Die wichtigste Feststellung vorab: Menschen sündigen, weil sie sich davon versprechen, daß es ihnen besser geht. Christen machen da keine Ausnahme.

Es kann also auch für einen Christen gute Gründe geben zu sündigen: nämlich daß er sich eine Verbesserung seiner Situation davon verspricht.

KEIN Grund wäre, zu sündigen, damit man mehr Gnade bekommt (und damit auf anderem Wege eine Verbesserung seiner Situation).

Römer 6,1 Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren, damit die Gnade zunehme?

Gnade ist immer überreich vorhanden, man muß sie nicht durch Sündigen freisetzen. Das geht auch ohne.

Auch die Freiheit vom Gesetz ist KEIN Grund zu sündigen:

Röm 6,15 „Was nun, sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Auf keinen Fall!“

Es gibt also auch kein Gebot „Sündige!“, nachdem wir nun unter Gnade sind – aber auch kein „Wehe, du sündigst!“. Wohl aber ein Art Gebot „Erwarte von der Gnade Gottes die Lösungen für dich!“

… das Gesetz löst keine Probleme, die Sünde tut das auch nicht. Beides beinhaltet zudem ne Menge Gefahren. Aber irgendwie müssen wir leben, BEVOR echte Lösungen in uns gewachsen sind bzw. in unserem Leben präsent sind.

Weil wir uns oft keinen anderen Rat wissen (oder weil es unsere Gewohnheit ist), greifen wir zur Sünde oder zum Gesetz. DESHALB ist es wichtig, daß wir Gott IMMER nahe sind – sonst sündigen wir und halten das Gesetz in völlig unnötiger Einsamkeit (der Einsamkeit des sündigenden Gesetzesbefolgers, der sich erst wieder in die Nähe Gottes traut, wenn er sich „gereinigt“ hat) und sind zudem voller Eigenbemühungen, mit unserem konkreten Sündigen irgendwie klar zu kommen.

Schuldgefühle gehören dazu, aber auch künstliche Zerknirschung, die mit echter Einsicht nichts zu tun hat. Echte Einsicht kann sagen: „Herr, das tut mir nicht gut. Verändere mich von innen her!“ Und dann gilt es, durch Glauben die Nerven zu behalten und sich von den Pseudo-Abkürzungen des Gesetzes fernzuhalten („Gesetz! Jetzt ganz neu! Löst Ihre Probleme sofort! Verhaltensänderungen von jetzt auf gleich!“). Und eben tapfer weiter zu sündigen.

Dem Gesetz zu folgen, schützt uns nicht vor der Sünde – im Gegenteil: das Gesetz gibt der Sünde erst Kraft (1.Kor 15,56). Im Grunde ist beides ein „erfolgreiches“ Doppelpack, „die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz erregt wurden“ (Römer 7,5).

… dem Gesetz geht es um die Vermeidung des Bösen. Es ist interessiert am praktischen Ergebnis. Wie wir dahin kommen, spielt eigentlich keine Rolle. Deswegen sündigen die Menschen auch vielfach beim Versuch, nicht zu sündigen.

Jesus und das Neue Testament setzen aber viel grundsätzlicher an:

Joh 16,9 Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben
Röm 14,23 … Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde.

Glaubensloses Nicht-Sündigen (jedenfalls vermeintliches!) – ist also Sünde! Deswegen nützt uns auch keine Anstrengerei, wie sie uns das Leben mit und unter Gesetz automatisch nahelegt. Das Gesetz sagt nämlich ganz simpel: „Streng dich an!“ Das sagt Jesus nicht; er sagt: „Glaub an mich! Glaub, daß ich dich erlöst habe! Daß ich dich liebe! Daß ich bei dir bin! Daß ich es gut mit dir meine!“

Dem Gesetz ist es egal, wie wir uns fühlen, ob wir müde sind, zweifelnd, enttäuscht etc. Es ist unbarmherzig, das ist seine Aufgabe: Härte! … durch Glauben an Jesus macht eine Aussage wie 1.Joh 3,6 „Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht …“ plötzlich Sinn und wir verstehen, warum Jesus sagt: „Bleibt in mir! Bleibt in meiner Liebe!“ (Joh 15)

Natürlich gibt es auch weiterhin die Definition der Sünde vom Gesetz her. 1. Joh 3,4 arbeitet mit dieser Definition und nicht mit der „ohne Glauben“-Definition: „Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit.“ Kein Christ behauptet ja, daß das Gesetz nicht mehr gilt – es gilt nur nicht mehr für ihn. Das macht ihn nicht zu einem Gesetzlosen – weil er eben nicht leugnet, daß es Regeln gibt, an die sich Menschen, die Gottes Gnade nicht kennen oder wollen, halten müssen. Für Nicht-Christen ist es eine „gute“ Sache, unter Gesetz zu sein.

„Schlechte“ Gründe zum Sündigen hatten wir oben gesehen: aus dem eben dargestellten ergibt sich, daß konkreter Unglaube ein „guter“ Grund zum Sündigen ist. Wenn wir in einer Situation keine Alternativen sehen und kennen, sie nicht in uns gewachsen sind durch unser Neues Leben in Christus, dann bleibt uns gar kein anderer Ausweg als zu sündigen. Den „zeitlichen Genuss der Sünde“ (Hebräer 11,25) müssen wir wählen, wenn wir keine anderen Möglichkeiten sehen.

Jakobus 1, 14+15: „14 Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. 15 Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie Sünde hervor …“

Bedürfnisse müssen SPÜRBAR befriedigt werden. Und zwar auf möglichst gute Weise. Und wenn das nicht geschieht, dann ist der Ablauf eigentlich vorprogrammiert: dann werden die Bedürfnisse zu Begierden. Wenn ich etwa meinen Wert in Jesus weder kenne noch SPÜRE, bin ich offen wie ein Scheunentor für andere „Wertlieferanten“: Geld, Dienste in der Gemeinde, Sex, Gebetsorgien, den Urlaub auf Sylt, das Schulterklopfen des Chefs oder des Gemeindeleiters – alles kann ein Wertlieferant sein. Und das Problem bei diesen Wertlieferanten: sie haben ihren Preis, sie sind an Bedingungen geknüpft – sie sind weit entfernt von der bedingungslosen Annahme, die wir in Jesus haben.

… mit der „leicht umstrickenden Sünde“ setze ich mich nicht auseinander, indem ich mich anstrenge, sondern „indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens“ (Hebräer 12,1+2). Er ist mein Leben, er hat mich lebendig gemacht, zur Fülle gebracht, gereinigt und geheiligt etc. pp.

… noch etwas anderes „entspannt“ unser Verhältnis zur Sünde und zum Sündigen: unser Tun beweist NICHT mehr, wer wir sind.

Verse wie 1Joh 3,8 „Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an.“ können Christen erschrecken. Aber offensichtlich ist hier nicht von Christen die Rede, denn Röm 6,17 „Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde WART“ oder Röm 6,18 „Frei gemacht aber von der Sünde“ sprechen eine deutliche Sprache. Wir sind in der „Stellung von Gerechten“ (Römer 5,19). Wir sind keine Sünder mehr, auch wenn wir sündigen – unsere Natur hat sich grundlegend verändert. (Unsere Neue Natur ist ein eigenes Thema!)

Vergleicht man das Verhältnis vieler Christen zur Sünde und zum Sündigen mit diesen Aussagen, hat man den Eindruck, es bestünde immer noch der Alte Bund:
Hebr 10,3 „Doch in jenen Opfern ist alljährlich ein Erinnern an die Sünden …“ Alles ist darauf ausgerichtet, uns ständig an die „schreckliche“ (und doch auch irgendwie faszinierende) Sünde zu erinnern. Hebr 10,2 „… einmal gereinigt, kein Sündenbewusstsein mehr gehabt hätte“ über Tieropfer im Alten Testament legt im Umkehrschluß nahe, daß unser Bewußtsein von Sünde und Sündigen eben ein ganz anderes ist als bei denen, die unter Gesetz sind. Dazu gehört u.a. auch das Leugnen von konkreten Sünden (weil es so unerträglich für uns ist, solange wir unter Gesetz sind oder gesetzlich leben), eine Verhaltensweise, gegen die sich der Evangelist Johannes deutlich wendet, 1Joh 1,8 „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“

Wer mit Hilfe des Gesetzes seine Probleme mit dem Sündigen lösen will, mag das tun – und sich nicht über die seltsamen Folgen in seinem Leben wundern. Jesus gibt uns echte Freiheit – sogar die Freiheit, unter Gesetz zu leben.

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