Joh 3,16 Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

1Joh 2,15 Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm

Selbst dem plattesten Biblizisten ist klar, daß man ein wenig nachdenken muß, wenn man diese beiden Bibelverse liest. Es ist nicht getan mit einem energischen „Aaaaaaaaber das Wort sagt …“ Denn in dem einen Fall ist „Welt“ etwas liebenswertes, in dem anderen Fall nicht – ebenso das „Lieben“.

Das aber nur als kleine Vorbemerkung vor dem eigentlichen Thema: was heißt es, die Welt zu lieben im Sinne von 1.Joh 2,15?

Der nächste Vers liefert durch das „Denn“ die Begründung (1.Joh 2,16-17): „denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut / die Prahlerei / das Großtun des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Begierde; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“

Die Angebote dieser Welt sind vergänglich. Sie sind nicht stabil. Sie können einiges tun für die Bedürfnisse des Menschen – wie sonst könnten sie auch „Begierde“ in ihm hervorrufen? Aber ihre Wirkung auf den Menschen ist keineswegs so tiefgehend und andauernd, wie es auf den ersten Blick erscheint (eine Tatsache, die auch dem einen oder anderen nichtchristlichen Philosophen oder Religionsstifter aufgefallen ist).

Vor allem können sie dem Menschen, das was er wirklich braucht, nicht geben oder nicht stabil geben: das Gefühl, geliebt und angenommen und ok zu sein und dazu zu gehören. Denn die Dinge und Menschen, die ihm dieses Gefühl geben, sind schwankend: Eltern haben schlechte Tage, der Erfolg bleibt plötzlich aus, „Freunde“ wenden sich von einem ab, eine Krankheit macht auf einmal vieles unmöglich, der nächste Job ist deutlich schlechter bezahlt, die Wirkung auf das andere Geschlecht läßt nach, der Chef läßt sich von deinem ziellosen Aktionismus nicht mehr täuschen etc. pp.

Natürlich gehen wir fast automatisch davon aus, daß „Begierde des Fleisches“ und „Begierde der Augen“ was ganz abgrundtief Schlechtes, Böses oder Sündiges sein müßte. Das hängt zusammen mit dem emotionalen Begriff der „Süüüüüündäää“, den wir haben. Aber denken wir wieder daran, daß Sünde einfach alles ist, was nicht aus Glauben (an Jesus) ist.

Das Mittel gegen die Begehrlichkeiten, die wir so mit uns herumtragen (aus welchen Gründen auch immer), ist nicht das verkrampfte Wegschauen, Verbieten – schon deshalb nicht, weil wir dann gar nicht merken, was da so an Wünschen in uns ist. Wir können über unsere Wünsche lächeln, sie dumm nennen oder „sündig“ oder kindisch oder gierig oder was auch immer: es bleiben unsere Wünsche. Werden sie nicht erfüllt, quälen sie uns unter Umständen unser ganzes Leben lang.

Was wir erlebt haben (an Wunscherfüllung), verliert vielleicht ganz schnell seinen Reiz. Oder stellt sich als viel harmloser heraus, als wir dachten. Oder als etwas, daß wir am Besten schon vor 10 Jahren getan hätten. Oder zukünftig öfter tun wollen.

[Wünsche, die andere schädigen und / oder unter das Strafrecht fallen, sind noch mal ein spezielles Thema. Nur so viel: du kannst tun, was du willst – aber wenn man dich dafür zur Rechenschaft zieht, kannst du dich schlecht beschweren, oder? Und wenn für dein vermeintliches Wohlergehen andere leiden müssen (Nein, ich meine nicht Liebeskummer!), dann müßtest du etwas anders damit umgehen, vielleicht Hilfe suchen.]

Aber haben wir damit die Welt „geliebt“, ihrer Begierde nachgegeben? Das hängt sehr davon ab, was wir von der Welt erwartet haben: haben wir ernsthaft geglaubt, daß sie uns geben kann, was uns nur Jesus geben kann? Dann sind wir natürlich mit hohen Erwartungen an die Dinge heran gegangen. Und vermutlich auch ziemlich enttäuscht worden …

… die Welt ist ganz simpel gesagt ein Quelle für eine Vielzahl unserer Bedürfnisse (und damit natürlich auch eine Quelle für Enttäuschungen). Und Jesus hat nichts davon gesagt, daß er nun an ihre Stelle treten will, wenn es um Bedürfnisse geht wie Essen, Trinken, Vergnügungen, Zerstreuung, Sexualität, Bewegung, Freundschaft, Gesellschaft etc. Die Welt wird nur dann zur Konkurrenzveranstaltung für Jesus, wenn wir ihre Angebote massiv überschätzen – und für jeden Nicht-Christen muß sie das zwangsläufig sein, denn er hat nichts anderes. Wird sie für uns zur Konkurrenzveranstaltung, dann lieben wir sie (und vermutlich tun wir das im Laufe unserer Woche öfter mal).

Noch ein Wort zum „Hochmut des Lebens“: wer in Saft und Kraft steht, auf der sogenannten Sonnenseite des Lebens – kann leicht vergessen, daß er wenig bis gar nichts dafür kann, wie es ihm gerade geht. Er hat sogar oft den Drang zu propagieren, die Lage der Dinge sei Ergebnis seiner Anstrengungen und Bemühungen – und die anderen damit selbst schuld an ihrem Unglück. Aber wenn uns etwas auszeichnet, dann ist es SCHWÄCHE – und somit gibt es für uns viel mehr Gründe zur Bescheidenheit als zum Hochmut. Hochmut ist dumm, weil er so tut, als könnten wir uns ernsthaft selbst aus dem Schlamassel herausziehen … und schwach sind wir übrigens auch dann, wenn wir Jesus kennen (Paulus ist ein gutes Beispiel dafür).

Diesen Hochmut des Lebens gibt es natürlich auch im fromm-christlichen Gewand: „Ich habe Gott geglaubt – und deswegen auch von ihm empfangen. Ha!“ oder „Ich war ihm gehorsam, deswegen bin ich auch gesegnet worden“.

Hoffentlich zucken wir da inzwischen nur noch mit den Achseln und sagen uns „ach, ich stolpere lieber weiter durchs Leben und von Segen zu Segen und lasse mich von Gott umsonst beschenken … und wenn das mal nicht so klappt, bin ich genauso geliebt und angenommen von ihm wie in den ‚erfolgreichen‘ Zeiten“.

Wie wir schon gelernt haben, folgen wir dem Willen Gottes, seiner Berufung – wenn wir Gemeinschaft mit ihm haben, Frieden, Freiheit, ewiges Leben. Wo hätte uns die Welt Vergleichbares zu bieten? Selbst die „edelsten“ Philosophien oder Religionen kommen da nicht mit – und verlangen zudem oft noch einen hohen Preis für etwas, was sie am Ende dann doch nicht liefern können.

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Eine Antwort »

  1. Richtig! Die beiden Aussagen stehen nicht in Widerspruch, sondern begründen die besondere Hoffnung des Christentums:
    „Liebt nicht die Welt noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm.“ (1Joh 2,15)
    Grundaussage: Wer die selbstlose Liebe des Vaters kennt, der kann die Eitelkeiten und Egoismen unserer Welt nicht mehr so lieben wie zuvor.
    Es gibt z.B. in der Welt keinen Hirten, der mit vollem Risiko ein verlorenes Schaf sucht, solang bis er es aber auch wirklich findet, und dabei sogar seine Herde gefährlich vergisst. Dann sogar noch mit Freunden und Bekannten aus reiner Freude eine Party feiert, die wohl teurer als das Schaf selbst ist. Sind Hirten wirklich so gut, dass sie ihr Leben für ihre letztlich unbedeutenden Schafe lassen würden? Mit diesem Altruismus kann man nicht in unserer Welt überleben.
    Für Johannes scheint die wahre uneigennützige Gottesliebe bis zum Selbstopfer Christi unbekannt gewesen zu sein. Die Welt lebte in Finsternis: „Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt“. (Joh 1). Später verdeutlicht er: „Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“ (1 Joh 4) Die Welt und die Menschen schienen verloren, von grundauf böse (z.B Mt. 7,11), eigentlich wertlos. „Doch so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
    In diesem Zusammenhang – der Rettung durch den guten Hirten – sagt Jesus seiner gesetzestreuen jüdischen Hörerschaft einen merkwürdigen Satz, dessen Deutung offen ist: „Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber…“ (Joh 10)

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