Es gibt einige Prediger, Bibellehrer und Christen, die Bibelstellen mißbrauchen, die nur im Kontext der neutestamentlichen Gnadenlehre Sinn machen. Sie reißen solche Bibelstellen aus ihrem „gnädigen“ Kontext und machen daraus „Prinzipien“ oder Arbeitsanweisungen.

Mit Hilfe von Galater 3,1 etwa spricht man ganz allgemein von „Zauberei“ und entwickelt große Lehren daraus:

Gal 3,1 Unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als gekreuzigt vor Augen gemalt wurde?

Diese „Zauberei“ bezieht sich aber ganz klar auf eine Predigt des Gesetzes, die die Christen in Galatien weg von der Gnade und dem Glauben an Gottes Gnade bringen (was die folgenden Verse zeigen). Dieser Form von Zauberei machen sich ausgerechnet die schuldig, die gerne mal auf die Jagd nach Christen gehen, die sich angeblich der Manipulation schuldig machen oder gar den „Geist von Isebel“ in sich wirken lassen.

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Oder sie machen großes Aufheben von ihrem angeblichen Streben, Gott zu gefallen.

Gal 1,10 Denn rede ich jetzt Menschen zuliebe oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefiele, so wäre ich Christi Knecht nicht.

Aber auch hier ist der Kontext die Predigt der Gnade Gottes durch Paulus. DIESE Predigt ist es, die vielen Menschen nicht gefällt. Das positive Predigen des Gesetzes und der damit verbundene Appell an unsere vermeintliche Fähigkeit, etwas beitragen zu können – DAS ist es, was Menschen gefällt (wonach ihnen die Ohren jucken). Wenn man also anderen Menschen auf die Nerven geht, sie bedrückt mit gesetzlichen Hingabe-Predigten etc. , DANN darf man sich nicht auf Galater 1,10 berufen.

Oder sie reden sogar davon, dass ein „anderes Evangelium“ verkündet würde – wenn eben jemand die Geltung des Gesetzes für den Christen bestreitet:

Gal 1,6 Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium

Dabei verfälscht jeder das echte Evangelium, der der Guten Botschaft das angebliche Halten-Müssen des Gesetzes beimengt.

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Oder sie sprechen von den „Früchten des Geistes“ so als ob es sich um Charaktereigenschaften handelt, die wir in uns entwickeln könnten. Wie aber schon der Name sagt, sind es Früchte des Gesetzes und nichts, was wir entwickeln oder hervorbringen könnten.

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Oder sie argumentieren mit Hilfe von Galater 6,7 mit dem „Prinzip von Säen und Ernten“ – als ginge es im Kontext der Stelle um Verhalten, das anderes Verhalten zur Folge habe. Der nächste Vers zeigt dagegen ganz klar, dass es Paulus um den Boden geht, auf den gesät wird:

Gal 6,8 Denn wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten.

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Oder sie benennen eine unsichtbare Tatsache unserer Erlösung – und machen unverschämterweise eine Verhaltensaufforderung daraus. Besonders gerne wird das gemacht mit Bibelstellen, die davon reden, dass wir mit Christus gekreuzigt oder gestorben sind:

Gal 5,24 Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden.

Verschwiegen wird dann, dass dieses „Kreuzigen“ geschehen ist und in der Vergangenheit liegt. Warum? weil man mit dem täglichen Kreuzigen des Fleisches einfach so wunderbar theologische Theorien entwickeln kann, die dem Zuhörer schönerweise auch noch einiges zu tun geben.

 

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Sie reden davon, dass Liebe das Gesetz erfüllt – und versuchen dadurch, ihre Leser oder Zuhörer dazu zu bringen, sich erneut dem Gesetz zu unterwerfen. Dabei ignorieren oder verschweigen sie die vielen Bibelstellen, die uns sagen, dass das Gesetz für uns nicht mehr gilt.

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Oder man spricht ganz allgemein von den Charaktereigenschaften eines Apostels, wie sie Paulus in 2.Kor 6 thematisiert werden – und verschweigt, dass es um Apostel geht und nicht um einen Standard für jeden Christen

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[Es kommen sicherlich noch weitere Beispiele hinzu – leider]

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  1. Stimme voll zu!
    Oft werden Sätze aus dem GEISTIGEN Zusammenhang gerissen und BUCHSTÄBLICH als GESETZESAUSSAGEN interpretiert!
    Ein weiteres bekanntes Beispiel, die Aussage (1 Joh 1 9): „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.“ Viele interpretieren dies buchstäblich als Gesetz und stellen so gedanklich ein „NUR, WENN“ vor den Satz, das so nicht dasteht: „Nur wenn ich bekenne, wird mir vergeben…“ Interpertiere ich den Satz aber als frohe Botschaft, als ein Angebot Gottes, dann wird hier nur ein weiterer Weg – neben anderen – , nämlich im Gebet durch Bekenntnis Gnade zu erfahren, aufgezeigt. (Das NT zeigt: Jesus hat seinen Jüngern, seinen Mitmenschen auf vielfältige Weise vergeben!)

    Hier wird ein generelles, größeres Problem der Bibelauslegung deutlich!
    Wie in der Kultur des Islam haben auch wir die Tendenz alles buchstäblich und normativ zu interpretieren und uns an Einzelaussagen zu halten. Dabei warnte Jesus selbst vor der buchstäblichen, normativen Interpretation der biblischen Worte und Wunder. Er wollte seine Worte als Gleichnisse und seine Wunder und Taten als Zeichen verstanden wissen. Sie sind gerade bewusst nicht buchstäblich eindeutig. Denn nur so können sie einen geistigen Raum der Hoffung erwecken!
    So haben die „materiellen“, buchstäblichen Wunderberichte wie z.B. der „Gang auf dem Wasser“ bekannterweise eine geistige, symbolische Bedeutung. Jesus war nicht der 1. Wellenreiter, sondern es wird verdeutlicht: Wer Jesus nicht aus dem Blick verliert, kann in den Stürmen des Lebens bestehen; ist den Elementen des Irdischen (z.B. Sterblichkeit) nicht ausgeliefert. Wenn Jesus z.B. den Taubstummen (Schweinehirten) aus der Dekapolis heilt und dabei leise zum Himmel seufzt: „Werde geöffnet!“, verdeutlicht dies als Zeichen: Jesus erweist in seinem Mitleid auch sündigen Heiden, die noch nie vom Gott Israels gehört haben und noch nie von ihm gesprochen haben ohne zögern Gnade und öffnet ihnen den Weg in den Himmel, wenn sie in Not zu ihm als Retter kommen. usw.

    (Dies gilt wohl, wie an anderer Stelle bei euch schon gesagt, für die Verknüpfung von NT und AT, die nicht nur BUCHSTÄBLICH in Einzelaussagen besteht, sondern auch GEISTIG. z.B. Samson/Jesus: von seiner Liebe für Silberlinge verraten, der gnadenvollen göttlichen Stärke beraubt, verlacht, verspottet und entehrt, bringt er in seinem Tod den Tempel seiner Feinde zum Einsturz usw.)

  2. Irreführendes Gerede:
    Buchstabe vs Geist der Gnade / bloßes Ereignis vs Gnadenzeichen
    (wenn zu weitgehend, löschen !)

    Allgemein wird das NT so ausgelegt, als wäre es ein bloßer Ereignisbericht mit Gesetzescharakter. Nach dem buchstäblichen Motto: “Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab…” (als hätte Jesus damit ein Gesetz verkündet!). Diese primitive Interpretation widerspricht aber dem Geist Jesu: Er wollte seine Taten und Worte als Zeichen verstanden wissen, die auf das Reich Gottes deuten, nicht als buchstäbliche Handlungsanweisungen. Hier einige Beispiele, wie wir voreingenommen durch eine primitive Interpretation den Zeichencharakter des Evangeliums übergehen – und zwar von Kindheit an darauf trainiert.

    Heilige drei Könige huldigen Jesus. Ereignis oder Zeichen?
    Das wird allgemein als romantisches geschichtliches Ereignis interpretiert – ohne weitere Bedeutung. Ist es aber nicht ein Zeichen?! Besagt es nicht, dass auch andere Religionen in ihren Heiligen Schriften und ihren philosophischen Werken auf einen Erlöser der Welt warten? Szs. auf ein überirdisches Zeichen? Die weisen Magier wissen sogar besser als die Juden, wo der Messias zu finden ist – und Gott zeigt ihnen in seiner Gnade direkt den Weg ?!!

    Jesus hilft einem Römer und einer Frau aus Kanaan. Ereignis oder Zeichen?
    Er nennt ihren Glauben groß – größer als den Israels. Ist das ein bloßes Ereignis oder ein Zeichen?! Hofften der Römer und die Frau nicht jenseits ihrer Religion auf Rettung?! Sie schwörten ihrer eigenen Religion nicht ab (genauso wie die weisen Magier), aber sie hofften auf Erlösung jenseits aller Religion?! Jesus nennt ihren Glauben groß – wie oft nannte er aber den Glauben seiner israelischen Buchstaben-Jünger klein ??!

    Simon von Cyrene – trägt das Kreuz anstelle Jesu. Bloßer Zufall oder Zeichen??!
    Es gibt keinen Hinweis, dass er an Jesus (an das Judentum?!) glaubte (seine Kinder haben römisch/griechische Namen). Aber er beschimpfte Jesus nicht und nahm das Kreuz, das ihm ungerecht aufgebürdet wurde, auf sich. Hat dies keine Bedeutung??! Sagt das Geschen nicht vielmehr, dass auch “Ungläubige” an der Passion Jesus Teil haben können: “ Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns” und “selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.” usw.

  3. Irreführendes Gerede oder: Abschied vom Kontext !

    Die vielleicht irreführendste Auslegung eines Jesuswortes gegen den Kontext:

    „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich (…)“ (Mat 12,30).
    (wenn zu weitgehend löschen !)

    Diese Aussage wird allgemein buchstäblich – ohne Bezug zum Kontext – interpretiert. Sie ist Kronzeuge dafür, dass Jesus (wie z.B. auch Mohammed) einen exklusiven Glauben – eine exklusive Religion ! – vertrat: Nur wer sich ihm als Heiland und König direkt und ausschließlich unterwirft, kann auf sein Heil hoffen…

    Wenn man aber den Kontext dieses berühmten Zitats berücksichtigt, ergibt sich genau das Gegenteil !! Jesus wird hier von den Religionsvertretern für seine unkonventionellen Heilungen kritisiert: Sind sie im Einklang mit der jüdischen Religion? Sind sie gar ein Trick des Teufels? Jesus antwortet, dass jede wahre Heilung (also auch seine!) als überirdische Gnade des Gottesreiches von Gott selbst kommen muss – jenseits aller Religion. Wahre Heilung ist also immer von Gott, egal unter welchen religiösen Vorzeichen sie erfolgt! Szs ein: „An den Früchten sollt ihr sie erkennen, nicht am religiösen Label !“ Jesus sagt hier also zu den Religionsvertretern: Wer gegen Heilung ist und religöse Motive vorschiebt, ist nicht mit mir, der ist gegen mich!

    Darum hat er auch nichts gegen den fremden Wunderheiler, der sagt: Ich heile so ähnlich wie Jesus, schließe mich ihm aber nicht an! „Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“ (Mk 9,40) Und Mat 11 macht er ein unglaubliches Versprechen: „Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert!“ Man soll sich nicht daran ärgern, dass Jesus wie der Barmherzige Samariter in das Tal des Todes gekommen ist, um – jenseits aller Religion, aller irdischen Königreiche und Gegensätze – zu retten! (da würden z.B. auch viele liberale Moslems, Hindus usw. zustimmen!)

    Im „Ganden-Kontext“ wird hier deutlich: Jesus ging es nicht um eine exklusive Religion, die ihre Gesetzesherrschaft wie ein irdisches Königreich, wie mit einem irdischen Oberhaupt, ausdehnt. Sein (aufgezwungener) Purpurmantel und seine Krone stehen nicht für ein Reich, das von unserer Welt ist. Vielleicht am besten ausgedrückt in der zeichenhaften Handlung Marias, die ihn aus Liebe und Dankbarkeit zu einer Art König-Bruder salbt (Joh 12), ( irgendwie wie das alte Sade: „Your love is King, crown you with my heart…“).

      • Kein Problem! Nur zu!
        Solang ihr Sade´s „King of Sorrow“ nicht mit dem „ Man of Sorrow“ aus Jesaja 53 in Zusammenhang bringt und die weinenden Tauben aus Jesaja 59 nicht mit Prince´s „When doves cry“ ist alles o.k. Denn am Ende gilt dann noch Skandalnudel George Michael – „Jesus to a child“ – als christlicher Sänger: „With your last breath you saved my soul…“ !!?

          • Kleine Anekdote für Theologen u. Popmusik-Freaks (könnt ihr überprüfen + löschen)!

            Auf Youtube sah ich Rockstar-Grace-Preacher J. Prince! Wie immer in Schwarz, erläuterte er überzeugend in „The High Priest Garments“ seine „Vision“ über Jesus im AT: Der alte Hohepriester verweise auf Jesus. Tiefgründig theologisch zeigt er über mehrere Stunden, wie Jesus alle Glaubenden laut Bibel sieht und vor Gott präsentieren wird: „schön wie Diamanten im Himmel“, „im ewigen warmen Licht der Gnade“, als „Licht in der Finsternis der Nacht“, „voll mit dem neuen,ewigen Leben, der ewigen Liebe“, „alle Glaubenden direkt über seinem Herzen haltend“ usw. (Szs alles in Analogie zu den rituellen Diamanten und Zeremonien des Hohepristeres des AT). Das Ganze war etwas langatmig, aber mit einigen Vorkenntnissen konnte man ihn verstehen. Danach brauchte ich eine Pause…

            Durch Zufall zappte ich dann auf den damaligen Hit von Rihanna: „Diamonds“ (live, Concert for Valor) Rihanna kam wie meist in Schwarz, sang über ihre „vision of extasy“: When you hold me, I’m alive/We’re like diamonds in the sky/ Feel the warmth we’ll never die/ So shine bright, tonight, you and I We’re beautiful like diamonds in the sky…
            Ich hab bis heute keine Ahnung: Hat J. Prince beim Autofahren zuviel Rihanna gehört? Oder: Hat Rihanna zu viel J. Prince gesehen? (Ich hab da so ne Vermutung !!)

  4. Just for Fun!: Die vielleicht 2. irreführendste Auslegung gegen den Gnaden-Kontext des NT:
    „Die Arbeiter im Weinberg“
    (w.z. weitg. löschen !)

    Dazu wurden die unglaublichsten, verwirrendsten Theorien entwickelt, wie: Jesus war für Hartz 4 + Zwangsjobvermittlung !! usw.
    Doch die einfachste,grundlegendste Deutung (die nie richtig ausgesprochen wird!) ist doch wohl im Gnaden-Kontext: Jesus gibt hier als spiritueller „Anführer“ seinen Brüdern im Weinberg des Herrn folgenden Tip:
    Es reicht völlig aus, wenn du dich erst am kühlen Abend bei mir meldest und ein bisschen mit der Arbeit für mich beginnst. Mein Vater und ich sorgen dafür, dass du den gleichen Lohn erhälst, wie der Super-Eifrige, der sich in der größten Mittagshitze die schwersten Lasten und Werke aufbürdet und dann meint, er hat sich mehr verdient. Szs alles im bekannten Kontext: Take it easy! Meine Last ist leicht!“

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