Selbstverständlich kann Gesetzlichkeit sich im „Gehorsam“ eines Christen gegenüber dem „Wort Gottes“ (oder was er oder sie dafür hält) ausdrücken – und sie tut es sehr oft. Insofern ist die Gleichstellung von Gesetzlichkeit und „Gehorsam“ völlig angemessen.

Gott ist überhaupt nicht an einem selbstgemachten Gehorsam interessiert – selbst gegenüber Geboten, die das Verfallsdatum noch nicht überschritten haben. Ihn interessiert nur der Gehorsam, der von Herzen kommt (Römerbrief 6,17), mit unseren eigenen Überzeugungen und und vor allem Neigungen übereinstimmt. Je weniger Konflikt herrscht zwischen dem, was Gott will und was ich will – desto weniger Ruhm für den Gutwerk-Tuer durch Selbstüberwindung, Verzicht und Willensstärke.

Kurz gefasst: ne Menge „Gehorsam“ kann man simpel in die Tonne treten. In der Bibel auch als „tote Werke“ (Hebr 6,1 und 9,14) bezeichnet … übrigens belasten die toten Werke ständig unser Gewissen. Komisch, wenn „Gesetzestreue“ doch so ne tolle Sache ist (Hebr 9,14).

… übrigens hat Gott sein Wort selbst verändert (soviel zu „Gottes unveränderbaren Wort“). Die Gnade durch Jesus ist nicht einfach ein „Patch“, eine Verbesserung für das Leben unter dem Gesetz – sondern was völlig anderes, nicht eine neue Version, sondern ein völlig anderes Programm.

… wenn der „Gehorsam gegenüber dem Gesetz“ ein Werk des Geistes wäre, dann wundert einen der ständige Appell, ja dem Gesetz gehorsam zu sein, es wertzuschätzen, hochzuhalten etc. – statt des viel sinnvolleren Appells „Wandelt im Geist!“. Aber ist schon klar: den „Wandel im Geist“ mißt der Gesetzliche eben am Gehorsam gegenüber dem Gesetz. Zirkelschluß?

Und ein inflationärer Gebrauch des Begriffs „Gesetzlichkeit“ trägt wenig zur Klärung des Sachverhaltes bei: wenn sogar die Befolger der Straßenverkehrsordnung unter „gesetzlich“ fallen, ist der Begriff sinnlos geworden. Hier handelt es sich um verbale Taschenspielertricks.

… wer in irgendeiner Form mit dem Gesetz flirtet, landet automatisch darin, sich den Segen und die Liebe Gottes verdienen zu wollen. Das liegt in der Natur der Sache – und ist keineswegs ein Problem irregeleiteter Christen, sondern deren normale, zu erwartende Reaktion auf das Gesetz. Daran trägt das Gesetz nicht wirklich schuld – das liegt an den Menschen, auf die es trifft. Und auch beim Neuen Menschen mobilisiert das Gesetz die immer noch vorhandene PRÄGUNG aus seiner Zeit als alter Mensch.

Gesetzlichkeit, vermeintlicher „Gehorsam“ gegenüber dem Gesetz – ist letztlich nur ne fromme und schräge Variante des üblichen Egoismus; nur daß eben jetzt ein Gott-Aufkleber drauf kommt … wobei der Egoismus im Sinne eines „der Mensch ist ein Wesen mit vielfältigen Bedürfnissen“ sowieso unvermeidbar ist. Diese Bedürfnisse ohne Gott und an ihm vorbei zu erfüllen – das ist das Problem, nicht die Bedürftigkeit selbst. Und das Gesetz in jeder Form fördert nun mal die menschliche Autonomie im Sinne des „ich will selbst machen!“

… die Begründungen für menschliche Autonomie mögen sehr verschieden sein (bis hin zum paradoxen Schlachtruf „Das ist eine Philosophie der Autonomie!“, während man munter im Namen des göttlichen Sittengesetzes und seines moralischen Kerns vor sich hin autonomisiert), letztlich ist sie nur ausrottbar durch Vertrauen zu Gott und in das, was er zu geben hat. Auch dieses Vertrauen wird durch das Gesetz nicht gefördert.

… Vertrauen zu Gott wird übrigens auch nicht durch lautes Krakelen „Dieeee Biiiiiiiiiiiiiiiiiiibellllllllllll ist Gottes Worrrrrrrrrrrt !!!“ gefördert.

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