… Vergebung ist keineswegs unsere Pflicht und ein Muß! Und auch kein „Angebot, daß du nicht ablehnen kannst“  Grin

Es ist ganz simpel: wir haben keine direkte Einflußmöglichkeit auf unsere Gefühle. Die Behauptung, Vergebung sei Entscheidungssache, läuft aber genau darauf hinaus. Es ist der alte menschliche Versuch, die eigene Willensstärke zu Gott zu machen – altertümlich auch Götzendienst genannt, dies wiederum „schwere Sünde“.

Aber was dann tun? Meist ist das Wollen da zu vergeben – und darauf sollte man sich beschränken. Alles andere kann nur durch göttliche Einflußnahme geschehen, besonders Veränderungen in unseren Emotionen … was bleibt also als das Gebet „Jesus, ich will vergeben [an sich schon ein Wunder!], mach, daß es in mir geschieht!“

… den Willen zu vergeben entdecken wir umso leichter in uns, wenn wir wissen, daß es diese Willenstärke-Vergebungstheologie bei genauerem Hinsehen wenig für sich hat. Daß unser Anteil am Vergeben sich erheblich reduziert, motiviert wesentlich stärker … und schließlich sollen wir „vergeben, WIE Christus uns vergeben hat“ – und das war für Gott wesentlich „leichter“ NACH Kreuz und Auferstehung.

… negative Gefühle gegen eine andere Person sind oft nichts, was man wegseelsorgen oder wegbeten muß – diese Gefühle sind oft sehr angemessen. Häufig sind sie eine Warnung, einem Menschen eben besser nicht mehr zu vertrauen … die Welt wird Jesus bestimmt nicht in uns sehen, wenn wir so tun, als hätten wir bestimmte Gefühle, Wünsche, Neigungen etc. nicht … also laßt uns um Gottes willen sauer, wütend, ärgerlich sein! Vielleicht leiden wir unter diesen Gefühlen … gut so! Denn dann sind wir auch motiviert, eine ECHTE Lösung dafür zu finden – und die lautet nicht „Vergebung ist eine Frage des Willens!“

… ach ja: und Vergeben heißt auch nicht automatisch jemanden (neu) zu vertrauen. Es heißt nur, daß ich gewillt bin, ihm seine Schuld nicht mehr nachzutragen. Daß ich das über kurz oder lang tun kann, ist ein Werk Gottes in mir.

… typisch auch, daß so viele Christen sich von den vermeintlichen Forderungen Jesu zum Vergeben so herausgefordert fühlen – und es als Appell an ihre Willensstärke verstehen. Aber niemand kann 7 x 70 Mal vergeben! Meist kann er noch nicht 1 x 1 Mal vergeben … ich denke, daß Jesus uns damit „demütigen“ will und fragt: „Und: kannst du das? Nein? Sehr gut! Dann können wir ja jetzt mal reden …“ oder er muß uns eben sagen „Das willst du selbst probieren! Na dann … wir sprechen uns später wieder.“

Und ganz wichtig auch: Segen gibt es auch ohne Vergeben! Denn Segen gibt es IMMER „ohne“ (Evangelisation, Gebet, Bibellesen, Muttis Essen loben, Nett-Sein etc.) … aber natürlich ist es eine schöne Erfahrung, wenn Gott einem geholfen hat zu vergeben … und: Segen sollte sich auch wie Segen ANFÜHLEN! Mir scheint, da wird sich viel Übles und Hartes schöngeredet – zu „Segen“ …

Übrigens fällt „emotionales“ Vergeben leichter, wenn es einem insgesamt ganz gut geht – was nicht der Fall sein kann, wenn man sich selbst unter Druck setzt, etwa beim Vergeben-Müssen … und es fällt auch wesentlich leichter, wenn der andere sein Schuld einsieht und eingesteht – anstatt mir zu erzählen, wie verletzt ich sei und deshalb auch so empfindlich und eigentlich habe er doch gar nichts getan, aber es täte ihm leid, wenn er mich verletzt hätte (super ätzend!) … und es fällt auch leichter, wenn ich dem anderen gesagt habe, wie ich sein Verhalten sehe und wie es sich auf mich ausgewirkt hat (Bitte vorsichtig bei Chefs und Vorgesetzten!  Cheesy )

… seltsam auch: diese Ähnlichkeit zwischen „Vergebung ist Entscheidung!“ und „Liebe ist Entscheidung!“ … Hauptsache Emotionen vergewaltigen, oder was? Und das angeblich alles um Jesu willen?

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  1. Lieber Bruder,

    also ich denke dazu, dass wir doch „in Christus“ als eine neue Kreatur mit der Liebe gesegnet, also ausgestattet sind!(.Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen Rö.5,5.)
    Damit meine ich, dass ich glaube, dass Jesus Christus ( der erstgeborene einer neuen Schöpfung) der in uns lebt uns dadurch auch die Bereitschaft und die Fähigkeit zur Vergebung geschenkt hat. (Vergebt einander wie auch Christus euch vergeben hat Kol.3,13)
    Als Kind Gottes gehe ich immer davon aus, dass ich jetzt eines anderen (nämlich Ihm) angehöre und in Ihm lebe und er in mir Gal. 2,20. In diesem Bewußtsein erfahre ich weil ich das Glaube, dass der Wille zu Vergeben durch Christus in mir ja vorhanden ist. Ich muss diesen Willen also nicht erzwingen sondern gehe ganz einfach von der mir neuen, innewohnenden Fähigkeit aus welche Christus mir durch das neue Leben geschenkt hat .

    Erzwingen muß nur derjenige welcher nicht an die bereits geschenkte Gnade glaubt oder diese Lehre noch nicht gänzlich erfasst oder erkannt hat.

    Das Vergeben von der Emotion abhängig zu machen halte ich nicht für den biblischen Weg und es ist ja auch gar nicht erforderlich weil ich ja durch den in mir wohnenden Christus die“ Fülle leibhaftig“ in mir wohnen habe.
    Meine Erfahrung dazu ist folgende: Wenn ich verletzt wurde vergebe ich jetzt ( dass war nicht immer so) sofort weil ich glaube, dass ich dazu fähig gemacht worden bin durch das Leben Christi in mir.
    Den negativen Gefühlen gebe ich dadurch keine wirkliche Chance sich in mir auszubreiten weil ich dem Wort Gottes vertrauen darf.
    Wer an die Wiedergeburt glaubt der muss sich ja nicht auf die alten bereits vergangenen Verhältnisse stützen sondern er hält sich für dass was Gott aus uns in Christus gemacht hat
    Rö. 6,11 und der Herr steht zu seinem Wort. Er hat alles bereits vollbracht deswegen muss ich meine Emotionen nicht vergewaltigen, sondern glaube dem lieben himmlichen Vater alle seine Verheißungen. Denke dabei auch immer an die uns allen bekannte Verheißung: Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, das alte ich vergangen, siehe es ist alles neu geworden.
    Der Satan will uns ständig einflüstern wir müßten noch mit den natürlichen Verhältnissen rechnen
    oder wie Du es ja auch sagst unsere Gefühle vergewaltigen wenn wir dem Worte Gottes gehorsam sein wollen. Aber dem ist dank der „Gnade Gottes“ nicht so auch wenn wir die gesamte Wahrheit noch nicht völlig erfasst haben. Leistungsdruck und und falsche Gesetzlichkeit sind selbstverständlich kein Heilmittel Gottes. Ich danke meinem Herrn das er uns in Christus alles geschenkt hat und wünsche Dir Gottes reichen Segen!

    MFg

    B. Borchert

  2. Das ist leider genau das GEGENTEIL dessen, was der Artikel sagt. Vergebung bleibt damit ein Zwang – auch wenn er mit „in Christus sind wir zur Fülle gebracht“ begründet wird. Es gilt das Prinzip „Gehorche ohne Rücksicht auf deine Gefühle“. Das aber IST Gesetz.

  3. Was ist denn so schlimm an „negativen Gefühlen“? Gerade als Christen dürfen wir doch fühlen, was wir fühlen – sonst vergewaltigen wir eben doch unsere Gefühle.

  4. Hallo immernoch Unbekannter,

    was ist denn so schlimm am Mißachten von Gefühlen? Magst du als Christ negative Gefühle?
    Also ich bin froh wenn sie nicht da sind!
    Interessant ist doch die grundsäzliche Frage, ob Jesus möchte das ich nach meinen Gefühlen lebe!
    Oder woher kommen denn die Gefühle überhaupt?
    Vor dem Gefühl kommt meistens ein Gedanke. Die nächste Frage welche sich daraus ergibt ist jene,woher der Gedanke kommt. Die Bibel sagt das alle bösen Gedanken entweder aus dem Herzen kommen oder uns von aussen angetragen werden.
    Jetzt habe ich also die Möglichkeit nach deiner Theorie mich jedem Gedanken/Gefühl hinzugeben und ihn ausleben zu müssen ( weil ich ja kein Heuchler sein will bzw. kein Gesetzi). Allerdings bin ich dann ja nach wie vor ein Sklave des “ alten Menschen“!
    So lebt doch die Welt auch! Meinst Du das hat irgendetwas mit Erlösung zu tun?
    Paulus sagt uns das wir jeden Gedanken der sich gegen die Erkenntnis Christi erhebt gefangen nehmen sollen unter den Gehorsam Christi. Aber dazu sagst du bestimmt muß man dann ja erst ein GEFÜHL dazu haben, gel?!
    Übrigens liebt der Satan es sehr wenn jemand so naiv seine Gefühle beachtet und meint er müse alles was er fühlt auch ausleben. Wenn du es nicht tust dann bist du halt ein Heuchler! Oder der extreme Gesetzi? Oder wahrscheinlich beides?! Oh wie trügerisch. Merkst du die Raffinesse des Satans nicht?
    Erst gibt er uns einen sündigen Gedanken ein in der Hoffnung das wir ihn annehmen, wenn wir ihn dann annehemen weiß er wohl das sich entsprechende Gefühle einstellen. Darnach gebiert die Sünde von selbst. Sich naiv seinen Gefühlen/Gedanken zu überlassen ist auf jedenfall falsch und hat mit Gestzi oder der selbstgemachten“ Lizens zum sündigen“ nichts zu tun! ja, da denke ich ganz anders.

    Uns ist halt auch ein Kampf verordnet siehe Eph. kapitel 5 ( Waffenrüstung) Wir haben ja nicht gegen Fleisch und Blut zu kämpfen sondern gegen die …..na gegen wen? Weißt du es? Nicht gegen die Gesetzis (schreckliches Wort).
    Richtig, gegen die Mächte der Finsternis. Und welche Absicht hegen diese? Uns dahin zu führen zu glauben wir wären unseren Gefühlen verpflichtet zu leben. Weil sonst bist du ja nicht echt, oder? Wenn du deine Gefühle unter Kontrolle bringst durch die Wahrheit dann bist du ein Heuchler, sagst du nicht ICH. Also war unser Herr Jesus ein Heuchler? Wie war das als er z.B. in der Wüste vom Satan verführt wurde, weißt du das noch? Er hatte Hunger richtig Hunger und Hunger ist ein Gefühl! Der Teufel bietet ihm an aus Steinen Brot zu machen so er Gottes Sohn sei. Hm, was macht Jesus er wehrt sich gegen sein STARKES GEFÜHL mit den Worten: Es steht geschrieben………… der Mensch lebt nicht vom Brot allein sondern von einem jeglichem Wort (nicht Gefühl) das aus dem Munde Gottes einhergeht. Oder erst Joseph bei der Frau vom Pharao, was glaubst du was der gefühlt hat? Und was macht er, mißachtet seine Gefühle und …..flieht der Sünde! ( Noch so ein Gesetzi)! Soll ich dir noch mehr Beispiele bringen aber dann tun mir die Finger vom tippen weh, so viele sind es. So gibt es viele weitere fast unzählige Beispiele die uns auffordern eben nicht nach dem Gefühl sondern aus dem Geist zu leben.Und das Wort Gottes ist Geist.
    Man muß bei der Betrachtung des Wortes Gottes oder des Lebens als Christ auch differenzieren und nicht versuchen alles in diese Gesetzi-Schublade zu pressen. Der Weg als Christ ist halt auch ein Kampf. Da kommen wir nicht drum herrum. Machen wir es so wie der Herr Jesus es uns empfiehlt ist uns der Sieg gewiß.
    Fühlst du dich immer gut wenn du zur Arbeit gehen mußt, ich nicht und trotzdem gehe ich!
    Und wenn ich weiß das eine Sache richtig ist dann mache ich sie auch wenn ich nichts fühle!
    Die Gefühle ordnen sich eigentlich immer den Gedanken unter die man entweder annimmt oder gefangennimmt.
    Wenn ihr Antwortet dann bitte nicht gleich mit eurer Standartantwort ( Vorsicht ein Gesetzi!!!)
    Höre ich die Schublade schon Knallen, na kommt Jungs ein bißchen mehr traue ich euch schon zu, oder?

    Alles Liebe

    B. Borchert

  5. Wie schnell aus „fühlen, was wir fühlen“ ein „Ausleben von Gefühlen“ wird, also ein „Mach aus jedem Gefühl eine Handlung!“. Das hat niemand gesagt – aber interessanterweise wird es so verstanden. Und warum? Weil das Fühlen von Gefühlen ungewohnt ist? Weil Gefühle so stark werden, wenn man sie lange genug im Zaum hält? Und die Alternative zu „fühlen, was wir fühlen“ ist „Gefühle unter Kontrolle“ bringen oder „Gefühle unterzuordnen“? Und das dann noch mit „Leben aus dem Geist“ ( siehe dazu https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/wandel-im-geist/ ) gleichsetzen? DAS sind wohl eher die (die übrigens gar nicht so raffinierten) Lügen, die wir besser nicht glauben sollten.

    Es stimmt nicht, daß Gedanken die Ursache von Gefühlen sind … Gefühle geben uns oft Auskunft über uns und unser Leben. Und sie können uns auch helfen zu erkennen, warum wir denn dies und jenes tun ( https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/warum-sundigen-wir-eigentlich/ ) Auf keinen Fall sind sie der „Feind“, der kontrolliert und untergeordnet und „umgefühlt“ werden muß. Wenn wir anders fühlen wollen, dann hilft es z.B. daß unser Leben anders wird, erfüllter etwa, befriedigender, interessanter.

    Die Vorstellung, Jesus habe bei der Versuchung in der Wüste die Zähne zusammen gebissen und es nicht getan, ist absurd. Da projezieren wir unsere eigenen (gesetzlich motivierten) Kämpfe hinein. Das Leben unter und mit Gesetz verwandelt unser Inneres in ein Schlachtfeld (statt in einen Ort, in dem AUCH Jesus zu Hause ist). Nirgendwo werden wir aufgefordert, gegen unser Fleisch, unseren Alten Menschen ( https://konsequentegnade.wordpress.com/unser-neues-leben/unser-naturlicher-anteil/ ) oder gegen „die Sünde“ zu kämpfen (das ist Gesetzesdenke). Die Texte geben das nicht her. Aber SO leben wir in fortgesetzter Qual und nennen DAS dann „Erlösung“.

    Wenn wir das Gesetz nicht brechen dürfen, erkennen wir seine Geltung an. Erlöstes Leben spielt sich aber jenseits und abseits das Gesetzes ab.In diesem Neuen Leben wird auch Sündigen anders definiert: Sünde ist nicht mehr Gesetzesbruch – Sünde ist alles, was nicht aus Glauben ist.

  6. „vergeben, WIE Christus uns vergeben hat“
    „Hauptsache Emotionen vergewaltigen, oder was?“

    Hier werden m.E. das NT und Jesus missverstanden, nach dem Motto: „Im Prinzip musst du auch einem Diktator verzeihen, der deine Familie umgebracht hat – und nicht gegen ihn vorgehen! Deinen Feinden/Gegnern musst du hier auf Erden mit Liebe begegnen, schimpfe nicht usw.

    Aber dachte Jesus so? Jesus sagte: „Es muss euch zuerst um das Reich Gottes gehen!“ Alle Forderungen Jesu zur Feindesliebe, Verzeihen usw. beziehen sich zuerst einmal auf das Reich Gottes. Das heißt, du solltest dafür beten, dass selbst dein Feind, den Du haßt, irgendwie genauso wie Du in das Reich Gottes gelangt, dass er genauso wie Du von seinen irdischen Schwächen erlöst wird. Es geht Jesus hier wohl eher um Hassbegrenzung: Niemals darfst Du in deinem Hass soweit gehen, dass du einen Menschen szs als Untermenschen vom Reich Gottes – und damit von der Menschenwürde – ausschließt.

    Jesus z.B. schimpfte auf die Pharisaer, war wütend als sie planten ihn umzubringen; er betete aber letzendlich dafür, dass auch sie in das Reich Gottes finden…
    (Und natürlich ist es leichter sich hier auf Erden zu beruhigen und zu vergeben, wenn man weiß, dass einem bereits vergeben wurde…)

  7. Vergebung – ernst genommen

    […] Und sein Herr wurde zornig und überlieferte ihn den Folterknechten, bis er alles bezahlt habe, was er ihm schuldig war. So wird auch mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht ein jeder seinem Bruder von Herzen vergebt.
    (Mt. 18, 34-35)

    In der Geschichte vom unbarmherzigen Knecht stellt Jesus die Messlatte für unsere zwischenmenschliche Vergebung auf: VON HERZEN.
    Und wer das nicht hin bekommt, erhält selbst keine Vergebung für die eigene große Schuld vor Gott -> im Klartext also: Endstation Hölle.

    Können wir das: Von Herzen vergeben?

    Wer hierauf etwas anderes als „nein, niemals“ antwortet, ist ein ganz erbärmlicher (Lebens-) Lügner.

    Bin ich froh, dass meine Vergebung vor Gott nicht mehr an meine Vergebungs-Fähigkeit geknüpft ist, sondern an die von dem einen perfekten Menschen, der meinen Platz eingenommen hat. Der selbst für die, die ihn kreuzigten (also für mich und dich), noch gebeten hat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Das „denn sie wissen nicht, was sie tun“ zeigt Jesu‘ Herz – um nur die Propheten zu erfüllen, hätte er das nicht beten müssen. Sein Gebet um Vergebung für seine Folterknechte kam von Herzen!

    Vergebung ist immer ein Wunder, nichts weniger. Sie ist ausschließlich übernatürlich.
    Sie in den Bereich des Natürlichen rücken zu wollen (mit Sätzen wie „Du musst vergeben“ oder „Vergebung ist nur eine Entscheidung“), ist die Anmaßung und der Stolz des antichristlichen Geistes. Genau dieser Mist hindert uns Menschen daran, Gottes Geschenk echter Vergebung zu empfangen – und weiter zu geben!

    Und hier noch was aus der Bibel zum Thema – für all diejenigen Christen, die verletzt wurden und (schon) ehrlich genug zu sich selbst sind, sich ihre Rachegelüste einzugestehen:

    Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes! Denn es steht geschrieben: „Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.“ (Römer 12,19)

    Hier gibt es einen Grund zur Vergebung, der für uns nachvollziehbar ist – und was das Wort auch tatsächlich meint: Abgabe unserer Schadensersatz-Ansprüche an Gott. Und das nicht an irgendeinen „lieben Gott“, sondern an einen, der unsere Ansprüche anerkennt und sogar durchsetzen wird: „Gebt Raum dem Zorn Gottes!“ -> Wow! Darüber habe ich noch nie eine Predigt gehört… Unser Verzicht auf eigene Rache zu Gunsten von Gott (genau DAS ist Vergebung!) macht es überhaupt erst möglich, dass Gott die Sache regelt. Und er verheißt hier nicht einen faulen Frieden, sondern Rache an unseren Feinden!

    Und der Text geht so weiter:

    „Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“ Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten! (Römer 12,20-21)

    Diese Fähigkeit – die Feindesliebe – gehört natürlich auch in den übernatürlichen Bereich!

    Und – wunderschön – es gibt einige herrliche Verheißungen für diese echte Vergebung:

    Wenn du aus deiner Mitte fortschaffst das Joch, das Fingerausstrecken und böses Reden und wenn du dem Hungrigen dein Brot darreichst und die gebeugte Seele sättigst, dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und beständig wird der HERR dich leiten, und er wird deine Seele sättigen an Orten der Dürre und deine Gebeine stärken. Dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nicht versiegt.
    (Jesaja 58, 9-11)

    • Ich muss mal meinen eigenen Text kommentieren:

      Der Satz „Wer hierauf etwas anderes als „nein, niemals“ antwortet, ist ein ganz erbärmlicher (Lebens-) Lügner“ ist ziemlich furchtbar.

      Richtig wäre: „… der lebt mit einer ganz erbärmlichen Lebenslüge.“

      Wir kämpfen hier nicht gegen Fleisch und Blut!
      @Moderation: Wenn du magst, änder das gerne ab in meinem Text oben 🙂

  8. Ich denke, Vergebung im bibl. Sinne ist auch einfach mal ganz praktisch. Es geht dabei, denke ich, nicht um (positive) Emotionen, sicher entstehen die dann auch irgendwie, aber zunächst bedeutet das einfach, dass der Weg der Versöhnung von DEINER Seite aus geöffnet ist! Versöhnung ist nur dann möglich, wenn der andere auch auf dich zukommt, aber dann soll er oder sie schon geöffnete Türen vorfinden! (Und erst dann ist auch emotionales WOhlbefinden möglich…) vgl. Lk, 17, 3-4

    Es geht also eher darum, ob du, wiegesagt, bereit bist, dem anderen (ohne irgendeine Ersatzleistung) die Schuld zu erlassen. Vergebung ist sicher nicht bloß der Verzicht auf Rache, aber auch nicht bloß eine Formsache!
    Nur wer Gottes Reich zu sich kommen lässt (und das ist vor allem erstmal der, der SELBSt Vergebung in ANSPRUCh nimmt), kann dadurch auch echt vergeben / HAT schon längst vergeben, weil du dann alles durch Gottes Augen siehst und deinen Mitmenschen eben auch als solchen annehmen kannst, ja selbst deinen eigenen „Feind“!
    Jesus hat auch gefordert, dass der Gläubige sogar lieber sein Opfer im Tempel liegenlassen sollte, um sich mit seinem Bruder zu versöhnen (egal, ob er etwas gegen dich hat oder du gegen ihn). Also sollen auch wir keine Opfer (Vergebung…) bringen, sondern wirklich Versöhnung möglich machen. Und das hat, um jetzt mal endlich auf den Punkt zu kommen, immer etwas mit dem Auf-den-Nächsten-Zugehen zu tun! Letztendlich ist „echte“ Vergebung nichts, was du im stillen Kämmerlein tust mit einer emotionalen „Übung“, sondern, indem du dich mit deinem Nächsten aussöhnst. Und das geht nicht telepatisch. Das geht auch nicht dadurch, dass du Gras über alles wachsen lässt und letztendlich die Zeit oder irgendwelche Gebetsmühlen mehr oder weniger gut die Wunden heilen. Das geht nur, in dem du deinem Nächsten begegnest. Das ist vielleicht sogar noch schwerer, als sich nur innerlich einzureden, dass man vergibt, aber das ist ja auch nix, was wir Menschen aus uns heraus können, sondern das ist etwas, was nur im Reich Gottes geht! Jesus ist in seinen „Forderungen“ schon radikal, aber er zeigt uns dadurch eigentlich „nur“, wie radikal gut das Reich Gottes vom Wesen her ist (…und seine Einwohner). Er fordert aber NIE, dass wir so sein sollen, um in eben dieses Reich zu gelangen, das einzige, was er wirklich jemals gefordert hat, damit wir in das Reich Gottes kommen, ist, es wie ein Kind anzunehmen! Oder wie ein schuldiger Knecht, der Erbarmen bekommt. Wenn wir das auf uns wirken lassen, dann sind wir auch keine „Schalksknechte“, aber nur dann! Nur dann können wir ECHT vergeben, dass ist nunmal auch ein Prozess! Aber das einzige, was wir an diesem Prozess beitragen können, ist es an uns wirken zu lassen. Das hat was mit Vertrauen in Gottes Macht zu tun… Es geht immer erst mit einem Senfkorn los, bevor ein riesiger Baum draus wird:

    Dein Reich komme.
    Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    (Das ist die Mitte, von allen „Geboten“ Jesu, auch dem der Vergebung: Gott ist die Quelle, die es möglich macht)
    Insofern denke ich schön, dass wir vergeben „können“, aber, das ist eben etwas, was Gott in uns schaffen muss.

    Ich hätte auch nochmal eine Frage: kennt jemand einen guten Artikel (vlt. sogar auf konsequentegnade.com…) über das Thema der Lästerung des hl. Geistes? Das war vor Jahren mal ein Bibelvers, der mich ziemlich in eine Krise gestürzt hat und mich leider auch (sicher aufgrund mangelnden Vertständnisses) in einen Gesetzeszwang gedrängt hat. Ich mache mir da zurzeit wieder Gedanken drüber und merke, dass da immer noch ein sehr komischer Drang vorhanden ist, der eher das Wirken des hl. Geistes behindert, statt konstruktiv aus diesem Wort Gottes Wort zu erfahren…

    • Das klingt doch eher in Richtung „Vergebung ist eine Frage des Willens“. Und daraus folgt dann die Logik: wer nicht vergeben kann, der kann es nicht, weil er nicht will. Aber es ist genau anders herum: das Vergeben-Wollen ist eine Fähigkeit unseres Neuen Herzens. Beim Vergeben-Können brauchen wir die Hilfe Gottes – schon weil da oftmals sehr tiefe Emotionen im Spiel sind. Wer will denn etwa jemand sagen, der einen geliebten Menschen durch ein Verbrechen verloren hat, er „müsse“ jetzt dem Täter vergeben? So jemand wird sich vielleicht wünschen, er könne das irgendwann. Was wiederum zeigt, dass die Person es will

      Die Aufforderung Jesu an Petrus, 7 x 70 Mal zu vergeben, war so gemeint, dass Petrus dann schnell sagen muss: „Nein, Jesus, das kann ich nicht“. Und genau diese Erkenntnis will Jesus für ihn und für jeden von uns.

  9. Und weil ich gerade, beim nochmal Überfliegen meines eigenen Textes merke, dass das evtl. auch in eine missverständliche Richtung geht, die mir fast selbst zuwider ist:

    Mal was ganz andres: das Problem bei solchen „Forderungen“ ist immer, dass man sie gesetzlich verstehen kann aber auch im Lichte des Evangeliums.

    Das Ding ist ja: Gesetz ist nicht gleich Gesetz, und Gesetz und Evangelium sind auch nicht unbedingt grundverschieden. Was „das Gesetz“, ich sage jetzt mal lieber die Torah fordert, ist gut! Das, was „Gesetz“/“gesetzlich“ ist, ist dann, wenn uns das Nichterfüllen dieser guten Forderungen verurteilt. Und dann kann man auch Jesu Forderungen bspw. in der Bergpredigt zum „Gesetz“ machen, was uns den Tod bringt.

    Jesus aber, und das ist mir erst durch einen Vortrag von Prof. Siegfried Zimmer bewusst geworden, hat die Königsherrschaft Gottes / Reich Gottes verkündet. Und in diesem Reich ist ein Leben im Sinne der Forderungen des Getzes MÖGLICH. Überhaupt ist das jüdische Menschenbild eigentlich so, dass es davon ausgeht, dass der Mensch auch gutes aus sich hervorbringen kann. Aber das durchaus auch nur in der Nähe zu Gott. Und das ist ja das Ding: in Gottes Reich haben wir seine Nähe, und damit dieses Reich wirklich echt wirksam ist, hat Jesus am Kreuz unsere Schuld getragen. Dann, also von diesem Lichte her, können die Worte Jesu oder auch der Torah aber wirklich zu SCHÖPFERISCHEN Gottesworten werden, die, durch Gottes Geist bewirkt, in uns das hervorbringen, was sie fordern.

    Das wird schon wieder zu tief theologisch, aber das wollte ich noch nachtragen, da mein Kommentar bitte unbedingt von dieser Überzeugung her gelesen werden muss.

    Und bitte auch hier nochmal: Wer irgendwas zur „Lästerung gegen den hl. Geist“, eine unvergebbare Sünde beitragen kann, bitte, bitte her damit!
    Grüße!

  10. Vergebung ist ein Wunder. Wir können das nicht aus uns heraus.
    So einfach ist das. Die Geschichte vom Schalksknecht sollte das überdeutlich machen („von Herzen“).

  11. Das meinte ich auch nicht: Vergebung ist eben nicht bloß der Wille, der Vorsatz oder das gute Gefühl zu vergeben, das machen aber viele so, sie reden sich irgendwie ein und trainieren es, dem oder dem zu vergeben, aber der „Täter“ merkt gar nichts davon! Und dann denken sie, dass sie dadurch Gottes Willen erfüllen, weil sie ja so viel vergeben (= die besagten Opfer bringen) Am Ende der Vergebung muss Versöhnung stehen, denn das ist, denke ich Gottes Wille. Ansonsten würde man „vergeben“ um der Vergebung selbst willen. Gottes Vergebung für uns alle, zielt ja auch nicht darauf ab, dass er sich dann gut dabei fühlt, weil er so vielen Menschen die Schuld vergibt, sondern der Zweck ist ja schon, dass wir dadurch mit ihm versöhnt werden. Und wie macht er das? Er konfrontiert uns auch mit unserer Schuld, sodass wir uns dieser Vergebung hingeben können (überhaupt erkennen, dass wir Vergebung nötig haben)
    Wenn wir also so vergeben sollen, wie Gott es auch tut, dann heißt das eben nicht, sich bloß innerlich von irgendwelcher Wut gegen einen Menschen frei zu machen, sondern, die Sache mit ihm oder ihr klären, aber nicht durch Gewalt oder Vergeltung, sondern eben dem Gegenteil davon…
    Dass das in der Tat von uns aus nicht zu machen ist, sage ich ja auch. Ich wollte nur darauf hinaus, dass das, was viele „Vergebung“ nennen schon rein gar nichts mit dem zu tun hat, was Jesus „fordert“. Und vieles was Jesus fordert (eigentlich alles), können wir nicht. Sonst hätte er sich das Kreuz ersparen können und die bloße Korrektur oder Anleitung für’s Leben hätte gereicht. Aber ich denke, in dem Jesus uns die Augen öffnet durch das, was er sagt, können wir einen Geschmack von Gottes Willen bekommen, der dann tatsächlich schöpferisch in uns tätig werden und Wirkung entfalten kann.
    „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist“ kann man auch nicht nur als „Aufforderung“ verstehen, sondern eher als schöpferisches Segnungsungswort, als „hiermit mache ICH euch barmherzig, wie euer Vater es ist.

    Ich gebe euch Recht. Ich wollte mich bloß rechtfertigen, was ich meinte. Ich verzettel mich manchmal in meinen Ausführungen…

    • Sorry, das mit dem „Versöhnen“ ist auch mißverständlich: Vergeben wird oft mit „einem Übeltäter neu vertrauen“ verwechselt. Aber dieses Neu-Vertrauen ist manchmal überhaupt nicht angemessen. Gerade dann, wenn eine Person in ihrem Verhalten immer wieder die selben Muster zeigt. Dann ist es gut, sich von ihr fernzuhalten und ihr nicht mehr zu vertrauen

      • Hm, okay… Naja, vielleicht liege ich ja in meiner Auffasung da auch daneben. Klar, manchen kann und sollte man nie wieder Vertrauen schenken, aber das ist ja letztendlich auch nicht im Sinne Gottes (wenn ich Gott mal unterstelle, dass er von Anfang an und am Ende eigentlich nichts als Gemeinschaft und Frieden aller Menschen wollte). Ich verstehe halt die Bergpredigt, inklusive „Vergeb-Gebot“ als Idealsimus und gleichzeitig als Wesen des Reiches Gottes / überall da, wo Gottes Reich (wirksam) ist (durch Gott selbst), wird das Wirklichkeit.
        Aber Versöhnung ist ja auch nur dort, wo der „Übeltäter“ diese annimt. Wenn du einfach nur bereit bist, irgendjemand wieder Vertrauen zu schenken, dann nützt das dem und dir auch herzlich wenig. Ich denke, dass wir als Menschen schon durchaus in der Lage sein können, an Gottes Reich mitzubauen, aber um vielleicht hier ein Missverständnis auszuräumen oder gar nicht erst aufkeimen zu lassen: wir können es erstens und meistens nicht „richtig“ oder versagen (also im GRUNDE dann irgendwie doch nicht) und zweitens hat das auf die Erlösung ja null Auswirkungen. Wenn es Auswirkungen hätte würde das wieder zum Gesetz, wenn man Jesu Worte aber als Einladung versteht, sie umsetzen zu dürfen (egal, ob’s funktioniert oder nicht), dann hat das, denke ich nichts Gesetzliches, sondern ist eben schöpferisches Wort, so wie „es werde Licht“ und es ward Licht…
        Dann kann man auch „wirklich“ vergeben. Aber das ist eben auch nix unendlich Fernes, als ob du das niemals könntest (also DU kannst es natürlich nie, aber der neue Mensch, der du geworden bist, aber das bist ja dann auch DU, ein neues DU oder Ich halt)

  12. Na gut, ich merke grad, dass meine Komm. vielleicht doch n bissl weit hergeholt sind, zumindest drücken sie nicht das aus, was ich meine und das wird auch nix mehr. Ich hatte heute noch nen ganz „versöhnlichen“ 😉 Gedanken, aber der ist mir wieder entfallen…
    Ist schon gut, was ihr oben geschrieben habt. Ihr könnt ja mein Zeug löschen ich hätte es jetzt selber zumindest gerne getan 😀 Auch wenn evtl doch „viel Schönes“ dabei ist.
    Vielleicht nützt es mehr, wenn ich eigenes Erleben ausdrücke: wenn ich die Worte Jesu lese (vom Kreuz her), dann haben sie so eine Kraft, dass ich das Gefühl habe, dass auch die schlimmsten Emotionen oder Gedanken gegenüber anderen mich verlassen.

    • Die Aussage „Du musst vergeben“ ist die Konsequenz aus der Bergpredigt – und noch stärker- aus dem Gleichnis vom Schalksknecht. Das Konzept, dass Menschen einander vergeben, gab es im Gesetz übrigens gar nicht. Das hat Jesus erst wieder eingeführt, und es gehört zu dem Anspruch aus Mt 5, so vollkommen zu sein wie der Vater im Himmel. Den Juden war Vergebung höchstens an Hand von Josefs Beispiel aus der Zeit vor dem Gesetz noch irgendwie bekannt…
      Nochmal: Der natürliche Mensch ist dazu nicht fähig. Und sämtliche pseudo-christlichen Versuche, Vergebung in einen Willensakt umzudeuten („Vergebung ist eine Entscheidung“), sind Unsinn. Ich vermute, dass sie trotzdem zu 90% gut gemeint sind – und es ist nichts falsches daran, wenn wir unseren WILLEN ZUR Vergebung bekunden, solange das wirklich aufrichtig gemeint ist.
      Wenn solche Bekenntnisse aber (wie so oft) nur Übungen sind, um das fromme Fleisch zu befriedigen und uns heiliger zu fühlen, sind sie wieder mal nur tote Werke: Der übliche gesetzliche Lack, der bei einer stärkeren Berührung abblättert oder die alte Abkürzung, die in der Sackgasse endet.
      Gott pfeift auf alles, was nicht von Herzen kommt. Ein ehrliches „Gott, es tut scheiße-weh und ich hasse den Soundso dafür, was er mir angetan hat!“ ist ihm lieber. Und natürlich der Satz „Ich will dem eigentlich gar nicht vergeben!“
      Aber klar, das erfordert Demut: Mit Schmerz, Trauer, Wut und offener Unversöhnlichkeit kann man nach heutigen Gemeinde-Maßstäben keinen Blumentopf gewinnen. Für den Schmerz wird man belächelt (offiziell heißt das natürlich Mitleid oder wahlweise ‚herzliches Erbarmen‘), mit Wut im Bauch geht vielleicht noch Türsteher beim evangelistischen Abend, mit Unversöhnlichkeit maximal noch Kloputzen. Also: Schön Weiterheucheln (äh… Weiterlächeln), die Faust in der Tasche ballen und gute Miene zum bösen Spiel machen.
      Das Schöne ist, dass man Gott aber alles sagen kann, ihn z.B. auch fragen, wo das eigene Herz wirklich steht (er kennt es nämlich besser als wir selbst) und dabei wissen darf, dass er uns niemals verurteilen wird, weil er schon Jesus an unserer Stelle verurteilt hat.
      Das Gute ist, wenn wir auf die Frage „Adam, wo bist du?“ ehrlich antworten: „Hier bin ich, und ich hatte Angst und ich schämte mich“, denn dann fließt der Segen seines Opfers am Kreuz zu uns: Er begegnet uns, kleidet uns und tröstet uns. Wir erkennen ihn, wie er wirklich ist – und so umhüllt von seiner Liebe klappt das mit der Vergebung plötzlich auch.

      Josef drückte es so aus: „Denn Gott hat mich vergessen lassen all meine Mühe und das ganze Haus meines Vaters.“
      Bis dahin waren übrigens ca. 15 Jahre vergangen…

      Echtes Vergeben lässt auch wirklich vergessen: Ein guter biblischer Maßstab, der vielleicht ganz hilfreich sein könnte?

      Bei der Begegnung mit seinen Brüdern später kam es dann übrigens zur Versöhnung – aus dieser Geschichte kann man ne Menge lernen. Der Hauptpunkt ist vermutlich der, dass DIE zu IHM kommen mussten. Und dass Gott das auf einen Zeitpunkt getimed hatte, als er selbst zu dieser Begegnung bereit war – weil er den tieferen Sinn hinter seiner Geschichte erkennen konnte:
      „Gott hat mich vor euch hergesandt, um euch einen Rest zu setzen auf Erden und euch am Leben zu erhalten für eine große Rettung.“

      Vieles von der Konfrontationstherapie, die heute gelehrt wird, um „Vergebung praktisch werden zu lassen“ oder „auszuleben“, gehört als Retraumatisierung vermutlich zum Übelsten, wozu „christliche Seelsorge“ fähig ist.

      • Achja, das Wichtigste noch hinterher:
        Jesus selbst hat den in der Bergpredigt aufgestellten Maßstab für Vergebung für uns alle am Kreuz erfüllt.
        Selbst wenn wir hier keine zwischenmenschliche Vergebung auf die Kette bekommen – wir sind nicht dadurch, sondern einzig und allein durch Jesu Werk am Kreuz mit Gott im Reinen.
        Für uns heute gilt nicht mehr „vergebt, damit euch vergeben wird“, sondern: „Gleich wie Gott euch vergeben hat (abgeschlossene Vergangenheit!!!), so auch ihr.“
        Paulus schreibt das (mit leicht abweichender Wortwahl) sowohl in Epheser als auch in Galater.
        Und beides kann nicht zur gleichen Zeit gelten.

        Unsere Vergebung vor Gott beruht nun nicht mehr (wie im Vaterunser oder im Gleichnis vom Schalksknecht) auf der Barmherzigkeit des Herrn, seinem Knecht die Rückzahlung seiner Schuld zu erlassen, sondern auf dem Rechtsakt der vollständigen Bezahlung unserer Schuld am Kreuz, durch die wir in den Stand des Sohnes seiner Liebe, Jesus, gekommen sind. Der, der für die Juden vor dem Kreuz der Herr war, ist nun unser Vater, unser Abba-Papa, der die Schuld seiner geliebten Kinder niemals wieder hervorholen wird. Wenn er es täte (was er übrigens geschworen hat, niemals zu tun), wäre er ungerecht, weil Jesus bereits dafür bestraft wurde. Das ist also völlig unmöglich.
        Jesu Opfer am Kreuz ehren wir heute am meisten, indem wir die Reinigung vom schlechten Gewissen annehmen (Hebräer 10 ) und anfangen, statt unserer Sünden unsere Gerechtigkeit in Christus zu bekennen (2. Kor 5,21). Das will Gott. Genau dafür ist Jesus gestorben und auferstanden: Um alle unsere Sünden – vergangene, gegenwärtige und zukünftige – ein für alle mal zu erledigen. Wenn wir das nur wirklich begreifen und predigen würden!

        • Stimme da auch voll zu!
          Bei dem Abschnitt:
          „Gott pfeift auf alles, was nicht von Herzen kommt. Ein ehrliches „Gott, es tut scheiße-weh und ich hasse den Soundso dafür, was er mir angetan hat!“ ist ihm lieber. Und natürlich der Satz „Ich will dem eigentlich gar nicht vergeben!““
          würde ich vielleicht sogar sagen: genau damit hast du ja schon vergeben! Weil Gottes Vergebung an dir wirksam war, nur deswegen kannst du auch so ehrlich sein, das zu sagen. Aber wiederum hättest du das auch nicht gesagt, wenn Jesus das Thema Vergebung bagatellsiert hätte. Das ist für mich so ein „Paradoxon“ des christlichen Glaubens: dass man mit dem (vermeintlichen) Übertreten der Gebote sogar Gottes Willen eher erfüllen kann, als mit dem (vermeintlichen) Halten. Und das meine ich mit „schöpferischem Wort“, weil diese Worte genau das hervorrufen können. Letztlich die schöpferische Kraft, die uns alle leben lässt, weil sie wollte, dass wir leben und weil sie das Leben erhält. Ich denke, das könnte man auch mit Gnade gleichsetzen.
          Ich denke, unsere Vergebung soll einfach eine Art Gleichnis der Vergebung Gottes sein. Denn wenn wir siebenmalsiebzigmal vergeben sollen, wie oft wird denn da Gott vergeben!

          • PS: vlt. drückt ja Jesus mit siebenmalsiebzigmal aus, dass unser Maß an Vergebung tatsächlich limitiert ist??????

          • Mit seiner Antwort wollte Jesus zeigen, dass man nicht selbst – aus eigener Kraft und „man muss nur wollen“ – vergeben kann; dass Vergebung ein Geschenk Gottes ist. Er kritisiert also genau die Lehre, die heute oft verbreitet wird: „Vergeben ist eine Willensfrage. Wer vergeben will, der kann es auch. Wer es nicht kann, will eben nicht richtig“ … 7 ist wohl auch die Zahl der Unendlichkeit im damaligen jüdischen Denken. Also darf man sich bei 7×7 vielleicht nicht so sehr an üblicher Mathematik orientieren

  13. Und um jetzt nochmal etwas zu nerven, sorry, man möge mir vergeben:
    Habt ihr was zu Mt. 12,32? Passt halt irgendwie einfach hier durch das Thema „Vergebung“.
    Ich habe mir da natürlich auch selber Gedanken schon dazu gemacht, aber mich würde halt mal interessieren, wie ihr das beleuchtet. Dieser Satz Jesu hatte nämlich, pünktlich in der Pubertät, mein kindliches Gottesbild- und Vertrauen letztgültig erschüttert und leider auch der Gesetzlichkeit Tür und Tor geöffnet.
    Kann man bei euch hier eigentlich auch irgendwo prinzipiell Themenvorschläge unterbreiten?

    • Die Lästerung gegen den Heiligen Geist, die unvergebbare Sünde
      (Mt 12, 31-32)

      Umsonst („frei“) habt ihr empfangen, umsonst gebt… es sei 🙂

      Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. 32 Und wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen.
      (Mt 12, 31-32)

      Das sorgt immer wieder für Unbehagen, so dass Menschen, auch Christen, sich die Frage stellen: „Habe ich womöglich die Sünde begangen, die nicht vergeben wird?“

      Zunächst mal sollte man das Kapitel im Zusammenhang lesen, denn die Verse gehören zwingend in den Kontext. Jesus sagte: „Darum sage ich euch“. Darum. Warum? Was war zuvor geschehen? Was hatte er vorher gesagt? Hier ist es:

      Matthäus 12 | Schlachter 2000

      Jesus ist der Herr über den Sabbat

      1 Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbat durch die Kornfelder; seine Jünger aber waren hungrig und fingen an, Ähren abzustreifen und zu essen. 2 Als aber die Pharisäer das sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist! 3 Er aber sagte zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als er und seine Gefährten hungrig waren? 4 Wie er in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote aß, welche weder er noch seine Gefährten essen durften, sondern allein die Priester? 5 Oder habt ihr nicht im Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entweihen und doch ohne Schuld sind? 6 Ich sage euch aber: Hier ist einer, der größer ist als der Tempel! 7 Wenn ihr aber wüsstet, was das heißt: »Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer«, so hättet ihr nicht die Unschuldigen verurteilt. 8 Denn der Sohn des Menschen ist Herr auch über den Sabbat.

      Der Mann mit der verdorrten Hand

      9 Und er ging von dort weiter und kam in ihre Synagoge. 10 Und siehe, da war ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. Und sie fragten ihn und sprachen: Darf man am Sabbat heilen?, damit sie ihn verklagen könnten. 11 Er aber sprach zu ihnen: Welcher Mensch ist unter euch, der ein Schaf hat und, wenn es am Sabbat in eine Grube fällt, es nicht ergreift und herauszieht? 12 Wie viel mehr ist nun ein Mensch wert als ein Schaf! Darum darf man am Sabbat wohl Gutes tun. 13 Dann sprach er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus, und sie wurde gesund wie die andere.

      Jesus, der Knecht Gottes

      14 Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten Rat gegen ihn, wie sie ihn umbringen könnten. 15 Jesus aber zog sich von dort zurück, als er es bemerkte. Und es folgte ihm eine große Menge nach, und er heilte sie alle. 16 Und er befahl ihnen, dass sie ihn nicht offenbar machen sollten, 17 damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet wurde, der spricht: 18 »Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe, mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat! Ich will meinen Geist auf ihn legen, und er wird den Heiden das Recht verkündigen. 19 Er wird nicht streiten noch schreien, und niemand wird auf den Gassen seine Stimme hören. 20 Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, bis er das Recht zum Sieg hinausführt. 21 Und die Heiden werden auf seinen Namen hoffen.«

      Jesu Macht über die bösen Geister. Die Lästerung gegen den Heiligen Geist

      22 Da wurde ein Besessener zu ihm gebracht, der blind und stumm war, und er heilte ihn, sodass der Blinde und Stumme sowohl redete als auch sah. 23 Und die Volksmenge staunte und sprach: Ist dieser nicht etwa der Sohn Davids? 24 Als aber die Pharisäer es hörten, sprachen sie: Dieser treibt die Dämonen nicht anders aus als durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen! 25 Da aber Jesus ihre Gedanken kannte, sprach er zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und keine Stadt, kein Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann bestehen. 26 Wenn nun der Satan den Satan austreibt, so ist er mit sich selbst uneins. Wie kann dann sein Reich bestehen? 27 Und wenn ich die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 28 Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen! 29 Oder wie kann jemand in das Haus des Starken hineingehen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuerst den Starken bindet? Erst dann kann er sein Haus berauben. 30 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut! 31 Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. 32 Und wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen.

      Also: Was ist die Hinführung zu der Sünde, die nicht vergeben wird? Was hatten diese Leute gesagt? Denn es geht ja darum, etwas zu REDEN: ‚wer aber gegen den Heiligen Geist REDET‘.

      Die Pharisäer hatten die wunderbaren Werke, die Jesus zuvor durch den heiligen Geist getan hatte, öffentlich dem Satan zugeschrieben.

      Allein das sollte für Entspannung sorgen unter denjenigen Christen, die sich fragen, ob sie die Sünde gegen den heiligen Geist begangen haben könnten: Denn die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der aufrichtig Jesus nachfolgen möchte, das tut, geht naturgemäß gegen null.

      Im Strafrecht gibt es keine Strafbarkeit, wenn es am objektiven Tatbestand mangelt.
      Aber selbst, wenn der vorhanden sein sollte, muss noch der Vorsatz, also die Absicht, geprüft werden: Wollte derjenige das auch? Das nennt man den subjektiven Tatbestand. Es geht ums Motiv, die Absicht.

      Über die Motivation der Pharisäer ist uns aus Jesu Gespräch mit Nikodemus ein entscheidendes Detail bekannt:

      Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn, dass Gott mit ihm ist. (Joh 3,2 )

      Nikodemus spricht für die Pharisäer, er selbst ist einer von ihnen und ein Oberster der Juden, und er sagt: „WIR WISSEN“.

      Sie wussten also, dass Jesus von Gott gekommen ist. Warum?
      Wegen der Zeichen, die er tat.

      Das gibt Aufschluss über ihr Motiv, oder?

      Und sie wollten Jesus umbringen. Ihre Reaktion auf die wunderbare Heilung der verdorrten Hand war, dass sie beratschlagten, wie sie ihn umbringen könnten.

      Umgekehrt bei Pilatus: Er wollte Jesus losgeben, weil er wusste, dass die Juden ihm Jesus aus Neid überantwortet hatten (Mt 27,18).

      Wir können bis hierhin festhalten:

      Das Motiv ist Neid, also eine niedere und bösartige Haltung. Am liebsten würden sie Jesus umbringen.

      Sie taten es gegen besseres Wissen.
      Das korreliert mit Hebräer 10: „mutwillig sündigen“.

      Diese Pharisäer waren frei, das zu tun oder zu lassen. Und sie entschieden sich dazu, den heiligen Geist öffentlich Beelzebub zu nennen. Das ist wichtig – denn es ist ungerecht, jemanden für etwas zu bestrafen, was derjenige unter Zwang getan hat. Hier gab es aber keinen Zwang.

      Nach dieser (zugegebenermaßen sehr menschlich-logischen) Prüfung erneut die Frage: Welcher Gläubige würde das tun? Nachdem er die großartigsten Zeichen und Wunder Gottes mit eigenen Augen gesehen hat und weiß, dass diese durch den heiligen Geist gewirkt sind, diese öffentlich dem Teufel zuschreiben, nur um Jesus nicht anerkennen zu müssen? Ist das denkbar für einen Gläubigen, der Jesus längst sein Leben anvertraut hat?

      Nachdem wir nun wissen, was diese Pharisäer da getan haben, ist es völlig absurd zu denken, dass ein Gläubiger auch nur in die Nähe dieser unvergebbaren Sünde kommen könnte, oder?

      Aber es geht noch weiter – und das Folgende ist der Kernpunkt:

      Welchen Geist genau lästerten die Pharisäer hier?
      Deshalb ist der Zusammenhang so wichtig: Der Geist, der auf Jesus war, wird in Mt. 12 charakterisiert, indem auf die Erfüllung von Jesaja 42 hingewiesen wird:

      Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

      Es ist der Geist der Gnade.
      Wir neigen leider manchmal dazu, das zu vergessen und wünschen uns Feuer vom Himmel, so wie die drei Jünger, die mit Jesus auf dem Berg der Verklärung waren und danach, eingedenk von Elia, Jesus fragten, ob sie nicht ein samaritisches Dorf abfackeln könnten… Das gab ernsthafte Schimpfe vom Herrn.

      In Jes 42 heißt es weiter über Jesus:

      Ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volkes, zum Licht der Nationen, blinde Augen aufzutun, um Gefangene aus dem Kerker herauszuführen ⟨und⟩ aus dem Gefängnis, die in der Finsternis sitzen (Jes 42, 6-7).

      Die Juden kannten diese Texte. Auch die sehr ähnlichen Aussagen aus Jes 61, die Jesus in der Synagoge in Nazareth zitiert und für sich selbst in Anspruch genommen hatte:

      Der Geist des Herrn, HERRN, ist auf mir; denn der HERR hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Elenden frohe Botschaft zu bringen, zu verbinden, die gebrochenen Herzens sind, Freilassung auszurufen den Gefangenen und Öffnung des Kerkers den Gebundenen, auszurufen das Gnadenjahr des HERRN,
      (Jes 61, 1-2a)

      Bis hierhin hatte Jesus den Text in der Synagoge gelesen. Und genau das hatte er in Mt. Kapitel 12 getan: Elenden Menschen Gnade über Gnade erwiesen: Nachdem er sich den Pharisäern entgegen gestellt hatte beim Ähren abpflücken am Sabbat, folgte die Heilung der verdorrten Hand am Sabbat. Im nächsten Abschnitt folgt ein unscheinbarer Vers:

      „Und es folgte ihm eine große Menge nach, und er heilte sie alle.“

      Das war gewaltig!

      Danach folgte die Dämonenaustreibung, und der zuvor Blinde und Stumme war geheilt.

      Johannes dem Täufer sollten dessen Jünger im Gefängnis genau diese Zeichen des Messias berichtet werden, als ihn Zweifel über Jesus gepackt hatten.

      Jesus tat also die Zeichen des Messias, unübersehbar. Eine Offenbarung der Gnade Gottes ohnegleichen. Und das stellte die Pharisäer vor die Wahl, ihn als Messias anzuerkennen oder abzulehnen. Es war völlig offensichtlich.

      In dem ganzen Kapitel geht es um den Anspruch Jesu, der verheißene Sohn Davids, der Messias, der Retter zu sein:

      „Hier ist einer, der größer ist als der Tempel!“

      Und als die Volksmenge begann, die Frage zu stellen, ob er der Sohn Davids sei – da – an diesem Punkt, machten die Pharisäer diese unfassbare Aussage, er treibe die Dämonen durch Beelzebub aus.

      Was taten sie da?
      Die Aussage der Pharisäer war ein Frontalangriff auf den gerade erwachenden Glauben der Menschen an Jesus als den Messias, als den Retter. Hier geht es darum, ob Menschen gerettet werden oder verloren gehen!

      Und deshalb spricht Jesus vom Sammeln:

      Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut! (V.30)

      Jetzt sollte das „Darum“ in V.31 klar sein.

      Jesus sagte den Pharisäern, dass ein ganz bestimmter Aspekt ihrer Worte unvergebbar ist: Andere Menschen vom Evangelium der Gnade abzubringen. Das ist etwas, dem Gott mit null Toleranz begegnet. Das ist der Kern der Sünde gegen den heiligen Geist, der der Geist der Gnade ist und die Menschen retten will.

      Vergleichbar ist die Begebenheit mit dem Mühlstein; auch hier geht es um Glauben an Jesus: „Wer einem dieser Kleinen, die AN MICH GLAUBEN…“

      In Apg. 13 ähnlich, wo Elymas versuchte, den Prokonsul vom Glauben abzubringen: Gott schlug ihn mit temporärer Blindheit – das gehört mit zum heftigsten an Eingreifen Gottes, was uns in der Bibel im neuen Bund berichtet wird.

      Hananias und Saphira: Der Versuch der Vermischung von Gnade und eigener Leistung/Ehre, sprich: Gesetz (Hananias=die Gnade des Herrn, Saphir=Stein) in der Urgemeinde durch Ungläubige („ein gewisser Mann mit Namen“… nicht „ein gewisser Jünger mit Namen“).
      Auch da griff Gott sehr krass ein.

      So, nun ein letztes Mal die Prüfung, ob jemand die unvergebbare Sünde, die Sünde gegen den heiligen Geist, begangen hat:

      Hast du, nachdem du die großartigen Wunder der Liebe Gottes mit eigenen Augen gesehen hast, dieses Wirken des heiligen Geistes freiwillig, willentlich und wider besseres Wissen öffentlich dem Teufel zugeschrieben, um anderen Menschen dadurch den Weg zur Errettung durch Jesus zu verbauen?!

      Wenn du das nicht getan hast, hast du auch die Sünde gegen den heiligen Geist NICHT begangen.

      Paulus war übrigens nah dran: Bei ihm fehlte „nur“ der Punkt ‚wider besseres Wissen‘. Deshalb schrieb er in 1. Tim 1,13:

      …der ich früher ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war; aber mir ist Barmherzigkeit zuteilgeworden, weil ich es unwissend im Unglauben getan hatte.

      Noch einen wichtigen Punkt kann man aus dem, was Paulus da schrieb, lernen: Jemand, der in Gefahr steht, die unvergebbare Sünde zu begehen oder der sie gar getan hat, denkt darüber garantiert nicht nach 😉

      Also Leute, Kopf hoch! Ihr habt sie nicht begangen.

  14. Man kann „Die Sünde gegen den heiligen Geist“, also „gegen den heiligen Geist zu reden“ noch einfacher erklären: Dem, was der Geist sagt, öffentlich zu widersprechen, sein Reden als Lüge hinzustellen.

    Dazu braucht man nur zu wissen, was der Geist spricht.

    Jesus hatte es angekündigt:

    wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; (Joh 16,8-9)

    -> Da haben wir es: Menschen zu lehren, nicht an die frohe Botschaft der Errettung durch Jesus zu glauben, Menschen in Sünde, d.h. im Unglauben an Jesus, zu halten.

    In Hebräer dasselbe mit einem Beispiel aus dem alten Testament. Vers 2:
    Denn auch uns ist eine gute Botschaft (= Heilsbotschaft, Evangelium) verkündigt worden, wie auch jenen; aber das gehörte Wort nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband.

    Der Bezug ist die Begebenheit mit den Kundschaftern aus 4. Mose 13, wo 10 von den 12 der frohen Botschaft von Josua und Kaleb über das Land widersprachen und mit ihren Reden das Volk vom Glauben abbrachten, weswegen es nicht ins verheißene Land kam.

    In Hebr 4,7 erfolgt die eindringliche (meist aus dem Zusammenhang gerissene und damit falsch zitierte) Warnung: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!«

    Die Sünde gegen den heiligen Geist ist es, dem Geist der Gnade, der die frohe Botschaft von der Erlösung durch Jesus verkündet, zu widersprechen und dadurch die Zuhörer vom Glauben an ihn abzubringen.

  15. der die frohe Botschaft von der Erlösung durch Jesus verkündet,

    Von was sind wir eigentlich erlöst? Vom Sündemachen und dann verurteilt werden, vom Gesetz, von was denn?

    • Erlöst sind wir von der Autonomie, vom Selbst-Klarkommen-Wollen, von der GEFÜHLTEN Gottesferne (Gott ist uns immer nah), von der Kraft der Sünde (Verhaltensänderungen sind grundsätzlich möglich geworden), von Schuldgefühlen (die oft wenig mit realer Schuld zu tun) … und sicher noch anderes

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