Innerchristlich ist es ein beliebter Vorwurf geworden, eine Gruppe habe sich „dämonischen“ Kräften geöffnet – das (wenige?) Übernatürliche, das dort erlebt und praktiziert wird (Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen, prophetische Vorhersagen), komme also nicht von Gott, sondern vom Teufel.

Früher war das der Standardvorwurf seitens solcher kirchlicher Gruppen, die einen weiten Bogen um alles Übernatürliche gemacht haben. Inzwischen wird das Argument auch von den einen „Übernatürlichen“ gegen die anderen „Übernatürlichen“ benutzt.

Diese Vorwürfe sind natürlich schwer zu überprüfen. Wer will sagen, ob etwa eine Heilung von Gott bewirkt worden ist oder ganz andere Quellen hat? Deswegen wollen wir etwas weiter ausholen, um Kriterien zu bekommen, um auch das Übernatürliche besser beurteilen zu können.

Bei Jesus, seinen Jüngern und den ersten Gemeinden war das Übernatürliche etwas ganz Normales. Es war nicht kompliziert. Es passierte einfach. Es mußten keine Voraussetzungen erfüllt werden, etwa lange Lobpreiszeiten, viel Sprachengebet, ein „heiliger“ Lebenswandel, präzise Bibelkenntnisse (auch im okkulten Lager muss man sich übrigens lange „präparieren“, bevor was passiert).

Davon sind wir leider weit entfernt. Wer heute in kirchlichen Kreisen das übernatürliche Wirken Gottes sucht, muß eine längere Liste von Vorschriften und Regeln beachten – jedenfalls sagen das fast alle, die in christlichen Kreisen darüber lehren.

Das liegt sehr wahrscheinlich daran, daß ihnen das Übernatürliche selbst nicht locker von der Hand geht. Simpler gesagt: es fehlt ihnen das, was im Neuen Testament mit „Vollmacht“ übersetzt wird. Da ist es gut, eine Reihe von „Gründen“ parat zu haben, warum es nicht geklappt hat. So kann man seine Zuhörer bei der Stange halten. Und die sind auch in anderen Dingen weit davon entfernt, sich ohne Vorleistungen von Gott beschenken zu lassen.

Indem die kirchlichen Vertreter des „Übernatürlichen“ solche Dinge lehren, erfüllen sie ein wesentliches Merkmal von Gesetzlichkeit: du mußt Vorleistungen erbringen, wenn du etwas von Gott empfangen willst. Sie selbst müssen es tun – und die, die ihnen das glauben. Tausendfache Frustration und Enttäuschung sind so vorprogrammiert – und werden auch erlebt.

Galater 3,5: Der euch nun den Geist darreicht und Wunderwerke unter euch wirkt, tut er es aus Gesetzeswerken oder aus der Kunde des Glaubens?

Wo die bedingungslose Gnade Gottes gelehrt wird, entsteht automatisch Glaube: der Glaube daran, daß Gott uns mit Jesus alles geschenkt hat – und das umsonst.

Glaube ist nicht etwas, was uns in den Augen Gottes erst würdig macht, seine Hilfe zu empfangen. Glaube entwickelt sich nicht durch eigene Anstrengungen, etwa das ständige Wiederholen von Bibelversen. Glaube ist eine Reaktion darauf, daß Jesus uns würdig gemacht hat, von Gott Gutes zu empfangen; daß wir in Gottes Augen so liebenswert sind, daß er uns nicht leer ausgehen lassen möchte.

Umgekehrt ist das Lehren von Gesetz ein sicheres Mittel, uns vom übernatürlichen Wirken Gottes abzuschneiden. Und das macht einige um so anfälliger für Übernatürliches aus dubiosen Quellen.

Wo nichts oder wenig passieren kann, ist es natürlich auch naheliegend, nachzuhelfen. Darin dann immer gleich „Dämonisches“ zu sehen, hilft nicht weiter (obwohl es auch christliche Kreise gibt, die tatsächlich ins Dämonische abrutschen – siehe dazu http://www.michael-trenkel.de/docs/Appell_an_die_Hyper-Grace_Bewegung.pdf ). Was weiter hilft, ist etwa die Einsicht: hier werten sich Menschen auf, indem sie anscheinend besonders „offen“ für das Übernatürliche sind. Oder hier wollen Menschen etwas erleben, das ihren tristen anstrengenden Alltag verzaubert. Menschen fühlen sich nun mal besonders (und damit wertvoll), wenn ihnen Besonderes und Nicht-Alltägliches zu teil wird.

Das Dämonische, das fast allen kirchlichen Kreisen zu schaffen macht, beschreibt Paulus, als er an Timotheus schrieb:

1.Timotheus 4,1.3: 1 Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten, 3 die verbieten, zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen.

Die gesetzliche Lehre des Erlaubens und Verbietens ist eine „Lehre von Dämonen“. Und diesem dämonischen Einfluß sind so viele erlegen, daß demgegenüber die Frage, woher denn dieses oder jenes Übernatürliche komme, sehr an Bedeutung verliert.

Wer das übernatürliche Wirken Gottes erleben will, hat dazu alles Recht. Aber wenn er es dann nicht oder nicht ausreichend erlebt, dann macht ihn das nicht wertlos. Was immer auch der Grund gewesen sein mag: es liegt bestimmt nicht daran, daß Gott ihn nicht von ganzem Herzen liebt.

Ein „Heilungsdienst“, der Menschen das Gefühl vermittelt, von Gott vergessen worden zu sein, sollte lieber heute als morgen seine Türen schließen müssen – und das kann man ganz simpel dadurch erreichen, daß man nicht hingeht und kein Geld dafür gibt.

… das Thema hat natürlich noch einige andere Aspekte und kann hier nicht erschöpfend behandelt werden.

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