Eine prominente Maßnahme innerhalb der Gemeindezucht ist das Vorgehen gegen Gesetzeslehrer – dazu gibt es zahlreiche Bibelstellen. Eine Gemeinde muß nicht tatenlos zusehen, wie ihr erst theologisch und dann praktisch das Leben aus Gnade streitig gemacht wird!

Diese Vielzahl von Stellen setzt den Vorfall, der in 1.Korinter 5 (ernsthafte Beziehung mit der eigenen Stiefmutter) berichtet wird, in den richtigen Zusammenhang. Gemeindezucht ist nicht hauptsächlich und vor allem als Mittel gegen sexuelle Verwirrungen gedacht, sondern wird vor allem im Zusammenhang mit Gesetzeslehrer thematisiert. 1.Korinther 5,11 schränkt die Dinge auch nicht auf sexuelle Fragen ein, sondern genannt werden „Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Lästerer oder ein Trunkenbold oder ein Räuber“. Nur ist das Bemühen, diese Fälle faßbarer zu machen, in gesetzlichen Gemeinden weit weniger ausgeprägt: da müßte man ja vielleicht den ausbeuterischen Unternehmer, der so viel Geld spendet, vor die Tür setzen.

Und zu definieren, was mit „Lästerern“ und „Götzendienern“ gemeint ist, ist nahezu unmöglich, weil hier seitens der gesetzlichen Bibelauslegung keinerlei Vorarbeit geleistet wurde: es interessierte offensichtlich vor allem die Variante Unzucht.

Titus 3,9-11 Törichte Streitfragen aber und Geschlechtsregister und Zänkereien und gesetzliche Streitigkeiten vermeide! Denn sie sind unnütz und wertlos. Einen sektiererischen [Parteiungen anstiftenden] Menschen weise nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung ab, da du weißt, dass ein solcher verkehrt / verdreht / verwirrt ist und sündigt und durch sich selbst verurteilt [sein geliebtes Gesetz tut es für ihn!] ist!

Röm 16,17 Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr achthabt auf die, welche entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, Zwistigkeiten und Ärgernisse anrichten, und wendet euch von ihnen ab! Denn solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch süße Worte und schöne Reden verführen / betrügen / täuschen sie die Herzen der Arglosen.

Wer die Gnade Gottes predigt, muß nicht drum herum reden. Er sagt klar, was Sache ist – und wie die Alternative aussieht. Dann können Christen immer noch entscheiden, ob sie so leben wollen.

Aber damals waren die „schönen Reden“ auch viel notwendiger – denn die Christen waren ja gelehrt worden, aus der Gnade zu leben und machten damit ständig gute Erfahrungen. Eigentlich hatten sie keinen Bedarf nach Gesetz.

Hierbei hängt natürlich alles daran, was denn die Lehre war, mit denen die ersten Gemeinden gelehrt worden sind.

Für die heutigen Gesetzeslehrer sind zwei Gruppen diejenigen, die Parteiungen und Ärgernisse anrichten

  • die Lehrer der anderen Varianten von Gesetz und Gesetzlichkeit (häufiges Auftreten!)
  • und die Prediger der Gnade (werden selten gesichtet!)

Würde sich eine nennenswerte Regung von Gnade zeigen, stünden allerdings alle Gesetzeslehrer wie ein Mann zusammen, bis die Gefahr gebannt ist.

Für die Gesetzeslehrer sind natürlich auf keinen Fall sie selbst gemeint, wenn sie lesen (2.Petrus 2,1) „Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, die Verderben bringende Parteiungen / wörtlich: Parteiungen des Verderbens / oder: Verderben bringende Lehrmeinungen heimlich einführen werden, indem sie auch den Gebieter, der sie erkauft hat, verleugnen. Die ziehen sich selbst schnelles Verderben zu.“

So sehr auch die Gesetzeslehrer den Namen von Jesus im Mund führen – es ist an sich kein Beweis für ihre richtige Sichtweise. Es scheint sogar fast eher so: je frommer die Sprache, desto mehr Mißtrauen ist angesagt. Sie bekennen Jesus, verleugnen aber, was er für uns getan hat

  • indem sie entweder einschränken (etwa durch „nein, doch nicht bedingungslose Vergebung aller Sünden!“)
  • und / oder vermischen mit dem Gesetz in allen seinen Varianten (auch den nicht-mosaischen)

Zwistigkeiten und Parteiungen gehören übrigens zu den „Werken des Fleisches“ aus Galater, Kapitel 5. Und wie wir schon wissen, mobilisiert nichts so sehr das Fleisch wie das Leben mit und unter Gesetz.

Den Galaterbrief ist in gewisser Weise in seiner Gesamtheit ein Gemeindezucht-Brief gegen Gesetzlichkeit und Gesetzeslehrer sehen.

Interessant wäre noch zu wissen, was der Ausdruck „unordentlich“ bedeutet, den die Revidierte Elberfelder Bibelübersetzung benutzt.

1Thess 5,14 Wir ermahnen euch aber, Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht [die werden zurecht gewiesen!], tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen alle!
2Thess 3,6 Wir gebieten euch aber, Brüder, im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von jedem Bruder, der unordentlich und nicht nach der Überlieferung wandelt, die ihr von uns empfangen habt.
2Thess 3,7 Denn ihr selbst wisst, wie man uns nachahmen soll; denn wir haben unter euch nicht unordentlich gelebt,
2Thess 3,11 Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nicht arbeiten, sondern unnütze Dinge treiben.

Außerdem muß noch konkret gemacht werden, warum und wie die langen Charakteristiken der Gesetzeslehrer etwa in 2.Petrus 2 oder im Judas-Brief immer noch zutreffend sind. Formulierung wie „Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen“ (Judas 4) in diesen Abschnitten ermutigen die Gesetzeslehrer natürlich zu der Annahme, es seien gerade nicht sie gemeint, sondern die Prediger der gesetzesfreien Gnade – völlig blind dafür, daß es eben gerade das Gesetz ist, daß unser Fleisch mobilisiert.

Petrus konkretisiert aber diese „Ausschweifungen“ (2.Petrus 2,2) „Und viele werden ihren Ausschweifungen nachfolgen, um derentwillen der Weg der Wahrheit verlästert werden wird“. Und zumindest dieser Punkt bringt ein wenig Licht in die Sache: denn wegen was wird denn die Kirche seit Jahrhunderten verlästert? Nämlich für die Merkmale, die die Gesetzeslehrer mit den Pharisäern teilen, die Jesus in seinem Dienst so scharf angegriffen hat.

Die Kirche wird nicht verlästert wegen Menschen, die ihren Weg mit Jesus gehen und dabei irren, ausprobieren, mit ihrem Leben kämpfen, mal besser oder schlechter gelaunt sind.

Und wenn es noch nicht klar geworden sein sollte: die Mittel in der Konfliktführung sind

  • mehrmaliges Ermahnen
  • abwenden
  • Aufkündigen der Gemeinschaft
  • Rückzug

Eine Antwort »

  1. Kurze Frage von B. Borchert. In welche Gemeinde kann man denn eigentlich noch gehen? Das meine ich jetzt als sehr ernste Frage. Ich kenne keine die eine reine Gnadenlehre predigt und lebt.

    Wenn ihr da was wißt würde ich mich über eine Antwort sehr freuen.

    Für den Raum Freiburg im Breisgau

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