Jesus war ohne Sünde – das ist richtig.

 

Aber heißt das auch, dass er sich immer streng ans Gesetz gehalten hat? Nein

  • denn er verhindert, dass eine Steinigung durchgeführt wird, die eindeutig vom Mosaischen Gesetz so vorgesehen war
  • ebenso verteidigt er der Gesetzesbruch seiner Jünger, als sie am Sabbat Ähren abrupfen Mt 12,1
  • Johannes sagt ausdrücklich, dass Jesus den Sabbat aufhob: Joh 5,18
  • Jesus verteidigt den Gesetzesbruch von David Lk 6,3
  • sein Konflikt mit seiner Mutter und seinen Brüdern zeigt, dass er seine Eltern nicht geehrt hat – jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne
  • Jesus berührt ständig Unreine, wie sie vom Mosaischen Gesetz definiert werden: Aussätzige, an „Ausfluß“ Leidende

 

Außerdem führte er das Prinzip Barmherzigkeit in das Mosaische Gesetz ein. Wären die Pharisäer darauf eingegangen, hätten sie über kurz oder lang erlebt, dass große Teile des Gesetzes außer Kraft gesetzt worden wären – durch das übergeordnete Prinzip Barmherzigkeit.

 

Nun kann man natürlich nach Art des Gesetzes lange darüber streiten, ob hier in allen Fällen wirklich Gesetzesbrüche vorliegen. Aber wer mal die Strenge des Mosaischen Gesetzes auf sich wirken läßt, wird schnell merken, dass Jesus diese Strenge nicht teilte.

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  1. Kleine Ergänzung: Jesus forderte auch dazu auf das im Mosaischen Gesetz verankerte Konzept der Unreinheit zu hinterfragen (Mat 15). Es werden dort ja unreine Speisen, Tiere, Hauterkrankungen, Sexualakte etc. genannt Die Frage Jesu war nun: Was steckt hinter der Unreinheit, ein moralisches Fehlverhalten oder nur eine Angst vor körperlicher Verunreinigung bzw. Krankheit? Er stellte fest, dass wirkliche Unreinheit, moralische Unreinheit ist und aus dem Herzen der Menschen kommt: böse Gedanken, Ehebruch, Mord, Lästerung etc.
    Hier lässt sich z.B.gleich aus heutiger Sicht die Frage stellen, wie steht es mit dem Verbot des homosexuellen Geschlechtsverkehrs, Regeln nach dem Geschlechtsverkehr von Mann und Frau, Verbot der Berührung menstruierender Frauen, des Berührens von Leichen etc. aufgrund von Unreinheit? Was liegt jeweils zugrunde? Amoralisches, böses Verhalten oder Angst vor Krankheiten, Seuchen?

  2. Ergänzend zitieren wir aus diesem Kommentar https://konsequentegnade.wordpress.com/freiheit-vom-gesetz/abfallige-auserungen-uber-das-gesetz/#comment-967

    „Allgemein wird behauptet, dass Jesus mit seinen Heilungen am Sabbat nicht das heilige Gebot als solches angriff und damit auch kein Zeichen gegen die Heiligkeit der 10 Gebote/Gesetz gab. Er habe nur zeigen wollen, dass in akuten, schweren Not/Ausnahmefällen vom Gebot abgewichen werden kann. (etwas, was ohnehin schon im Gesetz stand).
    Aber stimmt das? Bei genauerem Hinsehen wirkt Jesus viel radikaler! Fast alle seine Sabbat-Heilungen, waren nämlich keine akuten Notfälle! Er hätte ohne weiteres am nächsten Tag heilen können, ohne, dass den Personen ein weiterer Schaden entstanden wäre (wie ein Arzt, der Sonntags keine Sprechstunde hat). Damit wäre der Heiligkeit des Gesetzes/10 Gebote entsprochen gewesen! Seine Heilungen waren wohl viel eher bewusste Zeichen, genau für diesen Tag geplant. Er spielte damit bewusst mit der Todesstrafe!
    Z.B. Das berühmteste Zeichen – der Mann mit der verdorrten Hand: Jesus geht in die Kirche (Synagoge), der Mann bittet gar nicht um Hilfe! (keine akute Notsituation), Jesus heilt trotzdem gegen das Gesetz am Sabbat. „Am Sabbat ist es erlaubt Gutes zu tun“ – allein mit diesen Worten begründet der Messias sein Handeln. „Voll Zorn und Trauer“ (Mk 3) ist er über die Priester, die nicht so denken, wie er.
    Eigentlich ein klares Zeichen: Nächstenliebe/Gnade steht immer über dem Gesetz, das Gesetz ist im Prinzip nur eine Richtlinie. (Es ist wahrscheinlich sogar die einzige Stelle im NT, wo Jesus direkt als zornig und traurig beschrieben wird!?)“

  3. „Thieves in the Temple“??!
    (wenn zu spekulativ, einfach löschen!)

    Ihr erwähnt oben den „Gesetzesbruch Davids“, den Jesus als Entschuldigung für den Gesetzesbruch seiner Jünger anbringt. Dies könnte eine der explosivsten (+komplexesten) Stellen des NT sein ??! (bin mir nicht sicher)
    Jesus deutet diese Episode aus dem AT nämlich so, als sei David in den Tempel gegangen und habe von den heiligen Broten gegessen und an seine Freunde verteilt („Wie er in das Gotteshaus ging und aß die Schaubrote, die doch weder er noch die bei ihm waren essen durften…“ Mat 12) – und zwar nicht alte, bereits weggenommene, sondern geweihte, dirket vom heiligen Tisch. Wenn das so war, wie Jesus es indirekt darstellt, dann hat David nicht nur einen einfachen Gesetzesbruch begangen, sondern ein für Juden schweres Verbrechen. Aber er war in Augen Jesu unschuldig!

    Jedenfalls erzählt Jesus die Geschichte des AT so, dass sie auf ihn verweisen könnte:
    Jesus/David öffnet den Weg in das Heilige, nimmt vom Brot des Lebens und gibt es seinen Freunden. Aber er ist kein Dieb im Tempel, der ihn in eine „Räuberhöhle“ verwandelt, denn: „Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10)

  4. Oft (absichtlich??!) übersehen: Jesu grundlegendster Widerspruch zum Gesetz! (10 Gebote)
    (wenn zu weitgehend , löschen!)

    Viele glauben an das Gesetz (10 Gebote) als abstrakte szs. philosophische Grundlage des Glaubens. Das ist aber laut Bibel nicht so! Es ist zeit- und buchstabengebunden an das AT – genauer gesagt an den Menschen des AT. Hier zwei Beispiele, wie selbst die 10 Gebote des AT im Widerspruch zum Bund Jesu und dessen neue Sicht auf den Menschen stehen:

    1. Die 10 Gebote definieren, die Frau nach Gen 2 als dem Mann untergeordnet: Die Frau ist sein Eigentum, seine Hilfe (10. Gebot). Dahinter steht der antike Gedanke, dass die wahre Liebe eigentlich männlich, heldisch, ist. Jesus hat dieser Auffassung z.B. im Abendmahl eine Absage erteilt. Jeder sei der Diener des Anderen, keiner habe einen natürlichen Vorrang. Nicht ohne Grund wird in Joh 1 vom Licht gesprochen, das in die Welt kam, um einen neuen Menschen zu schafffen, der nicht „aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren“ ist.
    2. Die 10 Gebote definieren den Menschen als „Diener/Sklave“ Gottes, der Gott voraussetzungslos als den Mächtigsten zu lieben und zu ehren hat. (vgl 1. Gesetzestafel, Schma Jisrael u.a). Jesus kehrt dies bewusst um, z.B. Joh 21: Jesus bittet Petrus – als „Freund“ – ihn und Gott zu lieben und an die Erlösung zu glauben. Bekannt ist auch das: „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.“ (1 Joh 4). Hier wird der neue Antwortcharakter der Gottesliebe deutlich: Der Mensch muss im Prinzip nur das an Liebe zurückgeben, was er in seinem Leben erfahren hat.

    Insgesamt kann man sagen, dass das NT den Anspruch auf einen neuen Schöpfungsakt des Menschen in/durch Jesus erhebt: Die alten Gesetze, Gegensätze und Streiterein der Welt usw. gelten nicht mehr, wie z.B. Paulus sagt: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus.“ Christen sind szs in ihrer Hoffnung „nicht von dieser Welt“ (Xavier N.), sie lassen die irdischen Gegensätze (z.B. Mann/Frau) hinter sich. (Dies sollte man auch bedenken, wenn es z.B. um Homosexualität geht, wie u.a. Prince paulinisch über die Liebe des Messias sang: I´m not a woman, I´m not a man…)

  5. (Hab ich mal gehört, etwas speziell, aber vielleicht interessant?)

    Pfingsten: Der ewige Geist Jesu vs. das Gesetz !?

    Das NT hält fest, dass die Jünger den Heiligen Geist am „Pfingsttag“ in Jerusalem empfingen: also am jüdischen Fest Schawuot. Das ist das Fest der 10 Gebote, der Tora: Man feiert ausgelassen den Tag, als am Sinai die Gesetzestafeln gegeben wurden – die „Heirat mit dem Gesetz“. Man preist in Gesängen und Tänzen dessen Herrlichkeit, den Eifer es zu glauben, den Kampf sich dafür einzusetzen usw. Aber die Jünger Jesu feiern an diesem Tag – wohl im Kontrast – ein anderes Fest: Sie feiern auf dem Zion den Heiligen Geist, der vom Himmel herabkam – den Geist der Gnade Gottes. Die alten Prophezeiungen hätten sich in Jesus erfüllt, der Glaube an die Gnade Gottes habe vom Tod gerettet: „Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen.“ (Ps 16, Apg 2) Sie feieren das Fest der Heirat mit dem Geist der Gnade Gottes, die Herrlichkeit des neuen Bundes, von dem Paulus sagt: „Wenn aber schon der Dienst, der zum Tod führt und dessen Buchstaben in Stein gemeißelt waren, (…) eine Herrlichkeit ausstrahlte, die doch vergänglich war, wie sollte da der Dienst des Geistes nicht viel herrlicher sein?“.(2Kor3) Hier wird ein Kontrast entfaltet: vergängliches, verurteilendes irdisches Gesetz vs. ewige umfassende Gnade Gottes. Der Glaube an Gottes umfassenden, heiligen Willen zur Gnade steht über jedem buchstäblichen, irdischen Gesetz. Interessant scheint in diesem Zusammenhang auch: Im altem jüdischen Pfingsten wurden Gott besondere Brandopfer dargebracht, deren Feuer und Rauch in den Himmel steigen sollten, um Gott gnädig zu stimmen. Im neuen Pfingsten nach Jesus kommt der heilige Geist der Gnade, der von den Sünden erlöst als Feuer vom Himmel zu den Menschen. Wohl so ähnlich, wie es J. der Täufer vorausgesehen hatte: Der Messias als Verkörperung der Gnade Gottes wird nicht mit Wasser, sondern mit „Feuer taufen“, szs. mit dem heiligen Geist die Sünde für immer verbrennen und nicht bloß vorübergehend abwaschen !?

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