Die, die das Gesetz predigen in der christlichen Gemeinde, tun das auch deswegen, weil sie denken, Christen würden dadurch

  • „radikaler“
  • „hingegebener“
  • „engagierter“
  • „jesusähnlicher“
  • „heiliger“
  • „außenwirksamer“

Sie nennen das natürlich oft nicht das Gesetz, sondern „Hingabe“, „Jüngerschaft“ oder „Radikalität“. Aber entscheidend ist nicht der Aufkleber, sondern der Inhalt: in der Aprikosenbüchse sind Aprikosen, auch wenn versehentlich jemand einen Pfirsichetikett drauf gemacht hat.

Dabei übersehen sie, daß die Hauptreaktion unter Christen auf die offene oder versteckte Gesetzespredigt eine andere ist:

  • Beschränkung auf das Machbare und Berechenbare
  • Zurückschrecken vor „komischen Heiligen“
  • Rückzug auf ein Minimalprogramm
  • Distanz zu den radikalen „Jesus plus Gesetz“-Predigern (auch gemeindlich)
  • Unglaube bezüglich der eigenen Veränderung

Diese Christen beschränken sich auf das mit ihrer menschlichen Kraft Machbare. Sie leben quasi „Gesetz light“. In dieser Gruppe ist das Gespür da, daß die eigene Kraft für „Gesetz hardcore“ nicht reicht. Und wer will dieser Gruppe von Christen das verdenken! Das Gesetz appelliert an das „Fleisch“ und das Fleisch ist schwach.

Diese Reaktion auf das Gesetz nennen einige Christen LASCHHEIT. Diese Gebote-Haltern, die alles dafür einsetzen, um das Gesetz zu halten – ist diese Gruppe der „Laschen“ natürlich ein Ärgernis. Ständig versuchen sie, diese Geschwister zu mehr „Radikalität“ und „Nachfolge“ zu bringen. Auch sie beschränken sich aber auf das menschlich Machbare – investieren aber mehr fleischliche Kraft darin, als sie eigentlich haben. Und nehmen auch mehr negative Folgen in Kauf (gerne auch „Verfolgung“ und „Preis zahlen“ genannt).

Innerhalb der „Radikalen“ gibt es natürlich auch noch mal unterschiedliche Positionen, die für Streit und Trennungen sorgen – aber das nur nebenbei.

Allen „radikalen“ Gesetzeshaltern  gemeinsam ist aber die Auffassung, die Gnade Gottes stelle die nötige Kraft und die Mittel bereit, ihr gesetzliches Programm einigermaßen einzuhalten. Wer sich ausreichend anstrenge, bekomme das Fehlende von Gott geschenkt (die Gnade quasi als Lückenbüßer und nicht als Grundlage).

Beiden Gruppen ist wiederum gemeinsam, daß sie vor dem (eigentlich auch RADIKALEN!)  „Gnade ohne Gesetz“ zurückschrecken. Allerdings aus (bis auf eine Sache!) unterschiedlichen Gründen:

  • die „Gesetz light“-Fraktion fürchtet die Unberechenbarkeit eines Lebens aus Gnade (ohne Gesetz), das Verlassen von vertrautem Terrain (wo die Dinge einigermaßen abzusehen sind), die Konfrontation mit den „Radikalen“ – und mit dem, was sie in ihrem eigenen Herzen vorfindet (wenn plötzlich alles erlaubt ist)
  • die „Hardcore“-Fraktion der „Radikalen“ verlöre  dagegen die klammheimliche Lust an der eigenen religiösen Anstrengung bzw. „Radikalität“, könnte keine Fastfood-„Früchte“ mehr produzieren (weil sie plötzlich warten muss auf Veränderung) und kann sich auch nicht mehr überlegen und „besser“ fühlen – und (auch sie!) fürchtet sich vor dem, was sie in ihrem eigenen Herzen vorfindet (wenn plötzlich alles erlaubt ist)

Beide Gruppen sorgen dafür, daß keine echte Veränderung stattfindet. Sie behindern das Entstehen von Frucht, die sich angenehm unterscheidet von der Christbaum-„Frucht“ vieler Christen. Echte Wachstumsprozesse werden verhindert zugunsten eigener Anstrengungen innerhalb diverser Gesetzes- und Regelkataloge. Die Liebe und Annahme Jesu kann nicht wirklich erfahren werden, da sich immer wieder ein „Du solltest…“ dazwischen schiebt. Der Zustand des eigenen Herzens wird nicht klar – und Probleme, die man verleugnet, können auch nicht gelöst werden.

Wir sehen also: mit der „Radikalität“ der radikalen Gesetzesbefolger ist es nicht weit her. Sie sind keineswegs bereit, „alles“ für Jesus aufzugeben – schon gar nicht ihre gesetzliche Theologie. Und sie sind deshalb nicht in der Lage, die „Laschen“ zu etwas Neuem zu führen.

Paulus mußte das Anstrengen für Jesus übrigens auch erst verlernen: nach seiner Neugeburt „wütete“ er eifrig und diskussionsfreudig und „radikal“ in Jerusalem:

Apg 9,29 Und er redete und stritt mit den Hellenisten; sie aber trachteten, ihn umzubringen.

Die Gemeinde schaute sich das eine Weile an, dann schafften sie ihn aus der Stadt. Dann verschwand er für mehrere Jahre von der Bildfläche. Die Folge davon:

Apg 9,31 So hatte denn die Gemeinde durch ganz Judäa und Galiläa und Samaria hin Frieden und wurde erbaut und wandelte in der Furcht des Herrn und mehrte sich durch den Trost des Heiligen Geistes [und nicht durch den Eifer des Paulus!].

Paulus gewohnter Eifer als Gesetzesbefolger passte nicht zu seinem Neuen Leben in Christus. Er mußte erst einen ganz anderen Eifer lernen – aus ganz anderen Motiven. Und in den Jahren, wo er umlernte, kam er vielleicht ganz schön „lasch“ rüber.

Später sagt er über die Juden – und damit auch indirekt über sich damals:

Röm 10,2 Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit rechter Erkenntnis.

Und die „rechte Erkenntnis“ ist nun mal entscheidend – und nicht der Eifer.

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