[Der folgende Beitrag ist ein Test – wir haben natürlich eine viel wichtigere Botschaft und die soll nicht darunter leiden. Auch wenn du unsere Position nicht teilst, kannst du uns ruhig weiterhin in Sachen bedingungslose Gnade dein Vertrauen schenken]

Spätestens vor Wahlen treibt einige Christen die Frage um, was sie denn wählen sollen – und ob ihre Wahlentscheidung irgendwas mit ihrem Glauben zu tun haben könnte.

Wir wollen hier keine Wahlempfehlungen geben, sondern nur mal ein paar Pflöcke einschlagen, die dem einzelnen vielleicht helfen können sich zu orientieren (oder seine bisher „unerlösten“ politischen Lieblingsvorstellungen mal zu hinterfragen):

  • das „christliche Abendland“ (oder das „christliche Europa“) war immer schon eine Illusion und in seinen besten Zeiten ein Alptraum aus Inquisition, Höllenangst und kirchlicher Bevormundung und Gängelei
  • eine Gesellschaft braucht keine christlichen „Werte“, die ihr per Gesetz und Strafandrohung verordnet werden
  • es gibt keine „gottgewollte“ Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung – schon daran erkennbar, dass bisher alle diese Ordnungen untergegangen sind. Es gibt keinen Grund, warum das für die derzeitige Ordnung nicht gelten sollte
  • Reiche oder wohlhabende Menschen behaupten in den letzten 250 Jahren gerne, ihr Reichtum oder ihr Wohlstand sei „gut“ auch für die, die nicht reich oder wohlhabend sind. Niemand zwingt dich, das zu glauben 😉
  • es ist fraglich, ob es viel mit Demokratie zu tun hat, wenn Menschen alle paar Jahre ihr Kreuz machen dürfen und danach keine Kontrolle mehr über die Gewählten haben
  • Menschen aller möglichen politischen Überzeugungen fällt auf, dass wir unsere Informationen von den Medien teilweise erheblich „aufbereitet“ bekommen oder Ereignisse ganz unter den Tisch fallen
  • in einer leistungsorientierten Wirtschaftsordnung ist der „draußen“, der die erforderliche Leistung nicht bringt; und er wird Mensch 2. oder 3.Klasse. In Ländern ohne Sozialstaat krepieren solche Leute ganz einfach
  • Nationalismus gehört zu den großen Götzen der Gegenwart (im Gegensatz zum Mammon ist er eine neuere Erfindung): auf seinem Altar sind Millionen von Menschen geopfert worden
  • mit dem Untergang des Ostblocks ist keineswegs Frieden in der Welt eingekehrt: Länder mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung konkurrieren nun immer schamloser um Bodenschätze, Energiequellen und Absatzmärkte und setzen dafür auch militärische Gewalt ein … ein Land hebt sich dabei besonders hervor 😉
  • als Christ haben wir keinen Auftrag, uns um den Erfolg der Nation zu sorgen – schon weil dieser Erfolg immer zu Lasten von Menschen anderer Länder geht
  • Fakten dürfen für eine politische Weltsicht niemals zum Problem werden – sonst hat diese Sicht offensichtlich ein Problem mit der Wirklichkeit
  • der breiten Masse schallt es entgegen: „Mach dich klein! Erwarte nicht zu viel vom Leben! Sei fleißig und bescheiden! Verbrauche nicht so viele Ressourcen! Du bist nicht wichtig! Nimm nicht so viel Raum ein! Lass dich benutzen und ausnutzen!“ Diese Beschallung müssen wir nicht auch noch in einer christlichen Variante darbieten
  • die Herrschenden hetzen gerne die kleinen Leute auf die noch kleineren Leute – auch hier zwingt dich niemand, dabei mitzumachen
  • es ist naiv, gewählte Volksvertreter automatisch für Vertreter des Volkes zu halten bzw. für Vertreter der Interessen von kleinen Leuten (gibt aber manchmal Ausnahmen)
  • trotz aller Versuche, das Gegenteil beweisen zu wollen, gibt es keine Präferenz für Rassismus, Kommunismus, Liberalismus, Nationalismus, Kapitalismus u.a in der Bibel
  • in der Bibel ist aber ganz klar, dass Gott ein besonderes Herz für die Armen und Hilflosen hat – und nicht für die „Erfolgreichen“
  • im Zweifelsfall hast du mehr gemeinsam mit dem kleinen Mann in einem anderen Land als mit dem Reichen in deinem eigenen
  • die Gemeinde ist in großen Teilen verbürgerlicht. Da wundert es nicht, dass dort Christen die politische Meinungsbildung bestimmen, die sich Sorgen um ihr Vermögen machen. Die meisten von uns machen sich aber eher Sorgen, wie sie so über die Runden kommen können und dabei vielleicht auch noch ein Urlaub drin wäre (oder wenigstens eine größere Wohnung; oder auch nur Schuhe für die Kinder)
  • es ist erstaunlich, wie oft angeprangerte „Menschenrechtsverletzungen“ in anderen Ländern mit konkreten wirtschaftlichen Interessen des Westens zusammen fallen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt 😉
  • unsere politischen Interessen ergeben sich aus unserer sozialen Lage – und die meisten von uns sind nun mal Lohn- und Gehaltsempfänger oder beziehen Sozialleistungen
  • KEIN wirtschaftliches Gewinnstreben oder „Schuldenabbau“ rechtfertigen Verelendung, Erkrankung und Tod von Menschen
  • wir leben seit 2000 Jahren in der Endzeit: du mußt also nicht deine Wahlentscheidung davon abhängig machen, welche Partei den Antichristen vielleicht am Besten ausbremsen könnte oder voranbringt (und es wäre auch ziemlich vermessen, das wirklich einschätzen zu wollen)
  • es gibt keine christlichen Länder und schon gar nicht „God owns Country“
  • die Inhaber wirtschaftlicher und damit politischer Macht wurden von niemand gewählt
  • Nationen werden nicht „gesegnet“, weil sie an vermeintliche oder tatsächliche Gebote Gottes halten
  • „Segen“ wird meist mit Wohlstand gleichgesetzt. Warum eigentlich?
  • unser Leben auf der Erde wird bis zur Rückkehr von Jesus kein Paradies sein – das ist aber kein Grund, das Leben für Milliarden Menschen bis dahin zur Hölle zu machen
  • die Rechtfertigung von Habgier mit „christlichen“ Begründungen ist leider nicht möglich (egal, wie oft das auch versucht wird); das gilt auch Rassismus und Nationalismus
  • radikale Moslems sind erstaunlicherweise dann kein Problem, wenn sie westlichen Interessen nützen (wie seit Jahren etwa in Saudi-Arabien oder aktuell in Syrien)
  • soziale Wohltaten verdanken sich meist nicht den guten Herzen oder der Großzügigkeit reicher Leute, sondern ihrer Angst vor den unzufriedenen Massen, die ihr Dasein wenigstens einigermaßen fristen wollen und das auch deutlich und kämpferisch zum Ausdruck bringen
  • (Mangel an) Geld ist niemals das Problem: für Steuererleichterungen zugunsten von Unternehmen oder zur Rettung von Banken ist schließlich auch immer Geld da
  • wenn alle im Bundestag vertretenen Parteien „sparen“ wollen, den Sozialstaat weiter reduzieren möchten und Militäreinsätze befürworten – hat der Wähler im Grunde nur noch die Wahl zwischen Geschmacksrichtungen ein und derselben Politik (dann kann er aber auch seine Stimme „verschwenden“)
  • Parteien, die sich auf „Gott“ berufen, können durchaus gottlose Dinge tun (etwa die Armen und Schwachen nicht beschützen); „gottlose“ Parteien können durchaus Dinge befürworten, die im Sinne Gottes sind (etwa die Armen und Schwachen schützen)
  • auch Moslems sollten Jesus kennen lernen können: sie zu bombardieren, zu erschießen und ihre Länder zu erobern, hilft dabei NICHT. Christliche Missionare im Nahen Osten sehen das jedenfalls so

Vermutlich werden wir alle Kommentare zu diesem Beitrag wieder löschen, da das Thema nun mal Diskussionsfreudige sehr anzieht. Und es gibt wirklich genug „christliche“ Stellungnahmen im Internet, die die Dinge ganz anders sehen. Es ist also leider nicht zu befürchten, dass den frommen Verteidigern des status quo die Anhänger ausgehen.

Falls dich die genannten Punkte nachdenklich gemacht haben, mußt du immer noch Parteien finden, die aus diesen Dingen auch passende Konsequenzen gezogen haben. Diese Arbeit werden wir dir nicht abnehmen.

 

Wir empfehlen zur weiteren Entscheidungsfindung den wahlomat und legen nahe, auch kleine und Mini-Parteien und sogar „gottlose“ Parteien in Betracht zu ziehen 😉

 

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  1. Der Antichrist lässt sich ohnehin nicht durch noch so kluges Wahlverhalten „ausbremsen“, da nach Offenbarung des Johannes alles so geschieht, wie Gott es will.

  2. Stimme dem Gesagten voll zu! Vielleicht 2 kleine Ergänzungen zu Jesus + Politik?!

    1. Jesus formulierte im NT ein Grundprinzip der Sozialen Marktwirtschaft: „Die Starken müssen mehr geben als die Schwachen!“ Denn, so Jesus: Wer von seinem Überfluß gibt, gibt weniger als der, der von dem gibt, was er eigentlich zum Leben braucht ! (Mk 12, Lk 21)

    2. Die Ablehnung des Gesetzes und die Betonung der neuen Gnade hatte in der Antike (im Judentum) eine starke soziale Komponente!

    Man darf nicht vergessen: Die Mehrzahl der Menschen waren extrem arm, Sklaven bzw. von Sklaverei bedroht. Um ein solches System aufrecht zu erhalten, musste man als religiös/politischer Führer zu harten Strafen/Gesetzen greifen. Nur mit harten Strafen konnte man z.B. die Habenichtse davon abhalten, etwas zu stehlen (vgl. heute noch Islam) . Man kann dies im NT u.a. daran erkennen, dass die Reichen automatisch als „Gerechte“ gelten – ganz einfach: Sie waren diejenigen, die nicht aus Hunger klauen mussten, die eigene Tochter als Sklavin verkaufen usw. Nicht ohne Grund speiste Jesus seine Zuhörer und sie beteten für das tägliche Brot usw.
    Paulus sagt, dass Jesus als Sohn Gottes nun selbst als Sklave in die Welt kam (Phil. 2). Er kam also selbst als einer dieser Habenichtse, die bei den Oberschichten von vornherein als unrein galten – weil mit dem Begehren nach dem Gut des anderen verunreinigt (10. Gebot, vgl z.B. auch Maria, die im Magnificat ihre Armut betont). Damit kam mit Jesus auch die Amnestie für die, die aus Not das Gesetz gebrochen hatten: „Der Geist des Herrn ruht auf mir (…) Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde…“ (Lk 4)
    (Man muss ja nicht gleich soweit gehen wie Prince & the Revolution und das „purpurne Reich“ ausrufen und über Jesus als „slave and stranger on the bus home“ singen!!?…)

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