Als hätte Jesus geahnt (und vielleicht hat er das auch), daß Christen hingehen werden und das Gesetz zusammenstreichen auf ein bequemes, halbwegs erfüllbares Maß – wendet er sich ausdrücklich dagegen, daß jemand das selbst geringere Gebote des Gesetzes auflöst.

Matthäus 5,17-19
17 Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. 19 Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel.

Warum sagt Jesus das? Weil er will, daß das Gesetz weiterhin schwer auf dem Menschen lastet – und auch auf den Christen, die mit und unter Gesetz leben wollen.

In dem Sinne können wir das Gesetz lehren, wenn wir merken, daß wir Christen vor uns haben, die das Gesetz befolgen wollen (weil sie denken, Jesus habe das gewollt). Wir lehren es in aller Schärfe.

Denn die christlichen Gesetzeslehrer streichen das Gesetz einfach willkürlich zusammen:

  • sie lehren keine Steinigung mehr, obwohl sie nicht aufgehoben ist (etwa für ungehorsame Kinder, Ehebrecher, verlorene Jungfrauenschaft u.a.)
  • sie verbieten nicht das gleichzeitige Tragen von Kleidung aus verschiedenen Stoffen (5.Mose 22,11)
  • sie weisen nicht darauf hin, daß ein Vergewaltiger die Vergewaltigte heiraten soll
  • sie erwähnen nicht, daß Männer mit zerstoßenen Hoden nicht in den Gottesdienst gehen dürfen
  • sie lehren das Zinsverbot nicht
  • sie weisen nicht darauf hin, daß wir in Weinbergen nach Herzenslust Trauben essen können; es ist in diesem Falle kein Diebstahl
  • sie verbieten nicht den Verzehr von Schweinefleisch
  • sie lehren nicht, das aus Not verkauftes Eigentum nach 50 Jahren wieder zurückgegeben werden muß
  • sie erwähnen nicht, daß wir uns Sklaven kaufen können – wenn es keine Christen oder Juden sind und das in unserem Land nicht verboten wäre
  • sie lehren nicht konsequent die Beschneidung – so wie es ihre Vorgänger in den Gemeinden von Galatien getan haben

Diese Dinge müssen gelehrt werden, wo das Gesetz gilt. Es ist reine Willkür, diese Dinge wegzulassen. Die Argumente dafür sind mehr als zweifelhaft:

  • durch Apostelgeschichte 15 seien die Speisegebote des Gesetzes aufgehoben: die sind sowieso nur für Christen aufgehoben, die wissen, daß sie nicht mehr unter dem Gesetz sind und es nicht mehr befolgen müssen
  • es gehe um den ethischen Kern des Gesetzes: welcher Bibelvers sagt das bitteschön?
  • wir seien unter Gnade: das ist so, aber wenn du gleichzeitig auch unter Gesetz sein willst, vergibt Gott dir deine Übertretung des Gesetzes – die zeitlichen Strafen sind damit keineswegs aufgehoben (Steinigung, Züchtigung, Geldstrafen u.a.)
  • der Heilige Geist habe einen geführt und gezeigt, welche Gebote relevant seien: das kann nicht der Heilige Geist gewesen sein, sondern höchstens die eigene Bequemlichkeit – der Heilige Geist würde jemanden lehren, daß das Gesetz für ihn nicht mehr gilt
  • für Christen gälten vor allem die 10 Gebote: das ist humanistisches Gefasel, es gilt für sie das ganze Gesetz
  • die Liebe sei wichtiger als das Gesetz: wenn du das Gesetz ohne Liebe umsetzt, etwa beim Steinigen, machst du dich zusätzlich schuldig – aber du bist auch schuldig, wenn du dich nicht an der Steinigung beteiligst und anderen die Drecksarbeit überläßt
  • Jesus und das, was er wolle, stehe über dem Gesetz: laut Gesetzeslehrern drückt sich aber der Wille Jesu durch die Gebote des Gesetzes aus; was Jesus zusätzlich zum Gesetz gebietet, das müssen Gesetzesbefolger natürlich auch halten (und sie sind nicht frei, es zu lassen)
  • man dürfe sich vom Halten des Gesetzes auch mal ausruhen: nein, das darf man nicht – das Gesetz kennt keine müden Menschen

Die Gesetzeslehrer streichen also willkürlich das Heilige Gesetz Gottes zusammen und vermitteln ihren Zuhörer ein falsches Bild vom Gesetz. Damit tragen sie wesentlich dazu bei, daß Christen weiterhin das Gesetz halten wollen und sich nicht von ihm verabschieden (wozu sie ja berechtigt sind, weil Jesus sie von der Herrschaft des Gesetzes befreit hat).

Ihre Zuhörer würden ja sonst auch ganz schnell das Gefühl bekommen, daß das Gesetz ein Fluch ist (Galater 3,10) „Denn alle, die aus Gesetzeswerken sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, um es zu tun!““

Das Gesetz als einen Segen zu bezeichnen – das kann nur der, der es nicht in vollem Umfang lehrt.

Es ist wichtig, daß das Gesetz weiterhin in vollem Umfang gilt: für alle Christen, die unter Gesetz sein wollen.

Die Christen, die erkannt haben, daß sie vom Gesetz befreit sind, sind in vollem Umfang davon befreit – auch von den 10 Geboten. Denn sie wissen, daß kein noch so gutes und hilfreiches Gebot irgendwas in ihrem Inneren verändern wird. Das wird nur Jesus – und der tut es völlig abseits des Gesetzes und ohne das Gesetz.

Galater 5,2-4: 2 Siehe, ich, Paulus, sage euch, dass Christus euch nichts nützen wird, wenn ihr euch beschneiden lasst. 3 Ich bezeuge aber noch einmal jedem Menschen, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. 4 Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.

Nur zu Klarstellung: wer das Gesetz absichtlich befolgt, wird automatisch zu denen gerechnet, die im Gesetz gerechtigt werden wollen. Es gibt nämlich nicht ein wenig Gesetz – weder damals noch heute.

Und wenn du das Gesetz unbedingt als Ergänzung zu Jesus und seiner Erlösung lehren willst (und wer kann dich daran hindern?) – dann tue es konsequent! In vollem Umfang! Mach keine Abstriche! Denn damit tust du etwas Gutes im Schlechtem: unter einer konsequenten Form von Gesetz werden Menschen viel schneller müde und damit offen für das Evangelium ohne Gesetz (also das einzig echte!).

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  1. Was ihr über das Gesetz sagen, sagen andere Leute schon lange. C.H. Mackintosh hat den Text hier im 19.Jh. geschrieben.

    „Könnte irgendetwas mehr Kraft geben als der Wunsch, dem Herzen unseres geliebten Herrn Freude zu bereiten? Welch einen Wert verleiht das jeder noch so kleinen Tat des Gehorsams! Wie weit ist das jedem gesetzlichen System überlegen! Der Gegensatz zwischen Gesetz und Christentum ist gleich dem Unterschied zwischen Tod und Leben, Gefangenschaft und Freiheit, Verdammnis und Gerechtigkeit, Zweifel und Gewissheit. Wie verkehrt ist daher jeder Versuch, diese beiden Dinge miteinander zu vermengen, sie zu einem System zu verschmelzen, als wären es nur zwei Äste aus demselben Stamm. Welch eine hoffnungslose Verwirrung würde das geben! Dieser Versuch steht in krassem Gegensatz zu der Lehre des ganzen Neuen Testaments.

    „Ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade“, sagt der Apostel unmissverständlich (Röm 6,14). Der Heilige Geist erklärt hier mit Nachdruck, dass die Christen nicht unter Gesetz sind. Wenn wir unter Gesetz wären, so würde die Sünde über uns herrschen. Wir finden in der Schrift beständig, dass „Sünde“, „Gesetz“ und „Fleisch“ miteinander verbunden sind. Jemand, der unter Gesetz steht, kann niemals das Glück kennenlernen, aus der Herrschaft der Sünde befreit zu sein. Schon hieran können wir erkennen, wie verkehrt es ist, jemandem das Gesetz aufzuerlegen. Man würde denjenigen in eine Stellung drängen, in der die Sünde mit unumschränkter Macht über ihn herrscht. Es ist ganz und gar unmöglich, Heiligkeit durch das Gesetz hervorzubringen. Wenden wir uns noch einen Augenblick Römer 7 zu. Wir lesen in Vers 4 dieses Kapitels: „Also seid auch ihr, meine Brüder“, das heißt also alle wahren Gläubigen, das ganze Volk Gottes, „dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten, auf dass wir Gott Frucht brächten“. Es braucht kaum gesagt zu werden, dass wir nicht „dem Gesetz getötet“ und zugleich „unter dem Gesetz“ sein können.

    Beachten wir dabei, dass der Apostel nicht sagt, das Gesetz sei getötet. Wir sind durch den Tod Christi aus dem Bereich des Gesetzes herausgenommen worden. Christus nahm unseren Platz ein. Er wurde geboren unter Gesetz und auf dem Kreuz für uns zur Sünde gemacht. Aber Er starb und wir mit Ihm, und so hat Er uns dadurch aus der Stellung, in der wir unter der Herrschaft der Sünde und unter dem Gesetz standen, völlig herausgenommen und uns in eine ganz neue Stellung, in eine lebendige Gemeinschaft und Einheit mit Sich Selbst gebracht, so dass jetzt auch von uns gesagt werden kann: „… dass gleichwie er ist, auch wir sind in dieser Welt.“ Ist Er unter Gesetz? Nein. Dann sind auch wir nicht unter Gesetz. Hat die Sünde noch einen Anspruch an Christus? Nicht den geringsten. So hat sie auch keinen Anspruch mehr an uns. Was unsere Stellung betrifft, so sind wir, wie Er ist, in der Gegenwart Gottes. Würden wir uns daher wieder unter das Gesetz stellen, so wäre das eine vollständige Umkehrung unserer christlichen Stellung und ein Widerspruch gegen die Aussagen der Heiligen Schrift.

    Wie könnte ein Leben in Heiligkeit gefördert werden, wenn die eigentlichen Grundlagen des Christentums beseitigt werden? Wie könnte die in uns wohnende Sünde niedergehalten werden, wenn man uns gerade unter das System zurückbringt, das der Sünde die Macht über uns gibt? Ein göttliches Ziel kann nur auf einem göttlichen Weg erreicht werden. Gottes Weise aber, wie Er uns aus der Herrschaft der Sünde befreit, besteht darin, dass Er uns aus dem Herrschaftsbereich des Gesetzes herausnimmt. Wir sind nicht mehr unter Gesetz, sondern unter Gnade. Wer daher einen Christen wieder unter das Gesetz stellen will, handelt im Widerspruch zu Gott. Doch hören wir, was der Apostel in Römer 7 weiter sagt:

    „Denn als wir im Fleische waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unseren Gliedern, um dem Tode Frucht zu bringen. Jetzt aber sind wir von dem Gesetz losgemacht, da wir dem gestorben sind, in welchem wir festgehalten wurden, so dass wir dienen in dem Neuen des Geistes und nicht in dem Alten des Buchstabens“ (V. 5.6).

    Auch diese Worte sind klar. Wenn der Apostel sagt: „… als wir im Fleische waren“, so weist er damit doch auf die Vergangenheit hin, auf eine Stellung, in der wir uns nicht mehr befinden. Aber sind denn die Gläubigen nicht mehr im Fleisch? Nein, die Schrift erklärt das ausdrücklich. Will das sagen, dass sie nicht mehr im Leibe sind? Keineswegs.

    Sie sind noch in diesem Leib der Schwachheit, aber wenn es sich um ihre Stellung vor Gott handelt nicht mehr im Fleisch. Am klarsten wird das in Römer 8: „Die aber, welche im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen. Ihr aber seid nicht im Fleisch, sondern im Geist, wenn anders Gottes Geist in euch wohnt.“ Diese Worte stellen uns eine ernste Tatsache, zugleich aber auch ein herrliches Vorrecht vor Augen. „Die aber, welche im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen.“ Sie mögen ehrbar, liebenswürdig und religiös sein, aber sie können Gott nicht gefallen. Ihre Stellung ist falsch. Die Quelle, aus der all ihr Tun entspringt, ist verderbt. Die Wurzel und der Stamm, von dem alle Zweige ausgehen, sind faul und hoffnungslos schlecht. Sie können nicht eine Frucht hervorbringen, die wirklich gut und Gott angenehm ist. „Sie vermögen Gott nicht zu gefallen.“ Sie müssen in eine ganz neue Stellung gebracht werden und müssen ein neues Leben empfangen.

    Doch lasst uns auch das herrliche Vorrecht aller wahren Gläubigen nicht aus dem Auge verlieren: „Ihr aber seid nicht im Fleisch.“ Die Gläubigen sind nicht mehr in einer Stellung, in der sie Gott nicht gefallen können. Sie haben eine neue Natur, ein neues Leben empfangen. Der Heilige Geist ist die Kraft dieses Lebens, Christus der Ursprung, die Herrlichkeit das Ziel und der Himmel die Heimat. Es ist wohl wahr, dass der Gläubige irren kann, dass er geneigt ist, seinem eigenen Willen zu folgen und imstande ist zu sündigen. In ihm, das ist in seinem Fleisch, wohnt nichts Gutes. Aber seine Stellung ist auf das Fundament der Gnade gegründet, und für den Zustand des Gläubigen hat Gott in Seiner Gnade vorgesorgt durch das vollgültige Opfer und die allmächtige Fürsprache unseres Herrn Jesus Christus. Er hat den Gläubigen für immer von dem schrecklichen System befreit, dessen hervorstechende Züge „Fleisch“, „Gesetz“, „Sünde“ und „Tod“ sind, und Er hat ihn auf den herrlichen Platz versetzt, der durch „Leben“, „Freiheit“, „Gnade“, „Friede“, „Gerechtigkeit“, „Heiligkeit“, „Herrlichkeit“, ja durch „Christus“ Selbst charakterisiert wird (vgl. Heb 12,18-24).

    Das gesetzliche System des Menschen steht der Lehre des ganzen Neuen Testaments schnurstracks entgegen. Gegen dieses System und seine Verteidiger musste Paulus, der treue Knecht des Herrn, während seines ganzen Lebens kämpfen. Beständig warnte er davor. Denn die Gesetzeslehrer wollten überall seine gesegnete Arbeit untergraben, verderben und die Christen im Glauben irreführen.“

  2. Was m.E. oft übresehen wird…
    Im Prinzip ist Mat. 17-19, einer der Hauptverse der Anhänger des Gesetzes, eine Prophezeiung Jesu. Sie besagt, dass das alte Gesetz so lange in Punkt und Komma als Ganzes bestehen bleibt, bis der Messias alles – Gesetz und Propheten – erfüllt hat (= alles geschehen ist). Vor seiner Himmelfahrt nimmt Jesus z.B. darauf Bezug: „Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was VON MIR GESCHRIEBEN STEHT im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen.“ (Lk 24) In dem Moment, in dem er am Kreuz sagt „Es ist vollbracht“, stellt er fest, dass nun alles geschehen ist: Jetzt gilt nur noch das Wort Jesu.
    Aus dem Rückblick können wir sagen, dass Jesu Prophezeiung eingetroffen ist. Das Gesetz besteht im Prinzip nicht mehr, z.B. auch der Opferglaube. In dem Moment, in dem es verändert wird, vergeht es als Ganzes, denn Gottes Wort gilt als Ganzes.
    Was bedeutet die (jüdische) Formulierung „Himmel und Erde“? Das Allerheiligste im Tempel, der Raum mit den Gesetzestafeln, der Eckstein usw. waren nach jüdischem Verständnis das Zentrum von Himmel und Erde, der Punkt, von dem aus Himmel und Erde von Gott zusammengehalten wurden. Erinnern wir uns: Als Jesus starb, wurden Himmel und Erde erschüttert, ein neuer Zugang zum Zentrum des Kosmos (zerrissener Vorhang) wurde eröffnet. Im Jahr 70 wurde der Tempel (das Abbilde von Himmel u. Erde) zerstört, noch heute gehen die streng gläubigen Juden nicht mehr auf den Tempelberg, weil Himmel und Erde damals aus den Fugen geraten sind – man läuft Gefahr das Allerheilgste zu entweihen.
    Wie sagte Jesus so oft: „Himmel und Erde (= Alte Ordnung) werden vergehen. Meine Worte bleiben aber bestehen“.

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