Jesus hat das „Evangelium vom Reich Gottes“ verkündigt.

Mk 1,15 und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!

Dieser Vers steht stellvertretend für viele Aussagen Jesu zum Reich Gottes. Es war das Hauptthema seiner Lehre und Predigt.

Nach seiner Auferstehung hat er seine Jünger darüber belehrt ( Apg 1,3  ). Auch die Apostel haben das „Reich Gottes“ verkündigt ( Apg 8,12Apg 19,8 , Apg 28,23    ). Und auch in den Briefen wird es als etwas Bekanntes vorausgesetzt ( Röm 14,171Kor 15,50 , Kol 1,13 , Hebr 12,28Jak 2,5 , 2Petr 1,11    ).

Paulus konnte das Reich Gottes Jahre später so zusammen fassen: Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.“   ( Röm 14,17 ) Das Evangelium des Reich Gottes war also nicht durch das Evangelium der Gnade ersetzt worden (wie man manchmal hört und liest).

Es scheint also eine wichtige Angelegenheit zu sein. Nur was ist es eigentlich? Wie geht es dort zu? Welche Regeln gelten dort? Wie ist der Charakter  seines Herrschers? Und wie sind die Bewohner dieses Reiches so?

Diese Fragen sind nicht zu beantworten, indem wir das Reich Gottes bereisen und uns dort umsehen. Es ist kein territoriales Gebilde, sondern ein unsichtbares Reich (jedenfalls in dieser Zeit).

Lk 17,20 Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte; Lk 17,21 auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Für seine jüdischen Zuhörer war das sehr schwer zu verstehen. Sie erwarteten selbst nach der Auferstehung noch, das Jesus nun aber endlich ein politisches Reich für und zugunsten Israels aufrichten würde:
Apg 1,6 Sie nun, als sie zusammengekommen waren, fragten ihn und sagten: Herr, stellst du in dieser Zeit für Israel das Reich wieder her?
Das ist aber etwas, was erst nach der Wiederkunft Jesu passieren wird. Es wäre zudem ein Mißverständnis, die  unsichtbare Form des Reiches Gottes zu vernachlässigen zugunsten der späteren sichtbaren Form des Reiches Gottes. Denn jetzt haben wir mit der unsichtbaren Form des Reiches Gottes zu tun.

Da wir das Reich Gottes nicht sehen können, hat es also auch mit Glauben zu tun. Es selbst kann man nicht sehen, kann aber seine Auswirkungen spüren. Und man kann Jesus glauben, wenn er erklärt, wie es dort zugeht.

 Joh 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.
 .

Der Charakter des Reiches Gottes

Wenn wir fragen, was das Reich Gottes denn sei, können wir schnell in nichtssagenden Definitionen wie „ein unsichtbarer Bereich, in dem Gott herrscht“. Deswegen sind andere Fragestellungen wie die oben schon genannten sinnvoller: Wie geht es dort zu? Welche Regeln gelten dort? Wie ist der Charakter  seines Herrschers? Und wie sind die Bewohner dieses Reiches so?

Wenn das Reich Gottes so zentral ist, dann ist es wichtig zu wissen, wie es dort zugeht. Jesus hat viel Zeit darauf verwendet, den Menschen genau das zu erklären. In seinen Gleichnissen zum Reich Gottes ist nicht immer klar, was bestimmte Gleichnisse bedeuten – aber das meiste ist verständlich. Und der Rest wird sich auch noch irgendwann klären.

Aber auch sein Handeln verdeutlicht die Prinzipien Gottes. Jesus heilte und befreite. Er tat das „umsonst“ und ohne Vorleistung. Er wandte sich denen zu, die vom religiösen Establishment seiner Zeit ausgegrenzt wurden. Das sprach sich schnell herum bei den Ausgegrenzten und sie kamen in Scharen. Ihnen und allen anderen macht er klar: Das Reich Gottes ist kein Bereich moralischer und sonstiger Perfektion. Weizen und Unkraut wachsen zusammen ( Mt 13,24 ). Die religiösen Hochleistungssportler werden deshalb von Jesus massiv kritisiert, weil sie den Schwachen, Armen, Unreinen, Sündern, Kindern etc suggerieren, diese könnten natürlich niemals ins Reich Gottes kommen (weil ihnen die moralische und religiöse Qualifikation fehle).

Mt 21,31 … Jesus spricht zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch vorangehen in das Reich Gottes. Mt 23,13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.

Es ist also ein Reich, in dem wir Sünder finden – Sünder, die die Liebe Gottes brauchen. Die Selbstgerechten finden wir dort nicht, denn sie haben die Liebe Gottes ja angeblich nicht nötig.

Das Reich Gottes beruht auf dem Prinzip des Wachstums aus kleinen, unscheinbaren Anfängen (Gleichnis vom Senfkorn). Den Betroffenen ist nicht einmal klar, wie das genau geschieht ( Mk 4,27 ).

Im Reich Gottes bekommen alle das Gleiche – die überreiche Liebe und Zuwendung Gottes ( Mt 20 ) . Dass es welche gibt, die darüber murren, zeigt, dass es genug „Bürger“ des Reich Gottes gab und gibt, die seine Prinzipien nicht verstanden haben. Sie leben quasi mit einer systemfeindlichen Ideologie in einem System, in dem es ihnen kaum besser gehen könnte – denn sie gönnen das Wohlergehen denen nicht, die „weniger“ getan haben als sie selbst. Selbst wenn wir also neugeboren sind und damit sowieso im Reich Gottes sind, können wir trotzdem wieder zu denen gehören, die das Reich der Himmel „verschließen“

Ähnliches verdeutlicht auch das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht – auch hier ein Mitglied des Reiches Gottes, das wenig verstanden hat, wie sehr ihm vergeben wurde. Traurig auch der Mensch, der sein Talente vergrub – denn sein Bild vom Herrscher des Reiches war völlig verzerrt

Mt 25,24 Es trat aber auch herbei, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

Statt eines Gottes, der ihm immer zugewandt ist und ihm voraussetzungslos Gutes tun will, sieht er einen „harten Mann“. Und nichts könnte weiter weg sein von der Wahrheit: Jesus präsentiert Gott als Papa. So hat er selbst Gott erlebt, so präsentiert er ihn anderen.

Sich auf das Reich Gottes zu konzentrieren, ist auch deshalb sinnvoll, weil wir damit immer wieder neu über den Herrscher dieses Reiches nachdenken: Gott ist  gut ist und gibt gerne, weil er uns überreich liebt; er ist kein harter Mann. Das kann uns befreien von der ständigen Sorge um unsere Mittel zum Überleben:

Lk 12,31 Trachtet jedoch nach seinem Reich! Und dies wird euch hinzugefügt werden.

Allerdings ist das kein Verbieten von Sorgen im Namen eines „starken“ und zugreifenden „Glaubens“ – sondern das Sorgen erledigt sich immer wieder, wenn wir „sehen“, wie gut Gott es mit uns meint und wie sehr er uns beschenken will und unsere Bedürftigkeit nicht nur kein Problem ist, sondern völlig in Ordnung.

Mit dem Reich Gottes ist Kraft verbunden.

Lk 11,20 Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen.

Diese Erfahrung war auch viele Jahre später noch präsent:

1Kor 4,20 Denn das Reich Gottes besteht nicht im Wort, sondern in Kraft.

Da keine Leistung erbracht werden muss (auch keine Glaubensleistung!!), geschehen Heilungen und Befreiungen einfach. Sie verdeutlichen, wie sehr Gott Menschen zugewandt ist.

Und für alle, die nicht davon ablassen wollen, das Reich Gottes (bzw. wohl eher das Reich des Gesetzes) in dieser Welt „errichten“ zu wollen und seine „Werte“ für alle Menschen verbindlich zu machen, stellt Jesus die Dinge klar:

Joh 18,36 Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde, jetzt aber ist mein Reich nicht von hier.

 

Wer kommt hinein?

Grundsätzlich haben es natürlich alle Menschen nötig, ins Reich Gottes zu kommen. Aber manche Menschen würden es weit von sich weisen, so ein Reich nötig zu haben – und verkennen dabei, wie zutiefst bedürftig sie sind.

Nicht umsonst benennt Jesus Kinder als Vorbild: sie sind hilflos, bedürftig, auf fremde Hilfe angewiesen, brauchen Geschenke, denn sie können nicht für sich selbst sorgen. Kurz und gut: sie haben noch nicht die Illusionen vermeintlich starker und kompetenter Erwachsener – und auch nicht ihre Hoffnungslosigkeit, die sagt: „du kriegst nichts geschenkt im Leben“.

Mk 10,14 Als aber Jesus es sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen! Wehrt ihnen nicht! Denn solchen gehört das Reich Gottes.

Durch die Neue Geburt kann man das Reich Gottes erst „sehen“, d.h. verstehen, wie es dort zugeht:

Joh 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Die „Regeln“ im Reich Gottes sind so unfaßbar anders als die Regeln dieser Welt (auch die Regeln religiöser Systeme)

Kol 1,13 er hat uns gerettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.

Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass nur wiedergeborene Christen im Reich Gottes sein können oder zumindest von seiner Wirkung profitieren können.

 

Es ist außerdem ein Reich für die, die sowieso schon durch ihre Lebensumstände oder ihr Lebensgefühl merken, dass sie nichts zu bieten und vorzuweisen haben:

Mt 5,3 Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.

 

Das „Erben“ des Reiches Gottes liegt in der Zukunft – und ist nicht identisch mit dem Hineinkommen ins Reich Gottes.

1Kor 6,9 Oder wisst ihr nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder 1Kor 6,10 noch Diebe noch Habsüchtige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes erben.

Diese Stelle wird natürlich gerne so verstanden, als hätten sich die Zugangsvoraussetzungen zum Reich Gottes seit Jesu Dienst verändert. Deshalb ist die Unterscheidung zwischen Hinein-Kommen und Erben wichtig.

Sogar Nicht-Christen scheinen das Reich Gottes erben zu können – wenn auch erst nach der Wiederkunft Jesu:

Mt 25,34 Dann wird der König zu denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an!

Der Kontext zeigt: Die Rede ist von denen, die Christen im Gefängnis besucht haben, ihnen Trinken und Essen gebracht haben. Das widerspricht natürlich deutlich unseren exklusiven Vorstellungen, wie das „Erben“ des Reiches geregelt sein könnte. Und da kann es durchaus sein, dass wir Aussagen wie 1Kor 15,50Dies aber sage ich, Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht erben können, auch die Vergänglichkeit nicht die Unvergänglichkeit erbt“ bisher auch zu exklusiv gedeutet haben.

 

Wer kommt nicht oder nur schwer hinein?

Wer sein Vertrauen auf seinen Reichtum setzt, wird es schwer haben, in das Reich Gottes hinein zu kommen. Denn er hat naheliegend das Gefühl, eben nicht hilflos und bedürftig zu sein. Hilft ihm sein Reichtum nicht beständig?

Mk 10,23 Und Jesus blickte umher und spricht zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes hineinkommen!

Es ist naheliegend, das auch auf andere „Güter“ auszuweiten: Bildung, Schönheit, Kraft, Erfolg u.a. Wer noch etwas hat, auf das er sich etwas einbildet, wird sich mit dem Reich Gottes schwer tun.

Ebenfalls schwer haben es die, die sich nicht als geistlich arm sehen und vielmehr meinen, aufgrund ihrer Frömmigkeit und ihrer Werke gut mit Gott zu stehen

Mt 23,13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.

 

Was motiviert Menschen für das Reich Gottes?

Auch hier haben wir durch lange Jahrhunderte falscher Predigt und Lehre unzutreffende Vorstellungen davon, was Menschen motiviert, in das Reich Gottes zu kommen.

Angst ist nie eine Motivation – sondern vielmehr ist Faszination der Beweggrund, im Reich Gottes leben zu wollen. Das veranschaulicht Jesus durch zwei kurze Gleichnisse:

Mt 13,44 Das Reich der Himmel gleicht einem im Acker verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freude darüber geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft jenen Acker. Mt 13,45 Wiederum gleicht das Reich der Himmel einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte; Mt 13,46 als er aber eine sehr kostbare Perle gefunden hatte, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Der Wert und das Besondere und das Kostbare des Reiches Gottes sind diesen Menschen sofort deutlich. Sie müssen nicht gezwungen werden, ihre ganze Aufmerksamkeit dem Reich Gottes zuzuwenden. Hier ist keine Spur von Zwang oder Müssen. Ein freier Wille entsteht dadurch, dass man mitgerissen wird. Eine Hingabe-Leistung findet nicht statt.

In gewisser Weise ist das Reich Gottes die Ausweitung der Liebe Gottes, seiner herzlichen und engagierten Zuwendung zu jedem einzelnen von uns (ein wohlbekanntes Thema) auf eine kollektive Ebene. Hier geht nicht um ein „jeder für sich“, sondern um ein „alle füreinander“.

 

Was ist das Reich Gottes nicht?

  •  Es ist kein anderes Wort für die Erlösung bzw. die Neue Geburt – denn sonst wären dort nicht die „die Söhne des Reiches“ und die Söhne des Bösen.

Mt 13,38 der Acker aber ist die Welt; der gute Same aber sind die Söhne des Reiches, das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen; ähnlich Mt 13,47

Mt 13,33 Ein anderes Gleichnis redete er zu ihnen: Das Reich der Himmel gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Maß Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.

  • Es ist kein Bauprojekt – man kann nicht daran bauen (eine beliebte Formulierung: „Reich Gottes bauen“); vielmehr wächst es und man weiß nicht wie ( Mk 4,27 ); siehe dazu auch https://mt1820today.wordpress.com/2008/05/06/wir-brauen-gottes-reich-ach-ja/
  • es ist nicht identisch mit der Gemeinde der Erlösten – aber die Gemeinde der Erlösten befindet sich natürlich auch „im“ Reich Gottes
  • erst recht ist es nicht identisch mit einer Ortsgemeinde: in der kann sich des öfteren mal sehr wenig Reich Gottes befinden (im Sinne von Barmherzigkeit, Erbarmen, Liebe, Zuwendung, Heilung) – und viel von harter Verurteilung und religiöser Ausgrenzung
  • es war offensichtlich nicht identisch mit dem politischen Reich, dass die Juden zur Zeit Jesu erwarteten (aufgrund alttestamentarischer Weissagungen über das Reich Gottes)
  • es ist auch in dieser Zeit kein politisches Reich (sondern erst nach der Wiederkunft Jesu); und deshalb ist es auch kein legitimes biblisches Ziel, eine Art theokratische Verzerrung des Reiches Gottes errichten zu wollen und mit „biblischen Prinzipien“ das Leben von Nicht-Christen zu terrorisieren

 

Fazit

Das Reich Gottes ist (in dieser Zeit) also ein unsichtbarer Bereich, in dem völlig andere Regeln gelten als in dieser Welt. Es ist ein Reich der Gnade. Hier muß nicht geleistet werden, hier braucht es keinen starken Willen, keine Befähigung. Deswegen sind auch Kinder qualifiziert für das Reich Gottes; oder auch Arme und Ungebildete. Gottes Güte, sein Erbarmen, seine Zuwendung sind hier in leichtester Weise zugänglich. Das beinhaltet auch Heilung, Veränderung, Befreiung.

Es ist eigentlich leicht zugänglich für Arme, Schwache, Versager, Sündern u.a. – und oftmals schwer zugänglich für die, die auf die eine oder andere Weise reich sind. Und gerade auch für die, die in einem religiösen Sinne „reich“ sind an Selbstgerechtigkeit, Unbarmherzigkeit, Härte u.a. (was durchaus auch für ganze „christliche“ Ortsvereine ähm „Gemeinden“ gelten kann).

Die, die neugeboren sind, leben in ihm  – wenn auch manchmal leider mit einer völlig reichs-inkompatiblen (sprich: selbstgerechten, ausgrenzenden) Sicht auf die Dinge. Andere spüren seine Gegenwart und kommen auch hinein und genießen seine Wirkungen. Innerhalb des Reiches Gottes gibt es in dieser Zeit keine klare Unterscheidung zwischen Gläubigen und Ungläubigen (was vielleicht auch einige Stellen erklären kann, die gerne als vermeintlicher Beweis für Heilsverlust herangezogen werden).

 

Siehe dazu auch die Vortragsreihe „Ich bin für dich da“ von Michael Trenkel, hier erhältlich; und die Vorträge von Siegfried Zimmer im Rahmen von worthaus zum Thema „Reich Gottes“

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  1. Beeindruckende Zusammenfassung!
    Dazu fällt mir spontan ein Satz aus der Bergprdigt ein: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden!“
    Damit sind wohl nicht die gerechten Kämpfer und Rächer gemeint, die für Gerechtigkeit sorgen wollen, sondern die Versager und Sünder, die in dieser Welt den Status des Gerechten verspielt haben und auf die Gnade Gottes angewiesen sind ohne sie verdient zu haben!

  2. Kleine weitere Überlegung:
    „Sogar Nichtchristen scheinen in das Reich Gottes gelangen zu können“

    Dies findet indirekt Bestätigung im Gleichnis vom Kamel und Nadelöhr (+reicher Mann). Hier stellt Jesus die Frage nach dem „ewigen Leben“ als gleichwertig zur Frage nach dem „Reich Gottes“ dar. Die Frage nach dem „ewigen Leben“ ist z.B. auch der Ausgangspunkt der Erzählung vom Barmherzigen Samariter. Hier wird der Samariter als dafür beispielhaft in seinem Handeln dargestellt: So muss man Handeln, um das ewige Leben zu gewinnen. Der Samariter ist kein Christ und unterschied sich vom Judentum in seinem Gottesglauben in etwa so wie heute Christen und Moslems. Aber er erfüllte die Gebote der Bergpredigt/Feldrede und erwies sich so in seinem Tun auch als ein „Sohn des Höchsten“ (Gottes), durch: Barmherzigkeit, Hilfe ohne Dank zu erwarten, Feindesliebe etc. – als Nachfolger Christi und damit würdig dem Reich Gottes!
    (Auch er lebt nicht nach dem Fleisch, sondern nach der Liebe/Geist des Höchsten ein Leben, das über die materielle Welt hinausweist, szs. aus Gott geboren)

  3. Noch ein paar interessante Stellen aus euerem Artikel (Schade, dass ihr so wenig Aufmersamkeit findet! Wenn zu ausführlich löschen!)

    Ihr schreibt zum Reich Gottes:
    „Es war das Hauptthema seiner Lehre und Predigt.“ (genau! Die Grundhoffnug des Glaubenden)
    „Es ist außerdem ein Reich für die, die sowieso schon durch ihre Lebensumstände oder ihr Lebensgefühl merken, dass sie nichts zu bieten und vorzuweisen haben“ (genau! Die historische Hoffnung Israels)
    nicht irdisches, sondern „geistiges Reich“ (genau! der Traum der Propheten war immer schon nicht irdisch!!)

    Vielleicht kann man es so beschreiben und herleiten?
    Kein Volk, kein Reich, wurde von der Geschichte so grausam geschlagen wie Israel (Babylonische Gefangenschaft, Sklaven in Ägypten usw.) Dieses Hirten/Wüstenvolk hatte in den Augen der meisten nichts zu bieten, es war ein Spielball der Mächte und immer von Versklavung, Hunger usw. bedroht. So entwickelte es eine einzigartige Spiritualität, deren Grundgefühl war: Hier auf der Erde läuft so ziemlich alles falsch: Könige und Mächte verschwören sich gegen den Frieden, gegen die Armen usw. Das Reich nach dem Willen Gottes muss etwas grundlegend anderes sein als die traditionelle irdische Königsherrschaft! Die Propheten erträumten sich ein ein geistiges (!!) Reich des Friedens, ein surreales Reich, indem „Wölfe bei den Lämmern wohnen“, „die Könige dienen“ usw. Dieses Reich musste die eigentliche Heimat der Menschen sein. Und viele waren bereit dafür zu sterben. In ihrer Einfachheit griffen sie zwei zentrale menschliche Bilder auf, die für das Reich Gottes stehen sollten:

    Das Bild des grünen Paradieses, in dem alle Menschen einfach, gleich und schön sind. Das Bild der himmlischen Stadt aus Gold, des himmlischen Jerusalem, indem jeder Bürger gleichermaßen an den Schätzen der Kultur Teil hat. (vgl. z.B.Paulus der vom himmlischen Jerusalem als seiner Heimat spricht, oder Jesus, der versichert, dass das Reich Gottes das Paradies ist usw.)

    (Auch heute noch kann man z.B. in Protestsongs diese Ur-Bilder des Reiches Gottes finden. Bekanntestes Beispiel in letzter Zeit, wohl: Guns n Roses: Paradise City. Axl Rose bittet hier Gott (Jesus? Jedenfalls hatte er oft sein Jesus-Sirt an, als er es sang) ihn in die heilende Stadt zu führen.)

    Das Entscheidende dabei ist: Nach dem NT ist nicht perfekte Gotteserkenntnis und perfekte Glaubenstat zentral für den Glauben, sondern die Hofffnung auf dieses Reich der Gnade: Der Glaube an ein unverdientes Geschenk Gottes. Johannes der Täufer, der wilde Mann aus der Wüste, zweifelte im Gefängnis öffentlich an Jesus, aber Jesus nannte ihn trotzdem den Größten der Sterblichen – weil auf das Reich Gottes hoffte. Thomas zweifelte ebenso, aber Jesus versprach ihn seinen Frieden, denn Thomas hoffte auf das Reich Gottes. Ebenso handelte Jesus am Verleugner Petrus und an Philippus, der ihm kurz vor seinem Tode sagte, dass er immer noch nicht wisse, wer der Vater ist. Das NT geht sogar so weit, dass es den schwerreichen Josef von Arimathäa einen „Jünger Jesu“ nennt, obwohl dieser sich nicht öffentlich zu Jesus bekannte – aber er hoffte innerlich heimlich auf das Reich Gottes.

    • Danke für die Ergänzungen … die Aufmerksamkeit (wir haben durchschnittlich etwa 40 bis 60 Seitenzugriffe am Tag und sind bei mancher google-Suche direkt unter den ersten 10 Ergebnissen) ergibt sich u.a. daraus, wie sehr ein Gläubiger unter dem Gesetz leidet und wie er sich den Schaden daraus und den Schmerz erklärt. Solange er noch der Meinung ist, er hätte eben nicht genug getan, sich nicht genug angestrengt, stellt er eben sich selbst in Frage, die eigene Person, sieht sich als „Fehler“ – und nicht das Gesetzessystem, unter dem er lebt und leidet (daher auch unsere Polemik gegen das Leben unter Gesetz!). Klare Erkenntnis ist hier ähnlich „gnadenvoll“ (also ein Geschenk!) wie im Bereich der Erlösung. Niemand kann das „machen“.

      Neben uns gibt es ja inzwischen weitere Angebote, die auf die wirklichen Ursachen der frommen Misere aufmerksam machen, sie anschaulich erklären und den Ausweg ähnlich wie wir beschreiben (Michael Trenkel in Deutschland, Andrew Farley in den USA) – und eben auch nicht wieder klammheimlich die alten Ursachen mit einschmuggeln (wie manche „Gnadenlehrer“). Davor gab es seit den 1970er Jahre Jeff VanVonderen und David Seamands (siehe unsere Literaturliste unter https://www.amazon.de/registry/wishlist/1EHFYF5EA0E7Y/ref=reg_hu-wl_goto-registry?_encoding=UTF8&sort=date-added ), erst nur in den USA und dann auch auf Deutsch …

      … und natürlich ist es sehr wünschenswert, wenn dieses Angebot noch mehr Aufmerksamkeit finden würde. Damit würden sich aber auch die Konflikte innerchristlich verschärfen … vielleicht wäre es sogar sinnvoller, es würden sich weitere Webseiten mit diesem Inhalt finden (statt dass einzelne Vertreter „bekannter“ werden): denn gerade bei diesem Thema ist die Vermeidung jeglichen Personenkults sehr wichtig und entspricht dem Inhalt der Sache, um die es geht … für sehr wichtig halten wir auch das Thema „freie Gnade“, wie Michael Schneider es verdienstvoll thematisiert und auf die entsprechende Literatur aufmerksam macht (http://freiegnade.blogspot.de): denn selbst wer hier und jetzt unter Regeln und Gesetz lebt, hat wenigstens verstanden, dass seine Erlösung absolut gar nichts mit der Einhaltung von Regeln zu tun hat … und die Bemühungen von Siegfried Zimmer von „worthaus“ schätzen wir auch sehr: er benutzt den Begriff „Gnade“ kaum, redet aber ständig über die Sache an sich …

  4. (wie immer: wenn zu weitgehend löschen!)

    Interessant!
    Ihr schreibt sinngemäß: „Wie kommt man in das Reich Gottes? (…) Nicht umsonst benennt Jesus Kinder als Vorbild (…) Sie haben nicht die Hoffnungslosigkeit und Kleingläubigkeit der Erwachsenen“ usw.

    Eure Gedanken fand ich auch mal bei einem berühmten Schriftsteller – Oscar Wilde – genauer ausgeführt ! (der mit dem Kult-Grab im Cimetiere Pere Lachaise). Man sagt, er ging von diesen Gedanken aus und sah den Geist Jesu vor allem als einen poetisch-künstlerischen Geist: den Geist einer kindlich-romantischen, nicht gedanklich limitierten Poesie. Jesu Worte, vom „Glauben im Herzen“, der „jeden Berg versetzen kann“, vom naiven Glauben der Kinder als Vorbild, seine Kritik an den Buchstaben-Jüngern usw. deutete er als Aufforderungen zu einem poetisch-künstlerischem Glauben, der szs. poetisch-schöpferisch in Musik und Kunst die oft grausame, leidensvolle Welt überwindet und in das Reich Gottes führt. Szs. Jesus als der ultimative, mit kindlicher Phantasie begabte Künstler, der alle Menschen mit den Erzeugnissen seiner Gnade beschenken will ! (Wenn man seine Kunsttheorie als Laie so zusammenfassen kann?!)

    So sind m.E. seine Märchen u. Erzählungen für Kinder u. Jugendliche auch für Erwachsene sehr interessant zu lesen – sie enthalten bei aller überbordender Phantasie viele poetische Bilder aus dem NT.
    Das bekannte Märchen „The Selfish Giant“ z.B. lässt sich leicht in eure Gedanken übersetzen: Der Riese (= Erwachsene) öffnet sein Herz/Seele den Kindern, findet dadurch Jesus und das Reich der Gnade usw. Märchen wie „The Happy Prince“ oder „The Young King“ lassen sich auf den Prinzen/König und das Reich Gottes übertragen: Aus einem irdischen Herrscher wird der König des Gnadenreiches, das den Verlorenen hilft usw. Am bekanntesten ist wohl „The Fisherman and his Soul“: Der Fischer muss seine irdische Seele verlieren, die Religion überwinden, um mit seiner fremden Meerjungfrau eine Liebe zu erfahren, die nicht von dieser Welt ist und in ein anderes Reich führt usw. (Fun fact: Gibt´s auch in der Pop-Kultur: Sade als Meerjungfrau in „No Ordinary Love“)

    • … wir lassen das mal stehen – denn wir sind der Meinung, dass das Verhältnis von Christen zu Kunst dringend ein entspannteres werden muss. Oder ein interessierteres, weniger mißtrauisches.

      Ob Oscar Wilde tatsächlich das Reich Gottes erklären wollte, steht auf einem anderen Blatt 😉

  5. Das Reich Gottes und die Kunst…
    (löschen kein Problem, hab für mich selbst zusammengefasst !)

    Eine der großen Merkwürdigkeiten unserer Kultur ist wohl, daß wir Künstler und Schriftsteller wie Leonardo, Michelangelo, Raphael, Shakespeare, Goethe und wie sie alle heißen, allgemein als extrem gottbegnadete Menschen ansehen. Aber wir fragen kaum danach, wie sie Jesus und das NT gedeutet haben, was für sie eigentlich der Weg in das Reich Gottes war. Da vertrauen wir lieber den Theologen. Wir denken immer: „ Diese Menschen haben in der Kunst ihre persönlichen Gefühle ausgelebt, aber nicht richtig wissenschaftlich die Bibel untersucht. Also sind sie in ihrer Glaubensinterpretation nicht von Bedeutung…“ Dabei scheint es bei ihnen sehr interessante Deutungen Jesu und seines Glaubens, auch in Richtung konsequenter Gnade, zu geben !? Hier einige Beispiele aus der Kunst, von denen ich mal gehört habe, die die Lehre von konsequenter Gnade unterstützen könnten. (müsste man mal genauer durchdenken…)

    Z.B. Raffaels berühmtestetes Gemälde: Die Transfiguration. Es zeigt doch eindeutig Jesus als die Verkörperung der heilenden Gnade Gottes – irdisches Gesetz und Propheten treten vor ihr zurück und werden von ihr erhellt !? Und die jüdischen Jünger lesen in einem Buch = Altes Testament, um zu heilen, können es aber nicht. Nur die Gnade Gottes direkt vom Himmel, verkörpert in Jesus, vermag zu heilen und in das Reich Gottes zu führen !?
    Z.B. Gehörnter Moses des Michelangelo. Es zeigt Moses, wie er mit den Gesetzestafeln vom Berg Sinai hinabgestiegen ist. Und zwar den Moment den auch Paulus in 2 Kor 3 beschreibt: den vergänglichen Glanz des Gesetzes, der sich auf dem Gesicht Mose widerspiegelt und vor dem sich die Juden fürchteten. Viele stellten sich hier die Frage: Warum interpretiert hier Michelangelo diesen Glanz so dämonisch, ja fast teuflisch (mit den übergroßen Hörnern). Wollte er damit ein Statement gegen das Gesetz geben !?
    Z.B. Allgemein die Malerei der (italiensichen) Renaissance mit ihrer Marienverehrung, den Himmelfahrten und Engeln. Die Künstler interpretierten Maria als das Symbol der Gnade Gottes (des heiligen Geistes) durch die der Glaubende wieder zum Engels-Kind (wie sein Bruder Jesus) wird. Getreu den Worten Jesu: „Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ (Mk 10) Indem der Glaubende Jesus als seinen Bruder erkennt, bekommt er Maria als Mutter, getreu den Worten Jesu am Kreuz: „Frau, siehe, dein Sohn!“ (Joh 19) usw. Durch diese brüderliche Liebe = Jesus, durch diese mütterliche Gnade = Maria, steigt er als Engels-Knabe in den Himmel zum Vater in das Reich Gottes auf – jenseits aller irdischer Gesetze.

    Jedenfalls scheint es so zu sein, dass allgmein in der Kunst und bei den berühmten Künstlern eine viel stärkere Betonung der göttlichen Gnade – jenseits aller irdischer Gesetze – vorliegt, als in der Theologie bzw Religion. Und dies scheint nicht nur auf das Christentum begrenzt. (Weil ihr es auf Facebook angesprochen habt: Ich hab z.B. mal gehört, dass in der islamischen Welt nahezu alle berühmten Dichter ab dem 12. Jh. den Islam/Koran antinomistisch und allversöhnend ohne Hölle gedeutet haben, nach dem Motte: Die Gnade Gottes kann mit keinem irdischen Bild (z.B. Hölle/Fegefeuer), Gesetz usw. verglichen werden. Sie erlöst von allem Irdischen. Jesus war einer ihrer Propheten (im Islam ist er der „Prophet der Liebe“) usw.

    • Einige weitere Beispiele, wie die Kunst interessante, ungewöhnliche Perspektiven auf das Reich Gottes – in Richtung allgemeiner Gnade – geben könnte !?
      (Wollte ich mal genauer durchdenken, ist mein Hobby! Vielleicht auch für euch interessant? Sonst löschen!)

      Z.B. Spekulationen um die Liebesverbindung von Maria v. Magadala und Jesus jenseits des jüdischen Gesetzes. Hier scheinen vor allem die Malerei der Renaissance und ihre zentralen Bildmotive die Ursache: Kreuzestod und Auferstehung. Beim Kreuzestod („Es ist vollbracht“) befindet sich allgemein die „Glaubensfamilie“ = die engsten Vertrauten, direkt unter dem Kreuz: Mutter Maria, ihre Schwester, der Lieblingsjünger (= Bruder) – und immer (sogar meist zentral) Maria v. Magdala. Familienangelgenheit der Pflege des Leichnahms: Maria von Magdala leitet diese Aufgabe und wird erste Auferstehungszeugin. Zentrales Bildmotiv: Jesus, der Auferstandene, begegnet Maria ohne andere Zeugen im Garten. So bekommt Maria v. Magdala in der Perspektive der Kunst/Malerei eine viel größeres Gewicht, als in der Perspektive der Theolgie, die aus dem Text ja eher Regeln und Lehren ableiten will. Hieraus entstanden dann die Spekulationen ?!
      Z.B.Lessing „Nathan der Weise“ = „Himmlisches Jerusalem“ in der Dichtung !? Dieses Drama scheint um das Beispiel des „barmherzigen Samariters“ konstruiert. In Jerusalem rettet ein Templer aus reiner Barmherzigkeit jenseits aller Religion ein jüdisches Mädchen aus den Flammen – obwohl er eigentlich etwas gegen Juden hat! Nach zahlreichen Verwicklungen kommt heraus, dass beide moslemischer Abstammung sind usw. Schließlich wird ein Bild des himmlischen Jerusalem gezeigt, in dem Brüderlichkeit und Freundschaft der Menschen jenseits der Religion nach dem Willen Gottes herrschen…
      Z.B. Shakespeare der islamischen Welt: Rumi (um1250). Der bedeutendste Dichter und Korangelehrte soll Jesus in über 80 Gedichten als Propheten der „göttlich absoluten Gnade“ und Liebe gezeigt haben. Jesus gilt bei ihm und wohl auch im Islam als einziger Mensch der Geschichte, der wirklich Leben geben konnte (= z.B. Tote erwecken) (nicht Mohammed!?). Jedenfalls scheint dieser Dichter vielen sehr interessant, weil seine Bildsprache von der Gnade Gottes in ihrer Einfachheit noch sehr dem NT verwandt ist. (kenne leider bisher nur „Alchemy of Love“, das man allgemein auf Jesus bezieht)

  6. Das Reich Gottes in der Kunst: Göttliche Gnade und Gesetz in den Augen der Künstler…

    (einige weitere entlegene Beispiele, die ich mal genauer durchdenken wollte, hab leider oft nicht die Zeit, vielleicht was Interessantes dabei, löschen no problem !)

    * Mittelalterliche Kathedralen: Anti-Figuren der „Ecclesia und Synagoge“. Ecclesia als stolze, gekrönte Braut Christi, sich auf das Kreuz stützend, auf den neuen Bund (= Kelch) vertrauend usw. vs die gebeugte blinde Synagoge – ein Frau mit den Tafeln der Gebote, sich auf die gebrochene Lanze stützend mit der Jesus durchbohrt wurde. Sinnbild: Bund der Gnade vs Bund des Gesetzes (Z.B. Strasburger Münster, Notre Dame Paris)…!?

    * Raffael: Alttestamentliche Vision des Ezechiel von der Majestät Gottes, die auf die Erde niederkommt – vom Thronwagen, dessen vier Räder und Wesen die Straßen Gottes befahren (vgl. heute z.B. X. Naidoo, Seine Strassen). Raffel deutet diese Majästät nach den vier Wesen (Symbolen) der Evangelisten. Also: Gott wendet sich in den Evangelien in Glorie, segnend, den Menschen zu und öffnet die Strassen in das Himmelreich – im neuen Bund der Gnade, nicht des Gesetzes… !?

    * Hölderlin: Hyperion. Geistige Flucht eines jungen Mannes in das pardiesische alte Griechenland, um eine „neue Kirche“ zu gründen, ein frei liebender, heldischer Mensch zu werden – jenseits der Knechtschaft der gesetzlichen Religion und der Schulweisheit. Er vermischt dabei den „Gottvater“ des alten Griechenlands mit dem von ihm gesuchten „lieben guten Vater“ seiner streng religiösen christlichen Kindheit. Er sieht die unverbildeten Kinder als die wahrhaft natürlich Glaubenden, z.B.: „Ja! ein göttlich Wesen ist das Kind, solang es nicht in die Chamäleonsfarbe der Menschen getaucht ist. Es ist ganz, was es ist, und darum ist es so schön. Der Zwang des Gesetzes und des Schicksals betastet es nicht; im Kind ist Freiheit allein. In ihm ist Frieden (…) Aber das können die Menschen nicht leiden. Das Göttliche muß werden, wie ihrer einer, muß erfahren, daß sie auch da sind, und eh es die Natur aus seinem Paradiese treibt, so schmeicheln und schleppen die Menschen es heraus, auf das Feld des Fluchs, daß es, wie sie, im Schweiße des Angesichts sich abarbeite…“ (unglaubliche sprachliche Bilder, oft aus der Bibel !).

    * Schiller: Die Räuber. Drama scheint um den „verlorenen Sohn“ des NT konstruiert. Durch Intrige seines teuflischen Bruders, der der alleinige Erbe sein will, wird Karl zum verlorenen Sohn. Er wendet sich von seinem gnädigen Vater ab und wird in einem fernen Land Verbrecher. Doch durch die Liebe zu seiner Freundin kehrt er aber noch einmal zum liebenden, ihm verzeihenden Vater zurück, durchschaut dann die Intrige seines Bruders und beschließt dann, sich der Gnade Gottes anzuvertrauen: sich dem Gericht zu stellen, seine Verbrechertum, seine Sünden, zu bekennen…

  7. Weitere „ziemlich verrückte“ Ideen zu „Konsequente Gnade“ und das „Reich Gottes“ in der Kunst
    (vielleicht was Interessantes dabei; vieles kann man wohl auch anders sehen ! Löschen ist o.k.)

    Michelangelo:
    Pieta in Rom. Der Fokus des Kunstwerks liegt auf einer wunderschönen Maria, die wundersam jugendlich wie eine zarte Maria Magdalena erscheint. Sie hält, ohne sichtbare Anstrengung, mit überirdischer Gnaden-Stärke den schweren Leichnam Jesu auf ihren Knien geborgen und scheint in Trauer zu fragen: „Wie konnte dieser Tod nur geschehen ?“ Doch insgesamt ist die Skulptur nicht von Todestrauer, Todesangst geprägt, sondern von der ruhigen, sicheren, überirdischen Gnadenstärke Marias, in der der Tote geborgen ist – einem ewig jungen, heiligen Geist der Gnade, der alles Irdische, Schwere, Belastende überwindet…!? Wer an diese Gnade glaubt – wird er nicht wie sein Bruder Jesus im Tod überirdisch geborgen sein..!?
    Tondo Doni, Florenz. Es zeigt die Heilige Familie mit dem Jesuskind, abgesondert von rätselhaften, nackten Männern im Hintergrund. Eine Deutung, die immer wieder dazu vorgebracht wird, ist: Michelangelo wollte hier die Menschheit unter unwürdiger Sünde und sub lege, also unter Gesetz, zeigen – abgegrenzt von der ehrwürdigen Menschheit sub gratia. Die nackten Männer sind noch nicht unter Gnade und kämpfen wohl um würdige Bekleidung, um ihre Scham zu bedecken. Nur der kleine Johannes der Täufer, noch im Fell bekleidet, das ihn bedeckt, blickt sehnsuchtsvoll-prophetisch auf Höheres: auf die ehrwürdig gekleidete Heilige Familie und auf seinen himmlischen Bruder. Vielleicht in Anspielung auf Lk 16, wo Jesus, den reichen, vordergründig gesetzestreuen Menschen, die sich durch ihre Leistungen/Werke selbst kämpferisch rechtfertigen – und so ihre Scham, ihre Unwürdigkeit vor Gott, bedecken wollen – sinngemäß sagt: „Keiner wird dem harten Gesetz gerecht. Denkt nicht so hoch, so ehrbar, von euch. Das Gesetz gilt nur bis zu Johannes, ab da aber gilt die prophetische Gnadenbotschaft vom Reich Gottes“ !? Jedenfalls scheint Michelangelo mit der abgesondert, in verschlungener Drei-Einheit dargestellten Heiligen Familie das Mysterium der göttlichen Gnade verdeutlichen zu wollen: Der gnädig beschützende Vater überreicht der gnädig sorgenden Mutter das himmlische Gnaden-Kind und diese scheint bereit, es sogleich gnädig der Welt zu zeigen. Und so sieht Johannes seinen himmlischen, ihm verblüffend ähnlich sehenden Bruder/Spielgefährten, die himmlisch gnädige Mutter und den beschützenden Vater – alle im heiligen Geist der Gnade, „sub gratia“, vereint. Also: Der irdische, unwürdig bekleidete Mensch bekommt eine himmlische, ehrwürdige Familie ohne Vorleistung, rein im Geist der Gnade, geschenkt… usw.

    Gottes Gnaden-Finger bzw. Hand in der Kunst
    Die berühmteste Handhaltung der europ. Kunst ist wohl der „Finger Gottes“ bei der „Erschaffung Adams“ von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Der himmlische Vater lässt hier in schöpferischer Gnade augenscheinlich den Funken ewigen Lebens, ewigen Geistes, vom göttlichen Finger auf den Menschen überspringen: Er schafft den noch reinen Menschen vor dem Sündenfall. Ein Bild, das irgendwie dem Wort Jesu ähnelt, dass durch seine „Berührung mit dem Finger Gottes“ das Reich Gottes zu den im Fleisch verlorenen Menschen kommt. Jedenfalls übernahmen einige Künstler diese Handhaltung Gottes/Adams bei Michelangelo dann auch in ihren Darstellungen der Wunderheilungen Jesu. Wohl, um zu verdeutlichen: Jesus heilte nicht nur körperlich, sondern die Begegnung mit ihm schafte in schöpferischer, konsequenter Gnade geistig einen neuen, sünden-erlösten Menschen: einen neuen Adam. Berühmtestes Beispiel hierfür ist wohl Caravaggios legendäres Gemälde „Berufung des Matthäus“ (Rom). Hier zeigt Jesus mit einer Michelangelo nachempfundenen Gnaden-Arm-Geste unter schöpferischem Licht auf dem im finsteren Eck, im Mammon, im Geldzählen, versunkenen Zöllner Matthäus. Und damit schafft er in überirdischer Begegnung einen neuen, erleuchteten Menschen, der nicht mehr dem Geld, der irdischen Macht, sondern der Gnade Gottes folgt usw. (Vgl. auch Carav. „Erweckung des Lazarus“). Derselbe Gedanke findet sich wohl auch bei El Greco (z.B. Dresden, Heilung des Blinden): Der Blinde streckt wie der Adam des Michelangelo den Arm der göttlichen Gnade entgegen und der „Finger Gottes“ erleuchtet sein blindes Auge, seine im Finstern gefangene Seele schöpferisch zu wahrem Leben usw. Alles nach dem Motto, wie z.B. auch bei F. Mercury „Jesus“ ausgedrückt: Jesus erschafft den leprakranken Menschen in schöpferischer Gnade zu einem „neuen Menschen“, der aus erfahrener himlischer Gnade lebt – und das eben nicht nur körperlich, sondern vor allem auch geistig usw.

    Ghiberti: Der Glaube Abrahams von den „Gates of Paradise“ (Battistero di San Giovanni, Firenze)
    Ghiberti berücksichtigt hier den wichten, oft übersehenen Glaubens-Kontext, in dem die Opferung Isaaks steht. Abraham hat zuvor das ewige Gnadenversprechen von den drei fremden Männern erfahren: Bei Gott ist nichts unmöglich ! Die Völker der Erde werden durch seinen Sohn Segen erlangen ! Und so deutet Ghiberti den Glauben Abrahams als Vorausdeutung auf den Glauben Jesu. Abraham glaubte an heilige, gnädige Gastfreundschaft für alle Fremden, alle fremden Völker und wusch so unwissend Gott, dem himmlischen Vater selbst die Füße. Er, bewirtete im Abendmahl die Dreieinheit des Heiligen Geistes und Sara bereitete gnädig als Dienerin das Brot für die Fremden auf dem Gnaden-Tisch. Sie erwiesen sich so im Abendmahl als echte Diener Gottes und wurden mit seinem Segen belohnt – einem Segen, der keine Opfer – also auch nicht das Opfer Isaaks – verlangt und den Tod überwindet usw. (vgl. z.B. auch Mosaiken v. San Vitale Ravenna um 500)

  8. Universelle Gnadenbotschaft / Reich Gottes in der Kunst ?!
    Hier einige Beispiele, wo ich in der Kunst manchmal Inspiration für das Verständnis der universellen Gnadenbotschaft Jesu suche ! Kann nicht beweisen, ob das stimmt ! Aber vielleicht auch für jemand andres interessant !? Löschen no pro ! („Some say I’m crazy / I guess I’ll always be…“)

    James Tissot: „Das Leben Jesu“. Tissot zeigt in der berühmten Bildserie vor allem den Menschen Jesus – einen rothaarigen, einfachen, tief an seinen himmlischen Vater glaubenden Mann, und zwar in dessen zeitgenössischer Umgebung und in Begleitung seiner Jünger. Dies geschieht aber oft so, dass man auf die übergeordnete Gnadenbotschaft Jesu aufmerksam wird. Zum Beispiel dann, wenn seine Begleiterin, die rothaarige Magdalena als Meisterschülerin ihm am nähesten, zu seinen Füßen, der Gnadenbotschaft nachträumt, während sich Martha im Hintergrund eine schwere Last nach der anderen aufbürdet. Oder, wenn er Jünger Philippus wie einen Blinden darstellt, den man die Augen öffnen muss, weil er seinen Vater nicht sieht: „Sie mich an ! Der Vater wohnt in mir ! Erkennt meinen Glauben und der Vater und ich, der Auferstandene, werden auch in euch wohnen…“ (Address to Philip, Joh 14). Interessant ist z.B. auch „Agnus dei/Scapegoat“: Tissot zeigt hier Jesus, wie er sich vor einer Steinigung in die Einsamkeit der Wüste flüchtet. Was ja in der Tat laut NT mehrmals vorgekommen sein muss. Jesus musste selbst in Nazareth fürchten, gesteinigt zu werden und zog sich für seine Heilungen dann in die Einöden zurück. Doch hier deutet Tissot diese Umstände in besonderer Weise: Jesus trägt bei seiner Flucht ein Schaf auf seinen Schultern und wird von einem schwarzen Bock begleitet. Jesus ist also der verstoßene Sündenbock des großen Versöhnungstages, der zur Versöhnung mit Gott alle Sünden übertragen bekommt. Jesus rettet als guter Hirte das verlorene Schaf vor dem Steinigungs-Gericht und birgt es in Sicherheit usw. In „It is finished !“ versucht Tissot wohl zu zeigen, dass Jesus die Erfüllung, das Ziel, das Ende des Gesetzes und der Propheten ist: Die alten Propheten kommen vom Himmel herab, um beim Tod Jesu die endgültige Erfüllung der Schrift zu verdeutlichen !? Am bekanntesten ist wohl „What our Saviour saw from the Cross“: Tissot blickt mit den Augen Jesu auf die ihm Nahestehendesten vom Kreuz herab. Man kann hier viel verborgene Symbolik vermuten – auf jeden Fall wird man zum Nachdenken angeregt. Ebenso wie bei „Jesus carried to the tomb“: Wie bei einer Thora-Prozession wird der seltsam leicht anmutende, eingewickelte Leichnam Jesu getragen. Zeigt Tissot hier Jesus als die lebendige Erfüllung der Thora ?! Insgesamt entfaltet sich dann in der Bildserie die auch von anderen Künstlern vorgebrachte Bildsymbolik, Bildsprache: Die Auferstehungs-Gnadengengel ohne richtendes Schwert, die dem Menschen den erneuten Zugang ins Paradies verkünden. Der neue Gnadenstuhl des Tempels – das leere, allerheiligste Grab im Paradiesgarten –, das von den Gnadenengeln bewacht wird, wie einst die Thora und die Gebote im Allerheiligsten des Tempels. Jesus als neuer Adam im Paradiesgarten mit seiner im Glauben neu geborenen Gefährtin, der lang-rothaarigen Maria Magdalena usw.

    Florentiner Renaissance: Allgemein sieht man die Fl. Renaissance mit ihrem Rückgriff auf die heldenhafte Nacktheit der Antike als heidnischen Gegensatz zum Christentum. Doch dabei wird wohl vergessen, dass Raphael, Michelangelo, Botticelli z.B. sich nicht als Gegner des Christentums sahen, sondern in ihren Werken oft direkt christliche Glaubensbotschaften verkündeten. Es war wohl eher so, dass sie in ihrem universalen Gnaden-Glauben die schamfreie Nacktheit und das Heldentum der Antike mit der Botschaft des Evangeliums verbinden konnten. Ein Beispiel zur Verdeutlichung – Michelangelos „Der auferstandene Christus“ (Rom, S. Maria Sopra Minerva): Als nackter, paradiesischer Held tritt Jesus uns entgegen und hält heldenhaft stolz sein Kreuz. Wie ein strahlender griechischer Heldenmensch – ein Göttersohn mit ewigem Leben – scheint er auf den Betrachter hinabzuschreiten. Er schreitet als auferstandener himmlisch-heldischer Mensch, als nackter neuer Adam, mit ewigem Leben und Kraft, in das Tal des Todes hinab, um den Verlorenen das ewige Leben zu schenken. Die Waffe mit der er die Welt im ewigen Heldentum bezwungen hat, ist nicht das vergängliche irdische, kämpferische Schwert, sondern das überirdisch heldenhafte Kreuz usw. Man kann diese Verbindung von antikem nackten Heldentum und biblischen Glauben auch leicht in Michelangelos berühmten David aus Florenz (Accademia) feststellen. Da ist einmal der biblische Held David, der nicht auf seine eigene, irdische, kriegerische Stärke vertraut, sondern auf die gnädige Stärke Gottes, die seine Hand führen wird – verdeutlicht wohl durch die überirdisch großen, starken Hände der Heldenfigur. Nicht der Mensch aus eigener Kraft ist Sieger, sondern nur durch die Gnade Gottes, die Hand Gottes, kann er zum Sieger werden. Gleichzeitig zeigt Michelangelo hier aber einen nackten Menschen in überirdisch weißer Reinheit und Harmonie, einen engelhaft-reinen, heldenhaften Menschen. Er zeigt einen Menschen, der keine Scham, nichts Böses, nichts Unreines an sich hat. Ist das nicht ein neuer Adam, der uns hier geistig entgegentritt !? Der heldenhafte Messias, der Überwinder der Sünde, der Rückführer in das Paradies, von dem David selbst als Prophet träumte !? Ein aus göttlicher Gnade neu geschaffener, paradiesisch-reiner, harmonischer Mensch im reinen, schamfreien Auferstehungsleib, der himmlische Hirte des Paradieses !?
    Hieraus wird wohl deutlich, dass die Künstler der italienischen Renaissance die antike, schamlose Nacktheit und das antike Heldentum durchaus mit der Botschaft des Evangeliums verbinden konnten. Sie sahen den Auferstandenen Jesus wohl als den Prototypen des heldenhaft-göttlichen, harmonischen Menschen: den Göttersohn aus Gnade, den Nackten, neuen Adam, der wieder das Paradies, die Schöpfung, heldenhaft regiert und mit Hilfe seines Vaters siegreich bleibt usw.

    Vielleicht kann man sogar das andere Wahrzeichen von Florenz, das berühmte Gegenstück zu Michelangelos David, die Venus des Botticelli (Florenz, Uffizien) in diese Richtung deuten ? Durch göttliche Gnade wird sie, die Götter-Tochter in himmlisch-paradiesischer Reinheit und Schönheit an den paradiesischen Strand gespült. Ihr schimmerndes langes rotes Haar wird zärtlich von einem himmlisch-väterlichen Wind umschmeichelt. Hüftlanges rotes Haar war, das ikonographische Kennzeichen der Maria Magdalena, wie Botticelli sie selbst wohl hunderte Male als christlicher Maler gezeichnet hatte usw.

  9. Gnadenbotschaft/ Reich Gottes in der Kunst !
    Hier einige weitere Beispiele von Kunstwerken, die vielleicht die universelle Gnadenbotschaft Jesu verdeutlichen. Vieles kann man wohl auch anders sehen… Vielleicht was als Anregung interessant !? Ist für mich geschrieben ! Löschen no pro !

    „Samaritan Woman at the well“ v. A. Carracci, Mailand: Carracci zeigt hier den Moment, in dem die Samariterin ihren Wassereimer, den sie nun nicht mehr braucht, stehen lässt und zu ihrem noch un-gläubigen Dorf läuft. Jesus hat ihr wohl gerade gesagt, dass die Zeit anbricht, in der man nicht mehr religiös streitet, wie und wo man Gott richtig verehrt. Die Menschen werden jenseits aller Religion zu ihrem himmlischen Vater im Geist und Wahrheit seiner Gnade beten – und zwar in ihrem Herzen, wie seine Handhaltung wohl zeigt. Hier zeigt das Bild eine geniale Idee: Die Samariterin, eine wun-derschöne Frau in einem engelweißen Gewand, läuft auf uns – auf die Betrachter des Bildes – zu. Wir sind also die noch ungläubigen Samariter, die die frohe Botschaft vernehmen sollen: „Seht ! Da ist ein prophetisch-messianischer, fremder Mann, der alle meine vielen Sünden kennt, aber mir trotzdem die Gnade Gottes, sein reinigendes, Leben gebendes Wasser verspricht und schenkt. Ich musste nur in gutem Glauben und Hoffen nach diesem „Geschenk des Vaters“ (Joh 4,10) jenseits aller Religion und ihrer Streitereien fragen…“
    Wie reagieren nun wir, als bildbetrachtende Samariter, auf die Botschaft dieser uns entgegenkom-menden Frau !? Werden wir uns der überreligiösen Gnaden-Hoffnung der einfachen Frau anschlie-ßen !? Werden wir den Fremden aufsuchen und seine versprochene universelle Gnade Gottes in unser Haus aufnehmen ? Werden wir den engen Weg zur „Heilung der Welt“ erkennen und be-schreiten ? usw.

    „Anbetung der Magier/Könige“ (unvollendet) v. Leonardo da Vinci, Uffizien Florenz: Es scheint als habe Leonardo eine poetische Deutung dieses Motivs („Anbetung der weisen Magier“) versucht, die so auch im Volksglauben vorgekommen ist. Man verband die universelle Friedensbotschaft der An-betung der Hirten (Lk 2) mit der Anbetung der fremden Magier (Könige) und mit der im AT ver-sprochenen „Wallfahrt der Völker (und ihrer Könige) zum Zion“. Der Prophet Jesaja hatte z.B. pro-phezeit, dass den Menschen, die in Finsternis wandeln ein großes Licht aufgehen wird. Ein Kind wird geboren werden, dass als geborener geistiger „Friedenskönig“ im Namen des „ewigen Vaters“ ein gerechtes, ewig-himmlisches Friedensreich auf dem Zion ausrufen und errichten wird (Jes 9). Die Völker der Welt und ihre Könige werden sich erstaunt und verwundert diesem Friedens-Glaubens-Gnaden-Reich im Herzen und Geist anschließen (Jes 2, Jes 53). Der Zion wird mit sei-nem Gnaden-Friedens-Glauben ein „Bethaus für alle Völker“ werden (Jes 56, Mk 11), deren Könige ihre Schwerter und Schilde als friedliche Hirten ablegen: „Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Schilde auf Erden…“ (Ps 47, z.B.). So wird ein neuer, ewiger Freidens-Tempel gegründet usw.
    Abgegrenzt im Hintergrund des Bildes zeigt Leonardo nun skizzenhaft die schattenhafte Vergan-genheit der Menschheit: eine Schlachtszene mit Pferden und Reitern und einen eingestürzten, ver-fallenen, alten Tempel. Beides wohl Symbole für den vergehenden, alten, irdisch-kriegerischen Geist und Glauben. Die Menschen wenden sich von den alten Schatten, dem alten Tempel ab und konzentrieren sich (kreisförmig) um den neuen friedlichen Glauben, den neuen Tempel. Sie wen-den sich dem Geist himmlischer Gnade zu – verkörpert durch Maria und ihren, die Menschen fried-lich segnenden Sohn. Manche scheinen noch nachdenklich, verwundert und unsicher im neuen Friedens-Gnaden-Glauben. Doch die weisen Friedens-Hirtenkönige verehren ohne Schwert demütig den sich hier zeigenden himmlischen Frieden und die himmlische Gnade. Ganz, nach dem Motto für die Hirten, bei der Verkündigung der Geburt Jesu: „Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade…“ (Lk 2)

    „Paulus weist Petrus zurecht“ v. Guido Reni, Mailand: Reni bezieht sich hier offensichtlich auf die Szene, die Paulus in Gal 2 schildert. Paulus hatte Petrus zurechtgewiesen, weil er nach außen hin eine Einhaltung des alten Gesetzesglaubens heuchelte, obwohl er innerlich durch Jesus bereits da-von abgekommen war, „denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht“. Hier zeigt Reni nun im Gemälde die Reaktion des Petrus darauf, die so in der Bibel nicht geschildert wird. Petrus ist sichtbar verzweifelt, zerknirscht und weint, als Paulus unter Verweis auf das Evangelium, das er in seiner Hand hält, ihn zurechtweist. Damit verknüpft der Maler diese Szene mit einer anderen bekannten Szene aus dem Leben des Petrus, einem anderen bekannten Bildmotiv: die Verleug-nung Jesu durch Petrus im Haus des Hohepriesters. Auch hier war Petrus laut NT zerknirscht über sein Versagen und weinte. Und damit deutet Reni die Orientierung des Petrus am alten Gesetzes-glauben als einen erneuten Verrat des Petrus an Jesus, am Wort Gottes, konsequent ganz so wie Paulus es in Gal 2 feststellt: „Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.“

    „Ecce Homo“ v. Caravaggio, Genua: Caravaggio malt die Szene, in der der verurteilte Jesus dem Volk gezeigt wird, nicht als einfaches, narratives Ereignis, eine Episode im Leben Jesu, wie viele andere Maler. Sondern er zeigt einen Pilatus, der den Bildbetrachter direkt anblickt, als er die Worte spricht: „Seht den Menschen !“ Der Statthalter hebt fragend die Hände und scheint aufzufordern: „Denkt mal über die gemalte Szene und die Worte, die ich gerade sagte, nach ! Steckt dahinter nicht eine tiefere, allgemeine Bedeutung !?“ Und in der Tat: Man kann die Worte „Ecce Homo“ die zu dem mit Flüchen belegten, als gottlos verspotteten, mit Dornen gekrönten, falschen König Jesus gesagt werden, als direkte allgemeine Aussage der Evangelien über den Menschen und dessen Natur – also über uns selbst – verstehen. So wie Jesus hier dargestellt ist, so sind doch wir in Wahrheit selbst. Seht den Menschen, Ecce Homo: Wir sind nicht mehr die im Kern guten, rechtmäßigen Könige der Schöpfung wie nach Gen 1, sondern die verfluchten, gefallenen, im Prinzip gottlosen Dornenkönige. Wir sind Spottgeburten, auf deren Feldern kriegerisch stechende Disteln und Dornen wachsen, deren Werke und Früchte Disteln und Dornen sind, die dem Tod Frucht bringen usw. Wir stehen allesamt unter einem gottlosen Fluch und können uns niemals durch unsere eigenen Werke retten. Ein jeder ist ein „irrendes Schaf auf seinem eigenen Weg“ (Jes 53,6), den einzig nur der enge Weg der unverdienten Gnade Gottes retten kann. Die persönliche, brüderliche ewige Liebe des himmlischen Vaters musste also in die gefallene Welt kommen, um uns in unverdienter Gnade von diesem Fluch zu befreien. Sie muss gefallener, verspotteter, leidender, verurteilter, verfluchter Mensch werden und selbst im Fluchzeichen des Kreuzes sterben, um im neuen Zeichen ewiger Gnade und Liebe aufzuerstehen usw. Die brüderliche, lebendige Liebe Gottes musste sich für uns als ein überirdisch friedliches, menschliches Lamm opfern, um uns vom irdischen Fluch zu befreien. Und so zeigt Caravaggio Jesus als einen natürlichen Menschen, der an seinem Kopf das natürliche Blut der Folter und der Dornenkrönung zeigt, dessen zuvor gegeißelter Leib, aber in einem überirdisch reinen, unversehrten Weiß leuchtet – in der himmlischen, geistigen Reinheit des Opferlamms usw.
    Wir als gefallene Menschen – ecce homo ! – benötigen ein brüderliches himmlisches Opfer, dass uns aus der Spirale von Gewalt und Tod, unserem Fluch, rettet, dass so einen überirdisch-himmlischen Geist der Gnade begründet. Ganz so, wie der verfluchte Räuber Dismas, der am Ende am Kreuz auf die unverdiente, himmlische Gnade des Gottesreichs setzte. Eigentlich der einzige Mensch, dem Jesus ausdrücklich versprach „mit ihm zusammen“ – also als sein Begleiter und Freund –das ewige Paradies zu feiern usw.

  10. Konsequente Gnade: Das Reich Gottes in der Kunst – die Verehrung des klassischen Griechenland.
    Die universelle Gnade Jesu und der freie, griechische, „klassische“ Mensch

    (Das war mal ein verrückt-esoterischer, viel zu langer Versuch von mir, die beiden Grundlagen unserer Kultur Jesus/Christentum und klassisches Griechenland irgendwie zusammenzudenken… Gehört eigentlich nicht auf eine streng christliche Site ! Löschen no pro ! Vielleicht was interessant: „Moments plus dreams make love !“

    Wenn man die genialsten klassischen Künstler der europäischen Geschichte (Raffael, Michelangelo, Leonardo, Goethe, Byron usw.) betrachtet, die die unergründliche Gnade Gottes, die Botschaft Jesu, eindrücklich darstellten, dann stellt man fest, dass diese oft auch das antike, „klassische“ Griechenland verehrten. Sie sahen in dessen Kultur wohl eine Art poetisches Reich, eine poetische Bilderwelt, die gänzlich von der lebendigen, beseelenden Gnade des „Göttervaters“ durchzogen war. Aus dem „Haupte“, der Gnade, des Göttervaters waren andere „Göttlichkeiten“ hervorgegangen, wie z.B. das göttlich beseelte Meer, dargestellt im Gott Poseidon, oder die beseelte Sonne dargestellt im Sonnengott Helios usw. Die griechischen, heldischen „Göttersöhne“ lebten in ihren Mythen in einer von göttlicher Gnade poetisch beseelten, paradiesischen Natur, wie Schiller z.B. wehmütig in „Die Götter Griechenlands“ beklagte: „ An der Liebe Busen sie zu drücken / Gab man höhern Adel der Natur, Alles wies den eingeweihten Blicken, Alles eines Gottes Spur“. Und Goethe z.B. versetzte sich in den freien, jungen, heldischen Hirten „Ganymed“, der in Einheit mit der paradiesischen Natur lebte und vom ewig gnädigen „alliebenden Vater“ im Geist des Adlers in den Himmel erhoben wurde (verehrt im Sternzeichen Wassermann). Dies erscheint auf den ersten Blick in extremen heidnischen Gegensatz zur jüdischen Welt aus der Jesus stammt, aber wenn man genauer hinsieht, bestehen verborgene Ähnlichkeiten – vor allem in der Person Jesu. Jesus erscheint im NT naturverbunden wie die berühmten, friedlichen, arkadischen Hirten Griechenlands und er sieht und besingt wie sie eine poetischen Offenbarung des Göttlichen in der Natur. Man denke z.B. nur an seine Worte vom Regen-Segen über Gut und Böse aus den Wolken des Himmelreichs – von der Erhabenheit und Friedlichkeit des Himmelreichs in den Wolken, die zum Menschen poetisch davon spreche, dass allein das Reich Gottes und der himmlische Vater gerecht seien und eben kein irdisches Reich und keine von Menschen „gemachte“ Gerechtigkeit. Und Jesus spricht die Blumen in ihrer prachtvollen Kleidung als lebendige Persönlichkeiten an und gebietet dem Meer von Tiberias Ruhe wie einem störrischen, lebendigen Wesen usw.

    Und so kann man die verrückt „esoterische“ anmutende Frage stellen: Gibt es einen verborgenen geistigen Zusammenhang zwischen der Kultur des antiken, heldisch-freien Griechenland und der Kultur des NT (Jesus, dem frühen Christentum)? Immerhin ist doch das NT in Griechisch verfasst, Paulus war die meiste Zeit in Griechenland, Johannes lebte dann auf Patmos und das „halbheidnische“ Galiläa war laut den Historikern von der Kultur Griechenlands stark geprägt („Großreich Alexander des Großen“). Sepphoris, z.B., die größte Stadt Galiläas zur Zeit Jesu, 5km entfernt von Nazareth, war nach griechisch-hellenistischer Kultur angelegt, z.B. mit griechischen Gastmahl-Dionysos-Mosaiken, die den friedenstiftenden Wein verherrlichen und dem griechischen 12 Sternzeichen-Kreis für die 12 Stämme Israels in den Synagogen (mit Helios auf seinem Wagen !). Es gab dort ein griechisches Theater und Historiker glauben, dass Jesus hier sein griechisches Wort für Heuchler, nämlich „Maskenschauspieler“ (hypocritos), das es so im Jüdischen nicht gab, lernte. Diese damalige Ausrichtung weiter Teile des Rand-Judentums an der griechischen Kultur kann man z.B. auch an den Namen der Apostel erkennen: „Andreas“, der Bruder des Petrus, trägt als Jude einen griechischen Namen, ebenso wie „Philippus“. Apostel Thomas wird mit Spitznamen griechisch „Didymus“ genannt, szs. der irdisch zweifelnde, „Zwillingsbruder“ des himmlischen Bruders Jesus. Und Jesus bezeichnet die Brüder Johannes und Jakobus griechisch als „Donnersöhne“, und erinnert dabei wohl an das mythische von den alten Griechen verehrte Dioskuren-Paar Castor und Pollux, das durch seine himmlisch-brüderliche Liebe das Todesreich überwand und dann als „Donnersöhne des Himmelsvaters“ in den Himmel versetzt wurde (Sternzeichen Zwilling) usw.

    Und so waren geniale klassische Dichter/Denker wie z.B. O. Wilde oder Hölderlin davon überzeugt, dass der in der klassischen Griechischen Kultur/Philosophie verherrlichte, freie, brüderlich-demokratisch denkende, kirchlich nicht gebundene, frei glaubende, heldische Mensch auf den endgültig freien Menschen des brüderlichen Abendmahl-Bundes Jesu verweist. Und das nicht nur, weil sich Jesus mit seinen Jüngern nach griechischer Sitte wie Sokrates und seine Schüler zum Abendmahl „gelegt“ (z.B. Joh 13,23) hatte und hier die friedenstiftende himmlische Gabe des Weines verherrlichte. Und das nicht nur, weil Jesus wie die berühmten griechischen Weisheitslehrer in Athen in der Säulenhalle, der Stoa des Tempels „wandelte“ und lehrte (Joh 10 u.a.) und für die Umstehenden allegorisch-mysteriös, „orphisch“ in Lehren einweihte, deren „Perlen man nicht vor die Säue werfen“ sollte. Sondern eben weil sie in Jesus die Erfüllung des freien, kritischen, religiös und staatlich ungebundenen Denkens und Glaubens der berühmten griechischen Denker und Dichter sahen. Die alten autoritätskritischen Griechen kannten nämlich, anders als die anderen antiken Völker und Großreiche um sie herum keine wirklich autoritäre Staatsreligion, keine Priester-hierarchie, keinen zentralen, weisunggebenden, gesetzgebenden Tempel usw. Sie orientierten sich allgemein frei an einem „himmlischen Vater“ (Zeus) und verehrten von Ort zu Ort kulturstiftende, vorzeitliche, göttlich-mystische Helden als Vorbild, wie z.B. den, den friedlichen Weinbau („Weinranke des Friedens“) schenkenden Dionysos oder den mythischen Sänger Orpheus, den Hirten, der mit seinem himmlischen Spiel die „goldene, paradiesische Zeit“ wachruft und sogar die wilden Tiere friedlich macht und den Sturm auf den Meer stillen kann. Sein himmlisches Spiel, so glaubte man, konnte sogar den Tod überwinden (verherrlicht im Sternbild Schütze). Da ist z.B. Herkules, der „himmlische Göttersohn“, der sich für den beschwerlichen, engen Weg der Tugend entscheidet und so u.a. die Äpfel der ewigen Jugend vom Baum des Lebens gegen den teuflischen Drachen gewann und dann sogar den Höllenhund, der die Toten bewacht, besiegte. Verherrlicht ist er im Sternzeichen Skorpion zusammen mit dem sog „Schlangenträger“, dem himmlischen Helden, der die teuflische Schlange besiegt und mit seinem Fuß den Kopf des teuflischen Skorpions zertritt. Bekannt ist z.B. Apollo, der Gott der schönen Künste, der Poesie, der mit einem himmlischen Pfeil (Sternbild Pfeil) die teuflische Python-Schlange überwindet; bekannt vor allem durch das antike Kunstwerk der „Apoll vom Belvedere“( – dessen Kopf dann Michelangelo als Vorlage für den Jesus des „Jüngsten Gerichts“ übernahm. Der Kopf des heidnischen Apollo in einem christlichen Wandbild , für viele ein blasphemischer Akt…) usw.

    Vielleicht wird aus dem Gesagten jetzt schon deutlich, dass das antike Griechenland in seiner Mythologie zentral den freien, religiös ungebundenen, himmlisch-heldischen Götter/Gottessohn verehrte, der letztendlich von seinem Himmelsvater nach irdischer Prüfung gnädig im Himmel aufgenommen wird. Dabei entfaltete es eine Poesie, eine Bildsprache die durchaus Ähnlichkeiten mit der Poesie der Bibel aufweist. Und so wurde wohl das antike klassische, demokratische Griechenland, das Land der „glückseligen Inseln“ zum poetischen Traumland der berühmten euro-päischen klassischen Dichter wie Byron, Goethe, Schiller, Keats usw. Hier verankerten sie oft ihre freie, evangelisch ungebundene Spiritualität. Sie sahen im klassischen, heldischen Griechenland wohl den religiös-kulturellen, spirituellen Gegenpol zum perfekt durchorganisierten, hierarchisch gegliederten, aber letztendlich auf Unfreiheit, Unterordnung und Gesetzesherrschaft basierenden römischen, „katholischen“ Reich/Staat. Für viele dieser Dichter und Denker war wohl der dioskurische Bund der brüderlichen, freien, himmlischen Liebe, der von Platon und seinen Schülern im Geist des beseelenden Weines als philosophisches, antik griechisches Ziel, angestrebt wurde, die Präfiguration des Bundes Jesu mit seinen Jüngern.
    Auf die Spitze in der Weltliteratur hat dieses klassische Denken wohl der rätselhaft-geniale Hölderlin getrieben. Bei ihm erscheint Jesus letztendlich als geistiger, höherer Bruder der im Himmel verehrten und verklärten vorzeitlichen Heroen des klassischen Griechenland: als Vollender des himmlisch-heldischen, freien, „griechischen“ Menschen. Das hat ihm den Vorwurf des entschieden heidnisch-pantheistischen Dichtens, der entschiedensten Gegnerschaft zum Christentum, eingebracht. Aber, wenn man genauer liest, ist seine meisterhafte Beschwörung des alten, heldisch-seligen Griechenland wohl eher eine Flucht aus einer in seinen Augen die Menschen verknechtenden Staatsreligion, die in Wahrheit den Staat und seine Gesetze religiös als Götzen verehrt und nicht die Liebe und Gnade Gottes, wie er radikal ausruft: „man nehme sein Gesetz und schlag es an den Pranger! Beim Himmel! der weiß nicht, was er sündigt, der den Staat zur Sittenschule machen will. Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, daß ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte.“ (Hyperion). Wenn sein griechischer Helden-Mensch Hyperion, als der „Sohn der Höhe“, der „Sohn des Lichts“ ausruft: „O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt, und wenn die Begeisterung hin ist, steht er da, wie ein mißratener Sohn, den der Vater aus dem Hause stieß…“, dann sehen das viele streng christlich-religiöse Ausleger schon fast als heidnische Blasphemie, nach dem Motto: „Der Mensch ist doch niemals Gott…“ usw. Doch dabei wird vergessen, welche Worte Jesus gebrauchte: Wollte er nicht in einem Bund der Gnade den Menschen die „Macht geben, Gottes Söhne und Kinder“ zu werden ?! Sprach er nicht vom Vater, der in ihm wohnt !? Rief Jesus nicht: „Glaubt an das Licht, solange ihr’s habt, auf dass ihr des Lichtes Kinder werdet…!“ (Joh 12) Und sprach nicht dann Paulus voller Begeisterung, dass der Glaubende nun nicht mehr aus dem väterlichen Haus verstoßen, sondern als „Erbe angenommen“ ist (Gal 4, Röm 8) und heldisch-siegreich von „Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ (2Cor3) schreiten wird. Ganz zu schweigen von den vorher ergangenen Worten Jesu, die zu seiner endgültigen Verurteilung führten: „Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?…“ (Joh 10) usw. Jedenfalls wird in Hölderlins berühmtesten Werk „Hyperion“ Jesus und die Bibel kein einziges Mal ausdrücklich genannt: Es zeigt nur einen heldisch fühlenden, an die Erlösung durch dioskurisch-brüderliche Liebe glaubenden Menschen, einen Menschen, der sich innerlich – trotz aller irdischer Hindernisse und schwerer Schuld – als Gottessohn fühlt und unerschütterlicher Hoffnung ist, mit dem Tod in die paradiesische, heilig-unschuldige, ewige Natur, die „Tochter des Vaters“, nämlich die himmlische, ewige Gnade, einzugehen. Aber aus späteren geheimnisvollen, schwer zu deutenden Gedichten hat man eben herausgelesen, dass Hölderlin Jesus als den Vollender dieses griechischen poetischen Heldentraums der Gottessöhne gesehen hat. Für ihn waren Jesus und seine Jünger ihrem freien, autoritätskritischen Geiste nach Griechen und er zählt das nördliche, griechisch geprägte Gebiet Galiläas zum kleinasiatischen Griechenland. Hier einige Grundgedanken dazu aus 2 Gedichten, soweit ich sie einigermaßen nachvollziehen kann. Das meiste ist für mich zu schwer zu verstehen; wir haben heute eine andere Bildung…

    Der Einzige (erste Fassung)
    Hier versucht Hölderlin wohl die Einzigartigkeit Jesu, des „Einzigen“, gegenüber den „himmlisch gezeugten“ (Z.11) göttlichen Heroen, den „Göttersöhnen“ des alten, „seligen“ Griechenland dichterisch-philosophisch zu erfassen. Letztere sind „hohe Gedanken entsprungen aus des Vaters Haupt“ (Z.15), sind also göttlich-väterlichen Ursprungs, aber die göttlichen Heroen Griechenlands zeigen poetisch das Göttliche im Irdischen, im „Weltlichen“ wie z.B. Dionysos, der die friedlich-göttliche, kulturstiftende Kraft des Weinbaus verdeutlicht, die die Menschen bis an den Indus den Frieden lehrt und letztendlich sogar den wilden Tiger zu einem gezähmten, friedlichen Tier machen wird. Oder Herkules, der mit himmlischer Kraft, die ihm auf der Erde gestellten irdischen Prüfungen bescheiden-demütig bewältigt und so in den Himmel Eingang findet usw. (Z. 48-49). Doch diese poetische Welt der Helden des alten, seligen Griechenland bleibt leider im allgemeinen Bewusstsein in einem Abgrund getrennt vom wahren „Kleinod“ Christus, dem geistigen Bruder der mythischen Helden der Vorzeit. In Jesus, dem „Meister und Herr“ wirkte der Vater sein „Äußerstes und Bestes“ unter den Menschen, nämlich den reinen Geist lebendiger himmlischer Gnade, der wie ein „gefangener Adler“ in der Welt keine wirkliche Heimat finden kann und in keinem irdischen, „weltlichen“ Bild gezeigt werden kann: sein Platz ist ausschließlich im Himmel. Der wahre Dichter, auch wenn er geistig ein Schüler Jesu ist, benutzt aber um das Heilige, das Göttliche zu dichten eher die poetische, „weltliche“ Bilderwelt des alten, seligen Griechenland.

    Patmos (Z 1-120)
    In abendländischer Finsternis/Nacht gefangen sucht der Dichter mit seiner Seele den rettenden, gnädigen Gott. Wie ein mutiger, freier Adler, der Vogel des griechischen Göttervaters, aber auch das Symbol des Evangelisten Johannes, will sein Geist die durch Abgründe getrennten „Gipfel der Zeit“, die Gipfel der Kulturen überwinden und Rettung erlangen. Und da findet seine Seele das alte, paradiesische, klassische Griechenland bzw. Kleinasien (Z.16-37). Das Land der seligen Inseln, der paradiesischen Natur, der “Zeugnisse unsterblichen Lebens“ (Z. 40), der göttlich gebauten „Tempel aus Zedern“ (Vgl. Hohes Lied 1,17) Seine Sehnsucht verweilt aber nicht bei den berühmten, sagenhaft reich gesegneten, bekannten Inseln, sondern wendet sich einer unbekannteren, „ärmeren“ zu: Patmos. Es ist die einfache, bescheidene, selig-gastfreundliche griechische Insel, die einst dem „gottgeliebten“ Johannes in ihrer paradiesischen Schönheit Trost und Zuflucht spendete. „Unzertrennlich“ war er einst mit dem „Sohn des Höchsten“ (griech. „Sohn des Gewittertragenden“, Z. 78) in naiver, brüderlicher Liebe zusammen gewesen; er hatte an der Seite Jesu das „Angesicht Gottes“ genau gesehen (Z. 80; Vgl. Joh 14,9). Und Jesus hatte ihn in „letzter Liebe“ (Z.84 Vgl. Joh 13,1) beim Abendmahl (griech. Gastmahl/Symposium, Z.82) zusammen mit den anderen in die letzten Geheimnisse der zu Gott führenden Liebe, die „Geheimnisse des Weinstocks“ (Joh 15) eingeweiht – (wohl nach Hölderlin in Vollendung des anderen „Gipfels“ der abendländischen Kultur, des Wein-Gastmahls Platons, wo Sokrates und Diotima in die Mysterien platonisch-brüderlicher-dioskurischer Liebe, die von Gott ist und zu Gott führt, einzuweihen suchten). Aber eine Liebe die von Gott ist und zu Gott führt, das wusste Jesus, wird in der gefallenen Welt immer mißverstanden, verfolgt, verleumdet: „Er sah es, das Zürnen der Welt“ (Z.87), deshalb erwartete er „ruhigahnend den Tod und versuchte noch die Freunde zu erheitern“ (Z.83-87, vgl. Platons Beschreibung vom Tod des Sokrates). Jesus wusste, dass seine Jünger wahre Helden, nämlich „Todeshelden“ (Z.105) sind, die in der Welt aufgrund ihrer Liebe, ihres Glaubens verfolgt werden (Joh 15,20). Aber anders als Sokrates konnte Jesus als „Sohn des Höchsten“ mit göttlicher Vollmacht seine freiheitsliebenden Jünger nicht nur mit Worten erheitern, sondern durch den „heiligen Geist“: dem Bewusstsein, dass Gott sich in ewiger Liebe für sie aufgeopfert hat. Jesus, das Licht der Welt, “der Sonne Tag“ legte sein „königliches Zepter“ freiwillig ab, um wiederzukommen. „Freude war es / von nun an /zu wohnen in liebender Nacht und bewahren / in einfältigen Augen, unverwandt / Abgründe der Weisheit…“ (Z.115-119) Das Licht der Welt ist in den Himmel aufgefahren, die Welt lebt wieder wie zuvor in der Finsternis der Nacht, aber aus der Nacht ist eine „liebende Nacht“ geworden, durch den Glauben/Geist, dass Gott das Böse überwunden hat und seine Helden-Söhne im Kern befreit hat. Im einfältigen Glauben muss diese Wahrheit/Weisheit bewahrt und weitergegeben werden, bis Gott als König wiederkommt, um endgültig zu ernten und zu erlösen. Und so sucht der Geist des Dichters seinen Seher-Bruder Johannes in seiner Zuflucht auf der seligen, klassisch-griechischen Insel auf, um in Freude auf die endgültige Erlösung, den Sieg des Göttervaters, zu warten: den Sieg des selig-beseelten Reich Gottes usw.

    • Vielleicht interessant !? Paulus und Sokrates

      Allgemein sieht man den großen Respekt, mit dem Paulus den Athenern in Apg 17 gegenübertritt: „Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm“ („desidaimon“ = gottfürchtig) als bloße Taktik, um die heidnischen Athener für sich zu gewinnen. Nach dem Motto „Paulus wollte den Heiden Honig ums Maul schmieren“, als er feststellte, dass sie in ihrem Herzen bereits etwas verehren und suchen, ohne es wirklich zu kennen, als er feststellte, dass einige ihrer berühmten Dichter schon wussten, dass der beseelende, lebendige Geist Gottes den Menschen unmittelbar nah ist, dass der Mensch aus Gott/dem Geist Gottes geboren sein könnte und wieder zu ihm zurückkehrt usw. Aber vielleicht meinte Paulus es ernst !?

      Diese Paulus-Episode scheint nämlich bewusst in Analogie zu Sokrates geschildert, der auf dem Markt als „Schwätzer“ und „Verkünder fremder Gottheiten“ aufgegriffen und vor den Areopag gebracht wurde. Er wolle den bisher unbekannten Gott/Kult des „Daimonion“ einführen. „Männer von Athen“ – so begann Sokrates damals seine Verteidigung vor dem Areopag dagegen, dass er die besonderen Staatsgesetze, den Opferglauben, die Statuen usw. gering schätze, vernachlässige. Er habe nichts gegen Statuen, Tempel, Gesetze usw, aber die höchste lebendige Gottheit wohne als innere, lebendige geistige Stimme des Gewissens „daimon“ in ihm; allein ihm folge er hauptsächlich nach, um nach dem Tod mit ihr in idealischer, reiner, lebendiger Schönheit und Güte vereint zu sein. Von dieser inneren göttlichen Stimme nehme er seine Ehre und nicht von Menschen, Tempeln usw. Hier folgte Sokrates wohl konsequent einer Tradition, die schon bei den berühmten Dichtern Athens angelegt war, die den autonomen, „sich selbst gesetzgebenden“, freien Menschen dichteten, der allein seinem Gewissen, der göttlichen Schönheit seiner Seele folgt, wie z.B. Sophokles Antigone !? (müsste man mal lesen)
      Jedenfalls könnte es sein, dass Paulus die Athener in ihrer Tradition als Menschen sah, die nicht nur äußerlich nach einem Gott suchten, der in einem Tempel, einer sichtbaren Macht verehrt wird, sondern nach einem „unbekannten Gott“, unsichtbar, in ihrem inneren, ihrer unsterblichen Seele. Auf jeden Fall hat der griechische Areopag anders als der jüdische Sanhedrin Paulus damals nicht verurteilt, sondern viele Griechen/Athener fanden seine Aussagen laut Apg. interessant.

    • Schöner glauben ?! Die alten Griechen und das Christentum ?!
      (das ist ein „verrücktes“ Hobby von mir, zu versuchen, ob man Parallelen zwischen dem Christentum und anderen Kulturen finden kann… Löschen no pro…)

      Ich kann es aufgrund mangelnder Kenntnisse nicht genau beweisen, aber ich habe es mir so zurechtgelegt, dass der philosophisch begründete Glaube der klassischen Griechen (Sokrates, Platon usw. ) dem Buchstaben nach ein Polytheismus war, aber dem Geist nach ein Monotheismus wie das Christentum. Denn wenn ich doch dem Ratschlag des Sokrates konsequent folge und versuche mich selbst zu erkennen, die lebendigen höchsten Urbilder/Ideen, die meine Seele bewegen, aufzufinden, dann lande ich „logisch“ eben nicht bei einzelnen Göttern, sondern bei der überirdischen Idee der lebendigen Göttlichkeit, der „Göttlichkeit an sich“: „Daimonion“, wie eben Sokrates feststellte, einem unbekannten, unsichtbaren Gott, der als Urbild der Göttlichkeit meine Seele geistig-lebendig bewegt (szs. „ein unbewegter höchster Beweger“). Ebenso, wenn ich von der Schönheit, Wahrheit und Güte der einzelnen Götter abstrahiere, die meine Seele bewegen: Ich lande bei einer obersten, lebendigen, geistigen Göttlichkeit, dem Urbild der Wahrheit, Güte, Schönheit. Ich lande aber eben nicht bei einer einzelnen himmlisch-schönen Statue, sondern bei dem persönlichen, unsichtbaren geistigen Urbild harmonisch-menschlicher, göttlich erhabener Schönheit (Stichwort „Ideenlehre“). Wenn ich nun noch dem Rat des Sokrates folge „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, also in dem starken Bewusstsein lebe, dass ich als schwacher Mensch niemals in meinem Leben wirklich weiß, wie das oberste, göttliche, lebendige überirdisch Schöne, Gute und Wahre auf Erden umgesetzt werden kann: ich mich also immer an der Wahrheit/Güte Gottes versündige – dann bin ich schon bei einem Glauben, der dem christlichen nicht unähnlich ist. Ich bleibe so immer auf göttliche Gnade, auf eine leitende „persönliche göttliche Stimme“, angewiesen, die mir den ungefähren Weg in irdischer Finsternis zeigt usw. Und so kann es wirklich sein, dass Sokrates/Platon – die klassischen griechischen Philosophen, Dichter – dem Buchstaben nach von einem Polytheismus ausgehen, aber dem Geist nach, wenn man versucht, ihre Philosophie/Glauben wirklich zu leben, Monotheisten waren (wahrscheinlich der Grund für die Verurteilung des provokativen Sokrates). Jedenfalls interpretierte man Platon/Sokrates laut den modernen Philosophen seit der Florentiner Renaissance oft so (Marsilio Ficino ? u.a.) Also, der Mythos, die poetische Darstellung des Göttlichen ist wohl bei den Griechen polytheistisch, der „Logos“ (vgl auch NT) aber, die philosophische Abstraktion auf eine lebendiges Urbild, auf eine lebendige Idee, ist monotheistisch: eine persönliche, lebendige, himmlisch-erlösende Liebe, Güte, Schönheit… (in ihrer höchsten geistigen, lebendigen Vollendung vielleicht sogar dreieinig väterlich-mütterlich-brüderlich ) usw.
      Und so kann es auch interessant sein (wenn man die Zeit und ausgeprägte Phantasie hat) sich mit der poetisch-mythischen Bildsprache des Sokrates/Platon, der alten Griechen zu beschäftigen, wie z.B. dem „Seelenwagen“ mit seinem Pegasus-Gespann, den „beiden Seelen in der Brust“: eine, die nicht wirklich zum Göttlichen aufstreben will und einer, die sich nach der himmlischen Heimat sehnt (himmlische Liebe vs rein körperliche, fleischliche Liebe). Die wirklich geflügelte Seele (die himmlischen Entelechie), der echte Pegasus, auch, „wenn er irrt solang er strebt“, wird dann seine Weide im Himmel finden, vom Ambrosia („Himmelsmanna“) und himmlischen Wasser ewiger Schönheit und Güte trinken. Beide werden dann zu einem ewigen Quell der Unsterblichkeit der Seele werden, der dann nach dem Tod in den Himmel versetzt (Sternbild Pegasus). Bekannt ist auch das Urbild der Sehnsucht nach der „goldenen Zeit“, der „seligen Inseln“, der „himmlischen Stadt“ („Atlantis“, szs. das alte „paradise city“ Abrahams, des Paulus) welches im Mythos dargestellt wird usw.

      Um meine esoterischen Kenntnisse abzurunden. Ich hab mal gehört, dass man nicht nur Platon/Sokrates als christliche Seelen gedeutet hat, sondern sogar den römischen Staatsdichter Vergil. Vergil verherrlichte nämlich in seinen Werken auch die „goldene Zeit der Hirten“, das alte mythische friedliche, griechische Arkadien, in dem es kein Gesetz, weil kein Verbrechen gibt und in dem selbst die Löwen und die Schafe friedlich zusammenleben, die Schlange überwunden ist, alles ohne Landwirtschaft wächst usw. Ungefähr so wie die jüdischen Propheten und ihre „goldene Zeit des messianischen Hirten“. Zum Beispiel Jesaja 11: „Da wird der Wolf beim Lamm wohnen und der Panther beim Böcklein lagern. Kalb und Löwe werden miteinander grasen, und ein kleiner Knabe wird sie leiten…“ usw. Und eben die Geburt eines derartigen Hirtenknaben des goldenen Zeitalters, der kein irdischer Herrscher ist, sondern den universalen Frieden unter den Menschen und Tieren verkünden und bringen wird, prophezeite Vergil in seiner 4. Ekloge merkwürdiger Weise ca. für das Jahr 40 v. Chr. Dies führte dann dazu, dass man Vergil im Mittelalter als christliche Seele, christlichen Propheten deutete: als den weisen Magier aus Neapel, der die Geburt Jesu in den Sternen gesehen hat…

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