Wer anfängt, sich für die Gnade Gottes zu öffnen und aus dem Wirkungsbereich des Gesetzes heraustritt, merkt über kurz oder lang, dass sich seine Ethik verändert. Er wird merken, dass ihm Dinge aufstoßen, die er früher kaum bemerkt hat – und Vergehen, die er an sich und anderen früher scharf verurteilt hat, als weit weniger schlimm bewertet.

 

Wenn wir im folgenden das ein wenig an Beispielen erläutern, so stellt das ausdrücklich keine Aufforderung dar, dass jemand seine ethische Sichtweise verändert. Denn die Ursache für diese Veränderung ist eben nicht der Wille, nun eine andere Ethik bzw. Moral (das häßlichere Wort für Ethik) zu haben; sondern diese Veränderungen verdanken sich dem Erleben der Gnade Gottes an der eigenen Person und ihrer verändernde Wirkung auf uns:

  • es interessiert nun viel mehr, ob etwas äußerlich Gutes echt und authentisch ist; ob jemand etwas von Herzen getan hat – und nicht bloß, ob es das Richtige ist
  • damit zusammenhängend steigt die Sensibilität für Heuchelei – etwas, dass man sich unter dem Gesetz nie leisten kann (Heuchelei ist dort geradezu die Grundvoraussetzung zum Handeln)
  • den Schwachen wird immer weniger Verachtung zuteil; der Wunsch, sie zu stärken, wird größer – denn man kennt nun seine eigene Schwachheit und das Erbarmen Gottes, das uns darin zuteil wird
  • die „Macher“-Mentalität verliert zunehmend an Schwung: man erlebt einfach zu oft, dass die eigene Anstrengung eindeutig aus dem Fleisch kommt und das nicht die Art und Weise sein kann, wie Gott seine Ziele erreichen will (vielleicht ein Grund, warum ein großer Teil der Gemeindegründungs- und wachstumsbewegung mit Gnade nicht so viel am Hut hat)
  • die Sympathie für die Wirkung moralischer Appelle sinkt enorm: man hat einfach zu oft ihre Wirkungslosigkeit erlebt
  • das eigene Verhältnis zum Bereich der Sexualität und Erotik entspannt sich – und das fast schon pornographische Starren der Gesetzesanhänger auf Fragen und Probleme in diesem Bereich verliert sich
  • Härte im Umgang mit anderen verliert sich zunehmend und konzentriert sich immer mehr auf die, denen schon Jesus Härte hat zuteil werden lassen: den Gesetzeslehrern diverser Herkunft
  • erlebte Hilflosigkeit im Umgang mit sich selbst führt nicht mehr so oft zu neuen Anstrengungsorgien, sondern zu immer mehr Vertrauen, dass Gott trotz und gerade wegen der eigenen Schwäche gerne hilft
  • man verliert zunehmend die Lust, sich an der verbalen Steinigung derjenigen zu beteiligen, die die Gesetzesanhänger zu eben dieser verbalen Steinigung freigegeben haben
  • die Frage „Darf ich das als Christ?“ verliert zunehmend an der Bedeutung – viel interessanter wird die Frage „wie werde ich verändert?“, denn daraus ergibt sich alles andere
  • die Abneigung gegen die Predigt des Gesetzes („das Gesetz gilt für Gläubige“) wird immer größer, denn man erkennt immer mehr, wieviel Leid und Qual und Sündigen genau diese Predigt ins eigene Leben gebracht hat
  • das Versteck-Spielen vor anderen reduziert sich: man ist eben, wer man ist – und hat zunehmend Frieden darüber
  • der Aktivitätslevel mag bei einigen sinken – es wird weniger „getan“: aber das wenige kommt nun von Herzen und hat auch einen entsprechend angenehmen Beigeschmack
  • wir können anderen Gutes gönnen, weil uns selbst zunehmend davon zuteil wird

Hier kann man natürlich noch mehr Punkte aufführen. Betont sei noch mal, dass das in der Regel kein bewußter Prozess ist („so, ich will jetzt barmherzig sein“), sondern eine Folge dessen, dass Gott für uns ein anderer wird als er es durch die Brille des Gesetzes war. Also bitte nicht die eigene Ethik ändern – sondern den Umgang mit Gott und mit sich selbst. Denn das äußerliche Befolgen von Regeln wird unser Inneres niemals verändern (der große Irrglaube der Pharisäer).

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  1. …. wenn die wahren menschlichen Eigenschaften wie Schwachheit, Hilflosigkeit, Unvollkommenheit, Ängste, Nöte, Mängel einer Person in seinen persönlichen Eigenarten zum Ausdruck kommen, bewirkt dies MEHR Liebe zu der Person (je ungeschminkter, desto besser), anstelle von dem, was es unter dem Gesetz bewirkt hat, wenn man mit „Menschlichem“ in Berührung kam: Abscheu, Abwehr, Angst, Verachtung und Zorn.

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