; und welche Kombination aus Anstrengung und selbstverdienter Segnung die richtige sei.

Der Mensch muß natürlich ein Minimum seiner Bedürfnisse erfüllen, um lebens- und funktionstüchtig zu bleiben. Das kann ihm noch nicht als „Egoismus“ ausgelegt werden. Tut er das nicht, kann er sich auch nicht anstrengen und schon gar nicht nachfolgen. Aber wo es „zu viel“ wird, darüber kann man bestimmt endlos streiten. Und wie viele Christen gibt es, die sich schon sehr aufgeklärt vorkommen, weil sie sich und anderen ein paar erweiterte Grundbedürfnisse zugestehen – oder gar Luxusbedürfnisse wie Sommerurlaub, Saunabesuch, Tanzveranstaltungen oder die Zigarette danach 😉

Aber eigentlich streiten sich hier zwei gesetzliche Richtungen – und je nach eigener Veranlagung wird einem die eine oder die andere besser gefallen. Die „Wohlfühler“ erwarten mehr von Gott, auch wenn sie sich mehr anstrengen – und es fehlt ihnen oft auch der „demütige“ Touch der eher asketischen Nachfolger. Was für die asketische Richtung spricht? Vielleicht das mit der Ernsthaftigkeit in Sachen Nachfolge? Oder daß sie Stellen aus dem Neuen Testament anführen, wo die Interpretationen der Wohlfühler oft versagen. Aber eigentlich ist das relativ unwichtig, denn …

Beide gehen auf dem breiten Weg des Gesetzes – insofern sie das Ok- und Geliebt-Sein eines Christen daran festmachen, wie wohl er sich fühlt oder wie viel Qual er um Jesu Willen erträgt. Im Namen von angeblich christlichen Kritierienkatalogen werden hier Menschen auf- und abgewertet, etwa weil sie zu wenig Geld haben oder weil sie nicht dazu neigen, den „schwierigen“ Weg zu gehen; weil sie krank sind oder nicht „demütig“ genug wirken … oder, oder, oder.

Aber die Wohlfühl-Christen argumentieren selten mittels der „engen Pforte“ gegen die „Schmerz“-Asketen – das ist eher deren Monopol gegen alle, die es sich mit der Nachfolge angeblich zu einfach machen.

Aber Gott sei Dank ist alles immer noch einfacher: Jesus ist der Weg zum Leben – und nicht das Einhalten von Regeln. Egal, ob die Regeln nun eher einen asketischen oder einen Wohlfühl-Charakter haben.

Das normale Leben hält für uns schon genug Schmerz und Leid bereit; und manchmal gibt es Unangenehmes in unserem Leben, weil wir mit Jesus leben. Das müssen wir nicht noch künstlich dadurch verstärken, daß wir völlig unnötige Qual und Schmerzen angeblich um Gottes Willen auf uns nehmen. Und wenn Gott uns wirklich spürbar segnen will, dann auch ohne alle Anstrengung – was wiederum die Wohlfühler unglücklich macht; denn unverdient wollen sie den Segen auch nicht haben.

Ob Segen und Nachfolge, Wohlfühlen und Kreuz-Tragen, Glück und Selbstverleugnung zusammen passen – das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

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  1. Von außen betrachtet begeht das Christentum eigentlich den gleichen Fehler, den man gerne dem Islam vorwirft. Der historische Bericht über das Leben Jesu/Mohammeds wird bis in den Buchstaben hinein als überzeitliche Wahrheit, Gebot Gottes, Modell des Lebens interpretiert: Führte Mohammed einen Krieg und putzte sich die Zähne nur mit einem Zahnstocher, dann sollte der heutige Moslem das auch tun. Verzichteten Jesu Jünger auf Geld, Frauen, waren bereit zur Selbstverleugnung, zum Opfertod, zum Kreuztragen, dann sollte man als guter Christ auch heute diese Richtung einschlagen. Es wird kaum danach gefragt, was wirklich als ein ausdrückliches überzeitliches Gebot gekennzeichnet ist, als wirklich allgemeine Aussage. Wie z.B. die allgmeine Aussage Jesu, warum er überhaupt zu „seinen Schafen“ gekommen ist: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben.“ (Joh. 10,10).
    Interessante Blüten bringt regelmäßig: Mat 16,27f.: „Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die werden den Tod keinesfalls schmecken, bis sie den Sohn des Menschen haben kommen sehen in seinem Reich“. Jede christliche Generation der letzten Jahrhunderte fühlte sich als Mitleser = Mitsteher angesprochen: „Hilfe, das Gericht steht vor der Tür!“

    • danke, Ron, völlig richtig erkannt.

      Weil etwas geschrieben steht, ist es uns noch lange nicht Befehl.
      Und wenn es geschrieben steht, meint es noch lange nicht, was da steht.

      Zum ersten Punkt:
      Wir lesen, Jesus hat früh am Morgen gebetet.
      –> also müssen wir alle früh am Morgen beten. Oder vielleicht nicht müssen, sondern es ist gut, wenn wir am Morgen beten. Ja genau. Christen sollen am besten am Morgen beten. Ja.

      Aber, es heißt, betet ohne Unterlass … Frage: Was heißt es jetzt? Am Morgen, oder ohne Unterlass, also immer? Oder was?

      Antwort: Ja, aber …

      Zum zweiten Punkt:
      Wir lesen, Wer bittet empfängt.
      –> also, wenn wir bitten, bekommen wir, was wir bitten. So steht es geschrieben. Wort Gottes.

      Frage: Warum wich der Krebs nicht von der Mutter mit den drei Kindern? Ich habe gebetet.
      Antwort: Dein Gebet wurde nicht erhört, weil noch Sünde bei dir war; Gott erhört den Sünder nicht.
      Frage: Aha?
      Frage: Es hat doch eure ganze Gemeinde für die Frau gebetet, oder?
      Antwort: Ja.
      Frage: Warum wurde Euer Gebet nicht erhört?
      Antwort: Wir verstehen Gottes Handeln manchmal nicht. Gottes Wege sind schwer ergründlich.
      Frage: War da vielleicht noch Sünde bei euch? Gott erhört den Sünder nicht.
      Antwort: (na, was denkt Ihr?)

      Und was sollen wir nun glauben, wenn etwas geschrieben steht und noch lange nicht meint, was da steht?
      Was sagt die Schrift?
      Sie sagt, wir sollen nur glauben, was wir von zwei oder drei Zeugen erfahren.
      Und diese Aussage selbst wird von der Schrift sogar noch mehrfach bestätigt, so dass sie zur meistbestätigten Aussage der Bibel wird.

      Wer hat’s gewußt?

      Na klar, alle haben es schon lange gewußt. Genau.

      • Keine Ahnung ! Hab darüber noch nicht genauer nachgedacht ! Vielleicht hilft Joseph Prince: „When life doesen´t make sense ! Disappointments, frustrations, closed doors, difficult colleagues… are you trying to make sense of these struggles? Let hope arise as you see what God is doing behind the scenes!“ Da ist sicher alles genauer als hier !

        • ja, diese amerikanischen TV-Prediger sind mir bekannt

          Das Schöne bei diesen ist, dass sie einen so mitreißen, wenn sie unsere Probleme und Bedürfnisse und Träume so präzise aufzeigen.

          Wie sie das nur machen.

          Nach so ner TV-Predigt bist du dann ganz entwaffnet.

          Irgendwie glaubst du, der/die hat doch recht! Diese Prediger haben immer die Antwort.

          Auch die Joyce hat recht. Hat sie doch, oder?

          Na, auf jeden Fall kleidet sie sich bei jedem Auftritt neu ein. Schon bemerkt? Es ist so, dass sie seit sie Video- und TV-Predigten macht, kein einziges Mal dieselben Kleidungsstücke ein zweites Mal trug.
          Warum ich das sage? Warum wohl?

          Von Wohlstandsevangelien will ich jetzt aber nicht nochmal anfangen.

          • Seit wann ist Joseph Prince Amerikaner?
            Und wann hat er jemals ein „Wohlstandsevangelium“ gepredigt?
            Ich erinnere mich, dass er das Wort „Erfolg“ mal an Hand der Josefgeschichte definiert hat – zu dem Zeitpunkt, als Josef gerade als Sklave verkauft worden war – und buchstäblich nichts mehr hatte (nackt auf dem Sklavenmarkt in Ägypten).

  2. Peter sagte am 26. Dezember 2018 um 9:30 PM :
    Seit wann ist Joseph Prince Amerikaner?
    Und wann hat er jemals ein „Wohlstandsevangelium“ gepredigt?

    1. JP ist einer DER Prediger des Wohlstandsevangeliums. Wenn hier jemand das nicht glaubt, soll er doch mal den JP auf Englisch (!) anhören. Und auch seine Kritiker hierzu hören.

    2. Und, auch wenn er einmal so ne rührende Josephsgeschichte zum besten gegeben haben soll, ändert das an seiner Grundtheologie rein garnix.

    3. Price wie Joyce führe ich hier an, weil sie herausragende Vertreter des Wohlstandsevangeliums sind. Wie der Nicht-Christ Benny Hinn. Da kann man natürlich auch die Augen davor mal schnell verschließen.

    4. Ich kenne JP aus Nordamerika, wo er sehr bekannt ist und viel TV-Zeit hat. Für mich als Amerikaner ist es völlig belanglos, wo er geboren wurde. Er hat ein Wohlstandsevangelium (das ist der Amerikaner Erfindung!) und unseren amerikanischen Stil. Ihr sagt zu letzterem American Way of Life (was nicht immer ganz trifft).

    So, und jetzt Auf Auf und kommentieren, um das letzte Wort zu haben – und schon sind wir wieder weit weg vom Bezug (das war der Bezug: GeorgH sagte am 22. Dezember 2018 um 12:51 PM ).

  3. Also keine konkrete Stelle aus einer Predigt oder einem Buch.

    Zu JM kann ich nichts sagen, dafür habe ich zu wenig von ihr gehört.
    Von JP habe ich in den letzten Jahren ca. 300 Predigten gehört, die mich total gesegnet haben.
    Kampfbegriffe wie „Wohlstandsevangelium“ ‚“Hypergrace“ oder „billige Gnade“ mag ich übrigens genau deshalb nicht: Weil sie eben immer nur dazu führen, sich nicht mehr mit einer konkreten Aussage auseinander setzen zu müssen, sondern nur noch diffamieren/anklagen. Und diesen Job hat nach meinem Verständnis ein anderer…

    • Peter sagte am 28. Dezember 2018 um 2:12 PM :
      Also keine konkrete Stelle aus einer Predigt oder einem Buch.

      Peter, spar Dir diesen primitiven Trick mit „also keine konkrete Stelle … „, das ist zuuuu alt. Und zuuu primitiv. Sowas wird nur von denen gemacht, die mit Halbwissen glänzen. Und wenn man denen dann eine Stelle nennt, dann sagen sie, das ist ja nur eine Stelle … und es sei aus dem Zusammenhang gerissen (den sie selber aber garnicht kennen).

      Wenn es nur eine Stelle sein soll, dann kann ich Dir auch eine nennen.
      Im Buch ZUR HERRSCHAFT BESTIMMT
      im Kapitel 1
      heißt es:
      Du bist dazu bestimmt, im Leben zu herrschen.
      Du bist vom Herrn dazu berufen, erfolgreich zu sein, dich an
      Wohlstand, Gesundheit und an einem Leben im Sieg zu erfreuen.

      Wem das nicht genügt, der kann ja die TV-Shows in den USA mit JP verfolgen.

      Jetzt bin ich ja gespannt, welche Ausrede von Dir, Peter, kommt.
      Ich tippe darauf, ich höre nun folgende Kampfbegriffe:
      dass das ja nur eine (1) Stelle ist,
      das steht nur am Anfang des Buches,
      das ist doch ganz anders gemeint,
      das ist ja nur eine Übersetzung,
      es geht doch nur darum, dass man sich am Wohlstand erfreuen soll, nicht dass man ihn haben soll,
      und überhaupt bin ich, der Georg,
      ungläubig,
      Allversöhner,
      will nur trollen und stören
      und ich bin natürlich DER TEUFEL ….

  4. hallo alle,
    ich wurde privat darauf aufmerksam gemacht, das der Prediger Prince von mir nicht als „amerikanischen TV-Prediger“ bezeichnet werden darf. Und zwar deswegen nicht, weil seine Joseph-Prince-Organisation nichts mit Amerika (hier: die USA) zu tun hat, in Singapur (!) besteht und JP dort sogar geboren worden sei.

    Nun, seine josephprince.org nennt sich offiziell

    Joseph Prince Ministries, Inc.

    und residiert offiziell in dem lustigen kleinen Städtchen Fort Mill in South Carolina, was ein Bundesstaat der USA ist (wer es nicht weiß)

    Und, ich war schon dort.

    Sonst noch irgendwelche Fragen?

    Ach ja, ich habe oben NICHT gesagt, dass JP Amerikaner ist.
    Ich habe gesagt, dass er ein amerikanischer TV-Prediger ist,
    Und ich habe sogar mal gesagt, wer die Bibel so minder genau liest, dass er solche wie die obigen Kommentare macht, der soll doch am besten garnichts sagen.

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