Die beliebte These, Sünde trenne uns von Gott oder vom Segen, wird durch oftmalige Wiederholung nicht besser – und nicht wahrer. Es gibt keine Belege dafür im Neuen Testament. Im Gegenteil:

Epheser 1,3: … Gott HAT uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus.
Eph 2,13 Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden.
Eph 2,6 Er hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in der Himmelswelt in Christus Jesus

Und daß uns nichts von Liebe Gottes trennen kann, wissen wir alle. Wir sind ihm nahe, wir sind mit ihm versetzt an himmlische Orte, der Heilige Geist lebt in uns etc. pp. – solche Menschen sind Gott und seinem Segen IMMER nahe.

Diese Lehre gründet sich ausschließlich auf eine Stelle aus dem Alten Testament:

Jes 59,2 sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört.

Dazu kommt natürlich noch die Überlegung „Gott ist heilig, die Sünde ist es nicht. Logisch, dann habe ich ein Problem, wenn ich sündige“. Aber damit unterschätzen wir die Auswirkungen der Erlösung: unsere Sünden sind alle vergeben und ausgelöscht. Jesus hat dafür gelitten und sein Blut vergossen.

Aber es gibt eine Stelle, die von einer Trennung von Gott spricht:

Gal 5,4: Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.

Aha: da haben wir sie endlich: die (von manchen sehr gewünschte) Trennung von Christus   Grin Und komischweise wird die nie zitiert, wenn Gesetzeslehrer mit tiefem Ernst über die „Trennung von Gott“ reden. Und vermutlich geben sie bei diesen Predigten nur ihrem eigenen Lebensgefühl Ausdruck: sie sind vor dem Angesicht Gottes gerade so geduldet. Denn unter dem Gesetz macht es natürlich durchaus Sinn, daß Sünde uns von Gott trennt.

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  1. Sünde trennt keinen echten Christen von Gott, wie bereits oben erwähnt wurde.
    Ich finde es aber hilfreich zu erkennen, dass, solange Gott mein Richter war (vor meiner Bekehrung), ich durchaus wegen meiner Sünde/n von Gott getrennt war. Seid ich Christ bin, ist aber Gott nicht mehr mein Richter, sondern mein Vater.
    Wenn ich nun sündige bin ich weder von Gott (Richter) getrennt, noch von meinem Vater (Gott).
    Wohl aber kann dadurch meine Vater-Kind-Beziehung getrübt sein.
    „betrübet nicht den Heiligen Geist…“
    Diese Dinge und diese Verse kann man m.E erst verstehen, wenn man die o.a. Unterscheidung zur Hilfe nimmt.
    Man kann eben als Christ nicht sündigen ohne jede Konsequenz.
    Die Konsequenz ist aber nie die Verlierbarkeit des Heils oder die Trennung von Gott. Auch nicht die Trennung vom Vater!
    Es raubt mir halt den tiefen Frieden beispielsweise und die wunderbare Freude.
    Zumindest solange ich darin verharre.
    1. Joh 1.9 (und Kontext) ist hierauf die Antwort.

    • Die Stelle Eph 4,30 „Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt worden seid auf den Tag der Erlösung hin!“ reicht nicht aus, um eine so weitreichende und beängstigende Behauptung („Wohl aber kann dadurch meine Vater-Kind-Beziehung getrübt sein“) zu begründen.

      Sünden haben manchmal zwischenmenschlich und gesellschaftlich Konsequenzen (etwa zerstörtes Vertrauen, Gefängnisstrafen u.a.) – aber nicht für unsere Beziehung zu Gott.

      … insgesamt gesehen ist die Gnade, Liebe und Zuwendung Gottes auch nichts, dass nun als (besseres) Fundament herhalten kann für all die Gedankengebäude, die im Namen des Gesetzes jahrhundertelang errichtet und ausgebaut wurden. Wo die Gnade Gottes das Fundament wird, wird auch die Gesetzestheologie in vielen ihrer (ethischen) Schlußfolgerungen erschüttert (siehe dazu etwa https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/wie-die-gnade-gottes-unsere-ethik-verandert/ ).

      • Wenn das für euch eine weitreichende und beängstigende Behauptung ist, fürchte ich, habt ihr euch mit diese Argumentation nicht wirklich auseinandergesetzt. Meine Erklärung ist auch kein Gedankengebäude, dass nun im Namen des Gesetzes für irgendetwas herhalten soll. Es erklärt nur die Sache mit den sündigen der Christen auf eine leicht verständliche Weise.
        Wie sonst könnte man 1.Joh 1,9 und Kontext verstehen? Ich rede von Vater-Kind Beziehung betrübt! Nicht zerstört oder irgendetwas Furchtbarem.
        Genauso ist es, wenn unsere Kinder mal ungehorsam sind oder noch Schlimmeres vollbringen. Dann ist natürlich die Beziehung eine Zeit lang betrübt. Im Besten Fall entschuldigen si sich bei uns und wir vergeben ihnen. Schluß. Und so ist das auch bei Gott. An der Vater-Kind Stellung ändert sich natürlich gar nichts.

        • Welche Argumentation? Sie hängt nur daran, dass „den Heiligen Geist betrüben“ gleichzusetzen wäre mit „die Beziehung zu Gott ist betrübt“. Dafür gibt es aber keine handfesten Gründe, sondern nur traditionelle Auslegungen zu „Betrüben“. Würden wir den Heiligen Geist durch unser Tun und Lassen „betrüben“ – DANN wäre er ständig „betrübt“.

          Unsere Beziehung zu Gott wird nicht durch unser Tun und Lassen beeinträchtigt. Das ist eine Behauptung aus der Mottenkiste des Gesetzesdenkens.

          • Die Beziehung zum Vater wird betrübt, wenn ich den Hl.G. betrübe. Das muss man nur mal verstehen wollen und dann kann man das evtl. auch akzeptieren.
            Das scheint euch aber nicht zu liegen, eine vernünftige Argumentation anzuerkennen.
            Die Argumentation bezieht sich auf die Erklärung der Unterscheidung, dass sündigen eine Auswirkung auf meine Vater-Sohn Beziehung hat. Deshalb liebt mich Gott immer noch bedingungslos. Diesen Gedanken habt ihr euch bis jetzt zu 100% verschlossen, bzw. lehnt ihr diesen Gedanken einfach ab. Das ist jedenfalls mein Eindruck.
            Das könnt ihr selbstverständlich tun. Dadurch wird euer Standpunkt auch nicht wahrer.
            Ich verweise (wie an anderer Stelle) noch Mal auf Heb 12,5ff. Das hat natürlich mit dieser Thematik zu tun.
            lest das bitte, bevor ihr mich als gesetzlich abtut.
            Aber ich vergaß: kritische Andersdenker sind hier nicht die Zielgruppe.
            Nicht alle, die hier und da eure Standpunkte nicht teilen sind der Gesetzlichkeit verfallen.
            Zweite Möglichkeit eurer Reaktion könnte aber auch einfach sein; Ihr versteht nicht, was ich versuche zu erklären.
            P.S.:Ich hasse Gesetzlichkeit!
            Deshalb muss ich aber klare Aussagen des NT nicht verleugnen oder vernünftige Erklärungen für gesetzlich abtun.

          • Die ständige Wiederholung, das Betrüben des Heiligen Geistes meine die Trübung unserer Gottesbeziehung, ist kein Argument (da es ohne eine genauere exegetische Untersuchung gar nicht zu klären ist, was „Betrüben“ hier bedeutet). Uns kann nun mal nichts von der Liebe Gottes scheiden. Alle Sünden sind vergeben und spielen in der Beziehung zu Gott keine Rolle mehr, da sie sein Angesicht nicht mehr verdunkeln über uns. Das heißt noch lange nicht, dass er alles gut findet, was wir tun. Aber unsere Beziehung zu ihm belasten sie nicht. Sonst würde ja auch wieder unser Tun und Lassen über das Maß des Segens entscheiden – wie unter dem Gesetz.

            … ja, wir lehnen diesen Gedanken ab. Dieses Konzept wird in gesetzlichen Kreisen nämlich genauso gelehrt. Aus unserer Sicht hat es im Umfeld von „konsequenter Gnade“ nichts zu suchen, sondern ist einer (von mehreren?) Lehr-Altbeständen, die schon viel Leid und unnötigen Schmerz verursacht haben. Der behauptete Unsegen einer „getrübten“ Gottesbeziehung ist sehr weitreichend und beängstigend. Das nicht zu sehen, ist uns unverständlich.

            … wir sehen Andersdenkende nicht automatisch als gesetzlich, sondern es geht erst einmal über konkrete Positionen, die sie vertreten. Das Betrüben-Konzept ist eine Position, die problemlos kompatibel ist mit einer Gesetzes-Denke; ähnlich etwa das Konzept, der alte Mensch lebe weiter in uns.

            Wir verstehen dich so, dass du unbedingt das „Betrüben“ beibehalten willst, weil du denkst, es „motiviere“ den Gläubigen, sein Sündigen rasch zu klären (und vielleicht auch sein zu lassen).

  2. Sünde trennt uns von Gott, stimmt nicht –
    es muss eigentlich heißen: Gott trennt uns von Sünde. 😉

    Seit Jesus ist es alles umgekehrt. 🙂

  3. @konsequente Gnade
    Wir verstehen dich so, dass du unbedingt das “Betrüben” beibehalten willst, weil du denkst, es “motiviere” den Gläubigen, sein Sündigen rasch zu klären (und vielleicht auch sein zu lassen).

    Ja, so sehe ich das, und hoffentlich sind wir uns darüber einig, dass das kein gesetzliches Denkschema ist. Vor allem vor dem Hintergrund von Heb 12,5-11, da muss dann doch sehen, dass Gott die Seinen „züchtigt“ oder erzieht. Und gerade darin offenbart er seine bedingungslose Liebe zu uns.
    Ich vertrete übrigens auch den Gedanken, dass unser tun und lassen nichts an unserer Beziehung ändert. Diesen Gedanken lehne auch ich zu 100% ab. Aber davon habe ich oben nicht geredet.
    Was ich die ganze Zeit erklären möchte, kommt offensichtlich nicht rüber.
    Mein Problem.

    • Diese Art der Motivation ist zutiefst gesetzlich. Es ist eine Form von Druck. Sie ist etwa in allen Kreisen üblich, die zwar nicht unsere ewige Rettung bestreiten (und ihre Unverlierbarkeit), aber nun nach Zweit-Motivationen suchen, nachdem man ja nun nicht mehr mit Heilsverlust drohen konnen.

      Das Wunder besteht aber darin, dass Christen ihr Verhalten über kurz oder lang verändern, obwohl es in KEINER Weise ihre Gottesbeziehung „betrübt“. Und Gott motiviert den Willen zur Veränderung nicht durch Schmerz, sondern eben durch Gnade (die sich auch wie Gnade anfühlt). Wir haben ein Neues Herz und deswegen ist sowas möglich. Hätten wir es nicht, wäre Gottes Pädagogik so, wie du und vor allem viele andere sie beschreiben.

      Motivation über Schmerz („Züchtigung“) ist also ebenfalls aus der Mottenkiste des Gesetzes. Züchtigen ist etwas anderes als Erziehen – und es ist die Gnade, die uns erzieht.

  4. @konsequente Gnade
    Das Betrüben-Konzept ist eine Position, die problemlos kompatibel ist mit einer Gesetzes-Denke;

    Wieso, das sehe ich überhaupt nicht so. Ich komme langsam darauf, dass wir evtl. ünter „betrüben“ etwas völlig anderes verstehen. Das hat für mich gar nichts schreckliches. Ist auch keine Drohbotschaft, sondern ein in Liebe ausgesprochener Hinweis, darauf zu achten, erkannte Sünde zu klären. Das betrüben-Konzept, dass ich meine ist 100% kompatibel zum Gnaden-Konzept!
    Ähnlich wie…bleibt in mir. (und auch das ist keine gesetzliche „Forderung“, sondern ein Hinweis darauf, wie wir im Leben im (geistlichen) Überfluß, also mit hoher Lebensqualität leben könnnen.

  5. Trennt Sünde von Gott?

    M.E. gibt es dazu in der Bibel 2 zentrale Bilder:

    1. Bild im AT: Gott verbirgt dem Sünder sein „Angesicht“, wie ihr oben schreibt (Jes 59), dies ist auch oft die Angst des Beters in den Psalmen. Der Sünder spürt dann szs. nicht mehr die Glorie Gottes in sich; er kann sie nicht mehr sehen. Er ist von Gott getrennt.
    Im NT: Jesus sagt dazu im Gegensatz: „Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater?“ (Joh 14) Folglich ist nach Jesus die Glorie des Vaters, sein Angesicht, immer zu sehen – auch für jeden Sünder. Es ist die neue Glorie des Kreuzes – Gott hat sich hier für alle sichtbar verherrlicht und hier selbst jedem Sünder sein Gesicht zugewandt.

    2. im Bild AT: „Tempelvorhang“ = Symbol dafür, dass Sünde von Gott trennt.
    Gott wohnte in seiner Glorie nicht unter den Sündern. Der reinste Priester durfte nur einmal im Jahr nach besonderen Reinigungen in das Allerheiligste.
    Im NT: Jesus wohnte bekanntlich bei jedem, egal ob Sünder oder nicht. Mit seinem Tod riss der Tempelvorhang. Symbol dafür, dass Sünde nun nicht mehr von Gott trennt. Denn wie Paulus schreibt, mit seinem Tod ist Jesus „ durch sein eigenes Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben.“ Paulus geht sogar soweit zu sagen, Jesus sei „ein für alle Mal erschienen, durch sein eigenes Opfer die Sünde aufzuheben.“ (Hebr 9) (Wo keine Sünde mehr ist, kann sie auch nicht trennen?!)

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