Wer hier immer wieder liest, das Gesetz habe keine Gültigkeit mehr für Christen, könnte das vorschnell mit einer Art „Verachtung“ des Alten Testamentes gleichsetzen. Das ist aber nicht der Fall.

Schauen wir uns an, worüber uns das Alte Testament „informiert“:

  • Es offenbart Gott – dass es einen Schöpfer gibt und dass die Welt nicht von selbst entstanden ist.
  • auch im Alten Testament ist Gott ein Gott der Liebe, der um jeden Menschen, der je gelebt hat, tief besorgt ist
  • es zeigt uns den brutalen und grausamen Teil des Gesetzes – und damit indirekt den Bedarf nach einer anderen „besseren“ Lösung
  • Gott hatte schon lange vor dem Gesetz und ohne Gesetz eine intime Beziehung zu Menschen – auf der Grundlage von Gnade und (schwachem!) Glauben
  • der Bund mit Abraham liegt vor dem Sinai-Bund des Gesetzes und ist höherwertig, da er allen Menschen gilt und bereits allein auf Gottes Gnade beruht (anders als der Sinai-Bund!)
  • es macht klar, daß das Gesetz nicht nur aus dem besteht, was etwa das Zusammenleben fördern mag (würde es beachtet werden können), sondern eine Seite hat, vor der man sich zu Recht fürchten muß
  • Es offenbart, dass es, wenn wir sündigen, normalerweise eine Konsequenz gibt
  • schon vor Jesus zeigt es einen vergebenden Gott
  • schon „vor Jesus“ konnten Menschen auf der Grundlage von Gnade und schwachem Glauben im Reich Gottes sein
  • Es offenbart den Plan Gottes, dass es einen Erlöser geben wird
  • Es zeigt, dass Gottes Gerichte nicht dazu dienen, zu „bestrafen“, sondern wiederherzustellen
  • schon vor dem Gesetz und zur Zeit des Gesetzes zeigt es uns Menschen, die ohne Gesetz leben oder das Gesetz öfter mal ignorieren und uns als Vorbilder des Glaubens (voller Schwächen!) hingestellt werden
  • Es offenbart eine Auferstehung der Toten zu ewigem Leben
  • Im Alten Testament wird immer wieder von einem neuen Bund geredet und dass Gott seinem Volk das Geschenk des heiligen Geistes geben wird, um das steinerne Herz des Menschen durch ein „Neues Herz“ zu ersetzen
  • es zeigt, dass Abraham unser „Vater im Glauben“ ist und nicht Mose
  • Es offenbart, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen wurde, um Gott ähnlich zu sein und um die Herrschaft über das ganze Welt mit Gott zu teilen

Daher macht es auch Sinn, dass das Alte Testament von Jesus und den Aposteln häufig zitiert wird. Für einen Teil ihrer Zuhörer und Leser war das Alte Testament eine Autorität.

All diese Feststellungen bedeuten natürlich nicht, daß man das Alte Testament als Grundlage nehmen kann für Lehraussagen. Es kann nur bestätigen, was in den Evangelien und in den Briefen ausdrücklich gelehrt wird. In dieser Weise wird es auch von Jesus und den Aposteln zitiert.

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  1. Stimme dem Gesagten voll zu! Das AT muss vom NT her ausgelegt werden, nicht umgekehrt. Das Erscheinen des Messias zeigt vieles in einem neuen Licht…
    Einer der interessantesten Aspekte der Bibel ist, dass sie eigentlich aufgebaut ist, wie ein Hitchcock-Film. Wir kennen nun das Ende, auf das alles zuläuft, den Messias. Die Frage ist nun auch, welche Vorzeichen gab es schon vorher auf Jesus – den guten Hirten – im AT. Paulus selbst deutet z.B. Isaak, den durch Gottes Verheißung geborenen, zum Opfer bestimmten Sohn als Schatten Jesu im AT. Hier lassen sich viele Beispiele finden.
    Interessant ist z.B. die Rut-Liebesgeschichte, die Moabiterin, die aus ihrem Elend von Boaz von Bethlehem erlöst wird. (Jesus als Bräutigam der Braut Israel). Am bekanntesten und spekulativsten wohl: Das Hohelied – Die freie, stark erotische Liebe zwischen dem Hirten und der schönen Tochter Jerusalems, seiner möglichen Braut, die stärker ist als der Tod. Er rühmt ihre orientalische Schönheit, sie salbt ihn mit teuren Ölen und Düften als ihren König Salomo und sie lieben sich im Garten, wo er Gärtner ist. (Jesus als guter Hirte und König, Jesu Salbung durch Maria v. Magdala u.a., Jesu Auferstehung im Garten/Garten Eden).

    • „Die Frage ist nun auch, welche Vorzeichen gab es schon vorher auf Jesus – den guten Hirten – im AT.“

      Das ist gar nicht so schwer, wenn man eine Bibel in hebräisch hat.
      Wo das Alev/tav vorangestellt ist (der Anfang und das Ende) ist es oft ein Zeichen auf den Messias und Sein Wirken. Das beginnt bereits bei Genesis 1,1.

      • Hab davon gehört! Das ist eine Wissenschaft für sich. Was ich gehört habe ist, dass z.B. im Hohelied das Alev/tav mehrmals vorangestellt ist. Dies führt zu einer komplexen Symbolik:
        In den Küssen ihrer Liebe finden der Hirte und die schöne Geliebte „Milch und Honig“ (vgl. die Symbolik des AT), ihre berauschende Liebe ist der wahre Wein, der die Aromen aller Früchte vereinigt usw. Hier wird die konkrete Liebe zwischen dem Hirten und seiner schönen Braut durch das Alev/tav und allgemein die Brautsymbolik in AT + NT auf die Liebe des Glaubenden zu seinem Herrn/Gott bezogen.
        Ähnlich auch im NT: Maria v. Magdala sucht genauso wie die Schöne im HL verzweifelt den Körper des guten Hirten und fragt die Wächter/Engel: Wo ist der Leichnam des Herrn? (das Wort kyrios kann Herr, Gebieter bedeuten, aber steht auch für Ehemann). Schließlich erkennt sie Jesus nur an seiner Stimme, wie eine intim Vertraute – aber auch wie Jesus es von den Glaubenden gefordert hat: Die Schafe erkennen den guten Hirten an seiner Stimme, der sie vertrauen.

        • Verborgener Zusammenhang AT mit NT – für Interessierte eine kleine Ergänzung aus jüdischer, alttestamentlicher Persepktive:
          Gott gilt schon im AT, z.B. bei David, als der Hirte Israels. Dieser himmlische Hirte heiratete nun nach jüdischem Verständnis am Sinai seine Braut Israel. Der schriftliche Brautvertrag (Ketubba) ist das mosaische Gesetz. Paulus sagt nun in Röm 7: „eine Frau ist an ihren Mann gebunden durch das Gesetz, solange der Mann lebt; wenn aber der Mann stirbt, so ist sie frei von dem Gesetz“. Mit Jesus stirbt am Kreuz Gott/der gute Hirte, der Ehemann Israels. Damit ist die Ehefrau frei für eine neue Verbindung. Die neue Verbindung ist der Auferstandene, mit dem Israel einen neuen Bund eingeht. Nach Paulus: „Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz getötet durch den Leib Christi, sodass ihr einem andern angehört, nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist, damit wir Gott Frucht bringen.“
          Diese neue Verbindung hat nun freilich keinen schriftlichen, gesetzlichen Ehevertrag mehr, sondern entspringt der gegenseitigen Liebe und vollzieht sich geistig.
          Darum gilt z.B. auch bei vielen Rabbis das Hohe Lied als zentral für die Messias-Erwartung. Es zeigt Gott in einem neuen messianischen Licht – einen Herzensbund aus gegenseitiger Liebe: „Mein Freund ist mein und ich bin sein…“ (HL 6)
          (Was sie jedoch vehement abstreiten, ist, dass Jesus dieser frei liebende, messianische Hirte war…)

  2. Gottes universelle Gnade vs besondere Religion ! Eine Merkwürdigkeit im AT !?

    Ich schreib mal was wirklich Abgespactes für Biblefreaks mit tieferen Kenntnissen als ich, etwas Esoterisches, Merkwürdiges, was ich mal gehört hab, als ich mich mal kurz mit den Branch Davidi-ans (dem ominösen „David Koresh“) beschäftigt hab. Ich hab da wirklich keine Ahnung, in wieweit sich das biblisch genau belegen lässt, da muss man sich zufällig gut auskennen… (löschen no pro !)

    Es betrifft die Frage, ob wir das Judentum und Jesus, den Messias, in unserer Tradition nicht viel zu sehr als exklusive Bekenntnis-Religion deuten, eben wie die meisten jüdischen Tempel-Schriftgelehrten es taten. Dabei gibt es aber verborgene Hinweise, dass die Juden des AT in ihrer Spiritualität (in ihren Propheten) gar nicht so sehr an eine Exklusivität der jüdischen Religion, einen besonderen jüdischen Gottes-Glauben dachten, sondern das Judentum einfach als das Volk des höchsten, letztendlich gnädigen, allein gerechten Gottes definierten – eines Gottes, der auch in Königen, Propheten und Weisen andrer Völker wirkt und sich verkündet. Kronzeuge hierfür ist wohl der legendäre Perserkönig Kyros (hebr. Koresh). Das Merkwürdige dabei ist, dass Jesaja, der die wichtigsten Messias-Prophezeiungen Jesu gab, – z.B. Jes 9 vom erwählten Friedenskönig, der die kriegerischen Könige entwaffnet – auch vom fremden Perserkönig Kyros als vom Gott „erwählten Messias und Friedenskönig“ spricht, obwohl er den „Gott Israels gar nicht wirklich kannte“ (Jes 45), sondern nur allgemein an einen höchsten, friedenswillig-gnädigen Gott glaubte. Offensichtlich konnte also für den Propheten Jesaja des AT ein friedliebender fremder König, der an einen gnädigen höchsten Gott glaubte, ein von Gott eingesetzter „guter Hirte Israels“ (Jes 44,24ff.), szs. ein „heiliger König“ sein !?
    Hier zeigt sich wohl ein Glaube, der auch in den Worten Jesajas zur Tempelgründung in Jerusalem deutlich wird: „Mein Haus wird ein Bethaus heißen für alle Völker…“ Hier wird eine überreligiöse Bedeutung des Tempels – jenseits aller Religion als allgemeiner Gnadenort des höchsten Gottes – prophezeit. Worte die auch Jesus aufgriff, als er im, durch eine besondere Mauer abgetrennten Vor-hof des Tempels, der den gottfürchtigen Heiden der Nationen noch zugänglich war, rief: „Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker‘? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht“ (Mk 11). Worte Jesajas, auf die wohl auch Paulus anspielt, wenn er sagt, dass Jesus, die Mauer, die die im Herzen Gottfürchtigen der fremden Nationen von den auch gottgläubi-gen Juden trennt, in seiner Person, in seinem Glauben eingerissen hat (Eph 2). Der Messias wird den jüdischen Tempel als Ort der Gnade des höchsten Gottes für alle Völker öffnen, alle Nationen den Weg hinter die Mauer durch den Vorhang in den Ort allerheiligster, höchster Gnade weisen. Er wird ein Gastmahl mit Brot und Wein jenseits aller Religion auf dem Zion geben, den Völkern das Gnadenbrot des Lebens vom Tisch des Herrn, des höchsten, gnädigen Gottes, schenken usw.

    Und hier liegt wohl die Bedeutung des Perserkönigs Kyros: Er war laut Bibel der heidnische Auf-traggeber dieses Tempelbaus – des Tempels als „Bethaus für alle Völker“: „So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Reiche der Erde verliehen. Er selbst hat mir aufgetragen, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen… (z.B. Esra 1) Wenn man derartige biblische Worte wirklich ernst nimmt, dann handelt Gott im AT offensichtlich auch durch gottfürchtige Nationen, fremde Völker und hat sogar einem Mann, der garnicht an die besondere jüdische Religion und ihre besonderen Gesetze und Traditionen glaubt, einmal die rechtmäßige Macht über alle Reiche der Erde verliehen, samt dem Recht den obersten Tempel des höchsten Gottes einzurichten !?
    Und nicht nur das ! Jesaja schildert Kyros als messianischen Kämpfer im Namen Gottes in etwa mit den gleichen Bildern wie die Psalmen prophetisch König David, z.B.: „So spricht der HERR zu sei-nem Gesalbten, zu Kyrus, den ich bei seiner rechten Hand ergriff, dass ich Völker vor ihm unter-werfe und Königen das Schwert abgürte, damit vor ihm Türen geöffnet werden und Tore nicht ver-schlossen bleiben: Ich will vor dir hergehen und das Bergland eben machen (…) Ich habe ihn er-weckt in Gerechtigkeit, und alle seine Wege will ich eben machen. Er soll meine Stadt wieder auf-bauen und meine Gefangenen loslassen (…) Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, aller Welt Enden; denn ich bin Gott, und sonst keiner mehr. Ich schwöre bei mir selbst, und Gerechtigkeit geht aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll: Mir sollen sich alle Knie beugen und alle Zungen schwören und sagen: Im HERRN habe ich Gerechtigkeit und Stärke (Jes 45). Der Perser Kyros wird hier als messianischer Bezwinger Babylons und Befreier des Gottesvolkes von der ba-bylonischen Sklaverei („Gefangenschaft“) gepriesen und prophezeit.

    Hieraus ergibt sich ein weiterer Punkt: Der Sieg über Babylon durch den messianischen König ist das zentrale Thema der endzeitlichen Offenbarung des Johannes (und Daniels, des Propheten unter Kyros)…

    Und so behaupteten Leute wie David Koresh, dass es einen verborgenen gedanklich-bildlichen Zu-sammenhang zwischen Kyros, dem gottgläubigen heidnischen König, dem Gott alle Länder unter-werfen will, dem messianischen David der Psalmen, dem Gott „alle Völker der Erde zum Erbe ge-ben“ will und dem endzeitlichen siegreichen messianischen Reiter (Jesus) der Offenbarung, dem Bezwinger Babylons, gibt…
    Keine Ahnung, ob man so die „seven seals“ knacken kann, wie Koresh es behauptete. Da muss man sich extrem gut auskennen. Auf jeden Fall scheint aber interessant, dass in dem legendären König Kyros, der von Alexander dem Großen, den griechischen Philosophen und auch römischen Geschichtsschreibern als Friedenskönig bewundert wurde, auch die jüdischen Propheten des AT eine Art „heidnischen Messias“, jenseits aller besonderer Religion, sahen: einen König der an Gottes unbedingten Willen zur Gnade und zum Frieden glaubte…

  3. Eine verborgene Gnaden-Lehre im AT !? „Cain a mystery“ !?
    (Vielleicht interessant !? Eine bekannte Spekulation…)

    Viele Künstler zeigten ihren Werken immer wieder eine merkwürdige Sympathie für den versto-ßenen, verlorenen Sohn Kain und identifizierten sich sogar mit ihm, wie z.B. Baudelaire „Abel et Cain“. Hierbei können sie wohl auf einen merkwürdigen Umstand im AT verweisen. Streng ge-nommen fließt nämlich in uns das verstoßen-sündige Blut Kains und nicht das des gerechten Abels, dessen Werke und Opfer vor Gott Gefallen fanden. Abel, der vor Gott Gerechte, ist doch tot und hatte keine Nachkommen !? Alle Nachkommen stammen vom miteinander vermischten Blut Sets und des mörderischen Kains ab !? Nur so konnten doch die Nachkommen Kains zu den Stammvätern der Hirten und Nomaden und den Musikern a la König David werden !? Vielleicht tragen wir also vor Gott alle das Kainsmal, das Zeichen des Brudermörders !? Vielleicht brauchen wir als verborgener Kain alle ein neues Siegel der unverdienten Gnaden-Rettung vor Verurteilung – ein Siegel des Glaubens !?
    Vielleicht sind wir also ohne unverdiente Gnade alle vom Blute der mörderischen Räuber, Ehe-brecher, Habgierigen usw. – also ungerecht – wie Paulus die gesamte Gemeinde in Korinth an-sprach !? Oder wie Alt-Rocker Springsteen sang: „the same hot blood burning in our veins
    Adam raised a Cain…“ !?

  4. Eine verborgene Gnaden-Lehre im AT ? „King Saul – a mystery“ !?
    (löschen no pro, ist sehr speziell für mich zsgefasst anhand eines bekannten Dichters, vielleicht interessiert sich jemand für so was !?)

    Ich hab mal die „Hebrew Melodies“ des berühmt-berüchtigten Byron gelesen, in denen er versuchte, den Spirit des Judentums des AT dichterisch zu erfassen. Hier dichtete er das alte Judentum – wie alle Theologie meint, übertrieben romantisch falsch – als das Volk der schönen, schwarzhaarigen Hirten-Hohelied-Frauen („She walks in beauty“ z.B.), der himmlisch-romantisch-traurigen Poesie (z.B. „The Harp the Monarch Minstrel swept“), des festen Hoffens auf den himmlischen Vater selbst in schlimmster Not, Fluch (z.B. „Destruction of Jerusalem“) und als verlorenes Volk ohne Angst vor dem Tod mit dem Glauben an geschenktes ewiges, höheres Leben (Z.B. „If that High World“, „Jephta´s daughter“). Da stellt sich die Frage, ob Byron nicht einfach romantische, pseudo-christliche Vorstellungen ohne Textgrundlage in das AT hineinprojiziert hat. Denn wo findet sich im AT die Lehre vom gnädigen Vater der Juden, oder sogar die von väterlicher Gnade und ewigem Leben für Saul, dem schweren Sünder („dark soul“) und Todfeind Davids ? (vgl. „Thy days are done“) !? Hat sich Byron das alles aus den Fingern gesogen !? (Oder hat er genial zwischen den Zeilen gelesen?)

    Hierzu einige Stellen im AT, die ich mal aufs Erste gefunden hab, die Byron vielleicht im Kopf gehabt haben könnte. Das Bild von Gott als gnädigem Vater wird im AT wohl vor allem dann direkt ausgesprochen, wenn von der endzeitlichen, messianischen Hoffnung Israels die Rede ist: Gott habe ein väterlich-gnädiges Herz und werde letztendlich alles Leid, alles Unheil, das den Gläubigen trifft, in Freude, in Gutes verwandeln. So z.B. in Jer 31: Gott wird sich als Hirte und „Vater Israels“ (31,9) zeigen, der die Glaubenden den engen Weg der Gnade entlang in die blühenden Wein-gärten himmlischer Gnade führt und auch ihre Seele in einen paradiesischen, wasserreichen Garten verwandelt. (31,11-17). Ein Bild, das auch in Ps 23 anklingt, wo Gott als Hirte „getreu seines Namens“ sein in tödlicher Finsternis verlorenes Schaf in die sichere paradiesische Weide und gemeinsame Wohnung heimführt und als Ehrengast mit Öl salbt – „getreu seines Namens“: also gedanklich hier eben als gnädiger Vater, der dem irdisch verlorenen Sohn das ewige gemeinsame himmlische Zuhause in seinem Angesicht schenkt. Dies ist der neue „ewige Bund“, den Jer 31/32 anspricht, in dem sich Gott in seinem gnädig-väterlichen Herzenskern offenbart und von den Menschen an seiner väterlichen Gnade erkannt wird: „Denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünden nimmermehr gedenken… usw. Diese verborgene Hoffnung auf Gott als unbedingt gnädigen Vater scheint auch bei Jesaja vorhanden, der feststellt das Gott von alters her, also von den Zeiten Abrahams an, in Israel als gnädiger Vater bekannt war: „unser Vater und unser Erlöser; von alters her ist das dein Name…“ (Jes 63,16). Der Messias werde im Namen dieses „ewigen Vaters“ kommen und dem in tödlicher Finsternis und tödlicher Sünde verlorenen Volk Gottes den ewigen Frieden mit Gott zeigen und verkünden (Jes 9 u.a.) Oder Jes 64, wo der Prophet, die Menschen als in „Sünden tödlich verwelkte Blätter“ anspricht und fordert Gott in seinen Namen und seiner Gnade anzurufen: „..du bist unser Vater…denke nicht ewig der Sünde“ (64,5ff.). Oder Jes 43, wo Gott als gnädiger Schöpfergott, als geistiger Vater, feststellt: Der gefallene Mensch kann Gott nicht durch seine irdischen Werke, Arbeiten und Opfer, schon gar nicht mit Geld und Gold, ehren. Gott allein, als gnädiger Schöpfergott, wird letztendlich seinen untreuen Söhnen und Töchtern treu sein: „Ja, mir hast du Arbeit gemacht mit deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten. Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen und gedenke deiner Sünden nicht“ (43,22ff.) usw.
    Vielleicht gründet hierauf Byrons düstere Romantik, die er den Juden zuschreibt – als ein Volk, das sich selbst als untreu, in Sünden verloren in einer verlorenen Welt sah und im Prinzip allein auf unverdiente Gnade des treuen, allein gerechten Vaters setzte: „Is man more just than God? Is man more pure / Than he who deems even Seraphs insecure? Creatures of clay – vain dwellers in the dust! The moth survives you, and are ye more just…“ usw.
    Merkwürdig unchristlich/untheologisch mutet auch Byrons dichterische Verehrung König Sauls an, dem Todfeind Davids – ein in schwersten Sünden verlorener Mann: Priestermörder, Hexen-Zauber-Beschwörer, Selbstmörder u.a. Byron widmet ihm mehrere Gedichte, darunter sogar eines, in dem er wohl als Held des Judentums mit Anspielungen auf den Messias („Präfiguration“) gepriesen wird: „THY days are done, thy fame begun / The triumphs of her chosen Son…“. Außerdem verherrlicht er Sauls Hexen-Beschwörung des toten Gegners Samuel als „Hebrew Melody“, also als Geist des Judentums !? Wie ist das möglich !? Wie kann man das erklären !?
    Eine mögliche Erklärung zeigt sich in Samuel und David selbst: ein Geist verborgener, prophetisch gesehener Gnade des AT. Wenn man sich Sauls Totenbeschwörung bei der Hexe von Endor in der Bibel genauer ansieht, so ist sie doch der Beweis dafür, dass es ein versprochenes Leben für den Glaubenden nach dem Tod schon im AT gibt: Der himmlische, ewige Geist Samuels erscheint Saul als „elohim“. Und nicht nur das: Samuel verurteilt das Verhalten des Saul gegenüber Gott als schwer sündig und untreu; er werde als verirrter Sünder bald sterben. Doch dann sagt er einen Satz, den so ähnlich auch Jesus zum verirrten, aber gotthoffenden Schwerst-Sünder Dismas am Kreuz sagte: „Morgen wirst du bei mir sein…“ (1 Sam28,19). Daraus muss man doch folgern, dass Saul, der auf den „lebendigen Herrn“ hoffte, aber die Wege des Herrn in schwerster Sünde nicht erkannte, trotz-dem zusammen mit seinem Sohn Jonathan, trotz irdischer Todesstrafe in die Sphäre der Elohim aufgenommen wurde !? Ähnliches lässt sich auch aus der Totenklage Davids über den irrenden Todfeind Saul ableiten (2.Sam1), die im „Buch der Redlichen“ (!) aufgezeichnet wurde. Die Kinder Judas sollen immer des toten, redlichen Sauls gedenken, der auf seine menschlich (verloren sündige) Art auch ein Streiter des lebendigen Gottes, ein Held, war. Eben wie Byron dichtete: „ Though thou art fall’n, while we are free / ⁠Thou shalt not taste of death…“ usw.

    Vielleicht wird daraus deutlich, dass man im oft heldisch-grausamen, „Auge um Auge, Zahn um Zahn“- AT auch einen verborgenen Geist himmlischer Gnade zwischen den Zeilen finden kann. Abschließend polemisch-byronisch nach der „Mystery Babylon“ gefragt: Wie steht es eigentlich mit den berühmt berüchtigten Königen des alten, orientalisch-sündigen Babylon ? Belsazar ist doch kurz vor seinem Tod zum allein gerechten Gott, der ihn als sündigen Menschen immer zu leicht befindet, umgekehrt !? Darius und Nebukadnezar erkannten, dass der allein gerechte, mächtige und reiche Gott jenseits aller Werke, den an seine Gnade Glaubenden aus jeder tödlichen Löwengrube, aus jedem tödlichen Gerichtsfeuer, zum Leben erwecken kann und kehrten um ? Wie heißt es im Lukasevangelium beim armen Mann Lazarus und dem Reichen: Wenn einer von den Toten aufersteht, werden sie umkehren, oder doch nicht…!?

  5. Was lehrt das AT ? Der gnädige himmlische Vater in den Psalmen…
    Das war mal ein Versuch für mich sinngemäß zszfassen, wie ich die Psalmen im Hinblick auf den von Jesus gezeigten Vater lesen wollte… Meine persönliche „Voyage to Atlantis“ Vielleicht was interessant ? Löschen no pro ! Hab die Zitate nicht genau gecheckt…

    In den Psalmen spielt der „Name Gottes“, der angerufen wird, eine große Rolle. Wenn man Jesus folgt, dann scheint dieser Name dem Geist nach der rettende, gnädige himmlische Vater zu sein – auch selbst dann, wenn im Buchstaben etwas anderes steht !? So sagt Jesus z.B. doch am Kreuz: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist…“ Dies nimmt Bezug auf Ps 31 (2-7), wo der Name Gottes als „treuer Retter und Erlöser“ angerufen wird: im Text die Buchstabenfolge YHVH – aber Jesus ersetzt am Kreuz diese Buchstaben durch den Namen/Geist des rettenden, leben gebenden Vaters. Ganz so wie er es der Samariterin am Jakobsbrunnen angekündigt hatte: „Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit…“ (Joh 4) Hier klingt im Evangelium noch ein weiteres Motiv an: Der Vater wohnt nicht in einem Tempel, einem Haus aus Stein: er ist Geist. Sein Geist ist überall, seine Hoheit, sein Thron, im Himmelszelt – dem Haus des Vaters. Wenn man diesen Gedanken auf die Bilderwelt der Psalmen überträgt, dann heißt das z.B. für den berühmtesten Psalm Davids, Ps.23: der Vater, der gute Hirte, wird dem irdisch verlorenen Sohn, der auf Rettung hofft und der zu ihm umkehrt, als seinen Eh-rengast in seinem Haus, dem Himmelszelt, ewig wohnen lassen usw. Hier zeigt der Geist des nächt-lichen Beters unter freiem Sternenhimmel, der den himmlischen Vater anruft, ganz so wie Jesus, der auf dem nächtlichen Weg nach Gethsemane, zu den verherrlichten „Sternen-Himmelswohnungen“ (Joh 14) aufblickt und dann sein Vaterunser spricht. Und so kann man vielleicht die Frage stellen, ob es nicht Hinweise gibt, dass die Psalmen dem Geist nach den über den Tod hinaus gnädigen Vater im Himmelreich verherrlichen, auch wenn im Buchstaben ein anderer Name steht !?

    Beispiele:
    Z.B. Ps 103, das Lob des „heiligen Namens“ (Z.1): „Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte (…) Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. (…) Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR (8-13).“ Hier wird dem Geist nach der Herr als Vater angerufen, dessen Zorn nur irdisch kurz ist, dessen himmlisch-väterliche Gnade aber von Ewigkeit zu Ewigkeit im Himmel thront (Z.17-19). In Ps. 11 wird der heilige Tempel Gottes gepriesen, der „Himmelsthron“, dessen gnädiges Angesicht die Glaubenden sehen werden (Z.7), ganz so wie Paulus in Hebr 9 über Jesus sagt, dass dieser kein irdisches, von „Menschenhand gemachtes Heiligtum“ anstrebte, sondern des Vaters Angesicht im Himmelszelt (9,24). Auch wird in den Psalmen das Bild von dem verzweifelten Waisen und Armen angesprochen (z.B. Ps 10, Ps 68), der Gott sucht und dem letztendlich geholfen wird – der Waise, also Vaterlose – der gottlos irdisch verlorene Sohn – sucht die Gnade Gottes, die des himmlischen Vaters, und wird sie finden: „Wenn mich auch Vater und Mutter verlassen, der HERR (= „der Vater“) nimmt mich auf…“ (Ps 27,10); „aus dem Munde der Kinder erzeugst du dir Lob“ (Vgl. Ps 8). Oder Ps 82: Gott hilft letztendlich den irdisch Verlorenen, den Armen und Waisen: „Ihr seid… Söhne des Höchsten“. Dieses Bild greift auch Ps. 22 am Ende auf (ab V.23): Der Name des Herrn wird gerühmt werden, denn er verachtet das „Elend eines Armen“ nicht. Die Armen werden, vom Brot des Lebens gesättigt, „ewiglich leben“, aller Enden der Welt werden den Herrn anbeten und er wird „Nachkommen“ haben: „das Volk, das geboren wird“. Der Name des Herrn ist hier also gedanklich der himmlische Vater, aus dessen himmlischer Gnade seine Kinder/Nachkommen und Erben gebo-ren werden. Ganz so wie Jesus es Nikodemus unter nächtlichem Sternenhimmel verdeutlichte: Du musst von Gott, dem Vater, neu geboren werden, im Geist himmlisch-mütterlicher, Leben gebender Gnade (Joh 4). Oder Ps 89 über die Gnade des Höchsten: „Auf ewig steht die Gnade fest; du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel (…) sie werden über deinen Namen täglich fröhlich sein (…) Er wird mich nennen: Du bist mein Vater (V.27)“. Jesus selbst sagte in Joh 10 sinngemäß, dass der Vater in seiner Gnade der gute Hirte sei, der sein Leben für seine Söhne/Schafe gibt und der das wahre, lebendige, ewige Leben im Überfluss schenkt. Dies ist ein Anklang von Ps 100 (u.a.), in dem das Gottesvolk, die Schafe der Weide YHVHs (nach Jesus in Joh 10 der „Vater“), jubeln, denn des Höchsten überschwängliche „Gnade währet ewig“. In Ps 116,13 heißt es im Lobpreis: „Ich will den Kelch des Heils erheben und des HERRN (YHVH) Namen anrufen.“ Denn Gott rettet die naiv Glaubenden vor dem „Rachen des Todes und der Hölle“ und führt sie als gnädiger guter Hirte in das ewige „Land der Lebendigen“ (V.3-9). Und hat nicht Jesus beim Abendmahl den Kelch des Heils erhoben und diesen Lobpreis gesprochen !? Freilich hat er die toten Buchstaben YHVH durch den Vater und den ewig lebendigen Geist des Reiches Gottes ersetzt. Hier, im Bild vom ewigen „Land der Lebendigen“, des ewigen Lebens im Reich Gottes im himmlischen Überfluss klingt ein weiterer Gedanke an. Das Leiden des Glaubenden, des irdisch Verlorenen, der sein irdisches Leben als Strafe, als Zorn Gottes empfindet, entspricht nicht dem ewigen Vaterherz Gottes: „Preiset seinen heiligen Namen! Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade ! (Ps 30). Der ewige Gott („tausend Jahre sind ein Tag“) lässt das irdische Leiden des glaubenden Sünders nur einen „kleinen Augenblick“ (Jes 54,7) zu, um die Seele des Glaubenden zu höherem, ewigen Leben und Himmels-Sternen-Glanz zu läutern. Der irdisch verlorene Sohn, muss nur einen kurzen Moment in der gefallenen Welt in seinem sündigen Fleisch leiden. Aber wie sein Bruder Jesus kann der Glaubende darauf bauen, dass Gott als „liebender Vater“ dieses irdische Leiden, diese für Men-schen unverständliche Züchtigung, nur zu einem höherem Zweck erlaubt, um ihn dann als würdi-gen Sohn und Ehrengast zu seiner Rechten im Himmel ewig aufzunehmen – so jedenfalls Paulus in Hebr. (Hebr 12,4-10). Oder wie er in Röm 8 über den Geist der Gnade, den Vater und seine Kinder unter Bezug auf das irdische Leiden Jesu schreibt: „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden. Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll…“ usw.

    Vielleicht wird aus dem Gesagten deutlich, dass man die Psalmen Davids trotz des dort genannten Leidens und der irdischen Strafen dem Geist nach als Anrufung der Gnade des ewigen Vaters lesen kann. König David als einen naiv Glaubenden, der „nicht mir großen Dingen umgeht, die dem Menschen“ so immer unbegreiflich sind, der aber darauf vertraut, dass die ewige, unverdiente Gna-de Gottes, der Seele eine ewige Geborgenheit und Sicherheit verleiht, wie sie ein unwissendes „Kleinkind an der Brust seiner Mutter empfindet“ (Ps 131). Jedenfalls scheint Jesus die Psalmen, das AT, in diese Richtung gedeutet zu haben: Er ersetzte den toten Buchstaben YHWH durch den Geist des lebendigen Vaters und der sicheren Geburt aus göttlich-mütterlicher, himmlischer Gnade. Den alttestamentlichen Tempel des Jesaja, das „Bethaus für die Völker“, nennt er bewusst das „Haus des Vaters“, in der die Gnade nicht durch irdisches Geld und irdische Leistung erkauft wird, sondern den kindlich-naiv, unvermögend Hoffenden mütterlich gnädig erwiesen wird: „Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob?“ Es ist der Lobpreis für den gnädigen Vater…usw.

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