Viele Christen erfreuen sich an den Worten von Jesus (Johannes 15), in der er sich als der Weinstock bezeichnet und uns als Reben an diesem Weinstock.
1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner.
2 Jede Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, die nimmt er weg [oder: hebt er hoch]; und jede, die Frucht bringt, die reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.
3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. [Das Wort Gottes reinigt uns also – und nicht irgendein Heiligungskrampf und -schmerz]
4 Bleibt in mir und ich in euch! Wie die Rebe nicht von sich selbst Frucht bringen kann, sie bleibe denn am Weinstock, so auch ihr nicht, ihr bleibt denn in mir.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht [Feststellung, kein Sollen!], denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.
Allerdings kommt dann ein Satz, der viele Christen verunsichert:
6 Wenn jemand nicht in mir bleibt, so wird er hinausgeworfen wie die Rebe und verdorrt; und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Galater 5,4 äußert einen ähnlichen Gedanken:
Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.
Es ist nicht schwer, an Jesus und seiner Liebe und Annahme dran zu bleiben. Schwer wird es nur, wenn wir gleichzeitig die Forderungen des Gesetzes auch erfüllen wollen – weil man uns eben erzählt, die Liebe zu Jesus zeige sich im Einhalten des Gesetzes. Das Gesetz treibt uns von Jesus weg – durch seine Forderungen. Jesus hat an uns keine Forderungen – er erklärt uns nur, wie Wachstum funktioniert und wie Frucht entsteht. Er sagt nicht: Bring Frucht! Sondern er sagt: Bleibt in mir und ich in euch! (Vers 4).  Jesus sagt auch nicht, daß diese Frucht automatisch grandios und unübersehbar ist. Schon das Bild legt nahe:  die Rebe bringt Trauben und mehr Trauben hervor, nicht aber Aprikosen oder Birnen. Erst mal geht es um Quantität.
Wer im Gesetz sein will, wird sich sehr schwer tun, in Jesus zu bleiben: das Gesetz verurteilt und verdammt ihn laufend – da kann ihn Jesus noch so viel annehmen und lieben und gerettet haben. Es sind und bleiben zwei total gegensätzliche Stimmen in seinem Leben.
Wie so oft bei Bibelstellen, die von „wegwerfen“, „abfallen“, „nicht erben“, „richten“   reden, sind es leider nicht die Gesetzeslehrer und (von sich selbst überzeugten) Gesetzesbefolger, die sich angesprochen fühlen. Im Gegenteil: es sind die, die am Gesetz (offensichtlich) versagen – aber denken, sie müßten es halten.
Die meisten Probleme mit scheinbar „verdammenden“ Bibelstellen, die sich angeblich auf  alle Christen beziehen, erledigen sich zudem durch die Überlegung, daß sie eben nicht alle im Fokus haben, sondern die, die das Gesetz halten und halten wollen.
Aber auch die Christen, die das Gesetz halten wollen und deshalb keine Frucht bringen, müssen das Feuer in Johannes 15 nicht für das Höllenfeuer halten.
Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. (Johannes 10,28)
„Feuer“ in der Bibel kann auch noch andere Bedeutungen haben. Wer gleich annimmt, es handle sich um das Höllenfeuer zeigt vor allem eines: er geht davon aus, daß Christen die Auswirkungen ihrer Neugeburt, die Veränderung ihrer Natur, ihre Kindschaft wieder verlieren können. Sie glauben also eigentlich nur, daß wir von Gott adoptiert sind – nicht neu geschaffen als seine Kinder.
Der Vollständigkeit halber noch die beiden letzten Verse des Abschnitts:
7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch geschehen.
8 Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Eine Antwort »

  1. Interessanter Artikel: Dazu fällt mir spontan ein, Jesus sagte: „Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“ (Mat 11,30) Damit grenzte er sich von den Gesetzeslehrern und ihren mosaischen Gesetzes-Lasten ab. Interessant ist auch, was er zu dem reichen Mann sagte, der ihn fragte, welche Gebote denn er genau halten müsse, um das ewige leben zu erlangen (Mat 19) Jesus nannte nur 6 Gebote: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre Vater und Mutter! Und: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“. Wer vollkommen (= heilig) sein wollte, konnte sein Vermögen den Armen geben und mit ihm gehen. Das war aber offenbar nicht nötig. Zachäus der Zöllner gelobte die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben und sein Unrecht gut zu machen und Jesus versprach ihm das Heil. (Lk 19)

    Eine mögliche Deutung des Feuers, der Trennung vom Weinstock: Johannes der Täufer, kündigte Israel den Messias, das nahe Kommen des Gottesreichs, an und sagte, dass jetzt schon die Axt an die Wurzel der Bäume (Israel) gelegt sei; Israel müsse nun Früchte bringen (Mt 3, Lk 3), alle Bäume die keine Früchte der Umkehr zeigen, würden bald im Feuer enden. Jesus selbst versprach wiederholt seinen Zuhörern, sie würden das Kommen des Gottesreichs und die Trennung der Spreu vom Weizen, also der Früchte von den verdorrten Reben erleben, Z.B. Mat. 16: „Der Menschensohn wird mit seinen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommen und jedem Menschen vergelten, wie es seine Taten verdienen. Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen…“ Der Samariterin am Jakobsbrunnen z.B. verdeutlicht er, dass sogar bald Gott nicht mehr im Tempel zu Jerusalem angebetet werden würde.
    Wo und was ist aber das Feuer, das in diesem Zusammenhang genannt wird. Jesus spricht hier von der „Gehenna“, der Müllhalde von Jerusalem, in der nach Prophezeiungen des AT die Leichen der von Gott abgefallenen Juden im Feuer brennen würden. Im Johannesevangelium z.B. verspricht er seinem Lieblingsjünger, dass dieser noch diesen Tag erleben würde (im Gegensatz zu Petrus, Joh 21)
    Geschichtlich gesehen kann man sagen, dass dann tatsächlich um 70 durch die Römer Jerusalem und der Tempel wie von Jesus prophezeit im Feuer untergingen. Die jüdischen Geschichtsschreiber sahen dies als Strafgericht Gottes über das vom rechten Glauben abgefallene Israel; sie berichten, dass die Gehenna-Senke übersäht von brennenden Leichen war…

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