Die Anweisung lautet einfach nur „Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen“ (Galaterbrief 5,16).

Diesen Lebensstil zu verkomplizieren – ist bereits wieder die klammheimliche Einführung von einer Menge eigener Bemühungen und religiöser Spielchen. Und nicht umsonst rankt sich so viel Mystisches um das Konzept „Kampf zwischen Fleisch und Geist“.

„Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt“ (Gal 5,17) vermittelt dem entsprechend vorbelasteten Leser leicht den Eindruck, hier würden zwei mehr oder minder gleichstarke Kräfte gegeneinander kämpfen. Und den Ausschlag in diesem Kampf geben dann unsere Entscheidungen, unsere Willenskraft.

Wären die Dinge so, sind sie von einem gesetzlichen Lebensstil kaum oder gar nicht zu unterscheiden. WILLENSKRAFT wäre dann wieder das Entscheidende. Der „Gehorsame“ gewinnt den Kampf. Gehorsam ist also in diesem Lebensstil das Mittel – und nicht das Ergebnis.

Galater 5,17 ist aber auch der einzige Bibelvers, der als Beleg dafür dienen könnte, daß es einen KAMPF zwischen Geist und Fleisch geben könnte oder sollte. Er sagt aber nur, daß unser Fleisch, unsere Natürlichkeit (erst mal) andere Dinge will als unsere Neue Natur.

Die Anweisung ist aber nur „Wandelt im Geist“ (und nicht: kämpft gegen das Fleisch!) … übersetzt: vertraue auf die Dinge, die du nicht sehen kannst! Erwarte dein Leben und deine Erfüllung von Gott (nicht von dem, was du sehen, fühlen, schmecken, tasten etc. kannst)! Sehe dich immer als geliebt und angenommen und erlöst! Tue nichts, was du nicht wirklich von Herzen tun willst! Erwarte deine Veränderung von Gott und nicht von dir! Sei wer du bist – und nicht eine Kunstfigur um Jesu Willen! Halte dich fern von Zwang und Gesetz! Verdiene dir nichts, was längst dir gehört (Wert, Lebendigkeit, Annahme, Liebe)! Vertraue auf das Neue Leben in dir und seine Wirkung! Genieße die schönen Dinge dieser Welt, aber erwarte nicht zu viel von ihnen!

In uns ist ein Neues Leben. Wir sind lebendig gemacht. Eine Quelle sprudelt in uns. Das Neue Leben in Christus ist wirksam in uns und bringt Veränderung hervor. Darauf können wir schauen.

 

Wer diese Dinge beachtet, hat noch kein gutes Werk getan oder irgendeine Sünde vermieden – also keinen praktischen Gehorsam im Sinne des Gesetzes an den Tag gelegt. ABER er hat die Abkürzungen des Gesetzes, den verführerischen Fast-Food-Gehorsam vermieden; und das ist schon viel wert, wenn man weiß, daß die Beachtung des Gesetzes die Sünde erst recht hervorbringt.

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  1. Hallo,

    genau so ist es unter dem Gesetz: Der verführerische fast-food!
    Dieses antreibende Gesetz appeliert ständig an die eigene Stärke.
    Die Gnade dagegen sagt: Meine Kraft ist in dem Schwachen MÄCHTIG!

    Dazu möchte ich einmal ein persönliches Zeugnis geben: Vor einiger Zeit habe ich mich „vesucht“ vom Gesetz und dessen Prägungen zu verabschieden. Formal habe ich das nach der entsprechenden Erkenntnis ganz getan aber es gibt kleinere Rückfälle, welche den Trend allerdings nicht stoppen können.
    Meine „Bekehrung“ war ohne das ich von irgendwelchen Christen überhaupt wußte 1987 in einer Alkoholentzugsklinik. Ich lag damals dort und kämpfte gegen fürchterliche Entzugserscheinungen
    und zudem plagte mich mein Gewissen auf Grund einiger straftrechtlicher Vergehen. Mein Leben war auf“ gut Deutsch“ gesagt im A……! Aber auch wirklich alles war dahin, Drehtürpatient bezgl. des Alkoholkonsums, Schulden ohne Ende, Knast hinter mir und erneut kriminell geworden, Freundin weg, Wohnung war gekündigt, arbeitlos denke das reicht fürs erste einer Erklärung wer hier schreibt! Zwischen den Zeilen steht ja erheblich mehr. Das schlimmste war für mich, dass ich wußte da kommste nicht mehr raus! Ich hatte damals im zarten Alter von 29 Jahren ca. 15 Entzugsaufenthalte wegen des Suffs hinter mir. Jetzt liegt in einem Eisenbett umgeben von anderen scwerst Alkoholabhängigen ein relativ junger und dennoch kaputter Typ der von Wahnvorstellungen geplagt anders leben möchte, jede nur denkbare Therapieform erfolglos genutzt hat und dazu eigentlich ungläubig ist und doch noch einFunken Hoffnung in ihm ist.
    In dieser Situation dachte ich einen kurzen Moment daran,dass es doch einen Gott geben könnte?!
    Und so betete ich: Lieber Gott wenn es dich gibt dann versprich du mir, dass du mich
    hier raushost, vomAlkohol mußt du mich auch ganz allein befreien, mach das ich nicht mehr in den Knast komme etc.
    Ich sagte Amen und nichts geschah. Kein gleißendes Licht, keinerlei besonderen Gefühle einfach nichts! Nchdem ich dann einigermaßen erholt war bin ich auf dem Klinikgelände spaziert und entdeckte dort so ein kleines christliches Cafe(Diakonieladen). Die hatten Bilder mit Landschaften,
    Blümchen etc. im Schaufenster hängen,dadrunter hingen Bibelverse. Eigentlich alles sehr kitschig
    davor wäre ich jederzeit geflüchtet. Aber irgendetwas zog mich immer wieder zu diesem Schaufenster. Ich traute mich nicht in den Laden rein. Was hatte ich mit denen zu tun?Aber es war in mir auf einmal eine wahnsinnige Neugierde. Irgendwann kam dann der Diakon raus und fragte mich was ich denn da immer gucke. Ich sagte ihm,mir gefallen die Bilder mit den Sprüchen. Damals wußte ich nicht das die selbigen aus der Bibel waren: Was das Christentum anging war ich also
    tatsächlich noch eine männl. Jungfrau (Bobele grinst). Er lud ein und schenkte mir aus einer vergammelten Kiste ca. 50 solcher Bilder in Postkartengröße. Verstanden hat er nicht das mir die Teile gefallen haben ( ich auch nicht) aber so war es. Wieder in der Klinik habe ich sie dann eingerahmt und hingehängt. Ich hatte mich in diese Bilder verliebt bzw. das was sie aussagten.
    Eine solche Ader gab es vorher bei mir nie!!!! Ich bin dann wieder zu dem Diakon und er fragte mich was ich wollte, ich bat ihn er möge mir etwas von Gott erzählen. Er wußte nicht was und ich sagte dann:Einfach was von Gott! Ich wußte ja selbst nicht was ich suchte! Später merkte ich, dass er selbst nicht an Gott glaubte. Dieses suchen war von Gott gegeben das merkte ich ganz deutlich!
    Dann habe ich in einer Telefonzelle 5 Mark gefunden und sie unbewußt an der Pforte abgegeben.
    Also ein loses 5 Markstück gibt ein Knacki nie ab. Ich erschrak selbst davor. An diese Begebenheit hat mich der Geist vor etwa drei Monaten errinert als ich ihn fragte wie er denn ohne mein zutun verändert! Alles worum ich Gott gebeten habe das hat er erfüllt!! Alle Anzeigen wurden damals eingestell.Ich kam nie wieder in den Knast, trinke seid 20 Jahren keinen Alkohol mehr etc.
    Klingt fast wie eine Erfolgsstory wenn es nicht die erste Gemeinde gäbe; mit ihr kam das Gesetz!
    Also war ich jetzt nicht mehr vom Alkohol abhängig aber vom Gesetz! Jetzt frage ich einfach mal was ist besser? Meine Antwort lautet: das Gesetz ist besser ( grins)! Weil Gott eben sehr gnädig ist und schon schaut wie du dahin gekommen bist.
    Eigentlich wollte ich damit nur deutlich machen, dass der Geist wirklich ohne unsere Hilfe und selbstverständlich ohne das Gesetz verändert.wenn ich ehrlich bin habe ich meinem eigenen Gebet
    garnicht vertraut, geschweige denn erwartet,dass es erhört wird. Das war der Hilferuf eines Verzweifelten der aber eigentlich nicht geglaubt hat. Und trotzdem habe ich in dieser Zeit sehr viel erlebt. Der Glaube wuchs von allein, halt durch den Geist. Nur wußte ich nicht das er in mir war.
    Gemerkt habe ich das schon aber was es war konnte ich nicht betiteln.
    Soweit so gut, Jetzt frage ich mich gerade ob das hier überhaupt hinpasst? Oder ob es euch interessiert? Aber das lege ich Gottes Hand!

  2. Das von dir gesagte stimmt:

    „Die Anweisung ist aber nur “Wandelt im Geist” (und nicht: kämpft gegen das Fleisch!) … übersetzt:“

    Das danach steht doch jedoch gar nicht im Text und hat mehr mit Eisegese gemeinsam als Exegese. Finde der Artikel erhellt in kleinster Weise die Passage, also erklärt die Stelle so gut wie gar nicht. Wäre es möglich noch mehr dazu zu schreiben um den Text zu verstehen?

    Die Begierden des Fleisches sind im Text teilweise Dinge die getan werden können und die nicht getan werden, wenn man im Geist wandelt. Es hat also Auswirkungen auf unser tun.

    Ich verstehe diese Passage einfach noch nicht.

    • Das soll bedeutet, hör auf aus eigener Anstrengung gegen die Lüste des Fleisches zu kämpfen.
      Als Gegenmittel ist nicht deine Anstrengung gefragt, sondern lass es zu, dass Gott dich davon abhält, das zu tun, was du eigentlich nicht tun möchtest.
      Das heißt dann: Wandel im Geist;
      also lass den Geist (Gott) das tun, was du eh nicht schaffst.

  3. Ich verstehe Wandel im Geist und Wandel im Fleisch als Fokussierung. Wenn ich auf mein Fleisch fokussiert bin – nämlich auf das, was ICH angeblich tun kann, auf MEINE Kraft, auf die EIGENE Stärke führt das zu Werken des Fleisches (sündige Taten, die aber meiner neuen Natur in Christus widersprechen). Wenn ich auf den Geist fokussiert bin – also mit meinen Problemen zu Gott renne, bei ihm Antwort erwarte, Jesus meinen Retter sein lasse, sind Werke des Geistes bzw. die Frucht des Geistes die Folge.

    Werke des Fleisches (Sünde) und Frucht des Geistes sind immer „nur“ Symptome einer Gesinnung, die im Menschen vorherrscht. Wir haben nun gelernt unser Leben lang auf die eigene Kraft fokussiert zu leben. Dann kommen wir zum Glauben an Gott und sind tot für die Sünde. Es ist etwas in unserem Geist geschehen (er ist nämlich lebendig gemacht) und dessen Auswirkungen erlebe ich nach und nach in meinem Leben, aber eben nicht augenblicklich zu 100% in allen Bereichen meines Lebens. Bei vielen Bekehrungszeugnissen erzählen Menschen von Wundern. Eigentlich sind diese Wunder dazu da Gott die Ehre zu bringen. Leider fangen aber viele Menschen an zu glauben, dass nur weil Gott sie von diesem einen Problem spontan geheilt hat nun alle ihre Probleme weg sind. Sie verstehen die „neue Kreatur“ falsch und meinen, sie haben Veränderung nicht mehr nötig – nur weil Gott sie durch ihre Bekehrung sozusagen als „Startschuss ins neue Leben“ mit der Befreiung von Drogen, Pornographie, Krankheit, o.Ä. beschenkt hat.

    Gott in seiner Gnade hilft uns und verändert uns aber immer mehr dahin, dass wir auf ihn fokussiert leben können – dass das, was wir in unserem Geist schon sind sich auch auf allen anderen Bereichen unseres Lebens zeigt. Dies ist ein Prozess und die Frucht des Geistes wird sichtbar(er). Trotzdem sündigen wir auch und haben manchmal den falschen Fokus. Aber das entspricht nun nicht mehr unserer Natur und Veränderung ist jetzt möglich. Vorher haben wir mit der Fokussierung auf unser Fleisch unsere Natur erfüllt und Veränderung war unmöglich, da wir uns auf den Geist gar nicht fokussieren konnten. Der war ja tot…

    Die Frage, die sich mir bei solchen Polarisierungen/Gegenüberstellungen stellt (Wandel imFleisch/Wandel im Geist): Ist es theoretisch möglich ein Leben zu führen bei dem man IMMER auf den Geist fokussiert ist – also nie die Werke des Fleisches erfüllt? Ich würde sagen: Nein! Und es ist auch nicht nötig, weil Gott von uns nicht Perfektion erwartet. Solange wir auf dieser Erde leben, werden wir auch mal den Fokus verlieren. Aber vielleicht ist es eine gute Perspektive zu sehen, dass wir immer mehr im Geist wandeln und damit das ausleben, was wir schon sind – nämlich geistlich lebendig und immer mehr das ausleben, was wir auch schon sind – nämlich tot für die Sünde.

    Mir hilft Römer 7 bei diesem Thema.

  4. Ich schreib nicht oft im Netz – eigentlich nur hier und das höchstens 1-2 mal im Jahr. Ich finde es gut, dass man weiß, dass hier alles gesammelt an einem Ort zu finden ist – besonders wenn man etwas in deutscher Sprache zum Thema Gnade weiterempfehlen will.

    Wie läuft das mit Gastbeiträgen? Könnt euch gerne per Mail melden…

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