Hört man manchen Christen zu, so bekommt man den Eindruck, sie würden ständig vom Teufel versucht.  So ziemlich alles in ihrem Leben stellt eine Versuchung dar.

Was für eine andere Menschen und auch für andere Christen Ausdruck von Lebendigkeit und Lebensfreude ist, steht bei der Gruppe der Versuchten unter Generalverdacht. Sie werden versucht

  • es sich einfach zu machen
  • eine bequeme Lösung zu wählen
  • sich etwas zu gönnen
  • etwas Ehrliches zu tun (statt Richtiges)
  • sich normal zu verhalten (statt seltsam)
  • nicht Gott zu fragen, bevor sie XY tun
  • mit ihrer Intensiv-Hingabe an Jesus kurz zu pausieren
  • nicht für die moralischen Standards Gottes einzutreten

 

Motiviert werden sie dabei durch das Bemühen

  • sich von der „Welt“ abzugrenzen (oder was sie dafür halten)
  • und / oder aufzufallen durch „heiliges“ Verhalten

Verständlich wird die eigentlich schräge Haltung dieser „Versuchten“, wenn man bedenkt, daß für sie, die unter dem Gesetz sind,  das Brechen des Gesetzes (oder was man dafür hält) die Versuchung faßbar macht. „Brech das Gesetz!“ raunt da eine innere Stimme – die man dann mit Hilfe des selben Gesetzes zum Schweigen bringen will.

Und was alles verboten ist, das wird oft facettenreich von der Kanzel aus erklärt: im Namen eines heiligen Lebens „für Jesus“. So läuft man rum mit dem „göttlichen Standard“, der zu erfüllen ist [und den nur Jesus erfüllen konnte]. Im Ergebnis bleibt von Jesus, der das Leben ist und uns lebendig gemacht hat, nicht viel übrig.

Denn wer getan hat, was das Gesetz fordert, der wird leben. Und da das perfekt geschehen muß, kommt es auch nie zu Leben und Lebendigkeit.

Gal 3,12 Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: „Wer diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.“

Ganz anders wäre das, wenn die Versuchung nicht als Drang, das Gesetz zu brechen, definiert wird. Versuchung unter der Gnade ist

  • sich eben auf anderes zu verlassen als diese Gnade!
  • zu leugnen, daß wir schon alles haben – bevor auch nur irgendeine gute Tat getan haben.

Belegt wird diese Sicht etwa durch einen Blick auf Jakobus 1, in dem das berühmte „Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet“ steht.  Schaut man sich den Kontext an, geht es um die Beseitigung von Mangel (Vers 4), daß Gott gerne gibt (Vers 5), um das Empfangen von Gott (Vers 7), um Geschenke und Gaben von Gott (Vers 17). Versuchung bzw. Prüfung (wie es auch übersetzt werden kann) spielt sich in diesem Zusammenhang ab: empfange ich von Gott – oder mache ich mir selbst was.

„Alles, was nicht aus Glauben [an die Gnade Gottes] ist, ist Sünde“ (Römer 14,23)  Oder Jesus selbst: „Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben“ (Johannes 16,9). Wobei natürlich die Glaubens-Gesetzis daraus auch gleich wieder ein Gesetz machen: „Du musst GLAUBEN!!“

Aber dadurch wird es auch viel schwerer, die Versuchung zu erfassen als unter Gesetz – denn wir sind noch ungeübt, die Dinge ganz anders zu sehen: „Tue ich das aus Glauben an die Gnade?“ ist ein völlig neues Terrain. Es leiten einen keine Schuldgefühle. Man kann sich nicht auf Regelkataloge zurückziehen. Es ist Ehrlichkeit gefordert.

Kein Wunder, bleiben die „Versuchten“ lieber auf vertrautem Terrain. Da kennen sie sich wenigstens aus.

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