[Wer sich in der „Gnade“szene nicht auskennt, wird diesen Beitrag vielleicht etwas kryptisch finden – das sollte ein Anlass zur Erleichterung sein  😉

… ]

Alle paar Jahre wird „Gnade“ zum Modethema. Das heißt dann leider nicht immer, dass auch wirklich Gnade gelehrt wird. Nun gehen wir im folgenden davon aus, dass du auf eine Richtung triffst, die dir Gnade predigt und dir erklärt, dass du vom Gesetz befreit bist. Aber hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht?

Gnade ohne Zusätze wird gelehrt wenn

  • kein (relativ) sündloses Leben vom Gläubigen erwartet wird
  • keine Verquickung mit bekannten Versatzstücken leistungsorientierter Theologie stattfindet (Heilung durch Glauben, schmerzfreies Leben, Wohlstand als gutes Recht des Christen u.a.)
  • das abgeschaffte Gesetz nicht durch andere Regelkataloge ersetzt wird (daran erkennbar, dass man sich irgendwie besser daran halten sollte)
  • kein Thriumphalismus in der Luft liegt (ganz toller Hecht „in Christus“, „du kannst immer siegreich leben“ u.ä.)
  • die Versorgung Gottes für dich seine Aufgabe bleibt und nicht zu DEINER wird (weil du ja so viel „geerbt“ hast und einfach nicht richtig „nimmst“)
  • du ein Leben als schwacher Mensch führen darfst, der keineswegs alles hin kriegt und nicht überall spürbar „in Fülle und Segen“ lebt
  • du nicht erst eine Menge Charaktereigenschaften (insbesondere „Dääämut“!) entwickeln mußt, BEVOR du Gnade „empfängst“
  • man dir ausdrücklich die Erlaubnis gibt, eventuell hilfreiche Verhaltensweisen auch sein lassen zu können (und nicht sofort was von „Segen verpassen“ schwafelt)
  • Verhaltensweise X nicht zu Segen Y führen muss
  • Gott dich auch einfach mal in Ruhe läßt  😉  und dir nicht gleich die nächste „Hammersache“ zeigt
  • man sich nicht ständig fragen muss, wie Gott dies und jenes findet, sondern sich entspannt fühlen kann in Gottes Gegenwart
  • Gottes Liebe und Erlösung einfach da ist und  dich nicht ganz schnell auf Touren bringen soll (für „die Sache“)
  • du nicht in geistliche Emotions- und Erlebnissucht gelockt wirst

Wo Menschen die Gnade Gottes mit Dingen ergänzen, die sich auch logisch gesehen nicht mit der freundlichen und bedingungslosen Gnade Gottes vertragen, bauen sie leider Hindernisse für die auf, die dringend nach Gnade suchen. Den Hindernis-Aufrichtern rufen wir brüderlich zu „Entspannt euch, Jungs!“ 😉

Damit wollen wir keineswegs sagen, dass nicht Gnade in verschiedenen „Geschmacksrichtungen“ gelehrt wird (abhängig von den Erkenntnissen des jeweiligen Lehrers). Und diese Unterschiede in Details sind gut und wichtig. In diesem Beitrag geht es aber nicht um die Details, sondern ob es wirklich Gnade ist, was du gelehrt bekommst.

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  1. Frage: Wie schließt das „Wohlstandsevangelium“ die Gnade aus? Ich hänge manchmal an dem Punkt, dass Gott wohl unser Beschützer sein soll (guter Hirte, Schutz des Höchsten, etc.) und man nur Gutes aus seiner Hand erwarten kann/soll, aber auf der anderen Seite Christen sehr viele schlimme Dinge erleben müssen (Verfolgung, Krankheit, etc.) – und die sind ja auch Gottes Kinder.

    • Das „Wohlstandsevangelium“ hat seine Verdienste – schon weil es gute Gegenargumente gegen eine jahrhundertealte und immer wieder aufgewärmte Leidenstheologie liefert; und auch weil es zu Recht darauf hinweist, dass wir hier und da deutlich mehr erwarten können von Gott. Sein eigentliches Ziel aber – ein materiell überfließendes Leben – lenkt von der Gnade Gottes ab, weil Christen hier jesus-ferne Kriterien bekommen, um ihr Leben zu beurteilen (bin ich reich? bin ich gesund? geht es mir rundum gut?).

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