Es gibt keine Christen, die nur auf dem Papier Nachfolger sind – sie sind es alle. Übrigens auch „Jünger“ genannt. Und wie wir an vielen Stellen in der Apostelgeschichte sehen, wird zwischen Erretteten und Jüngern nicht unterschieden:

Apg 14,21 Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und viele zu Jüngern gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonion und Antiochia zurück.

Apg 18,23 Und als er einige Zeit dort zugebracht hatte, reiste er ab und durchzog der Reihe nach die galatische Landschaft und Phrygien und stärkte alle Jünger.

(Und es gibt weitere Stellen in der Apostelgeschichte)

Aber dann wiederum teilen sie sich heutzutage in mindestens vier Kategorien auf:

  • die, die Gesetzestreue fälschlicherweise für Nachfolge halten (und sich gerne in Tagträumen von “Hingabe” und “Alles für den Herrn” ergehen, die ihrem religiösen Fleisch höchste Befriedigung verschaffen)
  • die, die Gesetzestreue ebenfalls für Nachfolge halten – und (verständlicherweise) längst aufgegeben haben, weil sie schon immer schlecht im Anstrengen waren
  • die, die sich zwar theologisch vom Gesetz verabschiedet haben – die Jüngerschaft aber mit einer Strenge beschreiben und betreiben, die vom Gesetz-Halten sehr schwierig bis gar nicht zu unterscheiden ist
  • und die, die Nachfolge als Leben mit und durch Jesus verstehen, sich von allen Gebotereien fernhalten, auf die Veränderung von Innen nach Außen setzen, sich erst einmal als Bedürftige sehen, die nichts zu geben haben, wenn Jesus sie nicht beschenkt etc. pp

Jesus zwingt uns nicht zu Verhaltensänderungen. Wir müssen keine Jünger sein in dem Sinne, dass wir nun aus eigener Kraft und umgehend unser Verhalten „christlicher“ werden lassen.

Jünger Jesu sind wir so automatisch wie wir auch errettet sind. Dazu ist keine besondere Anstrengung nötig.  Das ist nur deshalb möglich, weil wir vom ersten Moment an einem Veränderungsprozess ausgesetzt sind, den der Heilige Geist in uns bewirkt. Wir brauchen uns also nicht zu wundern, wenn wir in uns die Sehnsucht nach Veränderung bzw. Verändert-Werden verspüren. Wer erkannt hat, dass er in Christus neues Leben hat, eine Neue Natur, bereits grundlegend verändert ist, er „Gnade um Gnade“ (Johannes 1,16) nehmen kann und bekommt – der muss sich manchmal schon richtig anstrengen, um dem zu widerstehen und nicht fasziniert zu sein.

Jeder, der beim Gedanken an Nachfolge sofort instinktiv sagt „dafür bin ich zu schwach“, gehört mit ziemlicher Sicherheit zu den Gruppen zwei und drei.

Wer dagegen auf seine Knie geht und sagt „Herr, ich will alles für dich geben, sogar mein Leben!“ gehört mit ziemlicher Sicherheit zu Gruppe eins.

Wer sich stattdessen erst mal einen Kaffee holt und dann sagt „Herr, ohne dich kann ich nichts tun … Askese und Verzicht? Ohne mich!! … was ich nicht spürbar in mir habe, kann ich auch nicht geben … Frucht? Ok, aber bitte ohne frommes Gekrampfe … Gemeindespielchen? Pure Zeitverschwendung … ja, ich will Veränderung – das spüre ich deutlich. Aber ich werde nicht nachhelfen, Du musst es in mir bewirken“ – der gehört vermutlich zu Gruppe vier.

Und er hat verstanden, dass Veränderung ebensowenig wie Errettung etwas ist, zu dem wir etwas beitragen können. Es ist etwas, was an uns geschieht. Ein Jünger Jesu muß sich nicht vornehmen, dass er heute oder die nächste Woche besonders „in der Nachfolge lebt“. Denn er weiß, dass er sowieso nur die Veränderung ausleben kann, die bereits in ihm von Gott bewirkt worden ist:

Kol 2,6 Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, [aus Gnade] empfangen habt, so wandelt [aus Gnade] in ihm,

Röm 12,2a Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt / lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Sinnes / des Denkens / des Wollens …

Damit wollen wir keineswegs sagen, dass wir als Christen bzw. Jünger ein schmerz- und problemfreies Leben leben werden. Es mag sein, dass wir manchmal einen „Preis zahlen“, weil wir uns von der Gnade Gottes nicht abbringen lassen.

Aber der Schmerz ist keine Folge eines inneren Konflikts in uns – dass wir nämlich zu tun versuchen, was wir gar nicht wollen oder wofür wir noch nicht bereit sind; keine Folge einer Art „Vorwegnahme“ von Frucht, die noch gar nicht entstanden ist. SONDERN der Schmerz ist Folge eines äußeren Konflikts, etwa mit denen, die dem Gesetz folgen und nicht Jesus.

So wie „Jüngerschaft“ aber in weiten Kreisen verstanden wird, stellt sie sich als eine Art „inneres Drama“ dar, über das dicke Bücher geschrieben werden – Bücher, die viel mit Begriffen wie Zerbruch, Hingabe, „alles geben“, „Kreuz tragen“ usw. hantieren müssen. Denn hier versuchen Christen, mit ihren natürlichen Ressourcen (also „gleichförmig mit dieser Welt“) eine geistliche Frucht und eine Veränderung hervorzubringen, die nur der Heilige Geist in uns bewirken kann. Dabei entsteht viel überflüssiger Schmerz – und noch schlimmer: es ist Schmerz, der sich nicht lohnt, weil am Ende nur wieder etwas Natürliches steht (wenn auch mit religiösem Anstrich).

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  1. Ich freue mich, dass es jemanden gibt, der diese Wahrheit vertritt. Selten gibt es Christen, die eine Verwerfung des Fleisches und Erfüllung des Geistes Christu folgen wollen, was dann natürlich von fleischlichen und seelischen Bemühungen wegbringt. Aber ich denke, ein Christ der ein gottgefälliges leben führen möchte grade durch seelische Bemühungen mehr und mehr zur Erkenntniss kommt, dass er auf den heiligen Geist angewiesen ist. Er will sich anstrengen gottgefällig zu leben , wird aber immer wieder Sündigen und immer wieder hinfallen. Er erkennt, dass er etwas braucht. Er allein ist garnicht in der Lage dazu, ein gottgefälliges leben zu führen.

  2. Er schreit zu Gott, verzweifelt und ausepowert. „Wieso kann ich dich nicht erreichen? Ich strenge mich an dir zu gefallen, nicht zu sündigen, aber es bringt nichts. Statt weniger zu sündigen wird es mehr. Was mach ich falsch?“ In So einer aussichtslosen Lage erkennt der Mensch, dass er Hilfe braucht. Genau dafür ist Jesus Christus gestorben. Der natürliche Mensch, ob „gut“ oder „schlecht“ ist von Gott verworfen. Nur durch Christus in uns können wir ein gottgefälliges leben führen. Dann kommen wir wieder zum Thema „Nachfolger von Jesus“. Ich würde mich gerne mit jemanden unterhalten, der nach dem wahren Evangelium sucht. Ich habe fragen die mich beschäftigen. Ich würde mich freuen wenn sich jemand meldet. Andreas.klemm.95@googlemail.com

    • Diese Unterscheidung zwischen Errettung und Jüngerschaft ist sehr wichtig. Insofern also ein verdienstvoller Artikel.

      Da wir Jüngerschaft bzw. Veränderung nicht vom Willen und den Anstrengungen des Jüngers abhängig machen, sehen wir ein paar Punkte natürlich anders: wir sind errettet aus Gnade – wir lassen uns verändern durch Gnade.

  3. Ein kurzer Gedanke zu diesem Thema. Der Begriff „Nachfolger“ wird meines Wissens nach außerhalb der Evangelien kein einziges Mal verwendet, was – wenn man genau darüber nachdenkt – auch Sinn ergibt, denn Nachfolgen konnte man Jesus ja nur, als Jesus physisch auf der Erde war. In den Briefen wird hingegen von „Nachahmer“ gesprochen. In diesem Sinne wären wir als Nachahmer Nachfolger.

    Zudem die Frage ob Ihr sicher seit, dass der Punkt „zwischen Erretteten und Jüngern wird nicht unterschieden“, korrekt ist, denn die Jünger von Johannes waren nicht errettet. Auch ein Judas war ein „Jünger“.

  4. „Jünger Jesu sind wir so automatisch wie wir auch errettet sind.“ „Wer erkannt hat, dass er in Christus neues Leben hat, eine Neue Natur, ist bereits grundlegend verändert.“ „Er ist schon ein Jünger“. Eure Aussagen finden m.E. direkte Bestätigung im Johannesvangelium.
    Im Gespräch mit dem Gesetzeslehrer Nikodemus sagt Jesus: Die Menschen brauchen eine geistige „neue Geburt“ um ihre spirituelle „Blindheit“ zu verlassen – das himmlische Reich Gottes zu sehen: Wer in Jesu Gnade und Heilung Gott erkennt, hat neues ewiges Leben. Diese neue Geburt erfolge durch reinigendes „Wasser und Geist“ und schaffe einen neuen Menschen.
    Verdeutlicht wird dies dann in der Heilung des Blinden (Joh 9), der sich dann selbst zu einem „Jünger Jesu“ erklärt, weil er glaubt, dass die Gnade Jesu, obwohl jenseits des Gesetzes, von Gott direkt stammt:
    An einem Sabbat „öffnet“ Jesus einem blinden Juden, dessen Krankheit bei den Juden als Folge von Sünden gilt, „die Augen“ (Doppelsinn!!). Der blinde Jude wird durch einen Teig aus Lehm mit dem Speichel Jesu (vgl. Genesis) und Wasserreinigung geheilt: Seine Nachbarn wissen nicht: Ist dies ein anderer, neuer Mensch oder der alte? Er bekennt sich darauf als „Jünger Jesu“. Die gerechten Pharisäer bezeichnen sich jedoch als „Jünger des Mose“ und verurteilen Jesus als „Sünder“ gegen das Gesetz, da er am Sabbat heile. Doch der durch Gnade zum ersten mal Sehende ist sich sicher: Jesus ist von Gott gekommen, denn sonst könnte er keine umfassende Gnade erweisen.
    In den Augen Jesu hatte der blinde Jude, sogar einen Vorteil gegenüber den Pharisäeren: Er wusste, dass er des Lichts der Gnade bedarf. Er ist in der Dunkelheit (seiner Sünden) gefangen. Anders die Pharisäer: Sie, die „Gerechten“, Gesetzeskundigen, die über andere richten, halten sich für sehend, für stark, sie bedürfen keines Lichts. Daher sagt Jesus wohl zu ihnen: „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, damit, die nicht sehen, sehend werden, und die sehen, blind werden.“

  5. Danke für diesen Blog!!!!!
    Ich bin 22 und in einer christlichen Familie groß geworden und habe mich früh bekehrt, aber Christsein hatte für mich immer einen bitteren Beigeschmack. Jesus macht frei und wir leben ohne Sünde war immer der Grundtenor. Aber ich hatte immer das Gefühl ich müsste den Heiligen Geist in mir „erziehen“, dass er das richtige tut. Und diese Gesetzlichkeit in vermeintlicher Freiheit hat mir die letzten Jahre sehr viel Verzweiflung gebracht. der Befehl: „Bleib Jungfrau bis zur Ehe!“ hat dafür gesorgt, dass ich mit mehreren Männern schlief, obwohl ich Christ war. „Lüg nicht!“ Hat dafür gesorgt, dass ich sehr viel schlimmer gelogen habe als Pinocchio (neurotische Lügnerin) und dadurch viele Menschen verletzt habe, obwohl ich Christ war. „Du darfst nicht klauen!“ Hat dafür gesorgt, dass ich meine Eltern über die Jahre um einige Hundert Euros erleichtert habe, obwohl ich Christ war.
    Ich hatte ständig Angst meine Rettung zu verlieren, weil ich nie das war, was ich eigentlich sein sollte. Aber seit Vorgestern (durch eure Artikel und Gebet) weiß ich, was Gnade ist. Dass Gnade alles tut und ich nichts dazu beitragen kann und auch nicht versuchen soll etwas dazu zu tun, dass ich berufen bin zu Freiheit und nie wieder mich beweisen muss. In diese Gnade zu fallen ist das größte was mir je passieren konnte. Und ich kann diesen Glauben nicht verlieren, weil ich nichts tat um ihn zu gewinnen und nichts tue um ihn zu behalten. Ich darf mich sicher fühlen in seiner Hand und sollte ich je versuchen wieder gesetzlich zu sein, weiß ich den Weg in die gnädige Hand zurück und diesen Weg werde ich immer wieder freudig nehmen, denn wo könnte ich so eine Freiheit wie in Jesus finden?!

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