Viele Christen, insbesondere charismatisch ausgerichtete, machen viel Aufhebens um die geistliche Waffenrüstung aus Epheser 6. Die müsse man täglich neu anziehen, sonst fehle es einem an Schutz gegen den Teufel und seine Angriffe.

Diese sogenannte Waffenrüstung beschreibt mit Hilfe einer anderen Metapher unsere Identität in Jesus. Sehr deutlich wird das am „Brustpanzer der Gerechtigkeit“ (Vers 14) oder am „Helm des Heils“ (Vers 17).

Aber es hängt natürlich alles davon ab, wie wir die Rüstungsbestandteile definieren. Und ob wir überhaupt davon ausgehen, daß wir sehr erlöst in Jesus sind. Sonst ist die Waffenrüstung etwas, was eine Art ausgehungerten geistlichen Bettler bekleidet.

Der grundsätzliche Zweck der Waffenrüstung wird in Vers 11 genannt:

„Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt!“

Schon hier teilt sich der Weg: worin bestehen denn die Listen des Teufels? Für den, der seine Identität in Jesus ausleben und genießen will, sind sie eine simple Angelegenheit: Vertrauen auf das eigene Fleisch, auf die eigene religiöse Leistungsfähigkeit, also Leben mit und unter Gesetz. Jeder Christ, der so lebt, kann sich jedes rituelle Anziehen der Waffenrüstung sparen – er hat schon verloren, was sein alltägliches Leben angeht.

Die Listen des Teufels bestehen also darin, daß er uns davon ablenken will, wer wir in Jesus sind und was wir durch ihn haben. Wer sich darauf fokusiert, der wandelt im Geist.

Man kann natürlich auch die „Listen des Teufels“ ganz anders definieren und darunter lauter Dinge verstehen, die einen vom „schweren Weg des Gehorsams“ abbringen sollen. Man ist etwa am Ende seiner Kraft und würde am liebsten aufgeben – aber man sieht das als „Verführung durch den Satan“. Dabei steht Gott da und sagt „ja, bitte: gib endlich auf! Was machst du da eigentlich?“ oder der angebliche Mensch fürs Leben erweist sich schon in der Kennenlern-Phase als Alptraum – aber Gott hat ja angeblich gesprochen, daß er oder sie es wäre; also bleibt man dran und heiratet (mit vorhersehbaren Folgen).

Eph 6,12: Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Gewalten, gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen / geistlichen Mächte der Bosheit in der Himmelswelt.

Wir sind nicht mehr im Alten Bund und kämpfen gegen Fleisch und Blut. Israel konnte in den Krieg ziehen und Leute umbringen. Unsere Gegner sind nicht mehr Menschen, sondern geistige bzw. geistliche Mächte, die über bestimmte Weltsichten, Ideologien, Gedankengebäude, Mentalitäten etc. Einfluß auf das Denken und damit auf das Handeln von Menschen nehmen.

Diese Gedankengebäude haben eine grundsätzlich andere Struktur als die Gnade Gottes. Denn in ihrer Logik wird der Mensch nach seiner Leistung und nach seinem Tun bewertet. Jesus dagegen hat uns befreit von dieser Be- und Abwertung unserer Person durch unser Handeln. Man stelle sich nur mal kurz vor, was die Ideologien zur Zeit der ersten Gemeinden so bereit hielten: „Du bist sehr ok, wenn du Römer bist“ oder „du bist nur ein rechtloser, wertloser Sklave“ oder „ich bin nicht nur Christ, ich bin auch Jude von Geburt“ oder „du bist nur eine Frau“.

Dadurch stehen wir in einem ständigen Kampf. Die „feurigen Pfeile des Bösens“ (Vers 16) sind unter anderem solche Botschaften – und wir heben den Schild des Glaubens. Und sagen (hätten wir damals gelebt): „nein, das bin ich nicht. Durch Jesus habe ich Wert und Besonderheit. Und meine Geschwister in der Gemeinde bestätigen mir das auch – und das, obwohl ich nur ein Sklave bin“. Oder auch „ich bin zwar Römer und dazu auch noch reich. Aber das macht mich nicht besonders und wertvoll. Das ist alles Dreck (Philipper 3,8) im Vergleich dazu, daß ich jetzt Jesus kenne und von ihm geliebt bin“.

Oft werden solche Botschaften nicht laut ausgesprochen. Das wäre sogar schön – denn dann wären sie leichter zu erkennen. Sie sind atmosphärisch da. Da ist etwa die Clique in der örtlichen Freikirche: „Tja, wärst du mal so cool und lässig wie wir. Dann könntest du auch zu uns gehören. Aber sorry, jemand wie du? Das geht gar nicht“. Ein Beispiel das zeigt, daß auch das, was wir „Gemeinde“ nennen, oft nicht der Ort ist, wo uns eine wirklich gute Botschaft vermittelt wird.

Waren wir vom Thema abgewichen? Eigentlich nicht – die Pfeile des Bösen schwirren den ganzen Tag über heran.

Die Aufforderung aus Vers 13 „Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes“ sagt nichts anderes als „Nutze alle Möglichkeiten der Erlösung, deines Neuen Lebens, deiner Neuen Identität“, also „Wandle im Geist! (Galater 5,16)“

Der Gürtel der Wahrheit steht und fällt mit der Definition, was wir für die Wahrheit halten. Wenn unsere „Wahrheit“ etwa ist „Segen ist eine Folge von Gehorsam“, dann wäre das kein Teil einer Waffenrüstung, sondern eher ein Messer, daß wir uns ständig selbst an die Kehle halten. Und der Brustpanzer der Gerechtigkeit löst sich quasi sofort in seine Bestandteile auf, wenn wir Gerechtigkeit bwz. Ok-Sein vor Gott für etwas halten, daß unser Tun und Lassen hervorbringt. Aber Gott sei Dank ist Gerechtigkeit etwas, das Gott uns schenkt.

Wenn der Leser bis hierher eifrig nickt, dann sind auch diese komischen Schuhe in der Waffenrüstung kein Problem mehr:

Epheser 6,15: beschuht an den Füßen mit der Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums des Friedens!

Denn wir haben gerade die ganze Zeit das Evangelim des Friedens verkündet: „Ok-Sein ist ein Geschenk von Gott. Jesus hat dafür gelitten. Du mußt nicht mehr leben, als hättest du keine Lizenz zum Leben und wärst illegal auf dem Planeten.“

Der Helm des Heils steht für die absolute Unerschütterlichkeit unserer Errettung (siehe dazu etwa http://freiegnade.blogspot.de ). Wir sind und bleiben gerettet. Nichts, was wir tun und lassen, kann daran etwas ändern. Der Zweifel an unserer Erlösung und ihrer Dauerhaftigkeit ist eine der schlimmsten Waffen des Feindes. Und in vielen christlichen Kreisen ist dieser teuflische Gedankengang eine gängige Lehre!

Was diese schlimme Tatsache bedeutet, das überlassen wir der Phantasie des Lesers.

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